Deutschland Dresden: Nachhaltiger Ausflug

Dresden von seiner grünen Seite An der Elbe sind heute wieder Angler zu sehen, die Zander, Hecht und Aale herausholen, denn die Wasserqualität hat sich seit der deutschen Einheit erheblich verbessert. Ebenso verbessert hat sich die Luftqualität. Und was die Bauern und Gärtner heutzutage ernten, ist nicht mehr wie zu DDR-Zeiten mit Schwefeldioxyd belastet. Vieles ist Bio!

Angeboten werden die ökologischen Produkte auf den Märkten, aber auch immer mehr in den Geschäften. In den Küchen der Restaurants kocht man in zunehmendem Maße mit frischen, regionalen Produkten - das Bio-Zeichen ist jedoch leider auf den Speisekarten viel zu selten zu sehen. Wer in einem Bio-hotel wohnen möchte, der muss gegenwärtig noch vor den Toren Dresdens nächtigen.

Dass sich aber auch in Dresden immer mehr Menschen für Umweltthemen interessieren und sich für ihre Umwelt engagieren, das beweist eindrucksvoll der entstehende städteökologische Erlebnispfad. Er soll nicht nur die Dresdner, sondern auch ihre Gäste auf anschauliche und kurzweilige Art und Weise für ein Umweltbewusstsein motivieren.

Übernachten

Bio & Nationalparkhotel Helvetia

Vor den Toren von Dresden empfängt Sachsens erstes Biohotel seine Gäste. Viel Licht, reichlich Holz, helle Farben, ein schöner Garten mit Liegestühlen und eine 100 Prozent Bio-Vital-Küche. Eine ganze Etage ist mit Elektrosmog reduzierten Zimmern ausgestattet, mit Blick zur Elbe oder zu den Sandsteinfelsen. Im gesamten Hotel wird nur "belebtes Wasser nach Johann Grander" verwendet, das besonders rein und haltbar ist und den Gesundheitszustand und die Stimmung der Verbraucher verbessern soll. In den Leitungen fließt zertifizierter Ökostrom, und selbst Textilien, Pflegemittel und Kosmetik sind biologisch hergestellt. Alle Zutaten in den Speisen und Getränken stammen aus kontrolliert biologischem Anbau, zum überwiegenden Teil aus der Region: Die Schafe weiden auf der Wiese bei Schmilka, das Streuobst für die Säfte wird in Thürmsdorf geerntet, die Kartoffeln liefert der Bio-Bauer aus Sürßen, der Ziegenkäse stammt aus Lauterbach, und das frische Gemüse und die feinen Kräuter kommen aus dem eigenen Garten.

Ortsteil Bad Schandau, Schmilka Nr. 11 • S-Bahn und Schiff • Tel. 03 50 22/9 22 30 • 22 Zimmer • €€

Essen und Trinken

Birke Spezialitäten

Früher ging es ohne Chemie, warum soll es heute nicht auch ohne gehen? Diese Frage stellte sich Fleischermeister Joachim Birke vor vielen Jahren. Er suchte und fand Bauern, die seine Meinung teilten. In seinem Gasthaus kommt nur Bio-Fleisch auf die Tische. Schweinefleisch und Geflügel bezieht er vom Biopark im mecklenburgischen Malchin, wo auf artgerechte Tierhaltung und Weidegang gesetzt wird. Herbizide und Insektizide haben hier keine Chance, auf Masthilfsmittel sowie Hormone und Fütterungsantibiotika verzichtet man. Das Lammfleisch liefert zum Teil die Schäferei Reichstädt in Dippoldiswalde. Das Wild wird großenteils in den umliegenden Wäldern selbst geschossen, den Fisch bringen fangfrisch mit dem Haus befreundete Fischer. Die leckere Hausmannskost bereitet man frisch zu, serviert wird Öko-Bier aus einer kleinen Familienbrauerei in Neuendorf in der Altmark und Öko-Wein aus Langenlohnsheim/Nahe. In Birkes Fleischerei neben dem Wirtshaus gibt es nur Bio-Erzeugnisse. Herkunft und Aufzucht können lückenlos belegt werden.

Pieschen • Rehefelder Str. 66 • Straßenbahn: Alt-Pieschen • Tel. 8 49 56 87 • Mo-Sa 11-15 Uhr • €€

Café Saite

Brötchen, Milch, Honig, Eier, hausgemachter Kartoffel- und Nudelsalat, Käse - vieles ist 100 Prozent Bio und stammt von regionalen Erzeugern. Der Wild-Lachs ist hausgebeizt, und die Waffeln sind selbst gebacken. Hinter den meisten Gerichten der Speisekarte steht das Zeichen Bio, auch bei "Schweineschnitzel mit Buttermöhrchen und Kartoffeln". Inhaber Bernd Beyer: "Alles ist Bio, das Fleisch sowie die Möhren und Kartoffeln kommen vom Vorwerk Podemus aus Dresden." Weitere Lieferanten sind unter anderem das Stadtgut Görlitz für Eier und Obst, der Milchschafhof Bärenstein, Falk Bräuer für Schafskäse, der Ziegenhof Lauterbach für Ziegenkäse, der Biohof Jauernick für Gemüse und die Biobäckerei Heller aus Dresden. Das bereits 2001 biozertifizierte Café Saite war das erste in Sachsen. Wer Jazz mag, schaut montags vorbei, da gibt es ab 20 Uhr Livemusik.

• Neustadt • Seitenstr. 4 b • Straßenbahn: Tannenstraße • Tel. 8 02 44 52 • Mo-Sa 18-24 Uhr, So 10-15 Uhr • €€

Einkaufen

Bauern- und Erzeugermarkt

Obst und Gemüse entsprechend der Jahreszeit, viele Blumen, aber auch Molkereierzeugnisse, Säfte und Wein. Angeboten werden auf dem kleinen Platz mit Schatten spendenden Bäumen rund um den historischen Rebeccabrunnen ausschließlich landwirtschaftliche Produkte aus eigener Herstellung sowie ökologisch erzeugte Waren. Wer seinen Stand auf Dresdens Bauern- und Erzeugermarkt aufbaut, hat die Produkte meist erst am Morgen auf den Feldern und in den Gärten der Umgebung geerntet. Der Spargel beispielsweise kommt im Mai und Juni aus der Meißner Gegend. Ab und zu wird das Marktgeschehen durch kleine Feste bereichert. Wer an dem Markttag nicht in Dresden weilt, sollte sich den Freitag vormerken, da findet von 8-17 Uhr auf der Lingner Allee nahe beim Hygiene-Museum Dresdens größter Wochenmarkt statt, auf dem auch viele Bio-Produkte im Angebot sind. Hervorgegangen ist dieser Markt nach der Wiedervereinigung aus dem sogenannten Forum-Markt. Den hatte die Bürgerbewegung "Neues Forum" ins Leben gerufen, um regionalen Produkten zu einer fairen Chance zu verhelfen.

Bauern- und Erzeugermarkt • Neustadt • Königstraße • Straßenbahn: Neustädter Markt • Sa 9-13 Uhr

Bio-Sphäre Naturkost

"Vollwertige Bio-Milch, frische Eier aus Freitierhaltung - Sie schmecken den Unterschied", erläutert René Bradatsch den Kunden seines Bio-Marktes. Wer persönliche Beratung schätzt und Zeit für ein Gespräch hat, bekommt das als kostenlose Zugabe. Man erfährt, woher die Produkte stammen, und erhält, wie nebenbei, noch Zubereitungs- und Rezeptetipps. Biologisch erzeugte Lebensmittel, ökologische Naturwaren, Naturkosmetik und ökologische Reinigungsmittel, Obst und Gemüse, Brot und Backwaren, Molkereiprodukte und Käse - alle Produkte stammen aus ökologischem Landbau und biologischer Produktion und kommen täglich frisch in den Bio-Markt. Drei regionale Bäcker sorgen für Abwechslung im Brotregal, Produzenten aus dem Umland, die sich auf Schafmilchprodukte spezialisiert haben, und biologisch bewirtschaftete Bio-Höfe mit eigener Milch- und Joghurtherstellung runden das Sortiment im gut sortierten Milchprodukteregal ab. Die angebotenen Soja- und Seitanprodukte sind eine wohlschmeckende Alternative für alle Vegetarier oder Menschen, die Milch- bzw. Fleischprodukte nicht vertragen.

• Äußere Neustadt • Königsbrückerstr.76 (Eingang vom Bischofsweg) • Straßenbahn: Bischofsweg • Tel. 8 04 44 66

Aktivitäten

Stadtökologischer Erlebnispfad Dresden-Süd

Einwohner und Gäste Dresdens werden hier auf ökologische Besonderheiten in der Stadt aufmerksam gemacht, man möchte sie zum umweltbewussten Handeln motivieren. Der im Aufbau befindliche Erlebnispfad besteht aus sogenannten Stationen. Dort stehen Informationstafeln und Schauobjekte. Die höchstgelegene Station beim Bismarckturm auf der Räcknitzhöhe, von dem sich ein weiter Blick auf die Elbestadt bietet, widmet sich dem Thema "Stadtklima". Hier wird verdeutlicht, wie Bebauung das Mikroklima verändert. Dazu wurden vier Metallwürfel mit Auflagen aus Materialien aufgestellt, wie sie beim Hausbau verwendet werden.

Die Temperatur der verschiedenen Würfel wird mit der Temperatur des angrenzenden Rasens verglichen. Damit demonstriert man, wie sich die Temperatur durch bebaute Flächen gegenüber Vegetationsflächen erhöht. Die nächste Station im Volkspark Räcknitz vermittelt Wissenswertes zum Leben der Bienen. Von hier läuft man die Heinrich-Greif-Straße entlang, geht über den Zellerschen Weg und kommt zur dritten Station am Beutlerpark, wo auf dem Asphalt Baumwurzeln aufgemalt sind. Sie sollen auf ökologische Probleme von Stadtbäumen aufmerksam machen. Die nächste Station in der nahen, von Ginkgobäumen gesäumten Franklinstraße informiert über die Geschichte und die Lebensweise der Ginkgobäume. Der Erlebnispfad Dresden-Süd ist Teil eines Netzes, das der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. zusammen mit dem Arbeitskreis "Lebensraum Stadt" der Lokalen Agenda 21 für Dresden e. V. nach und nach in verschiedenen Stadtteilen Dresdens aufbaut.

Südvorstadt/Räcknitz • Straßenbahn: Racknitzhöhe

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Dieser Text von Bernd Wurlitzer ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Dresden".

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