Hamburg Stadttour mit den Greeters

Unsere Greeterin wartet schon. Freudestrahlend heißt sie uns willkommen zu einer Tour durch den Hamburger Stadtteil Uhlenhorst. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm - perfekt für einen Rundgang durch das Viertel östlich der Außenalster. Marie-Luise Wegen wohnt seit über 30 Jahren hier und kennt sich bestens aus. Ideal, um mit uns die schönsten Ecken des Viertels zu entdecken.

Die Idee des "Greeter Programms" ist nicht neu. Die ersten Stadtführungen dieser Art starteten 1992 in New York. Mittlerweile gibt es weltweit in allen möglichen Städten Freiwillige, die Besuchern ihr "Revier" zeigen möchten. Kostenlos. In Deutschland findet man so genannte Greeters bereits in Berlin, München, Mannheim – und jetzt auch in Hamburg. Marie-Luise Wegen fand die Idee von Anfang an klasse und ist seit der Gründung in Hamburg mit dabei. Wichtigste Voraussetzung, um Greeter zu werden: Die Liebe zu seiner Stadt. Das Interesse, neue Menschen kennenzulernen darf natürlich auch nicht fehlen. 

Als erstes gibt Marie-Luise Wegen eine kurze Einführung zu Geschichte und Bau der Mundsburger Brücke - unserem Treffpunkt. Bis vor 100 Jahren nahmen die meisten Hamburger vom Stadtteil Uhlenhorst - trotz der unmittelbaren Nähe zum Zentrum - kaum Notiz. Das änderte sich, als sich um 1900 die Stadt langsam ausbreitete: Läden wurden gegründet, das Verkehrsnetz ausgebaut und zusätzlicher Wohnraum geschaffen. So entwickelte sich das Gebiet zu dem, was es heute ist: Ein Ort des geschäftigen Treibens direkt am Wasser. Wegen der damals eher isolierten Position nennt man den Kiez bis heute "auf der Uhlenhorst", weil man den Vergleich mit einer einsamen Insel zog.

Trotz aller Entwicklungen hat Uhlenhorst jedoch nie den Beliebtheitsgrad erreicht wie zum Beispiel Eppendorf, Winterhude oder Eimsbüttel. Das kann Marie-Luise Wegen nicht verstehen. Für sie bietet Uhlenhorst alles, was ein Stadtteil braucht. Die 63-Jährige führt uns durch die Papenhuder Straße, vorbei an schicken Restaurants, ausgefallenen Designerboutiquen, gemütlichen Cafés, nach frischen Kuchen duftenden Bäckereien, exklusiven Weingeschäften und einer Maßschneiderei mit ausgefallenen Hüten und Mützen.

Eines dieser individuellen Geschäfte ist der Laden von Gerda Hüsch. Hier gibt es nicht nur zur Weihnachtszeit ungewöhnlichen Baumschmuck. Das ganze Jahr über hat sie Krippenspiele, Kugeln und Weihnachtsmänner im Sortiment. Aber auch Osterhasen und Requisiten sind im Angebot – mit Fundstücken aus den Jahren seit 1972. Direkt nebenan befindet sich ein Spielzeugladen für Männer: Miniaturmotorräder, Spielzeugautos, Taucherbrillen, Helme und vieles mehr lassen hier Herzen höher schlagen.

Uhlenhorst - wohnen und leben an der Außenalster.
Mirja Riggert
Uhlenhorst - wohnen und leben an der Außenalster.
Unsere Greeterin Marie-Luise Wegen lebt seit 1968 in Hamburg, aufgewachsen ist sie in Schleswig-Holstein. Doch man spürt deutlich, dass die Hansestadt sie geprägt hat. Während der Mittagspause in ihrem Lieblingscafé "Himmel und Erde" wird ein wenig Persönliches ausgetauscht. Das ist auch etwas, wofür die Greeter stehen: Anekdoten und anregende Unterhaltungen, anders als bei vielen professionellen Stadtführern. Bei der Frage, warum Marie-Luise Wegen Uhlenhorst so mag, zögert sie keine Sekunde: "Wegen der Nähe zur Außenalster. Besonders im Sommer ist es herrlich, sich mit einer Decke auf die Wiese zu legen, die Skyline am Jungfernstieg im Blick. Abends ist es sehr romantisch mit einem Glas Wein an der Alsterperle übers Wasser auf die beleuchtete Innenstadt zu schauen."

Greeter sind keine ausgebildeten Führer, sondern möchten anderen Menschen einen persönlichen Einblick ins Leben in ihrem Stadtteil geben. Jeder Greet wird individuell auf die Interessen der Gäste zugeschnitten. Um einen Greet zu vereinbaren, müssen sich die Teilnehmer spätestens zwei Wochen vor der Ankunft in Hamburg anmelden. In Gruppen von maximal sechs Personen geht es dann durch das jeweilige Viertel. Wünsche nach thematischen Schwerpunkten, wie zum Beispiel Architektur, Geschichte oder Gastronomie, dürfen gerne geäußert werden. Die Führungen sind gratis, auch ein Trinkgeld wird nicht erwartet. Ein Greet bietet einen persönlichen Einblick in einen kleinen Teil der Stadt, keine Sightseeing-Tour zu touristischen Attraktionen.

Seit drei Stunden sind wir nun schon unterwegs. Ich fühle mich fast wie eine echte "Uhlenhorsterin" und habe Lust bekommen, auch noch andere Ecken der Hansestadt auf diese Weise zu erkunden. Marie-Luise Wegen hat es geschafft: Ich fühle mich willkommen in Hamburg, zumindest in Uhlenhorst.

Weitere Informationen zu einer Tour mit einem Hamburg Greeter und Anmeldung unter www.hamburg-greeter.de

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