Schwarzwald Idyllische Gewässer zum Baden

Wunderschön war es, den ganzen See für sich zu haben, mit den Armen das leise wogende Wasser zu durchteilen und auf dem Rücken liegend in der weiten Bläue zu träumen." Das schrieb im Jahr 1942 der Freiburger Biologieprofessor Konrad Guenther über den Titisee, und bis heute wirkt ein Sommertag in der weiten Bläue des Hochschwarzwaldes wie ein Emotionsbeschleuniger. Alles kommt näher, manches wird klarer, es glänzt.

Wobei das leise, wogende Wasser von Titisee und Schluchsee nicht mehr nur von Schwimmzügen durchteilt wird. Längst ziehen die beiden großen Seen Tretbootnostalgiker und Trendsurfer gleichermaßen an. Auch in den Ufercafés trifft man auf eine recht große Koalition: Schwarzwaldverein und Kniebundhose, Biker und Cabriofahrer. Und alle sitzen vor steilen Eisbechern.

Aber es geht auch anders: Zwischen den beiden intensiv besuchten Seen wartet der Windgfällweiher in einer urwüchsigen, sumpfigen Waldlandschaft mit einer im Wald gut versteckten Badeanstalt auf. Gleich ums Eck vom Schluchsee liegt der kleine, noch idyllischere Schlüchtsee bei Grafenhausen. Der gestaute See diente wohl einst als Eisweiher für die 1791 gegründete Brauerei im nahen Rothaus. Heute wartet hier ein lauschiger Badeplatz auf frischwürzigen 900 Metern Höhe. Mit einfacher Umkleidehütte, Steg, Badeinsel und saftgrünen Wiesen drumrum ist der Schlüchtsee noch verblüffend unbehelligt von Moden und Eventismus. Keine Animateure, keine Aquafitness, der Mensch gleitet am Schlüchtsee einfach ins weiche Moorwasser und schaut dabei auf einen beachtlichen Seerosenteppich im naturgeschützten Teil des Sees. Weiter oben im Tal finden sich Feuchtwiesen, Flachmoore und gaukelnde Falter.

Auch auf dem sonnigen Hochplateau um Lenzkirch-Kappel tritt der Sommer ein wenig eigensinniger auf als gewohnt. Wenn er denn auftritt. Deshalb öffnet das quellwassergespeiste, unbeheizte Freibad am Erlenbachweg frühestens in der letzten Juniwoche. Entsprechend kurz und knackig ist die Badesaison auf rund 900 Metern Höhe. Das weiche Wasser ist kalt, quellklar und wirkt auf müde Wanderer so reanimierend wie ein Jungbrunnen. Die denkmalgeschützten blau-weißen Umkleidekabinen stammen aus den dreißiger Jahren, das Grün der Liegewiese leuchtet wie frisch gestrichen, und unmittelbar hinterm Lattenzaun beginnt die Berglust. Man könnte einen der großartigen Feld-, Wald- und Wiesenwege von Lenzkirch-Kappel über Hiera rüber nach Saig gehen. Oder aber man genießt es einfach, die Kühle des Nadelwaldes auf der Haut zu spüren, verweilt ein wenig im daunen-weichen Gras einer Böschung und kehrt anschließend in Kappel in der "Blume" ein. Es gibt eine nahrhafte Vesper, einfache warme Küche und hausgemachte Kuchen.

Eine holprige Stichstraße, ein Naturschutzgebiet, eine rustikal, aber aufrichtig bewirtete Fischerhütte, ein jäh abfallender Felskessel, mittendrin ein dunkler Moorsee mit schwimmender Torfinsel. Das Ganze gesäumt von frottee-weichen Wiesen. Man kann am Nonnenmattweiher zu seiner Lieblingsseerose rausschwimmen oder auch nur eine Handvoll Heidelbeeren sammeln, kreuz und quer im Gras liegen und zum buckligen Belchengipfel rüberstaunen. Mehr weltferne Waldidylle als hier oben geht kaum. Der kleine Bergsee liegt im ruhigen Abseits des Südschwarzwaldes: über dem Kleinen Wiesental, bei Neuenweg, Ortsteil Mittelheubronn. Nur an wenigen Hochsommer-wochenenden klingt es hier nach Freizeitgesellschaft, ansonsten balzen, brüten und übernachten zwischen Weiherfelsen und Köhlgarten die Auerhähne. Das butterglänzende Gelb des Hahnenfußes und das Rosa der Kuckucksnelken leuchten in der Stille, nur das Espenlaub am Ufer raschelt bei aufziehenden Gewittern. Ansonsten gilt: Am Nonnenmattweiher an einem Sommermorgen um halb elf ist der Schwarzwald noch genauso, wie Professor Guenther ihn einst schätzte.

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Autor:
Wolfgang Abel