Illinois Chicago, Heimat des Blues

Chicago wird oft als Hauptstadt des Blues bezeichnet – und tatsächlich ist diese Musikrichtung noch immer "die" Musik der Metropole am Lake Michigan. Davon zeugen die diversen Musiklokale und Clubs im Loop, der Innenstadt von Chicago, und natürlich das berühmte Chicago Blues Festival. Dieses größte, kostenlose Bluesfestival der Welt findet seit 1984 alljährlich an vier Tagen im Juni im Grant Park statt. Doch Chicago ist nicht nur Hauptstadt des Blues, sondern auch seine Heimat: Hier liegen die Wurzeln dessen, was den Blues bis heute im Wesentlichen ausmacht. Hier entwickelte sich die Art und Weise, wie diese Musikrichtung bis heute gespielt wird: laut, mit akustischen Instrumenten, elektrisch verstärkten Gitarren und einem Mundharmonikaspiel mit viel Gefühl.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen Tausende Afroamerikaner, oft Nachkommen ehemaliger Sklaven, aus dem armen Süden der USA nach Chicago, weil sie hofften, in der prosperierenden Stadt leichter Arbeit zu finden. Sie brachten ihre Kultur und ihre Musik mit und pflegten beides auch in der neuen Heimat. Meist waren es die Männer, die in den Liedern die Geschichte der großen Migration aus dem ländlichen Süden in die industrialisierten Städte des Nordens erzählten, die vom Sklavenleben, der neuen Arbeit und dem Überlebenskampf im Alltag sangen. Die meisten dieser schwarzen Hobbymusiker sind längst vergessen, doch ihre ausdrucksstarke Musik lebt bis heute in vielen Varianten weiter. Manche von ihnen schafften es jedoch und wurden durch den Blues berühmt.

Buddy Guy, 1936 in Louisiana als Sohn von Landarbeitern geboren, ist heute einer der wichtigsten Bluesmusiker der USA. Mit 20 Jahren war Buddy auf der Suche nach Arbeit nach Chicago gezogen, wo er dann im 708 Club von Otis Rush und Muddy Waters entdeckt wurde. Mittlerweile gilt Buddy Guy als einer der innovativsten Gitarristen, sein Stil hat unzählige Musiker geprägt. Ihm gehört sogar ein eigener Club, der sich als Treffpunkt für Musiker und Freunde des Blues etabliert hat: Buddy Guy’s Legends.

Empfehlenswerte Bluesclubs:

B.L.U.E.S.: Seit Jahren einer der besten und authentischsten Bluestreffs in Chicago. Livemusik gibt es täglich und meist ab 21.30 Uhr, es empfiehlt sich aber, früher zu kommen, wenn man einen Sitzplatz möchte. In der Regel treten hier die besten Chicagoer Bluesbands und -musiker auf. 2519 N. Halsted St.; Tel. 7 73/5 28-10 12; www.chicagobluesbar.com; Red Line: Fullerton; So–Fr 20–2, Sa 2–3 Uhr

Buddy Guy’s Legends: Legendärer Club des großen Bluesmusikers, mitten im South Loop. Hier spielen lokale Größen, junge Nachwuchsbands, aber auch internationale Stars wie Eric Clapton, Carlos Santana und ZZ-Top und hin und wieder sogar Buddy Guy persönlich "echten" Chicago Blues. Fotos der Musiker, ihre alten Gitarren und Schallplatten an den Wänden bestimmen die Atmosphäre des Clubs. 754 S. Wabash Ave.; Tel. 3 12/4 27-03 33; www.buddyguys.com; Red Line: Harrison; Mo–Fr 11–2, Sa 17–3, So 18–2 Uhr

House of Blues: Bekannter, großer Blues- und Musikclub mit täglichen Livekonzerten im Marina City Complex. Das durch seine farbenfrohe Opulenz beeindruckende Ambiente des Clubs ist nach dem Prager Ständetheater gestylt. Im hauseigenen Restaurant wird deftige Südstaatenküche serviert, besonders populär ist der Sunday Gospel Brunch. 329 N. Dearborn St.; Tel. 3 12/9 23-20 00; www.hob.com; Bus 151: Michigan/Illinois; Lunch und Dinner; tgl. ab 11.30 Uhr, Restaurant bis 24 Uhr, Music Hall bis 2 Uhr geöffnet.

Wer noch weiter in den Blues - und die Geschichte dahinter - eintauchen möchte: Unter www.downloadchicagotours.com findet man eine virtuelle Audiotour durch die Bluesszene mit zahlreichen Hörstücken und informativen Berichten.

In den Chicago Blues Archives finden sich Höraufnahmen und Filme, Videos älteren und neueren Datums und weiteren Informationen rund um den Blues. 

Autor:
Heike Wagner