Hamburg Die Stadt der Diplomaten

Generalkonsul von Neuseeland: Marcus Andre Scoliege

Meine erste Erfahrung mit Hamburg ist mir immer noch in Erinnerung: Ich verbrachte als Student während einer Europareise ein paar Tage hier, es war sonnig und heiß, im Stadtpark spielten Bands, jeder war gut gelaunt. Jetzt bin ich seit Dezember letzten Jahres in Hamburg und frage mich, wo die Menschen sind. Es ist im Winter so ruhig hier auf den Straßen. Aber ich bin mir sicher, dass ändert sich, sobald die Sonne heraus kommt.

Wenn mich jemand spontan besuchen würde, würde eine Hafenrundfahrt ganz oben auf meiner Liste stehen. Der Hafen ist sicher ein aufregender Ort: hektisch, aktiv und riesig. Ob ich die Elbe oder die Alster lieber mag? Geben Sie zu, das ist eine politische Fangfrage: Ich bin letztes Wochenende das erste Mal am Morgen um die Alster gejoggt, ein schöner Ort, vor allem wenn man am unteren Ende steht und auf die Stadt zurückschaut, mit all den Hochhäusern, dem alten Rathaus und den Kirchen. Leben werde ich jedoch in Othmarschen an der Elbe. Ich kann mir vorstellen, es ist schön an einem Sonntag mit meiner Familie am Strand entlang zu spazieren.

Was ich sonst noch gesehen habe in der kurzen Zeit, die ich in Hamburg bin: Ich war in der angeblich besten Currywurst-Bude in Hamburg, der "Curry Queen" in Zippelhaus. Empfehlen kann ich auch ein sehr schönes englischsprachiges Kino, das Streits Filmtheater am Jungfernstieg. Und im Völkerkunde-Museum habe ich mir ein Maori-Versammlungshaus angeschaut, übrigens das einzige Original-Haus dieser Größe außerhalb von Neuseeland.

Mein erster Eindruck: Hamburg ist nicht "flashy", aber sehr weltklug und kultiviert. Zugleich hat die Stadt aber auch ihre Ecken und Kanten, versteht Spaß und genießt Sport. Die Menschen sind selbstbewusst, aber auf eine sehr reservierte und unaufdringliche Weise, eben mit Understatement. Im Unterschied zu Neuseeland wirkt alles sehr geordnet; ich habe den Eindruck, alles arbeitet sehr strikt nach einem genauen Zeitplan. Aufgefallen ist mir auch, dass das öffentliche Verkehrssystem hier wesentlich besser ausgebaut ist als in meiner Heimat, klar, wegen der Bevölkerungsdichte. In Neuseeland sind die Städte weit verstreut, die meisten Leute fahren deshalb überall mit dem Auto hin.

Heimweh habe ich eigentlich nicht. Würde ich es nicht genießen, auch mal woanders zu leben, wäre ich nicht in den diplomatischen Dienst gegangen. Es ist großartig, auf dem europäischen Kontinent zu sein, so nahe dran an allem. An einem Tag kann man theoretisch in drei völlig verschiedene Länder reisen. In Neuseeland ist alles so weit weg. Hamburg selbst hat alle Vorteile einer Großstadt, aber es hat mit seiner Kompaktheit die Annehmlichkeiten einer Kleinstadt.

Es gibt natürlich Dinge, die ich an Neuseeland vermisse, kleine Dinge, wie zum Beispiel das Hokey Pokey. Das ist eine Vanille-Eiscreme mit Karamellstückchen, die es nur in Neuseeland gibt. Ich vermisse auch die schönen Sommertage mit den typischen Barbecues am Strand. Geboren bin ich in Hamilton, einer Stadt südlich von Auckland. Auckland ist übrigens eine Art inoffizielle Partnerstadt von Hamburg, es gibt ein sogenanntes "Memorandum of Understanding" zwischen den beiden Hafenstädten, das auch den Austausch von Wissen und Technologie beinhaltet.

Die Neuseeländische Gemeinschaft ist klein in Hamburg, im Gegensatz zu der in London - wenn mehr als 80 Neuseeländer hier wären, wäre ich erstaunt. Aber das Gute an Neuseeländern ist, sie tauchen überall plötzlich und unerwartet auf. Auf der anderen Seite gehen jedes Jahr alleine 400 Studenten aus Hamburg für einen Austausch nach Neuseeland und über 60.000 Deutsche besuchen Neuseeland jedes Jahr. Das sind unsere Botschafter.

Generalkonsulin von Frankreich: Sylvie Massière

Was mir an Hamburg gefällt? Das viele Grün, das viele Wasser, das sprudelnde Kulturangebot. Ich gehe oft ins Ballett, ins Schauspielhaus, auf Kampnagel oder in die Kammerspiele mit Logensaal. Für einen ersten kulinarischen Ausflug würde ich die große Elbstraße am Hafen mit ihren vielen Kneipen, Fischhandlungen und Restaurants empfehlen. Dort gibt es für jedes Portemonnaie und für jeden Geschmack etwas Gutes zu essen. Wissen Sie, die Restaurants in Hamburg stehen denen in Paris in nichts nach. Es gibt keinen Grund zur Wehmut, denn man findet hier wirklich alles, vor allem so viel schönen frischen Fisch - da sehne ich mich nicht danach, ein französisches Steak Frites zu essen.

Besuch bekomme ich das erste Mal hier im Frühjahr! Ich werde die Hafencity und das Fischmarkt-Viertel herzeigen, auch die Speicherstadt mit ihren alten Lagerhäusern ist sehr beeindruckend. Ich wohne auch in einem sehr schönen Viertel, dem Grindelhof, das ist gut zum Flanieren und Spazierengehen, die Atmosphäre ist sehr bunt. Es gibt noch viel mehr Stadtteile, die ich kennenlernen muss! Zum Beispiel St. Georg im Stadtzentrum; viel Gutes habe ich auch vom Karoviertel gehört.

Ausflüge ins Umland von Hamburg haben wir erst mal auf das Frühjahr verschoben. In Kiel und in der Holsteinischen Schweiz war es bei unserem Besuch im Januar furchtbar kalt und vereist. Vom Alten Land südlich der Elbe haben wir auch viel gehört, das soll besonders schön sein, wenn die Äpfel- und Kirschbäume blühen. Ostsee- und Nordsee sind für mich wahnsinnig exotisch, weil ich ja am warmen Mittelmeer in Cannes aufgewachsen bin. Ich liebe das Meer und bin froh, dass es hier in Hamburg so eine See-Atmosphäre gibt. Die Alster hat einen leichten Vorsprung bei mir zur Elbe. Die Elbe ist ein großartiger Fluss, aber eben ein Fluss, die Alster ist einzigartig!

Gut gefällt mir hier auch die Weltoffenheit der Hamburger und ihr Interesse für Frankreich und die französische Sprache. Darauf war ich gar nicht vorbereitet! Man hatte mir erzählt, die Hamburger würden traditionell eher in Richtung London schauen: Sie kennen doch den berühmten Witz mit dem Regenschirm: "When it rains in London, Hamburg puts up its umbrellas!". Ich werde übrigens oft auf das schöne Wetter in Südfrankreich angesprochen und ich muss zugeben, im Oktober oder im November hat es hier schon ein bisschen zuviel geregnet, aber dann kam der Schnee. Wenn es so eiskalt und trocken ist wie zurzeit, das ist wunderschön!

Generalkonsul Adjunkt von Chile: Eduardo Busquets

Ab und zu höre ich vom Hafen die Schiffsgeräusche, dieses tiefen Tuten der Schiffshorne. Unser Konsulat liegt ja in der Nähe der Elbe und man spürt förmlich das Wasser. Diese maritime Atmosphäre mag ich an Hamburg. Einen Ausflug ins Maritime Museum würde ich deshalb sehr empfehlen. Ein außergewöhnlich schönes Gebäude ist natürlich auch das Chilehaus. Sein Hausherr, der Reeder Henry Brarens Slomann, ist mit dem Transport von Salpeter aus Chile reich geworden. Unser nationales Wappen ist in einem der Eingänge zu sehen.

Schön finde ich in Hamburg auch die zahlreichen Flohmärkte wie den Trödelmarkt auf Kampnagel in Winterhude. Ich stöbere gerne selbst nach alten maritimen Dingen. Im Colonnaden-Markt in der Neustadt habe ich ein wunderbares Bild von einem großen Handelsschiff der Reederei F. Laeisz gefunden, die bis in die dreißiger Jahre Salpeter um Kap Horn segelte: ein Fünfmaster, eines der größten Segelschiffe, die je existiert haben. Das Gemälde ist auf Holzplanken bemalt und hängt jetzt in meinem Wohnzimmer.

Ich wohne mit meiner Frau am Innocentiapark in Harvestehude. Ein sehr schöner Park, er ist immer mit Familien und Kindern belebt, im Winter mit Schlittenfahrern, im Sommer mit Joggern. Wenn es Frühling oder Sommer wird, paddle ich sehr gerne mit dem Boot zum Rondell-Teich. Das ist ein künstlich angelegter See inmitten alter Privathäuser, den man über die Außenalster nur mit dem Boot erreichen kann. In diesem ganzen Netz von Hamburger Kanälen zu paddeln, besonders am Abend, in Ruhe, das ist ein Hochgenuss!

In Hamburg und Umland leben derzeit etwa 2000 Chilenen. Früher nannte man uns auch die Preußen Lateinamerikas und das ist teilweise wahr. Nach der letzten Volkszählung sind übrigens 12 bis 13 Prozent der Chilenen deutschstämmig, das rührt auch aus dem Einwanderungsprogramm im Jahr 1848. Unsere Deutschchilenen pflegen immer noch die deutsche Kultur und die deutsche Sprache.

Was ich an Chile besonders vermisse? Die Möglichkeit allein zu sein. Das ist mehr und mehr ein Privileg! Kaum fährt man zwei Stunden aus Santiago de Chile heraus, ist man plötzlich in der absoluten Einsamkeit. In Europa ist das kaum möglich. Selbst bei einer Wanderung in den Alpen trifft man auf Leute. Manchmal fahre ich auch nach Norwegen, dort erinnern mich manche Landschaften an meine Heimat. Vor allem das Meer in Chile geht mir ab - ein sehr kaltes, gewaltiges Meer mit Steilküsten und einer lauten Brandung. Hier ist das Meer ja etwas ruhiger. Nur auf Rügen habe ich eine kleine Welle gesehen.

Generalkonsulin von Griechenland: Ekaterini Dimaki

Hamburg ist eine Traumstadt, besonders im Sommer. Wir leben in der Nähe des Alsterparks im Stadtteil Harvestehude. Dort gehen wir jeden Morgen mit unserem Hund spazieren, einem Labrador. Meine Familie und ich, wir lieben es in der Natur zu sein. Manchmal leihen wir uns auch Segelboote in einem der kleinen Clubs an der Außenalster aus. Ich habe selber in Griechenland einen Segelschein gemacht, aber normalerweise segle ich lieber nur mit. Man muss sehr erfahren sein, um mit dem Ägäischen Meer zurechtzukommen - die Windstärke ändert sich innerhalb weniger Sekunden. Mein Ehemann ist schon in der Ostsee gesegelt, er ist aus Norwegen. Das Wasser und das Meer ist für beide - Griechenland und Hamburg - ein sehr wichtiges Element. Wir Griechen haben das Salz des Meeres im Blut.

Als Besucher sollte man auf jeden Fall ein paar Ausflüge ins maritime Hamburg machen: Ein Trip um den Hafen, die Elbe, ein Ausflug in die Hafencity mit ihrer neuen Elbphilharmonie. Wenn das Konzerthaus auf dem Kaispeicher A fertig ist, wird es ein sehr wichtiges Wahrzeichen für Hamburg werden, genauso wie die Oper für Sydney.

Ich komme aus Korinth. Die antike Großstadt liegt am Beginn der Halbinsel Peloponnes in Richtung Athen. Es gibt Dinge, die ich immer an Griechenland vermisse, zum Beispiel das ganz besondere Licht, das es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Wehmütig werde ich auch bei dem Gedanken an die griechischen Inseln mit ihren schönen Stränden am Meer. Wir waren wirklich an vielen Orten in der Welt, Australien, Asien, Amerika, doch nirgendwo ist das Wasser so schön kristallklar und vor allem - sicher! In Australien gibt es traumhafte Strände, aber man kann wegen der Haie nicht schwimmen, für Südafrika gilt dasselbe. In Griechenland kann man kilometerlang hinaus schwimmen und es ist sicher.

Der Stadtteil Blankenese an der Elbe erinnert mich ein wenig an die griechischen Inseln, die steilen Hänge, die schmalen Straßen, die netten Restaurants; es ist wirklich ein herrlicher Ort für Wochenendausflüge und sehr schön zum Spazierengehen. Authentisches griechisches Essen findet man zur Genüge in Hamburg, immerhin leben hier zirka 10.000 Griechen. Es ist schwierig eins zu empfehlen. Drei in Hamburg und im Umland sind für mich sehr speziell, in Moisling das "Babis", an der Alster das "Kouros" und in Wandsbek das "Minas".

Was ich an Hamburg am meisten vermissen würde? Die Morgenstunden im Alsterpark, wenn die Frühlingssonne scheint, alles in Blüte steht und so wunderbar still ist. Dieses Bild wird immer in meinem Kopf sein, wenn ich an Hamburg denke.

Generalkonsul von Portugal: António Alves de Carvalho

Was ich sehr gerne mag, ist einfach nur in der Innenstadt herumzulaufen. Mich in den Straßen zu verlieren, ohne Stadtplan, an den Kanälen entlang, bei den alten Gebäuden am Hafen. Hamburg hat ein sehr spezielles Licht, besonders zum Ende des Frühlings, wenn die Sonne untergeht, gibt es sehr spezielle und starke Momente. Die ganze Atmosphäre lässt mich ein wenig an Venedig denken.

Besuchern würde ich auch empfehlen, in ein Restaurant am Hafen zu gehen, sich in der Kunsthalle moderne Ausstellungen anzuschauen, den Fischmarkt zu besuchen und vor allem auch die neue Hafencity. Es ist faszinierend zu beobachten, wie dieses urbane Projekt wächst und sich entwickelt. Letztes Jahr war ich mit einem Freund dort und plötzlich waren wir ganz ungeplant mitten in einem Jazzfestival, haben Bier getrunken und das schöne Wetter am Hafen genossen.

Ich lebe in Winterhude in der Nähe der Alster. Im Juli sind dort viele Leute bis spät in die Nacht draußen am Wasser - sie reden, lachen, feiern und genießen die warmen Nächte.
Die Menschen hier sind sehr sympathisch. Alleine an der Alster sitzt man in der Regel nicht lange, es vergehen kaum fünf Minuten, schon unterhält man sich mit jemandem. Ich habe wirklich nicht das Gefühl im frostigen Norden Europas zu sein. Außerdem merkt man, dass Hamburg eine Hafenstadt ist, sie ist sehr kosmopolitisch, man trifft hier Menschen von überall auf der Welt, ähnlich wie in San Francisco, und alle teilen sich die Stadt auf eine sehr angenehme Weise.

In Hamburg gibt es auch eine gut integrierte portugiesische Gemeinschaft, jetzt schon in der dritten Generation - es leben um die 9000 Portugiesen hier. Das Portugiesen-Viertel am Hafen ist auch sehr berühmt. Aber man darf nicht vergessen, dass Portugal und Hamburg schon seit dem 15. Jahrhundert eine sehr enge Bindung haben und seit dem 17. Jahrhundert in regelmäßigen diplomatischen Austausch stehen. Vielleicht werden wir 2013 Partner vom Hafengeburtstag. Diese Feierlichkeiten haben mich wirklich beeindruckt. Letztes Jahr habe ich den Hafengeburtstag das erste Mal erlebt. Das ist wirklich ein einmaliges Ereignis, mit all diesen tausend Booten, die von überall her in den Hafen strömen.

Ob ich etwas vermisse? Natürlich, es liegt in der portugiesischen Seele, etwas zu vermissen. Dafür gibt es in Portugal auch ein eigenes Wort, das man schwer übersetzen kann, Saudade - eine ungestillte Sehnsucht, vielleicht nach einer Person, einem Ort, einem Gegenstand. Ich habe über zwanzig Jahre fern der Heimat gelebt, aber ich muss gestehen, ich habe einen besonderen Zufluchtsort in Portugal. Wenn ich mich dort aufhalte, vergesse ich die Welt. Früher lebte ich am Meer, aber dann änderte ich mein Leben radikal und kaufte ein Haus in einem kleinen Dorf im Landesinneren. Dort gibt es auch viele Künstler und Musiker aus New York und London, die ein wenig Ruhe suchen, und komponieren und schreiben. Ich liebe Menschen, klar - als Diplomat gehört die Interaktion zu meinem Beruf. Aber manchmal muss man auch eine Pause machen.

Generalkonsul von Norwegen: Morten Paulsen

Es mag Sie überraschen, aber am liebsten gehe ich an so richtig schön trüben und grauen Tagen am Hafen und an der Elbe spazieren, in Richtung Blankenese. Bei schlechtem Wetter trifft man auf nicht allzu viele Menschen. Ich gehe auch gern im Volkspark spazieren, aber das ist für Touristen vielleicht nicht so spannend. Sehr positiv an Hamburg aufgefallen ist mir, dass man soviel Wasser im Zentrum sieht. Die Außenalster mit dem angrenzenden Park ist eine wunderbar ruhige Oase - ein so großes Naherholungsgebiet mitten im Zentrum zu haben, ist ungewöhnlich für eine Großstadt wie Hamburg. Freunde von uns haben sich sogar im Sommer auf der Alster trauen lassen.

Wenn ich Besuch bekomme, zeige ich - neben einer Hafenrundfahrt - gerne den Michel oder gehe ins Miniaturwunderland in der Speicherstadt. Ich habe so eine kleine Schwäche für Modell-Eisenbahnen, als Kind hatte ich einen Zug. Bei der Eröffnung einer norwegischen Landschaft habe ich die Ausstellung das erste Mal gesehen; imponiert hat mir, mit wie viel Liebe zu Präzision und Details das dort umgesetzt ist.

Die Mentalität der Hamburger? Nordisch-kühl, höflich und ein wenig formal. Die Norweger sind vielleicht etwas lockerer und unkomplizierter, aber man darf ja bei so einem Vergleich nicht vergessen, dass Hamburg mit Umland fast genauso viele Einwohner wie Norwegen hat. Hamburg hat ja - obwohl es sehr kompakt ist - auch ganz unterschiedliche Stadtteile, die sich dramatisch voneinander unterscheiden. Innerhalb einiger hundert Meter ändert sich plötzlich die ganze Baustruktur, die Bevölkerungsschichten, alles. Es ist erstaunlich, wie dicht beieinander die Unterschiede hier liegen. Zum ersten Mai gibt es in der Schanze Aufstände mit brennenden Autos, das ist nur ein paar Kilometer von unserem Zuhause in Groß-Flottbek an der Elbe entfernt.

Für Shopping und Einkaufen habe ich nicht soviel übrig, aber ich mag die Waitzstraße in Othmarschen ganz gerne. Sie ist übersichtlich, ländlich-kompakt, es gibt alles, was man braucht, und vor allem: Man ist schnell durch. Fußball liegt mir ebenfalls nicht so, aber wir waren ein paar Mal im Stadion im Volkspark zu HSV-Spielen, und einmal im Millerntor, aber nur wegen meiner Tochter. Sie spielt im Verein "Komet Blankenese" und ist mit ihrer Mannschaft gegen St. Pauli angetreten - die haben sie auch geschlagen.

Geboren bin ich in Hokksund bei Drammen, das ist etwa 75 Kilometer von Oslo entfernt. Heimweh habe ich eigentlich nicht, wir haben ja auch eine kleine Hütte in den Bergen. Dort fahre ich mit meiner Familie regelmäßig hin, um mich zu entspannen. Wir bringen immer kulinarische Kleinigkeiten mit zurück nach Deutschland, letztes Mal ein ganzes Kilo Braunkäse. Das ist eine norwegische Spezialität, die man hier nur scheibchenweise im Supermarkt findet. Er schmeckt übrigens sehr lecker auf Waffeln. Wir haben auch das nordische Gericht Labskaus, aber ohne Hering, Hering ist ja auch hier ein wenig umstritten, habe ich gehört.

Norweger findet man über ganz Hamburg verstreut, aber im Portugiesen-Viertel gibt es eine norwegische Ecke mit der Seemannskirche und den ganzen anderen skandinavischen Kirchen. Dieses Jahr vom 6. bis zum 8. Mai findet übrigens der statt, da kann man ein wenig Norwegen auch in Hamburg erleben. Wir sind auch mit vielen norwegischen Bands bei der Veranstaltung Elbjazz Ende Mai als Partner vertreten. Da fährt man mit der Barkasse von Spielort zu Spielort.

Was ich an Deutschland vermissen würde? Vielleicht den Spargel. Weißen Spargel mit Schinken und Sauce Hollandaise, den gibt es ja hier im Überfluss im April. In Norwegen ist das eine Rarität, das wäre vielleicht ein neuer Wirtschaftszweig.

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Autor:
Bettina Hensel