Bayern Vorurteile und Klischees

Die scharf gezackte Silhouette des Hochgebirges dräut am Horizont. Sanft branden die Hügelketten des Voralpenlandes dagegen an. Wälder und Wiesen sind mit tiefblauen Seen gesprenkelt, mit Einödhöfen und Zwiebeltürmchen gespickt. Auf üppig-grünen Weiden grasen Kühe - leider allerdings nicht mehr so viele wie früher.

Immer mehr Bauern im bayerischen Oberland lassen das Vieh im Stall, mästen es mit Kraftfutter und warten darauf, dass sich die Milchleistung erhöht. Genau das aber ist den Touristikern ein Dorn im Auge: Zum weiß-blauen Postkartenidyll gehört schließlich das weiß-braune Fleckvieh wie die Palme in die Karibik. Außerdem erhalten Kühe, die draußen wiederkäuen, eine seit Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft - weshalb jeder Bauer, der seine Viecher im Sommer mindestens drei Monate lang auf die Weide treibt, seit 2009 eine "Weideprämie" vom Freistaat bekommt. 30 Euro pro Großvieheinheit, und schon bleibt Bayern so, wie man es kennt und liebt.

Das Oberland wird seinem Klischee gern gerecht: Geranien quellen über gedrechselte Balkonbrüstungen, junge Frauen protzen - zumindest an Feiertagen - mit ihren Dirndl- Dekolletés, Politiker und andere Mannsbilder poltern in den Wirtshäusern herum, die Blasmusik spielt auch dann auf, wenn keine Fernsehkamera in der Nähe ist.

Um die Schönheit des Oberlandes zu fassen, muss man einmal auf den 896 Meter hohen Taubenberg etwa 40 Kilometer südlich von München wandern. Im Süden glitzern Schliersee und Tegernsee: Ihre Täler bieten Einfahrten in das Gebirge, wie es sie feierlicher kaum geben kann. Im Westen liegt Bad Tölz, seit 1899 anerkanntes Heilbad, dessen lebendige Marktstraße hinunterführt ans Ufer der Isar. Am Fluss entlang geht es nach Süden, in den Isarwinkel und die Jachenau, ein abgeschottetes Hochtal, dessen Bewohner so stur wie freundlich sein können.

Und schließlich, zwischen dem breiten Rücken der Benediktenwand und der träge dahinfließenden Loisach, versteckt sich ein Dorf, bei dessen Anblick Johann Wolfgang von Goethe 1786 in seinem Tagebuch vermerkte: "Benediktbeuern liegt köstlich und überrascht bei seinem Anblick." Die Überraschung des reisenden Dichters war der Landschaft, in gleichem Maße jedoch dem Kloster geschuldet. 725 wurde es gegründet, bis heute ist es - von den Salesianern Don Boscos geführt - geistiger und kultureller Mittelpunkt des Tölzer Lands. Dorthin verlegte 1908 der "Blaue Reiter"- Maler Franz Marc seinen Wohnsitz, zunächst nach Lenggries, später nach Sindelsdorf, dann nach Ried - überwältigt von einer Natur, der er in seinen expressionistischen Werken beizukommen versuchte.

So vereinen sich im Oberland Natur und Kultur zu einem großen Ganzen - zu einer Wirklichkeit, die dem Klischee entspricht und umgekehrt -, und es ist nicht verwunderlich, dass sich seine Bewohner für die zufriedensten Menschen in Deutschland halten. Dies zumindest ergab eine Umfrage, die der Gegend rund um Bad Tölz in Fragen der Lebensqualität den ersten Platz unter 23 ländlichen Regionen bescherte. Die "Weideprämie" wird wohl ihren Teil dazu beitragen, dass dies auch so bleibt.

Bad Tölz: Eine Stadt und ihr Feiertag

Anton Heufelder ist mittendrin, hier und jetzt. Und doch bewegen ihn vor allem das "Danach" und das "Davor". Denn die beiden schönsten Augenblicke der berühmten Leonhardifahrt in Bad Tölz sind für ihn dann, wenn sie vorbei ist - und wenn sie noch nicht begonnen hat. Danach, weil er dann weiß, dass alle wieder gesund von der Segnung auf dem Kalvarienberg heruntergekommen sind. Und davor, weil das der Moment ist, in dem der Leonhardi-Lader Heufelder die Veranstaltung in Ruhe und mit all seinen Sinnen genießen kann.

Die meisten Besucher der Bad Tölzer Leonhardifahrt genießen das traditionelle Treiben ja mit ihren Augen: die festlich geschmückten Wagen, aufwendig herausgeputzte Pferde, junge Frauen im Festtagsgewand. Anton Heufelder aber liebt besonders die Geräusche am frühen Morgen. Zum Beispiel die Glocken der Stadtpfarrkirche, die jedes Jahr am 6. November um 6 Uhr den Feiertag einläuten. Oder die Hufe der Pferde, die auf den Straßen klappern. Und das Glockenläuten. Und das Rattern der Wagen auf den Pflastersteinen der Marktstraße. Erst danach nimmt Heufelder mit den Augen wahr - wenn er von seiner Wohnung hinaus auf die Marktstraße blickt. "Das Dampfen der schon verschwitzten Rösser ist unverwechselbar Leonhardi."

Seit 20 Jahren ist der 57-Jährige Leonhardi-Lader. Und als solcher, wie der Name sagt, für das Einladen der Teilnehmer und, gemeinsam mit der Tourist-Information, für die komplette Organisation der Wallfahrt zuständig. Ausschließlich Vierergespanne mit Truhen- oder Tafelwagen dürfen mitfahren. Versicherungstechnische und bürokratische Aufgaben gehören ebenso dazu wie die Verlosung der Aufstellungsnummern. Denn nur der erste Wagen mit der Geistlichkeit und der zweite mit Vertretern der Politik sind gesetzt.

Auf Letzterem sitzt übrigens auch Anton Heufelder - als Stadtrat von Bad Tölz. Wenn um 9 Uhr sämtliche Kirchenglocken läuten, dann zieht er vor dem ersten Wagen seinen Hut und eröffnet mit dieser Geste offiziell die Wallfahrt. Fast das ganze Jahr über ist Heufelder, im Hauptberuf Leiter der Volkshochschule Bad Tölz, mit Leonhardi beschäftigt. Die Hauptarbeit beginnt Mitte September. Natürlich sei dann ganz schön viel zu tun. Und doch freue er sich immer wieder auf den 6. November, der in Bad Tölz ein Feiertag ist.

Man müsse das Leonhardi-Lader-Dasein leben - sonst sei man fehl am Platz, sagt Heufelder, der nicht nur Organisator, sondern auch Bewahrer, Botschafter und Aufklärer ist. Bewahrer, weil er an dem Ablauf der Wallfahrt, die seit 1855 in Bad Tölz zelebriert wird, nichts ändern will. Das mache schließlich ihre Besonderheit und damit ein Stück Identität von Bad Tölz aus. Jedes Jahr werde er von Journalisten gefragt: "Was gibt es Neues?" Und jedes Jahr antworte er: "Nichts. Und wir hoffen, dass das so bleibt."

Als Botschafter hebt er zuvorderst den Wallfahrtsgedanken zu Ehren des heiligen Leonhard hervor. Mit dem Festzug bittet man den Schutzpatron von Ross und Vieh um Segen für Hof und Stall. "Es ist ein tief religiöses Fest. Das darf man trotz allen Feierns nicht vergessen." Glaube und Brauchtum seien bei Leonhardi untrennbar und auf wunderbare Art und Weise verbunden. Gern erklärt Heufelder vor allem Touristen das Fest: "Bei uns gibt es keinen Leonhardiritt, sondern eine Leonhardifahrt."

Und dann erzählt er, dass bei allen Straßenbaumaßnahmen, die am Wallfahrtsweg liegen, die Steigungen gepflastert und nicht geteert werden. Teer wäre bei Schneefall zu rutschig; die Pferde würden den steilen Anstieg nicht schaffen. Heufelder endet mit kleinen, aber feinen Details, etwa der korrekten bayerischen Aussprache: Während man andere Leonhardifeste in Oberbayern "Lehards" oder "Lechards" nennt, heißt die Wallfahrt in Bad Tölz "Lehardi". Nicht nur für Heufelder, sondern "für die meisten Tölzer ist Lehardi der schönste Tag im Jahr".

Und dies auch deshalb, weil sich dann der Zusammenhalt zwischen Stadt- und Landbevölkerung zeigt. Gewöhnlich gibt es eine klare Grenze, jedes Dorf und Bad Tölz haben ihren Stolz und ihre Festlichkeiten. Doch am 6. November kommen alle zusammen. "Und das ist wunderbar." Daher will Anton Heufelder auch an einer weiteren Lehardi-Tradition festhalten: der Verabschiedung jedes einzelnen Fahrers mit den Worten: "Vergelt's Gott, und kommt gut heim."

Stie-Alm: Den Blick für Kostbarkeiten schärfen

Ein Gespräch auf Englisch mit den Japanern, ein Lächeln für das Erinnerungsfoto der Berliner, ein persönliches "Griaß di!" zur Begrüßung der Lenggrieser: Veronika Obermüller - für alle ist sie "die Vroni" - beherrscht den Umgang mit den vielen verschiedenen Gästen auf der Stie-Alm am Brauneck.

Dabei sieht sie selbst sich gar nicht als "typische Wirtin": "Mir liegt eher das, was in der Natur passiert." Dem Garten gehört daher jeden Morgen Vroni Obermüllers erste Aufmerksamkeit. Dort hat sie auch einen Kräutergarten und ein Kneipp-Becken angelegt. Von Sommer 2010 an will die 43-Jährige Kräuterwanderungen und Kneipp-Kuren anbieten. Für beides hat sie eine Ausbildung absolviert. "Ich will mich weiterentwickeln, Neues anbieten. Das macht mir Spaß. Und das macht uns anders."

Anders ist die Stie-Alm allein schon durch das Prädikat "Höchste Almkäserei in Oberbayern". In der Hauptsaison können die Besucher täglich bei der Herstellung des preisgekrönten Stie-Alm-Käses zusehen - und ihn natürlich auch probieren. Genauso wie all die anderen selbst gemachten Brotzeitzutaten: das Holzofenbrot, Fleisch und Wurst, Milch und Butter.

Vroni Obermüllers Mann Stefan ist auf der Stie-Alm aufgewachsen. Im Talort Lenggries hat er niemals gelebt. Vroni selbst ist gebürtige Münchnerin, kommt "direkt und mitten" aus der Stadt. Ein- bis zweimal im Monat ziehe es sie in ihre alte Heimat. Zurück möchte sie nach zehn Jahren auf der Stie-Alm aber nicht. Dazu hat sie die Schönheit der Landschaft zu sehr schätzen gelernt. Ihre eigenen Erfahrungen möchte die Almwirtin auch den Gästen vermitteln, deren Blick für die kleinen Kostbarkeiten der Natur schärfen - einfach nur, indem sie "auch einmal nach links und rechts vom Weg schauen".

Büttenpapierfabrik Gmund: Das Papier ist die Botschaft

Gutes Papier, sagt der drahtige Fabrikant im Trachtensakko, sei zwar etwas Besonderes, aber kein Luxus: "Ich kaufe ja auch meist im Supermarkt ein, aber hie und da gehe ich in die Metzgerei und hole mir eine Leberstreichwurst - die ist zwar teurer, und man muss sie nicht haben, aber man will sie einfach. Und genauso sehe ich auch unsere Produkte."

Florian Kohlers Papier ist kein unbeschriebenes Blatt, es wird in der ganzen Welt geschätzt. Die Büttenpapierfabrik in der kleinen Tegernsee-Gemeinde Gmund bietet 26 Kollektionen mit so schönen Namen wie "Kaschmir", "Savanna" oder "Treasury" an. Sie bestehen aus feinstem, natürlichem Papier. Jedes Blatt hat eine eigene Prägung, die Oberflächen sind mit Glimmer oder echtem Goldstaub veredelt. Aus derzeit mehr als 100 000 Sorten können Kunden ihr Papier auswählen.

Häufig sind es Markenhersteller, die etwa ihre hochwertigen Parfüm-, Champagner- oder Whiskyflaschen in edle Kartonage gewickelt wissen wollen. Aber auch "kleine Kunden" wie Designer, Zahnärzte oder Rechtsanwälte blättern in Musterbüchern, um das richtige Papier für ihre Einladungs-, Geburtstags- oder Weihnachtskarten zu finden.

Selbst aus dem Paralleluniversum Internet, in dem nur noch per E-Mail kommuniziert wird, kommen ab und an lukrative Aufträge. So jettete eine Chefin des Suchmaschinen-Giganten Google an den Tegernsee, weil sie heiraten wollte - und das Papier für die Einladung zum hoffentlich schönsten Tag ihres Lebens selbst aussuchte. Denn Internet hin, E-Mail her - auch das Medium ist die Botschaft, und die soll gefälligst schön sein. Selbst wenn Papier oftmals nur im Verborgenen wirkt, sagt Florian Kohler: "Wenn man ein Buch oder einen Brief in der Hand hält, hält man 99,9 Prozent Feststoffanteil Papier. Aber dieses wirkt meist nur unterbewusst, in unserer Wahrnehmung bleibt es zweitrangig."

Der Siegeszug des Zweitrangigen begann mit Fetzen. 1829 erhielt Papiermühlengründer Johann Nepomuk Haas die Lizenz zum Lumpensammeln. Zellstoff gab es damals noch nicht, deshalb brauchte man Stoffreste für die Papierfabrikation. Und viel Wasser: Haas ließ sich an der Mangfall nieder, die bei Gmund aus dem Tegernsee fließt. Dass die Papierfabrik nie den Bach hinunterging, dafür sorgten in Gmund kraftvoll zupackende Unternehmer wie Haas-Nachfolger Gregor Fichtner, der auf dem Pferd bis nach München galoppierte, um Kundschaft zu gewinnen.

Bald gehörte auch der bayerische König zu den Abnehmern der Gmunder Büttenpapierfabrik, die seit 1904 im Kohler'schen Familienbesitz ist. Königlich Bayerischer Hoflieferant? "Ja, aber damit machen wir heute keine Werbung mehr", sagt Kohler, "schließlich sind wir ja kein Senfhersteller." Dennoch gehört Rascheln zum Papiergeschäft. "Der deutsche Bundespräsident verwendet unser Papier. Für Helmut Schmidt schufen wir ein eigenes Wasserzeichenpapier. Und für den ehemaligen französischen Präsidenten Mitterrand stellten wir einen Kalender her."

In der Aufzählung kommt auch Abu Dhabi vor. Kürzlich erteilten die Scheichs des arabischen Emirats den Oberbayern einen lukrativen Auftrag für die Briefpapiere aller Ministerien. Die Marke Gmund und ihre Tochtergesellschaft Lake Paper sorgen zukünftig für die papierne Geschäftsausstattung der Regierung am Golf. Dennoch sieht Florian Kohler nicht alles rosig: "Papier muss heute auf einem schrumpfenden Markt bestehen."

Kohler und seine 100 Angestellten wollen auch mit Emotionen werben. Wer durch die Fabrikhallen geht, wird das trotz des Maschinenlärms schnell spüren. Die gute alte Zeit der Bütte, aus der einst mit Schöpfrahmen aus Holz der wässrige Faserbrei geschöpft wurde, ist zwar längst vorbei - nur der Name "Büttenpapierfabrik" ist geblieben. Aber eine Reise in die Technikgeschichte ist der Fabrikbesuch allemal. Nicht nur wegen der für Laien seltsam anmutenden Maschinennamen: die Alte, der Mahlholländer, der Pulper - Namen wie aus dem Märchenbuch.

Im "Pulper" werden bis zu 18 Kubikmeter einer milchigen Ursuppe aus Wasser, Zell- und Füllstoffen angerührt. Wenige Meter weiter steht der "Mahlholländer", eine im 17. Jahrhundert in Holland entwickelte Mahlmaschine zum Zerlegen, Schneiden und Quetschen der Papierfasern. Das Zerkleinern ist notwendig, denn im Gmunder Papier finden sich auch ungewöhnliche Bestandteile: Rinde, Torf, Stroh, Federn, Biertrebern - all dies kommt in den Mahlholländer, genau dosiert von einem Menschen, welcher die exotische Berufsbezeichnung "Mahlholländermüllermeister" trägt. Ein wichtiger Job im Papierprozess, denn auch hier gilt der Grundsatz: Die Mischung macht's!

Danach läuft das Papier durch eine 25 Meter lange Maschine, die seit 1886 in Gmund steht und lakonisch "die Alte" genannt wird. Viele Räder, Ketten und Schrauben lassen sie aussehen wie eine Dampflok. 1921 verfing sich Urgroßvater Ludwig Kohler bei einem nächtlichen Kontrollgang mit demschweren Lodenmantel in der Papiermaschine, wurde hineingezogen und von der "Alten" förmlich aufgefressen. Sein Nachfolger wurde ein Neffe, der Theologe war. So etwas ging damals noch.

Heute braucht man ein Wirtschaftsstudium, um eine Firma wie die Büttenpapierfabrik leiten zu können. Obwohl er eigentlich kein Zahlenmensch ist, hat der 48-jährige Firmenchef Betriebswirtschaft studiert. Den Betrieb führt er heute allein. Vorausgegangen ist ein langer "Abnabelungsprozess " von Vater Ludwig, "einem klassischen Patriarchen, der seine Firma fest im Griff hatte, im Guten wie im Schlechten." Aber doch eher im Guten, fügt Kohler lachend hinzu, denn letztlich habe der Übergang ja gut funktioniert.

Von Bruder Korbinian trennte sich Florian Kohler vor einigen Jahren und kümmert sich nun allein um neue Kollektionen. Die Betonung liegt auf "neu": "Ich will keine Kollektion, die im Trend liegt. Ich will etwas schaffen, was einen Trend macht." Bis heute ist die Mangfall wichtigster Motor der Papierproduktion. Sie will schonend behandelt werden, denn die Mangfallregion ist Haupteinzugsgebiet der Münchner Trinkwasserversorgung: "Wir haben eine ganz hohe Verantwortung", sagt Florian Kohler. "Seit 50 Jahren läuft kein Tropfen Abwasser aus dieser Fabrik in den Fluss. Wir haben eine Ozon-Abwasserreinigungsanlage installiert und gewinnen unseren Strom aus Wasserkraft und Photovoltaik. Damit sind wir in der Branche weltweit führend."

Heimat will nicht nur geschützt werden, sondern auch gefördert: Die Gemeinde Gmund profitiert wesentlich von der Kohler'schen Büttenpapierfabrik und der benachbarten Papierfabrik. Dass der Ortsname "Gmund" als Markenname eines edlen Produkts millionenfach in die Welt getragen wird, sei vielen im Tegernseer Tal gar nicht bewusst, glaubt Florian Kohler: "Immerhin kommen im Jahr auch 2000 bis 3000 unserer Kunden als Gäste persönlich ins Tal." Gut so, meint Kohler, denn der Tegernsee ist "eine tolle Gegend, auf die wir sehr stolz sind. Es ist ja viel einfacher, ästhetisch hochwertige Papiere in einer schönen Gegend zu machen."

Der Tegernsee - die Leberstreichwurst unter den deutschen Landschaften? Nein, diesen Vergleich hat Florian Kohler nicht gezogen. Dafür einen anderen, vorgetragen mit dem Selbstbewusstsein eines stolzen oberbayerischen Fabrikanten: "Wenn ich eine neue Kollektion gestalte und hier aus dem Fenster blicke, ist es doch etwas ganz anderes, als wenn ich im Industriepark Nummer sieben in Buxtehude sitze."

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Der Text vonThomas Grasberger stammt aus dem Buch "MERIAN Bayerns beste Seiten - 100 meisterliche Entdeckungsreisen". Das Buch ist eine Gebrauchsanweisung für Urlauber und Ausflügler. Es hilft, Bayern authentisch zu erleben, und hält Traditionen und Werte hoch, indem es sie in ihrer ganzen Lebendigkeit zeigt. In 100 unterschiedlich langen Porträts wird die einheimische Bevölkerung zu Reiseleitern. Einzelne Protagonisten stehen und sprechen für "ihre Region".
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Autor:
Thomas Grasberger