Hongkong Luxushotel Mandarin Oriental

Es ist kein großartiges Erlebnis, einen Blick aus dem 19. Stock des Mandarin Oriental auf den Victoria Harbour zu werfen. Hier fehlt jede Spur von Postkartenromantik. Der Himmel über Hongkong ist wie so häufig diesig und die Skyline von Kowloon wirkt dementsprechend unscharf. Eine riesige Baustelle klafft zwischen dem legendären Luxushotel und dem Fähranleger der Star-Linie. Hongkong muss wachsen - und das sieht nicht immer schön aus.

Das Mandarin Oriental zeigt sich unbeeindruckt von all der Hektik und den ständigen Veränderungen der Außenwelt. Es ist eines der letzten Grand Hotels der Welt. Ein Klassiker, der gut Vorbild für einen epischen Roman sein könnte. Seit 1963 steht das Mandarin nun schon im Central-Distrikt und es ist eine der wenigen Konstanten im wuchernden Stadtbild. Die Uhren stehen hier jedoch nicht still, sie drehen sich nur anders. Zwar gönnte sich die Luxusherberge 2006 eine aufwendige Renovierung für 150 Millionen US-Dollar und brachte Fassade sowie Zimmer in Schuss, doch der alte koloniale Charme des Hauses blieb erhalten. Während draußen der Verkehr über die mehrspurige Connaught Road donnert, läuft hier seit Jahrzehnten alles in ruhigen Bahnen. Vom Küchenchef bis zur Sekretärin des Direktors - viele der Angestellten arbeiten hier schon ein Leben lang. Wer im Mandarin anfängt, wird Teil einer Familie. Was sich zunächst nach einer romantischen Verklärung anhört, ist hier Realität, denn den Zusammenhalt spürt man auch als Besucher.

So abgedroschen es klingen mag, in diesem Grand Hotel ist der Gast noch König. Der Service ist selbst für asiatische Hotels Spitzenklasse und manch eine Dienstleistung ist wohl auch einmalig. Bestes Beispiel dafür ist der Barber Shop im zweiten Stock. In dieser Hongkonger Institution schneiden, stutzen, waschen und fönen betagte chinesische Herren in weißen Kitteln meisterlich ihren männlichen Kunden die Haare. Der Barber Shop ist ein Gentlemen's Club. Frauen werden nicht bedient. Die alte britische Kronkolonie lässt schön grüßen.

Weniger restriktiv geht es im Spa des Luxushotels zu. Auf knapp 2100 Quadratmetern können hier Mann und Frau den Stress der Metropole hinter sich lassen. Saunen, Whirlpool, 24-Stunden-Fitnesscenter, Ruheräume - es fehlt an nichts. Neben klassischen Anwendungen wie Ayurveda wird in dem edel eingerichteten Wellnesstempel die Behandlung durch einen Doktor der traditionellen chinesischen Medizin angeboten. Nicht ohne Grund wurde das Spa weltweit als eines von 18 mit fünf Sternen vom "Forbes Travel Guide" ausgezeichnet.

Auch gastronomisch zählt das Mandarin zur Spitzenklasse. Während andere Hotels vielleicht gerade ein schickes Restaurant und eine noble Bar ihr eigen nennen können, trumpft die Nobelherberge gleich mit mehreren feinen Adressen auf. Das "Pierre" wurde mit zwei Michelin-Sternen, der "Mandarin Grill" mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Und im "Man Wah" gibt es wohl die besten Dim Sum der Stadt. Wenn es um einen guten Drink geht, ist die Auswahl ähnlich groß. In der "M Bar" im 25. Stock werden aufwendige Cocktails gemixt, in der altehrwürdigen "Captain's Bar" neben der Lobby trinkt man Bier aus silbernen Kelchen und im "The Chinnery" kommt britisches Pub-Gefühl auf.

Wer die gastronomischen Finessen und Spa-Anwendungen nicht mit fremden Hotelgästen teilen will, kann im Mandarin auch noch eines draufsetzen und damit den puren Luxus erleben - und zwar in der Mandarin Suite. Fast 300 Quadratmeter voller Annehmlichkeiten stehen hier dem Gast zur Verfügung, inklusive Butlerservice, einem eigenen Raum für Spa-Anwendungen, einem edlen Esszimmer und sogar einem Dampfbad. An die 4500 Euro kostet die Übernachtung in der Suite. Im Preis inbegriffen ist auch der Blick auf den Victoria Harbour. Der ist übrigens auch von hier an diesem Tag nicht berauschend. Doch darüber kann man im Mandarin ohne weiteres hinwegsehen.

Autor:
Denis Krah