Dallas Southfork Ranch Reise zu Millionärsfamilie Ewing

Klein ist sie, die Southfork Ranch. Im Fernsehen vor knapp 30 Jahren wirkte das Anwesen feudaler, imposanter, standesgemäßer. Wie es sich für das Zuhause der berühmtesten Millionärsfamilie der 1980er Jahre eben gehörte. Heute wirkt insbesondere der Swimming-Pool geradezu lächerlich. Darin soll sich der großkotzige Ölbaron J. R. Ewing abgekühlt haben? "Den Pool hat man mit ein paar Filmtricks damals viel größer erscheinen lassen", erklärt Sally Peavy, die heute auf Southfork arbeitet, im Marketing.

Southfork steht im Nirgendwo. Knapp 30 Autominuten außerhalb von Dallas liegt die weiße Ranch, am Rande eines Kaffs namens Parker. Auch wenn man es dem Anwesen nicht mehr ansieht, hier wurde einst Fernsehgeschichte geschrieben. Der fiese J. R. spann finstere Intrigen, Bruder Bobby sorgte sich um seine Pam, Sue Ellen trank viel und die gutmütige Miss Ellie hielt die ganze Sippschaft unter großen Mühen beieinander.

"'Dallas' ist eine globale Erfolgstory", erklärt Peavy, "in einigen Teilen der Welt läuft die Show immer noch." Über ein Jahrzehnt diente Southfork der Fernsehfamilie Ewing als Heimat. Von 1978 bis 1991 lief die Serie in den USA, wurde in 67 Sprachen übersetzt und in mehr als 90 Länder verkauft, auch nach Deutschland, wo sie zwischen 1981 und 2007 zu sehen war.

Obwohl die Ewings Southfork längst verlassen haben, schreibt sich die Erfolgsstory fort. Mit mehr als 300.000 Besuchern im Jahr ist die Ranch eine der Touristenattraktionen im Großraum Dallas. "Unsere Besucher kommen aus aller Welt", sagt Peavy - oder aus Oregon. Wie Judy. Gerade hat die 61-Jährige im Beisein ihres Mannes die geführte Tour über die Anlage beendet, Judy strahlt glücklich, ihr Mann auch. "Herrlich", sagt sie. "Ich habe 'Dallas' immer zusammen mit meinen Eltern geguckt." Als Seniorin hat Judy am Eingang acht Dollar für ihren Ausflug in die 1980er Jahre bezahlt. Das normale Ticket für die Tour kostet 9,50 Dollar.

Die erste Station dieses Trips in die Vergangenheit ist das "Dallas"-Museum. Zahlreiche Requisiten der Serie werden hier aufbewahrt. Die Pistole, mit der auf J. R. geschossen wurde, der edle Lederreitsattel von Pamela Ewing, sogar eine Nachbildung des familieneigenen Barbecue-Grills hat man aufgestellt. Und via Video begrüßt ein sichtlich gealterter Larry Hagman mit fiesem Grinsen und Cowboyhut in der Rolle des J. R. die Fans auf "seiner" Ranch.

Mit dem Gewehr im Anschlag

Damals verbrachten Hagman und seine Schauspielerkollegen den gesamten Sommer für Dreharbeiten auf der Ranch. Fast alle Außenaufnahmen entstanden hier und in der näheren Umgebung, der Rest in einem Studio in Kalifornien. Ab 1989 verzichtete man dann aus Kostengründen komplett auf die Southfork Ranch und blieb gleich ganz in Hollywood. Manchmal sind die Darsteller der Serie noch einmal an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, um wie 2004 an der großen "Dallas"-Reunion teilzunehmen. "Allerdings nur, wenn die Gage stimmte", wie Peavy erklärt. Selbstredend hatte auch das J. R.-Begrüßungsvideo seinen Preis.

Dabei waren die Ewings hier anfangs nicht mal zu Hause. Die ersten Folgen von "Dallas" hatte die Produktionsfirma Lorimar Television 1978 auf einer anderen Ranch gedreht. Doch als deren Besitzer seine Ruhe wieder haben wollte, mussten sich die Macher nach Ersatz umsehen. Auf ihrer Suche überflogen sie Texas im Hubschrauber und wurden in Parker fündig: Die Duncan-Ranch entsprach genau ihren Anforderungen. Das weiße Hauptgebäude ähnelte seinem Vorgänger, und so landeten die Fernsehleute irgendwann im Vorgarten von Joe Duncan. Der Hausbesitzer war von dem unangemeldeten Besuch überhaupt nicht begeistert und vertrieb die Eindringlinge von seinem Grundstück. "Auf die alte Texas-Art", wie Sally Peavy erklärt - mit dem Gewehr im Anschlag.

Die Hollywood-Produzenten ließen sich davon nicht schrecken. Sie kehrten zurück mit ihrer bevorzugten Waffe: dem Scheckbuch. Duncan vermietete sein Anwesen, aus der Duncan wurde die Southfork Ranch. Eine Entscheidung, die der Texaner jedoch wenig später schon bereute. Denn das Heim seiner Familie wurde immer mehr zum Ausflugsziel. Auf Spurensuche nach J. R., Bobby, Pam und Miss Ellie schwammen "Dallas"-Fans in Duncans Swimming Pool, sie durchwühlten seinen Mülleimer und stahlen seine Post. Bis der Trubel dem bodenständigen Mann zu viel wurde. Mitsamt seiner Familie flüchtete Duncan in ein neues Eigenheim in Parker.

Seit 1985 ist die Southfork Ranch eine reine Touristenattraktion. Das Innere des Hauptgebäudes, in dem damals nur eine Handvoll der Szenen gedreht wurde, hat man den Studiokulissen nachempfunden eingerichtet. Es gibt ein Bobby-Zimmer, ein Lucy-Zimmer und auf dem Klo von J.R. findet sich ein Telefon. An den Wänden hängen Porträts vom Patriarchen Jock Ewing und von Sue Ellen. Man ist zu Gast bei einer Familie, die im Kitsch lebt. Und diesen Kitsch kann man sich auch mit nach Hause nehmen. Von der "Dallas"-DVD über silberne Gürtelschnallen bis zum unvermeidlichen Cowboyhut - zwei Souvenirshops sind zum Bersten gefüllt mit Nippes aller Art.

Gutes Geld verdient man auf der Southfork Ranch inzwischen auch mit dem Ausrichten von Events. High-School-Bälle, Hochzeiten, Produktpräsentationen - das eigens errichtete Conventioncenter, eine riesige Veranstaltungshalle mit zahlreichen Bankettsälen, ist gut gebucht. Die Miete für einen Abend kostet hier schon mal 20.000 Dollar oder mehr, Texaner sind halt geschäftstüchtig. Oder wie Sally Peavy das ausdrückt: "Wenn Sie das Geld haben, haben wir Zeit für Sie." J. R. hätte es nicht treffender formulieren können.

Schlagworte:
Autor:
Denis Krah