Budapest Reisetipps für Ungarns Hauptstadt

Das groß angelegte Gastroprojekt "Symbol" beweist, dass üppiger Raum und kulinarische Klasse durchaus miteinander vereinbar sind. Und wem das zu wenig hip ist, dem bleibt in Ungarns Hauptstadt immer noch der Gang in die "Menza" oder den "Szimpla Kert".

Das alte Gebäude im altehrwürdigen Stadtteil Óbuda an der unscheinbaren Straße Béci út gelegen gleicht einer großen Kunstgalerie mit Wohlfühlcharakter. Kunstliebhaber und Gastronom Sándor Barna ist sehr darauf bedacht, seinen Gästen hier im dritten Bezirk Budapests etwas ganz Besonders zu bieten. Dafür hat er gerne acht Jahre Arbeit investiert. "Mit der Unterstützung meiner Familie, von Freunden, Fachleuten und deren Glaube, Begeisterung und Kreativität an das Projekt habe ich mir einen Traum erfüllt", sagt Barna über sein "Symbol".

Auf einer Gesamtfläche von mehr als 3000 Quadratmetern hat er sich so einen sehr schönen und stilvollen Restaurantkomplex geschaffen, der unter einem Dach sieben individuelle Einheiten beherbergt. Ein Hofgarten mit einer pompösen, blau schimmernden Bar, ein Café-&-Lounge-Bereich, Restaurants mit internationaler Küche, eine Galerie für Künstler, einen Club mit Live-Musik, einen urigen Weinkeller und ein Gedenklokal an Ferenc Puskás, Ungarns größte Fußball-Legende.

Der "Puskás Pancho Sport Pub" ist ein Muss für jeden Fußballfan. Die Bilder an den Wänden erinnern an Ungarns Fußball-Legende Puskás und dessen glanzvolle Karriere (nimmt man einmal das verlorene WM-Finale von 1954 gegen Deutschland in Bern aus). Serviert werden einfache Gerichte zu kleinen Preisen und Bier. Auf den an der Wand hängenden Plasma-Bildschirmen wird so gut wie jedes verfügbare Bewegtbild aus der Welt des Sports gezeigt. Wer indes einen romantischen Abend zu zweit verbringen möchte, sollte ein paar Treppen abwärts steigen.

Denn so richtig gemütlich und romantisch wird es erst im Kellerrestaurant des Symbol. Dort werden Spezialitäten aus der ungarischen, schwäbischen und jüdischen Küche stilvoll serviert. Das 220 Jahre alte Gewölbe ist mit viel Liebe zum Detail perfekt durchgestylt. Besonders schön sind die an Omas Küche erinnernden roten Blechtöpfe und Deckel, die dekorative Zwecke erfüllen, aus denen aber auch das Essen gereicht wird. Hier unten ist das Preis- und Leistungsverhältnis sehr gut, die Weinkarte lässt sich getrost als herausragend bezeichnen.

Besitzer Barna fühlt sich in seinem Kellerrestaurant besonders wohl: "Für mich sind Ziegel, Steine und Holz lebendiges Material, die Räumen immer eine ganz besondere Stimmung verleihen." Darüber hinaus ist es vor allem der altertümliche Haubenofen, in dem das Feuer seit der Eröffnung vor zwei Jahren brennt, der dem Ambiente das gewisse Knistern verleiht. Gastronom und Kunstliebhaber Barna hält sehr stark an Traditionen fest, und das macht das "Symbol" auch aus: Es ist eben nicht nur ein mondäner, moderner Gastropalast. Hier kann jeder Besucher seine ganz eigene Oase finden - kunstvoll inszeniert und weltstädtisch durchdacht. Eine einmalige, kulinarische Entdeckung mit äußerst hohem Inspirationsfaktor.

Wer Berlin Mitte mitten in Budapest sucht

Die Menza am Liszt Ferenc Platz an der Adrássy út ist ein Retro-Restaurant, das der gestalterischen Ästhetik der 1970er Jahre anhängt: Blümchen- und Rautenmuster-Tapeten zieren die Wände, unter orangefarbenen Lampenschirmen auf gemütlichen braunen Designersesseln nimmt das junge Publikum Platz, das in den Siebzigern noch nicht geboren war. Ja, die Menza ist ein sogenannter In-Treff.

Gerade deswegen sollte man hier unbedingt einen Tisch reservieren. Denn hier verabreden sich nicht nur Budapester zum Mittag- oder Abendessen, sondern auch Touristen aus aller Welt. Dürre Frauen in Gucci-Kleidern, die sich vor dem traditionellen Gulascheintopf und dem Palatschinken über ihre Wochenenderlebnisse austauschen, Geschäftspartner im Businesstalk oder Mode- und Grafikstudenten, die es sich mit Laptop, Zeitschrift und Quarkknödel in Erdbeersoße in der Menza gemütlich machen.

Die großzügige Menükarte, in drei Sprachen verfasst, hat alle Köstlichkeiten aus der traditionellen ungarischen Küche zu bieten. Für ein Menü mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise zahlt der Gast nicht mehr als 20 Euro.

Wer es gerne chic und angesagt mag, ist in der Menza genau richtig. Hier weht ein Hauch von Berlin Mitte, und ein sehr angenehmer dazu: Statt sich wie um den Rosenthaler Platz herum mit arrogant bis unfreundlichen Bedienungen herumzuschlagen, wird man vom Personal in der Menza freundlich und zuvorkommend bedient.

Zwischen Gulasch und Glamour

Ans Karoviertel in Hamburg oder den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg erinnert inzwischen Elisabethstadt. Das alte jüdische Viertel im Zentrum von Budapest entwickelt sich immer mehr zum Szenetreffpunkt und bleibt dabei ganz unaufgeregt. Der 7. Bezirk der Donau-Metropole ist einfach ein besonderer Ort. Verfall und Glanz liegen hier dicht beieinander.

Zwischen Schutthaufen, Abrisshäusern und Bauplakaten häufen sich schicke Klamottenläden, Neubauten und Kunstgalerien. Das Viertel schafft den Spagat zwischen Gulasch und Glamour. Und doch verbreitet der Stadtteil mit seinen maroden Bauten und der großen, restaurierten Synagoge noch immer eine gewisse Melancholie.

Wer es nicht ganz so konspirativ mag, der kommt in Elisabethstadt an dem Lokal "Szimpla Kert" nicht vorbei. 2001 gründeten vier Studenten diesen "Simplen Garten". Ihr Ziel war es, eine alternative Kultureinrichtung in den abbruchreifen Gebäuden des Viertels zu etablieren. Mittlerweile ist das "Szimpla Kert" eine einzigartige Ruinenkneipenlandschaft, in der zahlreiche kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Der Weg ins Lokal führt durch einen alten Hofeingang, dann durch einen Raum, in dem man sein Fahrrad an die Decke hängen kann. Eine clevere Idee, denn Parkplätze sind in Elisabethstadt Mangelware.

Die Einrichtung des "Szimpla Kert" ist simpel und doch verspielt. Stilvoll in Szene gesetzte Sperrholzmöbel und in jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken: Hier ein altes Bobbycar, dort ein zur Bar umfunktionierter Klavierflügel. Zu leiser Musik kann man im "Szimpla Kert" mühelos abtauchen. Auch von außen droht keine Belästigung: Das "Szimpla Kert" ist als Denkmal von der UNESCO geschützt und so immun gegen jene Immobilienhaie, die in Elisabethstadt ihr Unwesen treiben.

 

Autor:
Sara Hellmers