Oberpfalz Die Kultur stolzer Bayern

Ist die Oberpfalz eine humorfreie Zone? Jüngst erzählte Axel Hacke, ein Meister der literarischen Glosse, aus seinem Vorleser-Leben. Der Mann ist gewohnt, dass nach jedem dritten seiner Sätze glucksend gekichert, nach jedem fünften jovial gewiehert und nach jedem zehnten ekstatisch gebrüllt wird. Aber neulich, vor einer Aktionärsversammlung lesend, erlebte er sein Waterloo: "Auch an Stellen, an denen selbst in der Oberpfalz gelacht wird, schwieg dieses Publikum geradezu aggressiv."

Der kurze Relativsatz macht deutlich, dass die Oberpfalz noch immer das Image einer humorlosen und tristen Region hat. Gewiss, in früheren, vor-multikulturellen Zeiten galt der hiesige Menschenschlag als wortkarg, grüblerisch, scheu. Und duldsam. "Ein hervorstechender Zug", so der Volkskundler Franz Xaver Schönwerth im 19. Jahrhundert, "ist seine Neigung des Wanderns, um Arbeit und Anstellung zu suchen… Tag und Nacht arbeiten, schlecht sich nähren und dabey zufrieden seyn ist Grundzug Oberpfälzischen Lebens … Der Eingeborene haßt Schreyen und Kreyschen."

Vielleicht trauert die Oberpfalz noch, dass ihr der Titel "Ruhrgebiet des Mittelalters" trotz der Maxhütte abhandenkam? Dass sie mit der "Bayerischen Eisenstraße" und dem "Erzweg" nur mehr schöne Erinnerungspfade hat? Andererseits ist die heutige Oberpfalz eine aufstrebende, innovative Wirtschaftsregion mit viel Potenzial: einer von "Top-13-Standorten" in Deutschland. Das wurde ihr kürzlich von der Studie "Zukunft Deutschland 2020" bescheinigt. Als Vorzüge der Oberpfalz gelten die strategisch günstige Lage innerhalb Europas, die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und ein dichtes Netz an Gründerzentren. In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung hat demnach auch die Provinz gute Karten. Global denken und lokal handeln - das wird zum Motto. Neudeutsch heißt das "Glokalismus".

Angesichts solch guter Zukunftsaussichten sollte es die Oberpfalz kaltlassen, dass sie einst als "Erdäpfelpfalz" geschmäht wurde. Da können sich ihre Bewohner ruhig auch einmal in anderen Regionen etwas abschauen: Die Unterfranken sind doch auch furchtbar stolz auf ihre Rebstöcke, die Hallertauer auf ihre Hopfengärten und die Allgäuer auf ihre Milchkühe. Warum sollte sich die Oberpfalz dann für ihre Kartoffeln schämen!

Oder ist sie sauer, weil sie auch Steinpfalz genannt wird? Also als unfruchtbar gilt? Man könnte sich über die Steine doch auch freuen! Über den, laut Humboldt, schönsten Basaltkegel Europas in Parkstein, den 38 Meter hohen Rosenquarzfelsen in Pleystein, die Granitfelsen von Flossenburg und den weisen Sandberg des Monte Kaolino von Hirschau. Auf diesem Hügel kann man im Sommer Ski fahren und snowboarden! Kichernd, wiehernd, brüllend - wie auch immer. Auf jeden Fall mit Humor. Denn den gibt es in der Oberpfalz wie Sand am Berg.

Die Architekten Berschneider - Rosinen im Einheitsbrei

Sollte er einmal viel Zeit haben, dann will Johannes Berschneider interessante Leute seiner Region porträtieren. Vom Aussterben bedrohte, markante, unverwechselbare Typen. Denn selbst in der Oberpfalz, dieser früher abgelegenen, ländlichen, bäuerlichen Region, tut man sich heutzutage schwer, Originale zu finden.

Die Hauser, die das Architektenpaar Gudrun und Johannes Berschneider plant und gestaltet, sind dagegen Originale - Rosinen im architektonischen Einheitsbrei. Diese Gegend hat mich kaputt gemacht, und ich bleibe so lange, bis man ihr das anmerkt. Das sagt Herbert Achternbusch in seinem Film Servus Bayern.

Gut, dass der Oberpfälzer Berschneider ein weitaus sonnigeres Gemüt als der notorisch schimpfende Dichter hat. Doch Berschneider mag sein Land und seine Leute und sagt nachsichtig, dass die Häuslebauer durch vermeintliche Individualität so manches wilde Architekturpanoptikum schaffen. Aber er macht vor, wie es gehen könnte und hat in mittlerweile 25 Jahren so viele Spuren hinterlassen, dass man es der Gegend anmerkt.

Berschneider entwickelt - mit seiner Frau und Kollegin Gudrun sowie mit ausgesuchten Handwerkern - Häuser, die Tradition und Moderne, Natur und Technik verbinden. Das Alte wird im Neuen raffiniert zitiert: So entsteht Architektur zwischen Archaik, Askese und Avantgarde. Mit zeitloser Formensprache, starker Reduktion, Detailfreude, ausgesuchten Materialien und zukunftsweisender Gebäudetechnik soll anspruchsvoll, aber kostenbewusst gebaut werden. So wirken Berschneider-Hauser schon spartanisch und heilsam harmonisch.

Wie das Haus am Habsberg, ein Veranstaltungszentrum für Regional- und Umweltthemen. Es steht in Lauterhofen, unterhalb einer Wallfahrtskirche, und ist einem typischen Oberpfälzer Bauernhaus nachempfunden, aber zeitlos modern. Im Außenbereich besticht heimische Kulturlandschaft in komprimierter Form: ein Bauerngarten, eine Streuobstwiese, eine Wildobsthecke, ein Magerrasensaum und ein ökologisch bewirtschafteter Acker. Aus den Innenräumen eröffnen sich durch geschickt platzierte Panoramafenster poetische Perspektiven auf die Landschaft der Kuppenalb mit ihren markanten Jurafelsen, Buchenwäldern und Wacholderheiden. Innen- und Außenarchitektur bilden - wie immer bei diesem Planerpaar - eine kompakte Komposition.

Das Haus am 619 Meter hohen Habsberg ist eines der Ziele von Berschneiders kultigen ArchitekTourbus-Fahrten. Ebenso das Museum Lothar Fischer in Neumarkt. Und viele Privathäuser. Das Konzept dieser Touren: Markante Gebäude der Region werden einem interessierten Publikum präsentiert. Oft lassen sich Hausbesitzer inspirieren, Bauherren verführen. Und wenn Berschneider Stararchitekten wie Meinhard von Gerkan, Hadi Teherani, Luigi Snozzi, Volker Staab oder Stefan Behnisch zu Vortragen einlädt, dann kommen sie auch. Weil Neumarkt in Sachen Baukunst keineswegs Provinz ist, sondern pulsierendes Zentrum. Ein architektonisches Mekka in der oberpfälzischen Bauwüste.

Zisterzienserinnen-Abtei Waldsassen - die glückliche Gärtnerin

Sie behauptet, 36 zu sein. Doch sie sieht aus wie 20. Als ich sie ungläubig anschaue, belehrt sie mich: "Das Kloster hält jung." Vor fünf Jahren hat sie sich Christus endgültig hingegeben. Schwester Maria-Josepha Gaar hat die "ewige Profess". Ihre Klosterlaufbahn begann mit neun Monaten "Postulat", danach wurde sie eingekleidet, war ein Jahr lang Novizin, machte ihre erste Profess, mit einem Gelübde für drei Jahre, und dann wurde ihr Engagement endgültig.

Auch dass Maria-Josepha eine gelernte Gärtnerin ist, mag ich nicht glauben. Wie konnte so ein zartgliedriges Wesen Schubkarren voller Erde durch das Gelände bugsieren? "Ich war bei den Zierpflanzen ", sagt sie. So nah am Göttlichen diese Arbeit mit der Schöpfung auch war, richtig erfüllt hat das Gärtnern sie nicht. Auch das soziale Jahr schenkte ihr nicht das, was sie suchte: den tiefen Sinn. Sie wollte etwas tun, dem sie sich voll und ganz hingeben, dem sie sich mit Haut und Haar verschreiben konnte.

Zwei Tanten waren ihr Beispiel und Vorbild für ein Leben als Nonne. Auch die 1962 verstorbene Bauernmagd Therese Neumann, die "Resl von Konnersreuth", verehrt sie. Die oberpfälzische Mystikerin soll sich 36 Jahre nur von Hostien ernährt und an Karfreitagen aus Wundmalen geblutet haben. Der 2003 verstorbene Regensburger Theologe Josef Hanauer hielt die "Resl" allerdings für eine hysterische Betrügerin, die sich gut und gewinnbringend inszeniert habe.

Ein Leben, in dem man nur arbeitet, um Geld zu verdienen, wollte Schwester Maria-Josepha nicht führen. Heute ist die Zisterzienserin in der beneidenswerten Lage, auf Geld verzichten zu können - sie hat keines, und sie will auch keines. In der klösterlichen Gemeinschaft wird sie versorgt. Und trägt mit ihrem Einsatz zur Versorgung der Mitschwestern bei. So hat sie nun beides: im Kräutergarten die Arbeit in der Natur - und als Nonne die Nähe zu Gott.

Männer interessieren sie nicht. Schwester Maria-Josepha ist als Braut Christi ihrem Herrn voll und ganz verpflichtet. Als sie mir am späten Nachmittag im Klostergarten gegenübersteht, flimmern im Gegenlicht die winzigen rotblonden Härchen, die ihr Gesicht umrahmen. Um Schwester Maria-Josepha scheint sich der Hauch eines Heiligenscheins zu bilden. Die "Resl von Konnersreuth" dagegen wartet bis heute auf ihre Seligsprechung.

Auerbräu in Regensburg - der Meister der Kopfüber-Zapfung

Wenn der Tourist das "Auerbräu" sagt, tut das dem Einheimischen weh. Zur Strafe muss sich der Tourist den "Auerbräu" erkämpfen. Das Traditionswirtshaus liegt nämlich weit abseits von Schloss St. Emmeram, gotischem Dom, Steinerner Brücke und Stadtamhof. Man muss schon über die unansehnliche Kanalbrücke hinüber, um den Regensburger Stadtteil Steinweg zu erreichen. Hätte man in der historischen Altstadt, im "Hofbräuhaus" und im "Kneitinger" am Arnulfsplatz, nicht das Gleiche bekommen? Ein süffiges Bier, gute bodenständige Küche, eine holzgetäfelte Wirtschaft, ein Gästegewurl aus Bayern und Preußen, Oberpfälzern und Japanern, Arbeitslosen und Großverdienern, Handwerkern und Hochschulprofessoren?

Nein. Der "Auerbräu" ist mehr - er trägt die künstlerische Handschrift seines Wirts. Der heißt Heinz Mierswa und war früher Sicherheitsbeauftragter einer Feuerlöschfirma. 1982 gründete er in der Bayerwaldstadt Cham die Postpunkband "CC7", 1993 übernahm er den "Auerbräu". 1996 zog er, 13 Jahre vor Horst Schlämmer, als Politclown Josef Alzheimer durch die Region. Und schaffte den Sprung in den Regensburger Stadtrat. Das Motto seiner Spaßpartei "Liste ALZ" hieß: "Vergessen wir, was war!" Dafür musste er sich von Gutmenschen böse Vorwürfe anhören. Obwohl es nicht seine Absicht war, Kranke zu verspotten - sondern vorgeblich seriöse Politikerkollegen, die dem Volk viel versprechen und wenig halten. Bei Mierswas Auftritt auf dem Regensburger Haidplatz vor 4000 Leuten spielte seine Leib-und-Magen- Blaskapelle "Josef Menzl" eine Stunde lang ununterbrochen den Bayerischen Defiliermarsch. Komischer geht es kaum.

Auch als Wirt macht Mierswa eine gute, mitunter verwegene Figur. Bei Festlichkeiten wie etwa dem Bieranstich praktiziert er halsbrecherische Stunts wie das Kopfüber-Zapfen im Hochseefischeranzug. Oder die blinde, die rotierende und die schwebende Zapfung. Mit einem Augenzwinkern ironisiert Mierswa so bayerische Traditionen. Und trägt damit zu deren Rettung mehr bei als die humorlosen Zeremonienmeister so mancher Brauchtumsvereine. Bei seiner Kultveranstaltung, dem "Jungfernstechen", geht es zu wie auf einem Ritterturnier - nur dass die Stecher keine Rüstungen, sondern skurrile Kostüme tragen. Und dass die Pferde keine Pferde, sondern Boote sind.

Schließlich lag der "Auerbräu" früher direkt am Ufer des Regenflusses. Weil dessen Pegel immer wieder unverschämt steigt, hat das Tiefbauamt einen Damm bauen lassen und den Biergarten des "Auerbräu" damit auf doppelte Wohnzimmergröße gestutzt. Die beiden hölzernen Boote für das Jungfernstechen hat Mierswa von Hand fertigen lassen, im nahen Pielenhofen, beim letzten Zillenbauer der Oberpfalz. Selbst nennt sich der erfindungsreiche Gastwirt einen "Wusler". Das ist einer, der keine Ruhe geben kann. Sein jüngstes Werk ist ein Film. Geschrieben, gedreht, gespielt und geschnitten von Heinz Mierswa. Gezeigt in regelmäßigen Abständen im "Auerbräu".

Klostermühle in Altenmarkt - Rauschers im Öko-Rausch

"Unsere Kinder können Mango und Papaya unterscheiden, aber nicht mehr Weizen und Gerste", klagt Melanie Rauscher. Zusammen mit ihrem Mann Alfred betreibt sie die "Klostermühle Altenmarkt", ein "ländliches Kulturzentrum". Hier gibt es Seminarräume, eine Wirtsstube und einen Bauernladen. Mango und Papaya sucht man hier vergeblich.

Paradoxerweise liegt die idyllische "Klostermühle" mitten im Gewerbegebiet von Cham. Und dennoch verliebten sich Melanie und Alfred Rauscher im Sommer 1993 in das heruntergekommene Gebäude. Der letzte "Müllner" war 1985 verstorben. Als die Rauschers die Mühle zum ersten Mal sahen, stand sie voller Springkraut. Acht arbeitsreiche Jahre später war sie dank förderwilliger Ministerien und Ämter komplett renoviert. Seitdem säuselt nachts der Hausgeist: "Es klappert die Mühle am Rauscher'schen Bach, klipp, klapp. Die Rauschers, die küssten das Anwesen wach, klipp, klapp. Der Alfred, er bringt Musikantenins Haus, die Melanie wirft sie spätnachts wieder raus, klipp, klapp, klipp, klapp, klipp, klapp."

Der freitägliche Musikantenstammtisch ist die Leidenschaft des Hausherrn. Als junger Chemiestudent verbrachte Alfred Rauscher lieber feuchte Nächte in abgelegenen Dorfwirtshäusern, statt über trockenen Lehrbüchern zu brüten. Dabei zeichnete er das eine oder andere alte Wirtshauslied auf. Die "Klostermühle" wurde im Jahr 2005 zum "Musikantenfreundlichen Wirtshaus" ernannt. Alten Bräuchen und altem Wissen fühlt sich auch Melanie Rauscher verpflichtet. Sie rettet ländliche Rezepte vor dem Vergessen, indem sie danach kocht, bäckt und brät - und ihr Können weitergibt. Es tut ihr in der Seele weh, wenn junge Eltern sich und den Kindern nur noch Pizza und Penne servieren - statt zum Beispiel auch mal "Zwirl": am Vortag gekochte Kartoffeln, gerieben, gesalzen, mit Mehl bestäubt und knusprig gebraten.

Melanie Rauscher betrachtet ihr Tun als Plädoyer für die eigene, unverwechselbare Kultur. Daher ist es auch keine Sturheit, wenn sie sich weigert, im Winter Tomaten zu kaufen. Aber ein kleiner Protest gegen den Globalisierungswahn samt seinem weit gereisten Gemüse. Hatha Yoga-, Qigong- und Akupunkturkurse duldet sie trotzdem. Doch einen Espresso nach dem Essen gibt es in Gaststätte "Klostermühle" nicht. "Wer Wein trinken möchte, der geht ja auch nicht zu McDonald's", sagt Melanie Rauscher. Beim Thema Esskultur redet sich die Diplom-Ökotrophologin schnell in Rage. Wer fundamentalistischer ist - der weibliche Küchen- Kohlhaas aus Altenmarkt oder all die faulen Fastfoodfresser rund um den Erdball -, das soll erst einmal dahingestellt sein.

Felsenkeller in Schwandorf - Labyrinth ohne Venus

Schwandorf weiß, wie man Männer lockt. Damit die mit ihren parkenden Autos nicht die Altstadtgassen verstopfen, dürfen sie tief hinein in die "Venusgarage" fahren. Aber welche Enttäuschung! Keine Nymphe, die mit verführerischem Blick im Kassenhäuschen sitzt. Keine Göttin, die mit grazilem Gang und kurzem Kleidchen zum Stellplatz lotst. Von wegen Venusgarage! Null Romantik.

Wenige unterirdische Meter weiter verläuft dafür ein Labyrinth von Höhlen, düster die einen, leuchtend die anderen. Sie sind voller Geheimnisse und Legenden. Voller Romantik! Und wie heißt diese faszinierende Landschaft? "Schwandorfer Felsenkeller"! Absolut nüchtern. Das soll einer verstehen.

Der Archäologe Hans-Werner Robold ist Herr dieser Unterwelt. Oft treibt sich der findige Höhlenführer in seinen Felsenkellern herum, um hier noch einen Handlauf und dort einen weiteren Scheinwerfer anzubringen. Zur Sicherheit der Besucher.

Einst nutzten hiesige Brauer die Felsenkeller als Lagerplatz. Um das Jahr 1500 trieben sie die ersten Höhlen in den Eisensandstein des Schwandorfer Bergs. Wegen der gleichbleibenden Temperaturen von etwa 8 Grad Celsius eigneten sich die Höhlen ideal zum Gären und Lagern. In Schwandorf entstand eine richtige Bierindustrie, unter der Stadt wuchsen die Bierkeller. 1812 zählte man 80 kleine "Kommunbrauer" und ebenso viele unterirdische Lagerräume. Als große Privatbrauereien gegründet wurden, begann der Niedergang des individualistischen Kommunbrauwesens.

Nachdem dann auch noch Carl Linde 1873 den ersten Kühlapparat erfunden hatte, verschwand zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Bier aus den Felsenkellern. Allerlei andere Dinge und Lebensmittel wurden eingelagert. Und zogen Diebe an. 1931 bis 1932 hörten die braven Schwandorfer Bürger nachts oft ein gespenstisches Klopfen: Kellerdiebe durchbrachen Mauern und Felswände und schufen sich ihre eigene Gegenwelt. So konnten sie ihr Diebesgut besser abtransportieren.

Als die Amerikaner 1945 Schwandorf bombardierten und die Stadt zu gut 70 Prozent zerstörten, wurden die Felsenkeller zu rettenden Luftschutzbunkern. In den Zeiten des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders verkamen sie zu Rumpelkammern und Müllhalden. Hans-Werner Robold, dem aus dem nahen Nittenau stammenden Historiker und Archäologen, ist es zu verdanken, dass die Felsenkeller heute eine touristische Attraktion sind. Seit 1999 wurden sie erforscht, saniert und für Besucher zugänglich gemacht. In einem der Keller sind sogar Kritzeleien zu finden: in den Sandstein geritzte Herzen. Eine echte Venusgrotte also.

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Der Text von Joseph Berlinger stammt aus dem Buch "MERIAN Bayerns beste Seiten - 100 meisterliche Entdeckungsreisen". Das Buch ist eine Gebrauchsanweisung für Urlauber und Ausflügler. Es hilft, Bayern authentisch zu erleben, und hält Traditionen und Werte hoch, indem es sie in ihrer ganzen Lebendigkeit zeigt. In 100 unterschiedlich langen Porträts wird die einheimische Bevölkerung zu Reiseleitern. Einzelne Protagonisten stehen und sprechen für "ihre Region".
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Joseph Berlinger