Editor's Blog Abzocke am Flughafen

"Was mache ich bloß zehn Stunden lang in diesem verdammten Flughafen?" Diese Frage stellte mir jüngst meine beste Freundin in freudiger Erwartung eines Fluges von Hamburg nach Sydney mit einem fast halbtägigen Zwischenstopp in Dubai. "Augen zu und durch", lautete meine Antwort.

Gerade ein längerer Aufenthalt in dem Flughafen des Emirates hat seine Tücken. Die Scheichs haben schon ihre Gründe dafür, warum sie Passagiere auf dem Durchflug ein wenig länger als nötig in Dubai festhalten: Das Bruttosozialprodukt muss angekurbelt werden. Die beiden Wörter "Duty Free" und die pompöse Inszenierung der glitzernden Einkaufswelt lassen selbst Menschen mit einem Igel in der Tasche zu ihrem Portemonnaie greifen. Wenn das Unterbewusstsein stundenlang mit mehr oder weniger dezenten "Jetzt kaufen!"-Botschaften bombardiert wird, hat man (und Frau sowieso) keine Chance und muss einfach shoppen.

Auch ich tappte in Dubai fast in die Schnäppchen-Falle und hätte mir beinahe eine schicke Uhr gekauft, die statt 3500 "nur" 2000 Euro kosten sollte. Natürlich brauchte ich das Zeiteisen überhaupt nicht, aber ein innerer Drang ließ mich minutenlang meine Kreditkarte anstarren. Erst der etwas barsche Hinweis meiner damaligen Lebensgefährtin auf meinen bedenklichen Kontostand und die nicht einmal 15 Euro in der Brieftasche brachten mich von meiner Kaufentscheidung ab. Außerdem entriss sie mir brutal das Plastikgeld.

Netterweise bietet der Flughafen in Dubai Transitreisenden außer dekadenten Ladenzeilen noch etwas anderes an: einen kostenlosen Ruheraum, für den man kein First- oder Business-Class-Ticket braucht. In den Quiet Lounges darf jeder Passagier sich ablegen und die Zeit bis zum Abflug im Schlaf verbringen. In Frankfurt oder Paris sucht man meines Wissens nach solch einem Service vergebens.

Zehn oder mehr Stunden auf einem europäischen Großflughafen können zu einer Ewigkeit werden. Während man im Singapur Changi International eine Gratis-Stadtrundfahrt angeboten bekommt oder umsonst ins Kino darf, bleibt einem in unseren Breitengraden meist nur eine unbequeme Sitzbank und der starre Blick auf seine ebenfalls genervten Mitreisenden. Ständig muss man aus Sicherheitsgründen sein gesamtes Handgepäck mit auf Toilette nehmen. Denn sollte es zu irgendeinem Zeitpunkt unbeaufsichtigt stehen, wird es entweder geklaut oder vom Bombenräumtrupp zur Explosion gebracht.

10 Minuten Sitzen für 2 Euro

Auf der Suche nach Entspannung findet man meist nur merkwürdige Massage-Sessel, die nicht den Hauch von Privatsphäre bieten. Lassen Sie sich gerne in aller Öffentlichkeit durchschütteln? Ich nicht. Außerdem zweifle ich stark daran, dass ein vibrierendes Möbelstück tatsächlich die Shiatsu-Massage beherrscht. Auch wenn der Flughafen München das Gegenteil behauptet. Für zehn Minuten Sitzen werden hier übrigens zwei Euro berechnet.

Die Abzockmentalität der Flughäfen kennt keine Grenzen. Von den unverschämt teuren Getränkeautomaten bis zu den ungemütlichen Bistros, in denen ein labbriges Sandwich soviel kostet wie sechs Meter Baguette in der normalen Welt - dem gestrandeten Economy-Reisenden wird ständig in die Tasche gelangt. Ebenfalls ärgerlich ist die penetrante Geschäftemacherei mit der Internetverbindung. Anstatt den Zugang ins weltweite Netz gratis anzubieten, kassieren die Flughäfen auch beim W-LAN fleißig ab. Nur wer zumindest ein Business-Class-Ticket hat oder irgendwie Mitglied in einem der schicken Vielflieger-Programme ist, darf sich auf eine kostenlose Oase in der Servicewüste Flughafen freuen. In den Lounges hat man es noch gut. Der Gratis-Kaffee fließt in Strömen.

Da lobe ich mir den Aberdeen Airport. Der kleine schottische Flughafen wird hauptsächlich von raubeinigen Arbeitern frequentiert, die mit dem Hubschrauber auf ihre Bohrinsel gebracht werden sollen. Dementsprechend bodenständig sind die gastronomischen Angebote für die Reisenden. Und natürlich steht hier "Duty Free" noch immer für billigen Schnaps sowie Zigaretten und nicht für irgendwelche Sonnenbrillen von Gucci oder Uhren von Tag Heuer.

Nachdem mein Flug wegen schottischen Nebels abgesagt wurde, schwante mir zunächst nicht Gutes. Mit Freuden stellte ich jedoch fest, dass der Hauptbestandteil des Gates ein riesiger Tresen samt Barmann war. Die Airline spendierte sogar Freibier, um die Wartezeit zu überbrücken. Die folgenden elf Stunden vergingen wie im Fluge. Und ein netter Putzmann weckte mich am späten Abend sogar noch rechtzeitig zum Boarding. Danke dafür.

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Autor:
Denis Krah