Pfalz Wein aus Laumersheim

Es ist Samstagvormittag, 10 Uhr und Volker Knipser ist schon mächtig in Fahrt. Der Winzer findet immer größeren Gefallen an seinen Weinen und zieht Flasche für Flasche auf. Immer wieder springt er auf und verschwindet kurz im sonnigen Hinterhof. "Den müssen wir unbedingt noch probieren", grinst er, "schadet bestimmt nicht." Knipser ist ein heiterer Zeitgenosse, ganz die Pfälzer Frohnatur, die sich darauf versteht, Gäste zu unterhalten. Gemeinsam mit seinem Bruder Werner führt er das Weingut Knipser.

Auch Stephan, der talentierte Sohn von Werner Knipser, setzt inzwischen Akzente. Die Weißweine zeigen Format, ob Riesling oder die Burgundersorten. Aber es sind die Roten, mit denen sie seit 30 Jahren die Möglichkeiten deutscher Weine aufzeigen. Die Knipsers haben dafür gesorgt, dass deutsche Rotweine ernst genommen werden. Sie waren die ersten Winzer, die hierzulande Reben wie Cabernet, Syrah und Merlot anpflanzten und die ihre Weine in kleinen Eichenholzfässern, den Barriques, ausbauten. Mit ihrer Cuvée X aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot lösen sie sogar bei manchem Franzosen Neid aus.

Dass die deutsche Rotwein-Revolution ausgerechnet in Laumersheim stattfand, ist auch das Verdienst von Philipp Kuhn, dem Nachbarn der Knipsers. Schon früh stand für Kuhn fest, dass er Winzer werden wollte. Die Knipsers gaben dem Milchbart manchen Tipp. Etwa, dass er eine mit Huxelrebe bepflanzte Fläche in der besten Laumersheimer Lage, dem Kirschgarten, roden und mit Spätburgunder bepflanzen solle.

Der damals 16-Jährige überzeugte seinen Vater von dieser Idee, der Spätburgunder aus dem Kirschgarten sorgte gleich für Aufsehen. "Die Knipsers haben gezeigt, was beim Rotwein möglich ist", sagt Kuhn. Längst hat er seinen eigenen Stil entwickelt. Der 37-Jährige erzeugt großartigen Spätburgunder, Merlot und Cabernet Sauvignon. Rotweine, denen man kaum abnimmt, dass ein deutscher Winzer dahinter steckt.

Inzwischen haben sich auch Kuhns aromatische und mineralische Weißweine dem Format der Roten angenähert. Der Jahrgang 2009 zeigt keine Schwächen: Grauburgunder und Sauvignon Blanc gelingen Kuhn trefflich, seine Rieslinge zählen ohnehin schon zur deutschen Spitze. Das Etikett "Talent" hat Kuhn längst weitergegeben an Mario Zelt, 32, natürlich auch ein Laumersheimer. Zelt hat ein Händchen für Weißwein, der schlanke Muskateller aus dem Jahrgang 2009 ist ein idealer Apéritif. Aber auch er zeigt viel Geschick im Umgang mit Rotweinen. Seine Früh- und Spätburgunder zeigen Tiefe und Raffinesse, der Cabernet Sauvignon ist würzig und nicht zu muskulös geraten.

Was aber sind die Gründe dafür, dass in Laumersheim mit seinen gerade mal 943 Einwohnern drei Ausnahmewinzer am Werk sind?

Für Philipp Kuhn sind es die Laumersheimer Kalkstein-Lagen. "Die ergeben außergewöhnliche Weine, ob im Burgund, an der Loire oder bei uns. Da hat uns die Natur bevorzugt behandelt." Kalkstein verleiht den Weinen eine mineralische Note, besonders die Spätburgunder profitieren davon. Dem Knipser-Trio, Philipp Kuhn und Mario Zelt gelingt es mit viel Können und Geschick, das Potenzial der Kalkstein-Lagen auszuschöpfen. "Die Kunst ist es, bei den Rotweinen Kraft und Eleganz zu verbinden", sagt Mario Zelt.

Die Laumersheimer Rotwein-Spezialisten haben sich über die Jahre miteinander angefreundet, sie sitzen öfter beieinander, probieren ihre Weine und diskutieren dabei, was sie noch verbessern könnten. "Wir haben keine Geheimrezepturen, die wir dem anderen vorenthalten", sagt Philipp Kuhn. "Wir sehen das sportlich, wir machen Wein im Austausch miteinander. Bei uns in Laumersheim wird es nie langweilig." Es ist abzusehen, dass das kleine Dorf in der nördlichen Pfalz das Rotwein-Zentrum Deutschlands bleibt.

Weingut Knipser
Hauptstraße 47, 67229 Laumersheim
Telefon 06238-742

Weingut Philipp Kuhn
Großkarlbacher Straße 20, 67229 Laumersheim
Telefon 06238-656

Weingut Ernst & Mario Zelt
Binsenstraße 2, 67229 Laumersheim
Telefon 06238-32 81

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Autor:
Rainer Schäfer