Schwäbische Alb Im Land der harten Arbeit

Hartes Gras, gestaffelte Horizonte, Flächen glühenden Weizens, regungslose Hecken, ein Stückchen Fels, das aus einer Wiese ragt. Ein Land der harten Arbeit, uralte Wege führen aus Wäldern in die Täler. Die Felder sind von Kalk durchsetzt, harten Brocken, zwischen denen sich Pflüge hindurchkämpften. Armes Land, in dem sich kümmerliche Dörfer durch die Zeiten duckten. Hierher kam so schnell keiner zum Marodieren, aber niemand wusste, wem man morgen gehörte. Dem Bischof? Der Reichsstadt? Den Bayern? Irgendeinem, der seinen Teil nahm und sich ansonsten nicht weiter für die Alb interessierte. Eine alte Geschichte: Menschen akzeptieren gern die Not, wenn sie Sicherheit dafür bekommen. Und hinter der Hügelkuppe hervor tröstet die Kirchturmspitze von Radelstetten.

Heute sehen die Dörfer zwischen Lone und Blau aus wie kleine Vorstädte, voll gut isolierter und fein verputzter Häuser. Man sieht, dass dieser relative Wohlstand neu ist. In anderen Landstrichen kehrte er schon viel früher in die Dörfer ein und hinterließ Spuren aus Gelbklinker, Glasbausteinen und Verlobungsanbauten. Hier stehen nicht selten ärmliche Häuser neben den Renovierungsvorhaben der letzten zehn Jahre, so plötzlich kam der Reichtum, dass die Armut noch nicht gänzlich unsichtbar geworden ist. Zwischen morgens um neun und dem späten Nachmittag sind alle Dörfer menschenleer, die wenigen Leute, die hinaus müssen, tun das im Auto, keiner geht zu Fuß, außer mir.

Der Weg ist steinig vom Stephansbuckel hinunter zum Tal der Lauter. Die Sonne schleicht durchs Unterholz und scheint nicht gehen zu wollen, der Boden glüht noch vom heißen Tag. Es ist Juli und das Abendlicht wird noch lange bleiben. Ein Schild ist zu lesen, auf dem sich die Bewohner nächtliche Ruhestörung verbitten. Unterzeichnet haben Dachs, Eichhörnchen und Reh. Sie haben ja Recht, aber auch ich bin ein Kind des Waldes, auch ich darf mein Haupt auf Moos betten. Oder auf das aufblasbare Kopfteil meines Schlafsacks. Kein wildes Campieren. Kein niedergetretenes Lager will ich hinterlassen, keinen Krach machen und schon gar kein Feuer. Es ist noch nicht ganz dunkel und immer noch sehr warm, aber ich will jetzt nur noch liegen. Ertaste zwischen jungen Bäumen einen weichen Boden, setze meinen Rucksack ab und wische ein paar Reiser zur Seite. Dann lege ich mich auf meine Decke und stürze sofort in den tiefsten Schlaf.

Und wieder heraus: Das Tier, das über mich lief, muss etwa ein Kilo schwer gewesen sein. Für einen Moment war ich ein Tiger auf dem Sprung, bereit, dem Feind das Genick zu zerbeißen. Adrenalin bis zum Stehkragen, doch dann wurde klar: Das war doch nur ein Marder. Nur: Einschlafen kann ich nicht mehr. Es ist von unten auch ein bisschen feucht geworden. Mein hell leuchtendes Handy sagt zwei Uhr acht. Ich sortiere meine Knochen, raffe meine Decke zusammen und stehe haltlos in der Dunkelheit.

Keine Mundorgel - sondern GPS

Der Mensch hat im Finstern die Fähigkeit, aus jedem Schemen eine lebende Figur herauszusehen: Dämon, Hexe oder Drachen. Das führt dazu, dass er nachts lieber die Augen schließt. In meinem Fall geht das nicht, ich laufe, und es wird auch schon langsam hell. Ich sehe überall Zwerge. Zwei von ihnen schleppen eine Bank heran und stellen sie am Weg ab. Ich lege mich darauf, meinen Kopf auf die Decke und verschwinde im Zwergenland. Als die Sonne aufgeht, ist der tapfere Wanderer zum Penner geworden.

Bei der Ruine Günzelburg kommen Wanderer auf mich zu, die mit der Zeit gehen. Keine Kniebund-, sondern quietschbunte Jogginghosen, kein Nagelstock, sondern full suspension walking sticks, keine "Mundorgel", sondern GPS und sogar ein Höhenmeter (680 m ü. NN). Ein Ehepaar, das sofort in Lobpreisungen über die Schwäbische Alb ausbricht. Ich nicke zustimmend. Sie erkunden neue Wege für ihren Wanderklub und haben viel erlebt. Der Mann murmelt in seinen Höhenmesser: Na, dann will ich noch mal nachgucken, was so viel bedeutet wie: War nett, Sie kennengelernt zu haben. Ich nicke und habe die ganze Zeit kein Wort gesagt.

Es herrscht wieder Stille. Der Wald schaut mich an, als wollte er sagen: Na? Wieder da? Er kommt wieder zu sich, wächst kreuz und quer und rottet sich ein frisch gemachtes Bett für die Wurzeln zusammen. Keiner nimmt ihm mehr die besten Bäume, bevor sie alt werden, niemand schafft Menschenordnung, kein Sägen, kein Schlagen. Und wenn ein alter Riese fällt, dann nicht mit furchtbarem Aufprall auf freigeräumter Fläche, sondern er landet mit sterbender Krone in den Armen seiner Nachbarn und Nachkommen. Ein Bannwald ist dies, sich selbst überlassen und mit rasanten Schritten dabei, wieder Urwald zu werden, unbeherrscht und reich, Heimat für Pilz, Tier und Mensch. Natur: Nicht zur ihr zurückkehren, sondern ihr physisch und sinnlich ausgesetzt sein. Du kommst nicht um sie herum, du musst nur warten, dann kriegt sie dich.

Aus der Hitze des Tages in die blaue Kälte. Vom Felsenlabyrinth 200 Meter steil hinunter. Auf kurzer Strecke fällt schnell die Temperatur. Dort unten liegt Blaubeuren wie gefangen und beschützt von hohen Felsen. Das alte Kloster mit dem Rücken zur Wand und hinter ihm der unheimliche Topf, aus dem die Blau quillt, stetig und selbst im Hochsommer mit nur neun Grad. Im weiten Rund herrscht fremdartige Kühle, die am Abend auch den frisch geduschten Wanderer erreicht. Dann sitzt er im Café, trinkt Cappuccino und erinnert sich an jene andere Welt dort oben.

Service: Wandern in der Schwäbischen Alb

Hauptwanderwege
Die Wanderwege des Schwäbischen Albvereins sind sehr gut ausgezeichnet.
Schwäbische Alb Tourismusverband
Bad Urach
Tel. 07125 948106

Service: Übernachten

Blaubeuren
Hotel-Restaurant Ochsen
Stilvolles Familienhotel in einem Fachwerkbau aus dem 17. Jahrhundert. Die Zimmer haben teils Balkon, außerdem gibt's drei Ferienwohnungen.
Marktstraße 4
Tel. 07344 6265

Blaubeuren-Weiler
Hotel Forellenfischer
Idyllisch in einem Dorf drei Kilometer von Blaubeuren entfernt. Für Wanderer gibt es die Pauschalangebote "Wandern ohne Gepäck".
Aachtalstraße 5
Tel. 07344 5024

Blaustein-Lautern
Landgasthof Krone
Entspannung und Erholung im Kleinen Lautertal. Sieben Gastzimmer, geschmackvoll als Romantik-, Herren- oder Toskanazimmer eingerichtet.
Lautern 20
Tel. 07304 96330

Dornstadt-Temmenhausen
Landhotel Gasthof am Berg
Am Jakobsweg gelegen, hat dieses Haus passenderweise Führungen zu Themen des Pilger- und Naturlehrpfades parat. Im Restaurant Slow Food mit exzellenten regionalen Produkten.
Bergstraße 18
Tel. 07348 22329

 

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