Weltreise Mit dem Bus über drei Kontinente

Fast 55.000 Kilometer liegen vor den Teilnehmern. Städte wie Venedig, Nanjing, Las Vegas und Mexiko City stehen auf der Liste sowie die Seidenstraße und die Panamericana. Für einen Preis ab 65.000 Euro durchfährt man fünf Klimazonen, sieht über 20 Länder und erlebt drei Kontinente.

MERIAN.de: Wie kommt man auf die Idee, so eine Reise anzubieten?
Hans-Peter Christoph: Avanti bietet schon seit einigen Jahren Touren an, die auf den ersten Blick vielleicht etwas unkonventionell sind. 2005 habe ich eine Reise in den Iran veranstaltet und 2007 in die libysche Wüste, kurz nachdem die Grenzen für ausländische Reisegruppen geöffnet wurden. 2008 waren wir mit einer Bus-Reisegruppe unterwegs nach Peking und 2010 nach Shanghai. 

Insgesamt liegen fast 55.000 Kilometer vor den Teilnehmern. Was erwartet die Bus-Weltreisenden?
Mit dem Bus sind wir sehr langsam unterwegs und bekommen viel von dem mit, was ein Land ausmacht. Außerdem befahren wir auch Strecken, auf denen normale Touristen eher selten unterwegs sind und erkunden Gegenden, die touristisch noch völlig unerschlossen sind. Erfahrungsgemäß wird unser großer, roter, ausländischer Bus sofort umringt von Einheimischen. Die Leute sind immer sehr aufgeschlossen, und man kommt leicht ins Gespräch über Lebensweisen, Vorlieben und Gebräuche. 

Wie organisiert man so ein großes Projekt?
Grundsätzlich unterscheiden sich unsere große Reisen wie nach China auch nicht von einer Wanderreise durch Wales, so wie wir sie organisieren. Wir achten darauf, dass die Tage nicht mit Programm vollgestopft sind. Die Teilnehmer sollen Zeit haben, sich in ein Cafe zu setzen oder über einen Basar zu schlendern. Deswegen bleiben wir oft mehrere Tage an einem Ort und übernachten im gleichen Hotel. Diese Erholungsphasen sind nötig. Generell kann man entscheiden, ob man Extratouren wie zum Beispiel auf den Maccu Picchu mitmachen möchte - oder nicht. In jedem Land arbeiten wir mit lokalen Organisatoren und Einheimischen, die in die Detailplanung eingebunden sind. Die meisten sind Mitglieder vom Forum anders Reisen, einem Unternehmerverband, der sich nachhaltiges Reisen zum Ziel gesetzt hat. 

Sie nehmen maximal 22 Personen mit. Wie vermeidet man Gruppenstress?
Viele potentielle Mitfahrer fragen sich genau das. Wenn man 60, 70 oder 100 Tage mit derselben Gruppe unterwegs ist, wird es nicht einfach. Jeder hat mal gute und schlechte Laune. Bei den bisherigen Touren war das den Teilnehmern meist bewusst und jeder war bereit, Kompromisse einzugehen. Außerdem ist viel Freizeit eingeplant, oft einen halben oder ganzen Tag ohne Programm. Oder Abende, an denen wir nicht gemeinsam als Gruppe zu Abend essen. Nach diesen "freien" Stunden kommt jeder erleichtert und freudig zur Gruppe zurück. Die Reise ist so angelegt, dass man sich aus dem Weg gehen kann. Ich rate Teilnehmern offen heraus zu sagen, wenn sie keine Lust auf Smalltalk haben. Man muss sich mal zurücklehnen und die Sonne genießen können. Nach einem oder zwei unkommunikativen Tagen folgt immer ein Tag, an dem man wieder für alles offen ist. 

Ihr Reisebus ist doch sicherlich anders ausgestattet als ein normaler Reisebus?
Unser Bus ist im Prinzip auch nur ein Serienmodell - mit großzügigem Sitzabstand. An jedem Platz gibt es 220 Volt Steckdosen, für das Arbeiten am Laptop oder das Sortieren der Urlaubsbilder. Wir haben zwei Tische verbaut, so dass man sich bei einer Unterhaltung gegenübersitzen kann. Die Teilnehmer können sich im Bus bewegen. Zehn Plätze sind im Prinzip immer frei. Wer ein paar Stunden Ruhe braucht, kann also alleine sitzen. 

Wer ist neben den Teilnehmern noch dabei?
Mich eingeschlossen zwei Fahrer, ein Mechaniker, meine Frau und in jedem Land ein oder zwei einheimische Reiseführer. 

Und diese Truppe ist die gesamten neun Monate dabei?
Nein. Die meisten Fahrer haben Familie und keine Lust auf einen so langen Einsatz. Geplant ist, dass der Fahrer bei jeder Teilstrecke wechselt. Der Mechaniker kommt direkt vom Bushersteller, und die entscheiden das dann selbst. Meine Frau und ich bleiben auf jeden Fall die gesamte Zeit dabei. 

74.175 Euro müsste ein Alleinreisender für die gesamte Weltreise zahlen. Wer kann sich das leisten?
Es werden hauptsächlich Teilstrecken gebucht. Die Hälfe der Plätze ist schon weg. Nur eine Frau hat bis jetzt die ganze Reise gebucht. Elf Personen sind in Südamerika dabei und fünf davon auf der gesamten Panamericana. Für Buchungen ist noch genug Zeit. Amerika zum Beispiel steht erst im Juli 2013 an. 

Busweltreise Avanti Reiseroute
Avanti Busreisen
Die Reiseroute der Bus-Weltreise im Überblick
Sie haben bereits eine Alternativroute durch Russland geplant, falls Sie den Iran umfahren müssen. Wo erwarten Sie sonst noch Komplikationen?
Generell machen mir Grenzübergänge Sorgen. Vor allem in Asien ist das nicht einfach. Man kann da durchaus zwei, vier oder zwölf Stunden auf die Weiterreise warten. Bei der letzten Tour haben uns die Chinesen den Bus nicht deklariert. Dann kamen zwar die Teilnehmer nach China rein, aber der Bus erst mit 24 Stunden Verzögerung. So etwas ist dann natürlich ärgerlich. Das wird auch dieses Mal sicherlich nicht ausbleiben. Ich empfehle potentiellen Teilnehmern, unseren Blog von den vorherigen Reisen 2008 und 2010 auf der Seidenstraße zu lesen. So bekommt man einen Eindruck, warum es in der Vergangenheit Probleme gab, und wo es auch dieses Mal Probleme geben könnte. Der Blog gibt ein sehr aufschlussreiches Bild über Höhen und Tiefen der Reisen. 

Wer nimmt an solch langen Busreisen für gewöhnlich teil?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass fast immer Alleinreisende dabei sind. Das heißt nicht zwangsläufig Singles. Wir hatten auch schon den Fall, dass in einem Jahr der Mann die Strecke mitgefahren ist und im Jahr darauf die Frau. Die beiden hatten ein Haus, einen Garten und Haustiere zu versorgen. Die konnten gar nicht gleichzeitig in den Urlaub fahren. Etwa ein Drittel der Teilnehmer steht im Berufsleben, ist zwischen 35 und 55 Jahren alt und nimmt sich eine Auszeit oder baut Überstunden ab. Der andere Teil, ungefähr zwei Drittel, ist im Vorruhestand oder Ruhestand.  

Welche Vorraussetzungen sollten die Teilnehmer erfüllen?
Man muss gesund sein, das ist wichtig. Psychisch wie Physisch. Auch, wenn wir uns viel Zeit lassen, ist es körperlich sehr anstrengend, durch diese vielen verschiedenen Klimazonen zu reisen. Wir sind sehr vielen Eindrücken ausgesetzt, wobei die nicht immer positiv sind. Auf dem Landweg werden wir mit viel Elend konfrontiert. Damit muss man umgehen können. 

Was machen die Zuhause-Gebliebenen?
Wie schon bei den vergangenen Reisen auf der Seidenstraße werden wir einen Blog führen. Darin gibt es aktuelle Beiträge und jede Menge Fotos. Man wird die Route verfolgen können per GPS. Die Daheimgebliebenen sehen dann, dass wir gerade mit 67 Stundenkilometern durch die Karakum-Wüste in Turkmenistan fahren oder auf dem Highway 5 an der kalifornischen Küste. 

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?
Auf der Seidenstraße war ich schon vier Mal, die Gobi-Wüste ist immer wieder ein Höhepunkt. Aber ich war noch nie in den USA, noch nie in Amerika. Da freue ich mich besonders drauf.

Autor:
Angela Ölscher