Baden-Württemberg Sehenswertes Ländle

Der Bodensee: Etwas Schweiz, etwas Österreich

Dies ist die wohl freundlichste Landschaft Deutschlands, mit einer Prise Schweiz und etwas Österreich als Würze. Der Bodensee - Dichter nennen ihn das Schwäbische Meer. Im Sommer strahlt er eine schwebende Heiterkeit aus: Dann sind seine Ufer fruchtbare Gärten, die Voralpen rahmen den Horizont. Das lockte schon Menschen der Steinzeit an. In Unteruhldingen lebten sie in Pfahlbauten, unabhängig vom schwankenden Wasserspiegel.

Der Name des Sees hat übrigens nichts mit Grund und Boden zu tun. Er leitet sich ab von der karolingischen Burg Potamico bei Bodman am Westende des Sees. Heute finden auf den Wellen Wassersportler ihr Glück. Was die meisten nicht wissen: Deutschlands größter See versorgt fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser, mehr als jeder vierte deutsche Apfel wird an seinen Ufern gepflückt. Kaum zu glauben, dass dieser warme Flecken Erde ein Ergebnis kalter Tage ist: Der Rheingletscher formte den See am Ende der letzten Eiszeit.

Tipp: Segeln, Tauchen, Surfen. Die besten Adressen zum Wassersport.

Die Schwäbische Alb versteckt ihre größten Schätze in Höhlen

Dieses Gebirge türmt keine spektakulären Gipfel auf. Oft kahl und steinig, mit frühem Winter und spätem Frühling. Die Alb gehört zu den größten Karstgebieten in Deutschland. Wind und Wasser haben die raue Hochebene zerklüftet. Sehenswürdigkeiten gibt es dennoch, verborgen in unzähligen Höhlen: Die Nebelhöhle etwa ist berühmt für ihre Tropfsteine, in der Wimsener Höhle steuert ein Fährmann die Besucher mit dem Kahn durch die Unterwelt. Der Nordwestrand des Mittelgebirges zeigt großes Landschaftskino: Am Albtrauf geht es bis zu 400 Meter jäh in die Tiefe. Auch das Schloss Lichtenstein ist keine gewöhnliche Burg. Im 19. Jahrhundert schrieb der schwäbische Dichter Wilhelm Hauff den Roman "Lichtenstein". Graf Wilhelm von Württemberg war so begeistert, dass er die Burg zum Buch bauen ließ.

Die Rheinauen erinnern an die wilde Zeit des Stromes
Johann Gottfried Tulla war ein gefeierter Mann. Im Auftrag des Großherzogs von Baden wies er den Rhein in die Schranken. Ab 1817 begradigte er den Fluss und machte ihn beständig schiffbar. Der Strom passte jetzt ins fortschrittliche Bild des industriellen Zeitalters. Sein Bett war gerade, er trat nur noch selten über die befestigten Ufer, der Mensch hatte sich das Wasser untertan gemacht. Vorbei waren die Zeiten, als riesige Überschwemmungen das Tal von Freiburg bis Offenburg heimsuchten. Allerdings hatte auch die Landschaft ein anderes Gesicht bekommen. Die Schönheit der urwüchsigen Auen war dahin, in denen wild geschlungene Flussarme ständig ihren Lauf und den Wasserstand änderten. Zwischen Karlsruhe und Kaiserstuhl kann man den Urzustand dieser Landschaft noch erahnen. Ein Ausflug in die Rheinauen führt in den badischen Dschungel. Die Mückenschwärme zeigen allerdings, dass dieses Idyll auch seine Schattenseiten hatte. Bis ins 19. Jahrhundert waren die Rheinauen Malariagebiet. Der Ingenieur Tulla starb 1828 vermutlich an den Folgen dieser Krankheit.

Tipp: Führungen in die Rheinauen gibt es unter naturfreunde-rastatt.de/rheinauen/portal/.

Die Donau leistet sich Extravaganzen in Hülle und Fülle

Wer die Donau als gewaltigen Schifffahrtsweg kennt, sollte mal in ihre Urheimat schauen: An der oberen Donau erlebt er einen kapriziösen Fluss, der hinter jeder zweiten Biegung mit einer neuen Laune aufwartet. Die Breg, der längere der beiden Quellflüsse, entspringt hoch oben im Schwarzwald. 75 Kilometer später scheint schon ihr Ende zu kommen - bei Immendingen versickert die Donau, an bis zu 300 Tagen im Jahr liegt das Flussbett trocken. Bei Beuron zeigt das schwächliche Gewässer schlagartig seine Kraft, mit der es das Gebirge der Schwäbischen Alb spektakulär durchbrochen hat. Die steilen Felswände bilden einen Canyon, schroffer Stein steht im Kontrast zum üppigen Grün des Tals.

Tipp: Alles über die Landschaft zwischen Immendingen, Beuron und Sigmaringen unter www.naturpark-obere-donau.de.

Der Neckar fließt zur Hochburg der Romantik

Eine Reise an diesem Fluss bietet stets einen guten Grund zum Anhalten. In den malerischen Städten Tübingen und Esslingen lernt der Fremde das Beste schwäbischer Lebensart kennen, in den Felsengärten von Besigheim wächst Württemberger Wein in idyllischer Lage. Ab Bad Wimpfen ragt eine Burg neben der anderen hoch über das Ufer des ruhigen Flusses, der sich im Odenwald durch ein enges Tal windet. Dunkle Sandsteinfelsen und buntes Herbstlaub werden zu Kulissen der Nibelungensage. Joseph von Eichendorff traf sich mit anderen Dichtern der Romantik im ehrwürdigen Stift Neuburg bei Heidelberg, wo sie sicher auch schon auf der Alten Brücke über den Neckar standen und über die Schlossruine staunten.

Tipp: Eine Stocherkahnfahrt in Tübingen taucht ein ins Studentenleben: Homepage des Stocherkahn-Portals.

Die Kurpfalz ist Geschichte. Ihr schönster Park blüht immer noch

Der Kurfürst Carl Theodor engagierte 1749 den französischen Architekten Nicolas de Pigage. Der sollte seine Sommerresidenz in Schwetzingen nach dem Vorbild von Versailles zu einer barocken Anlage gestalten. In den folgenden Jahrzehnten pflanzten Gärtner mehr als 4000 Linden und Platanen, Ulmen und Zierobstbäume. Rabatten wurden in geometrischen Formen angelegt, Bäume und Sträucher mit dem Willen zur Form gestutzt. Als der Zeitgeist sich änderte und an den Fürstenhöfen der englische Landschaftspark in Mode kam, setzte auch der Herrscher der Kurpfalz auf die neue Natürlichkeit. Seinen Hofgärtnern gelang ein seltenes Kunststück: Sie legten einen englischen Garten an, direkt neben dem strengen barocken Garten und trotzdem harmonisch mit ihm verbunden. 1799 starb Kurfürst Carl Theodor, vier Jahre später fiel die Kurpfalz an Baden. Im Schlosspark von Schwetzingen wird ihr Erbe bis heute mustergültig gepflegt.

Tipp: Das ganze Jahr über gibt es in Schwetzingen Führungen und Veranstaltungen.

Im Markgräflerland schmeckt Deutschland nach Süden

Das Gebiet, in dem einst die Markgrafen von Baden herrschten, ist ein Glücksfall unter den deutschen Landschaften. Südlich von Freiburg gehen die dunklen Berge in sanfte Hügel über. Wer aus den Tannenwäldern und Schluchten des Schwarzwalds kommt, dem öffnet sich die Rheinebene mit wohltuender Weite. Auf den fruchtbaren Böden wächst Wein, in idyllischen Dörfern und geschichtsträchtigen Städtchen weiß man diesen zu genießen. Frankreich grenzt ans Markgräflerland, auch das macht sich in der Lebensart bemerkbar. Gute Küche gehört hier zum Alltag. Im Markgräflerland fühlt sich Deutschland am südlichsten an - die Sonne scheint hier jährlich 160 Stunden länger als durchschnittlich sonst in Deutschland.

Tipp Im Markgräflerland lässt es sich genussvoll wandern, etwa auf dem "Wiiwegli".

Der Zauber des Schwarzwalds strahlt bis nach Amerika

Als der amerikanische Autor Mark Twain seine Reise durch Europa machte, besuchte er auch den Schwarzwald. Er beschrieb Empfindungen, die das höchste Mittelgebirge Deutschlands in ihm auslöste: eine tiefe Zufriedenheit, das übermütige Entzücken eines Jungen - und besonders stark war für ihn "das Gefühl, die Werktagswelt weit zurückgelassen zu haben und von ihrem Getriebe vollkommen losgelöst zu sein". Für viele ist der Schwarzwald bis heute ein Sehnsuchtsort geblieben. Seinen schönsten Zauber entfaltet er dort, wo es keine Straßen und Parkplätze gibt. Wanderer, Mountainbiker und Skilangläufer finden ein überwältigendes Angebot an Wegen, Pfaden und Loipen. Hier empfinden Erwachsene wieder das Glück von Kindern: Sie staunen. Und fühlen sich auf den Gipfeln dem Alltag entrückt.

Tipp: Der Westweg ist der Klassiker unter den Fernwanderwegen. Er führt über 285 gut ausgeschilderte Kilometer von Pforzheim nach Basel. Auf zwölf Etappen lässt er kaum einen großen Gipfel des Schwarzwalds aus: Informationen zum Westweg.