Schleswig-Holstein Herrenhäuser an der Ostsee

Schloss Glücksburg

Ein weiß verputzter Backsteinbau aus drei aneinandergebauten Giebelhäusern, daran vier Ecktürme - macht alles zusammen ein Quadrat. Aber was für eines: Glücksburg ist eine Wucht, eines der schönsten Schlösser des Nordens. Zwischen 1583 und 1587 errichtet, ist es das Gemeinschaftswerk des Bauherrn Herzog Johann des Jüngeren zu Schleswig-Holstein-Sonderburg und seines Baumeisters Nickels Karies. Ein strenger Renaissancebau, der sich über die Jahrhunderte fast rein erhalten hat.

Seine Besitzer aber wechselten ständig - nach seiner Zeit als herzogliche Residenz fällt Glücksburg zurück an die dänischen Könige, gerät dann an die jüngere Linie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, also jene 1825 gegründete Nebenlinie, von der gleich mehrere Könige und Prinzessinnen der regierenden Häuser von England, Russland, Griechenland, Norwegen abstammen. Auch die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria war öfter in Glücksburg, während ihr Wilhelm II. lieber nahebei auf seiner Staatsjacht weilte.

Das ist lang her, längst leben die Schleswig-Holsteins auf dem nahe gelegenen Gut, 1922 wurde das Schloss in eine heute gemeinnützige Stiftung eingebracht und ist als Museum öffentlich zugänglich. 50.000 zahlende Besucher rutschen hier jährlich auf Filzpantoffeln über das Parkett, es muss sich ja alles auch rechnen. Vom ursprünglichen Mobiliar ist so gut wie nichts mehr erhalten, doch die jüngere Linie derer zu Schleswig- Holstein hat wieder was herzuzeigen: Wertvoll sind die flämischen Tapisserien und Goldleder tapeten des 18. Jahrhunderts, auch die von der Kaiserin persönlich gewünschten sanitären Anlagen. Und das heutige Oberhaupt der Familie, Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, ist sehr stolz, seinen Gästen ein ganz normales, scheinbar bewohntes Schloss zeigen zu können - auch wenn hier niemand mehr zu Hause ist.

Besichtigungen: Mai-Sept. täglich, Okt. Di-So, Nov.-April Sa und So;

Prachtbau in Blütezeit

Schloss Plön

Weiß leuchtend erhebt es sich über See und Stadt - Plön, Schleswig-Holsteins zweitgrößtes Schloss nach Gottorf. Ein berauschender Anblick: Nie ging es dem Prachtbau in seiner knapp 400-jährigen Geschichte besser als heute, wo er Sitz der gemeinnützigen Fielmann-Akademie ist, nie war er reicher ausgestattet. Ein Schloss im Glück.

Plön ist in Schleswig-Holstein der bislang größte Immobilienerwerb des erfolgreichen Augenoptikers Günther Fielmann. Er kaufte das Anwesen 2002 für 3,6 Millionen Euro, nachdem die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis ihm die marode Immobilie angeboten hatte - das Land konnte die Kosten für Unterhalt und Renovierung nicht mehr aufbringen. Die einstige Residenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön entstand während des Dreißigjährigen Krieges, sie gilt als herausragendes Beispiel für die Architektur zwischen Renaissance und Barock. Allerdings diente der Bau nur vier Herzögen und wurde 1761 Eigentum der dänischen Könige, die hier gelegentlich im Sommer residierten.

Danach nutzten die verschiedensten Träger Schloss Plön als Ausbildungsstätte: Ab 1868 war es preußische Kadettenanstalt, in der Weimarer Republik staatliche Bildungsanstalt, im Nationalsozialismus "Nationalpolitische Erziehungsanstalt", und bis zum Jahr 2001 beherbergte hier ein staatliches Internat seine Schüler. Im Lauf der Zeit wurden die großzügigen barocken Korridore mit Leichtbauwänden zu Schülerzimmern zerhackt, die Ziegel mürbe und der Dachstuhl marode. Ein Schloss ohne Perspektive, fehl- und abgenutzt. Gut 34 Millionen Euro hat die Renovierung gekostet, ein gutes Drittel davon zahlte der Staat.

Schloss Plön, Sitz und Besitz der Fielmann-Akademie, ist eine hochmoderne Fortbildungsstätte für Augenoptiker. Die ehemaligen Prunkräume, Schlosskapelle und Gruft wurden mit viel Sorgfalt und Geld restauriert und eingerichtet, der Perfektionist Fielmann bestückte das Schloss mit nordischen Antiquitäten im Wert von sechs Millionen Euro. Der Bestand braucht den Vergleich mit einstigen herzöglichen Kollektionen nicht scheuen, auf Plön kümmert sich eine eigens dafür eingestellte Kunsthistorikerin um die Pflege der Sammlung. Fielmann ist ein Überästhet, der selbst an die Salzstreuer in der Kantine gewisse Ansprüche stellt. Warum macht er das alles? "Mit meinem Engagement möchte ich Identität und Gemeinschaft fördern", antwortet er. Und fährt mit großer, fast adliger Geste fort: "Non mihi, sed posteris" - "nicht für mich, sondern für die Nachkommenden".

Führungen: Mi abends, Do, Sa, So nachmittags, nur nach Voranmeldung: Tel. 04522 8010 oder

Der Rolls-Royce unter den Herrenhäusern

Herrenhaus Borghorst

Herrenhäuser sind lebendig, solange sie bewohnt werden. Stehen sie leer, sterben sie. Haben sie aber Glück, dann kommen neue Besitzer, die sie ebenso achten wie ihre Erbauer. Borghorst hatte Glück, denn Caroline Hatlapa zog ein. Als die österreichische Dressurreiterin 1995 zusammen mit ihrem Mann den Bau kauft, ist das Haus nahezu unbewohnbar - Schwamm in den Wänden, die Treppe rott, von den siebzig Fenstern sind nur noch zehn erhalten. "Wenn Borghorst nicht so desaströs gewesen wäre, hätten wir es uns nicht leisten können", sagt Hatlapa.

Anderthalb Jahre verhandelt das Paar, ein Jahr räumen die beiden aus, bauen zurück, dann baut sie - mittlerweile ohne Mann - wieder auf. Herrenhäuser sind gnadenlose Beziehungstester. Borghorst aber bleibt ihr, ist Caroline Hatlapas große Liebe: "Gleich beim ersten Mal war ich wie vom Donner gerührt." Nur mit dieser gehörigen Portion Verrücktheit kann man sich solchen Häusern nähern. Was dabei herauskommt, ist jener Typ Herrenhaus, um den sie viele jener Familien Schleswig-Holsteins beneiden, die schon seit Generationen in ihren Häusern leben und, wenn überhaupt, nur peu à peu renovieren.

Caroline Hatlapa hat mit Borghorst einen kompletten Neustart gewagt: Jede Leitung ist neu gelegt, jeder Boden ausgewechselt, der Putz von den Wänden geschlagen, Vorhänge sind genäht, an den frisch gestrichenen Decken hängen neue Kronleuchter. "Heute ist Borghorst absolut clean. Der Rolls-Royce unter den Herrenhäusern."

Sechs Jahre harte Arbeit waren das, jetzt ist alles perfekt: ein einstöckiger backsteinerner Querbau mit zwei Seitenflügeln, eingefasst von einem mittelalterlichen Grabensystem mit zwei doppelreihigen Lindenalleen. Innen eine stilsichere Mischung aus gediegener Behaglichkeit und Gastlichkeit - Caroline Hatlapa vermietet Ferienwohnungen, bietet Hochzeitsarrangements, einen perfekten Stall, lädt Gäste zum Theaterdinner. Sie lebt von ihrem Haus, es hat ihr Kraft gegeben: Sie hat einen Rosengarten angelegt, organisiert Reitseminare. Und sie hat eine neue Heimat gefunden.

Führungen, auch mit Kaffee und Kuchen, nach Voranmeldung: Tel. 04346 368232;

Das Leben ist kein Ponyhof

Herrenhaus Kletkamp

Es gibt Orte, die machen glücklich. Kletkamp ist einer davon. Eine kleine Gemeinde umschlossen von sanften Hügeln, und mittendrin leuchtet das weiße Herrenhaus, das älteste Schleswig- Holsteins. Seit nunmehr zwölf Generationen leben hier die Brockdorffs, eines der großen altholsteinischen Adelsgeschlechter der equites originarii, der "ursprünglichen Ritter".

1250 stand hier eine Wasserburg, das heutige Herrenhaus liegt am selben Platz, nur mit anderer Ausrichtung. Der Kern des Gebäudes stammt nachweislich aus dem Jahr 1547. Damals ist Kletkamp im Besitz der Rantzaus, ebenfalls eine der uradligen Familien. 1612 fällt das Gut durch Heirat an die Brockdorffs, ein baulustiges Geschlecht, das vermutlich alles, was auf dem Hof heute noch an großartigen Gebäuden herumsteht, errichtet hat.

Auch die Umgestaltung des Herrenhauses geht auf sie zurück. Denn das Haus hat heute zwei Gesichter: Zur Parkseite hin eine eher schmucklose Front aus glattem, rotem Backstein, sehr bodenständig, sehr holsteinisch. Ganz anders und eher dänisch (oder holländisch, so genau sieht man das nicht) mutet die Vorderseite an: ein weißer Renaissancebau, gekrönt von einem Giebelturm von 1676, überformt mit barocken und klassizistischen Bauelementen. Davor steht das imposante Torhaus mit einer Fassade, die viele über 40-Jährige kennen: "Immenhof", die beiden Fortsetzungsfilme aus den Siebzigern mit Heidi Brühl und Horst Janson, Ponyferien, Kinderglück. Als hier gedreht wurde, war das Herrenhaus in zwölf Ferienapartments unterteilt und die Brockdorffs wohnten noch im Inspektorhaus.

"Kletkamp ist ein guter Ort", sagt Renata Gräfin von Brockdorff. "Aber 400 Jahre können auch drücken. Man fängt jung und dynamisch an und merkt erst mit der Zeit, was es eigentlich bedeutet, so einen Betrieb durch eine Generation zu führen." Seit 1999 lebt die Familie nach umfangreicher Sanierung wieder im Herrenhaus, die oberen zwei Etagen sind vermietet. "Schwamm kann man nur rauswohnen", sagt die Gräfin.

Auch in das stattliche Torhaus und ins ehemalige Waschhaus ziehen am Wochenende Städter auf Kurzurlaub. Kletkamp lebt von den rund dreißig Vermietungen und rund 900 Hektar Land, die zum Gut gehören. Eine Biogasanlage bringt zusätzliches Einkommen. Manchmal verdient die Gräfin noch etwas dazu, wenn die Landfrauen auf eine Besichtigung vorbeikommen oder interessierte Professoren. Die haben vor einiger Zeit bei ihrem Rundgang die schönen biblischen Szenen an der Decke des heutigen Büros als frühe Schablonenmalerei identifiziert. Ein Gut wie Kletkamp zu unterhalten, kostet Geld. Das Leben ist eben kein Ponyhof.

Führungen nur nach Voranmeldung: Tel. 04381 9080

Zu Besuch bei Ingwersens "Fünfmal-Urenkel"

Herrenhaus Gelting

Zwölf Kilometer nördlich von Kappeln liegt eine von Baumriesen verschattete, schmale Zufahrt. Ein niedriges Torhaus, ein Wassergraben, der Wagen holpert über Kopfsteinpflaster. Und dann öffnet sich der Blick auf das dreiflügelige Herrenhaus mit dem mittelalterlichen, runden Turm zur Linken. Zugegeben, es könnte einen neuen Anstrich vertragen, aber eigentlich ist das nicht so wichtig, weil die fast vier Meter hohen und vielfach gesprossten holländischen Schiebefenster im Mittelbau die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Gelting ist eines der ältesten Güter in Angeln, 1231 zum ersten Mal erwähnt, ist es gleich dreimal im Besitz der dänischen Könige, bevor diese es 1758 an einen gewissen Sönke Ingwersen aus Nordfriesland für 85.000 Reichstaler verkaufen. Mit lustig hochgezwirbeltem Bart wartet Victor Baron von Hobe-Gelting heute auf der Treppe und empfängt seine Gäste. "Fünfmal-Urenkel" des alten Ingwersen sei er, und neben ihm steht seine holländische Frau.

Holland also: Schon der bürgerliche Sönke Ingwersen hatte sein riesiges Vermögen einst in der niederländischen Ostindienkompanie gemacht und dann in der Heimat nach einem Herrensitz gesucht. 1758 erwirbt er Gelting vom dänischen König, wird in den Adelsstand erhoben und gestaltet das Haus von Grund auf neu - in holländischer Manier. Um das Innere schnell mit großer Kunst zu bestücken, beschäftigt er die italienischen Brüder Francesco Antonio und Michael Angelo Tadei, deren schönstes Werk die Stuckreliefs im Festsaal des Obergeschosses sind - eine Hommage an den weit gereisten Hausherrn. Bezaubernd auch die handgeschöpfte Papiertapete im Chinesischen Kabinett.

Besucher haben hier keinen Zutritt, deshalb fahren sie weiter in die Birk, jenes verwunschene Naturschutzgebiet, das auch zum Besitz derer von Gelting gehört. Dort hat die heutige Baronin die alten Angestellten-Katen zu feinen Ferienhäusern umgestaltet. Die finanzieren mittlerweile zusammen mit der Landwirtschaft das Herrenhaus.

Unterkunft in der Geltinger Bucht: Ferienhäuser Schloss Gelting, Tel. 04643 208896,

Das Nützliche neben dem Schönen

Gut Behrensbrook

Als sei es ein wenig der Welt entrückt, liegt Behrensbrook in den ausrollenden Hügeln des Dänischen Wohld. Eine Ideallandschaft, eine von denen, wo der Blick weit reichen und sich doch immer wieder festhalten kann an Baumgruppen, Feldrainen, einem Teich. Das Gutshaus ist ein schlichter, doppelflügeliger Bau mit Haupthaus. Ein ehemaliger Meierhof, der im 18. Jahrhundert vom Gut Lindau abgetrennt und als ausgegliedertes Zentrum der Milchwirtschaft 1806 in die adligen Güter aufgenommen wird.

Zu den Besitzern zählen im Lauf der Zeit einige der alten, eingesessenen Familien: Ahlefeldt, Qualen, Rantzau, schließlich gelangt Behrensbrook an Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. 1986 kaufen Sylvia und Rudolf Bonse das Gut und bewirtschaften es. Ein weiterer landwirtschaftlicher Betrieb gehört dazu, auch eine Biogasanlage, einige Vermietungen - alles zusammen bringt genug, um gut davon zu leben.

Ein langer Flur prägt das Innere des Hauses. Alle Zimmer gehen von hier ab - nicht viel Platz für große Auftritte, aber genug Raum, um Gäste über Nacht zu bitten. Davor in ebensolcher Strenge ein von Buchsbaumhecken gesäumter Garten und rechts davon eine mithilfe von Rasenstücken, Hecken, Gräben, einer Insel geschaffene kleine Landschaft, als wär's ein Zitat des Parks zu Muskau vom großen Gärtner Pückler. Die Äcker gleich angrenzend: das Nützliche neben dem Schönen. Das ist es, was an Schlössern, Herrenhäusern, Gütern so fasziniert: Sie verkörpern ein Stück Weltläufigkeit in schöner Einsamkeit.

Besichtigung nicht möglich

Schlagworte:
Autor:
Charlotte von Saurma