Deutschland Nationalparks

"Natur Natur sein lassen" ist das gemeinsame Motto der Parks von Berchtesgaden bis zum Wattenmeer: Es gilt, wenigstens in diesen letzten Schutzgebieten, den Einfluss des Menschen so weit wie möglich einzudämmen. So werden Wälder sich selbst überlassen, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann zum "Urwald" zurückentwickeln. In Gebieten, in denen zum Teil 100 Jahre lang Monokulturen aufgeforstet wurden, ist das jedoch nicht ohne weiteres zu erwarten. Die Nationalparks greifen deshalb nach bestem Wissen und Gewissen ein, um Flora und Fauna zu schützen.

Aktiver Artenschutz kann zum Beispiel so aussehen, dass man im Harz den dort lange ausgestorbenen Luchs wieder anzusiedeln versucht. Diese Naherholungsgebiete für die Natur selbst sind nötig, aber rar: Die deutschen Nationalparks nehmen gemeinsam nur gut ein halbes Prozent der deutschen Landoberfläche in Anspruch. Im internationalen Vergleich ist das wenig: Österreich hat etwa drei Prozent seiner Landesfläche als Nationalpark ausgewiesen, in der Tschechischen Republik sind es über 2,5 Prozent.

Mit den weiten Ebenen Nordamerikas kann Europa gleichwohl nicht konkurrieren: So erstreckt sich etwa der Wood Buffalo National Park im Herzen Kanadas über fast 45.000 Quadratkilometer - und ist damit beinahe so groß wie Niedersachen. Europas größter und ältester Nationalpark findet sich in Schweden: Der Nationalpark Sarek erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 1970 Quadratkilometern.

Nationalparks sind nicht zu verwechseln mit Biosphärenreservaten oder Naturparks. In den beiden letzteren kommen längst nicht so strenge Kriterien zum Schutz der Umwelt zum Tragen wie in den Nationalparks. Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft sind dort nicht nur erlaubt, sondern erwünscht, während in den Nationalparks - etwa im Wattenmeer - weite Zonen für Besucher gar nicht zugänglich sind.

Das tut jedoch dem Tourismus in den Nationalparks keinen Abbruch. Fast alle Gebiete haben in den letzten Jahren ein abwechslungsreiches Programm entwickelt, das Besuchern die Besonderheiten der einzelnen Regionen nahebringt. Die Informationszentren der Parks, die früher noch verstaubte Ausstellungen boten, die an lästige Pflichtübungen erinnerten, haben sich zu modernen, interaktiven Erlebniszentren gemausert. Das Zentrum Königsstuhl auf Rügen gehört zum Beispiel zu den innovativsten in Europa, mit vielen Ausstellungsstücken zum Anfassen und Ausprobieren, Aquarien und einem echten kleinen Eisberg.

Der jüngste deutsche Nationalpark entstand 2006 im Harz: eine Fusion aus den beiden bereits bestehenden Parks Harz (Niedersachsen) und Hochharz (Sachsen-Anhalt). Zwar gibt es Ideen für weitere deutsche Nationalparks etwa im Siebengebirge oder im bayerischen Steigerwald. Ihre Realisierung ist aber fraglich.

Autor:
Michael Weiland