Mosel Deutscher Wein aus dem oberen Moseltal

Seit wenigen Jahren erst ist Wehr an das Bahnnetz angeschlossen. Die Anzahl der Gäste, die in dem Moseldörfchen dem Regionalzug entsteigt, ist mehr als übersichtlich. Noch hat es sich offenbar nicht herumgesprochen, dass in Wehr bemerkenswerte Weine entstehen. Lange Zeit stand man hier im Schatten der berühmten Mosel-Rieslinge, die zwischen Trier und Koblenz auf Schieferböden wachsen. Dass aber die obere Mosel nun als Weinanbaugebiet wieder ernst genommen wird, dafür trägt vor allem der drahtige Stephan Steinmetz Sorge.

Das obere Moseltal erstreckt sich von Trier bis nach Schengen, der Elbling wächst hier seit mehr als 2000 Jahren. Er ist die älteste in Deutschland kultivierte Rebe. Die Römer brachten ihn mit, als Kolonisationsgabe. Während des Mittelalters war der Elbling weit verbreitet. In den 1960er und 1970er Jahren ist er beinahe zugrunde gerichtet worden von Weinbauern, die ihn als Massenträger ausgebeutet und als dünne und saure Plörre verkauft hatten. Heute hat er sich in das Dreiländereck Deutschland - Luxemburg - Frankreich zurückgezogen.

Wenn man den Elbling im Ertrag reduziert, dann zeigt er seinen wahren Charakter. Winzer wie Stephan Steinmetz, 39, bringen seine Vorzüge - Frische und Frucht - gekonnt zum Vorschein. Ein guter Elbling ist wie ein leichtfüßiger Tänzer unter schwerfälligen Parkett-Primadonnen. Mit seinem Frische-Kick lässt er die meisten anderen Weine hinter sich, sobald die Temperaturen steigen und die Terrassensaison eröffnet wird.

Neben dem Elbling setzt Stephan Steinmetz vor allem auf die Burgundersorten, auf Weiß-, Grau- und Spätburgunder. Die wachsen am besten auf Muschelkalk, den man im oberen Moseltal häufig vorfindet. Sie bilden eine besondere Mineralität aus und werden nicht so muskulös wie die Burgunder in Baden oder im Elsass. Mit seinen Weinen schafft Steinmetz ein Paradox: Sie beeindrucken mit intensivem Geschmack, straffer Frische und wenig Alkohol.

Im Jahrgang 2009, der viele schwere Weißweine hervorbrachte, ist Steinmetz das wieder gelungen. Der Grauburgunder entfaltet Aromen von Birne, Melone und Ananas, er ist gut gebaut und betört mit dem mineralischen, unverwechselbaren Schliff, den Steinmetz gekonnt in die Flasche transportiert. Er steht mit seinen Weinen immer auf der leichten Seite des Genusses. Auch zwei Crémants füllt Steinmetz ab, Schaumweine, die den Vergleich mit dem französischen Original nicht scheuen müssen.

"Meine Weine bestehen aus 100 Prozent Leidenschaft", sagt der Winzer. Im Weinberg schafft er rigoros die Voraussetzungen, um seinen Qualitätsanspruch einzulösen. Bei der grünen Lese werden im Sommer Trauben vom Stock geschnitten, um eine Erhöhung der Extraktstoffe in den verbliebenen Trauben zu erreichen. Viele Winzer schütteln entsetzt den Kopf, wenn sie sehen, wie viele Trauben Steinmetz auf den Boden schneidet.

Im Herbst erntet er die Trauben früher als die Kollegen. In der Erntephase streift er ständig durch die Weinberge, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Steinmetz will reife Trauben ernten, aber leichte Weine erzeugen. Sind die Trauben zu reif, steigt der Alkoholgehalt. "Es geht um Feinheiten", sagt er. Da kommt es manchmal schon auf wenige Stunden an.

Steinmetz steht unten an der Mosel, wo er als Kind schwimmen gelernt hat. "Wie ruhig es hier ist", gerät er ins Schwärmen. Der Kitsch der Mittelmosel, die Pferdekutschen mit beschickerten Kegelklubs, sie sind weit weg. Steinmetz hat kein Verlangen danach, "eine Busladung nach der anderen im Verkostungsraum abzufüllen". Mit seinen Gästen zieht er in den Wehrer Rosenberg, wo sie die Weine probieren können, vor allem aber die flirrende Hitze im Weinberg spüren sollen. Es ist der warme Atem des Südens, der durch das Tal zieht. Die Weine von Stephan Steinmetz sind Ausdruck einer Landschaft, die viel mehr ist als ein Appendix der Schiefer-Mosel. Es ist eine Weinregion, die darauf wartet, von Genießern entdeckt zu werden.

Weingut Stephan Steinmetz
Am Markusbrunnen 6, 54439 Wehr an der Mosel
Telefon: 06583-234

Autor:
Rainer Schäfer