Budapest Maßgefertigte Schuhe

1. Die Maßnahme

Ehrlich gesagt, ich hatte nie eine richtige Beziehung zu meinen Füßen. Ich trampelte auf ihnen herum, aber ich beachtete sie nicht. Bis zu jenem dummen Unfall. Getrieben von falschem Ehrgeiz, wollte ich unbedingt den Schmetterball dieses Angebers noch erreichen, rutschte aus, knickte um und riss mir die Bänder im linken Fuß. Es war passiert. Plötzlich gehörte ich nicht mehr dazu.

In dieser Stimmung lernte ich eine Ungarin kennen. Wir waren die einzigen Gäste, das Hotel döste in der Mittagsruhe, während draußen die Urlauber ihre Funsportarten verrichteten: climben und biken, powerwalken und joggen. Die Ungarin schien von all dem nicht viel zu halten. Es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, auf Berge zu kraxeln, in den Hotelteich zu hüpfen oder Volleybälle über ein Netz zu schmettern. Ganz altmodisch ging sie spazieren, um nachzudenken. Einmal erzählte sie mir von ihrer Heimatstadt, und wir kamen, wohl über meinen geschwollenen Fuß, auf "Budapester" zu sprechen, auf jene legendären Herrenschuhe, die es seit der Wende bei gewissen "Hoflieferanten" in Budapest zu kaufen gab. Feste, rahmengenähte Lederschuhe, in denen man wie von selbst das richtige Stehvermögen entwickle. Mit solchen Schuhen, sagte die Ungarin, würde ich nie wieder den Boden unter den Füßen verlieren.

Sechs Monate später saß ich in einem schuhschachtelgroßen Laden in der Budapester Innenstadt. Vor mir kniete Erika. Und der Meister selbst, der Kunstsammler und Designer László Vass, überwachte die Arbeit seiner Maßnehmerin. Mit einem Bleistift zeichnete Erika den Umriss meiner Füße auf ein kariertes DIN-A 4-Papier, nahm die Maße am Spann, am Ballen, an der Ferse und fertigte daraus ein sogenanntes Fußdokument. Überraschenderweise war nicht mein linker, sondern mein rechter Fuß etwas dicker, und der Ballen schien eine "Problemzone" zu sein. László Vass drückte seinen rechten Daumen unters Kinn und klemmte die linke Hand unter die rechte Achsel. Sein Kopf senkte sich, und die Brille rutschte ihm auf die Nasenspitze. Dann faltete er die Hände, drückte beide Daumen unters Kinn und steckte die Nase zwischen die Zeigefinger. Dabei schloss er die Augen. Im Kopf fräste er vermutlich schon den passenden Leisten und malte darauf mit einem imaginären Filzstift das Lochmuster-Design für ein harmonierendes Oberleder.

2. Die Leisten - hart und elastisch muss das Holz sein

Ein Mann, der sich Maßschuhe machen lässt, demonstriert damit zweierlei: dass er sich einen Leisten leisten kann und dass er das Fundament seiner Existenz, den Fuß, als tragendes Element anerkennt. Weil die Füße im Laufe des Lebens viel aushalten müssen - ein Mensch läuft etwa 160.000 Kilometer - unterliegt auch das Material des Schuhmachers diesem Kriterium: Es muss etwas aushalten, wenn es die Füße entlasten und gesund erhalten soll.

Das fängt mit dem Holz an, aus dem der Leisten gefertigt wird. Es muss hart und gleichzeitig elastisch sein. Seine Fasern müssen so dicht beieinander liegen, dass der Leisten sowohl das Einschlagen und Ausreißen vieler hundert Nägel als auch das ständige Behämmern und Beklopfen ohne Deformationen übersteht. Die Leistenbauer aus Pápa, einer Kleinstadt im Westen Ungarns, verwenden dafür Hainbuchenholz, das in einem aufwendigen Trocknungsprozess drei Jahre ruht, bevor es mit Hippe, Schnitzmesser und Raspel in die gewünschte Form gebracht wird. Ist der Prototyp eines Leistens entstanden, übernehmen die Messerköpfe computergesteuerter Fräsmaschinen den Rest.

László Vass arbeitet mit fünf unterschiedlichen Normleisten: dem geläufigen Budapester, der Banane, dem 3636er und den seltener verlangten Typen Péter und R. Für mich holte Vass, ohne viel zu fragen, einen Budapester aus dem Lager, setzte ihn auf mein Fußdokument und schraffierte auf dem Holz meine Problemzonen: Ballen rechts verbreitern, großen Zeh leicht anheben, Spann beidseits erhöhen. An diesen Stellen würde der Schuhmacher Lederflicken auf den Normleisten kleben, um ihn so in einen individuellen Maßleisten zu verwandeln.

Aber Achtung! Bereits hier fällt die Entscheidung, ob man eines Tages hatschen oder trippeln wird, ob man mit seinem Schuh einen Stand-Punkt einnehmen kann oder schon nach kurzer Zeit in die Knie geht. Gutes Schuhwerk darf weder die natürliche Gerade Ferse - Großzehe verbiegen noch das Längs- und Quergewölbe des Fußskeletts gewaltsam zu Boden drücken.

Der richtige Leisten für mich musste also die Proportionen meines Fußes übernehmen und gleichzeitig ästhetisch wirken. Er musste das rechte Maß finden zwischen Schicksal und Schönheit. Erst danach durfte ich wirklich wählen.

3. Welches Modell - doch den sportiven Derby?

Sollte ich einen Oxford nehmen oder einen Derby? Mit einem Oxford konnte man die wildesten Tänze aufs Parkett legen, ohne dass einem der Schuh um die Ohren flog. Andererseits konnte man ihn nur mit beiden Händen vom Fuß ziehen.

Also doch den sportiven Derby? Der hatte Blüchers Soldaten in der Schlacht gegen Napoleon enorme Vorteile verschafft, weil man ihn sehr schnell aus- und anziehen konnte. Oder würde mir am Ende ein Monk stehen, mit eleganter Doppelschnalle, wie ihn die Prinzen von Windsor tragen?

László Vass musterte mich und brachte dann einen Full-Brogue Derby, Budapester Modell - den Klassiker schlechthin. Schwarz, schwer, stark. Mit hoher Vorderkappe und doppelter Sohle. Rahmengenäht und lyragelocht. In diesem Schuh stand man sofort auf dem Boden der Tatsachen. Ein Modell für Geschäftsleute, die weder Zeit zum Einkaufen noch Sinn für wechselnde Moden haben.

Sah László Vass in mir diesen Typ? Oder reichte ihm schon meine Herkunft zur Klassifizierung? Mit den Westlern hatte er schließlich Erfahrung. Denn 1989, als Budapest zum Tummelplatz internationaler Konferenzen wurde, pilgerten viele Uno- und OSZE-Delegierte, aber auch Manager westlicher Konzerne, in ihren Meetingpausen zu László Vass. Sie hatten gehört, dass es die berühmten "Wiener Löcherlschuhe" im Osten zu vertretbaren Preisen gab, und schwärmten von der handfesten Qualität, die im verweichlichten Westen ja nirgendwo mehr zu bekommen war. Umgekehrt stürzten sich die (wenigen) besser verdienenden Ungarn - befreit von der Diktatur staatlicher Modeinstitute - auf die eleganten italienischen Gucci-Loafer und Mokassins, an denen vor allem das zarte Design faszinierte, während der Materialaufwand und die Mühsal der im Produkt steckenden Arbeit völlig unwichtig waren. Die einen wollten etwas kriegen für ihr Geld, die anderen etwas gelten nach dem Kalten Krieg.

Reiche Ungarn kauften Budapester nur im Notfall, zu Provinzhochzeiten oder Beerdigungen, weil die Trauernden in der Regel auf die Schuhspitzen starren. Den Finanzmagnaten George Soros konnte man sich in einem Penny oafer von John Lobb bestens vorstellen und den Regisseur George Tabori in amerikanischen Nike-Sneakers.Aber in massiven, bordeaux-farbenen Budapestern aus Pferdeleder mit ornamentaler Lochverzierung?

László Vass hatte das erkannt und setzte radikal auf die Sehnsucht des Westens nach gediegener Wertarbeit. Damals wohnte er mit seinem Geschäftspartner Zábrák noch unter einem Dach. Vass, der passionierte Leistendesigner, in der einen Hälfte des Doppelhauses, der Ledergroßhändler Zábrák in der anderen. Gemeinsam wurden sie 1989 in die Marktwirtschaft gestoßen und mussten sich in ihr behaupten. Mit bösen Folgen. Denn plötzlich kaufte Vass sein Leder nicht mehr bei Zábrák, sondern in Italien, Frankreich und den USA. Das ungarische Leder war ihm nicht mehr gut genug.

Die Zábráks revanchierten sich und machten ihren eigenen Schuhladen auf. Heute präsentiert Csilla Zábrák ihre hand made shoes in der feinen Ladenpassage des Kempinski-Hotels, während László Vass in der Fußgängerzone nahe der zentralen Einkaufsstraße residiert. Die gut nachbarlichen Beziehungen hatten sich in Rivalität verwandelt. Wie konnte die Lederfrage solche Sprengkraft entwickeln?

4. Das Leder - die zweite Haut des Fußes

Ein Budapester, erklärte mir Csilla Zábrák, ist etwa doppelt so schwer wie ein industriell gefertigter Schuh. Das Leder ist dicker, die Sohle stärker, die Kappe nicht mit Papier ausgestopft, und der Absatz enthält keinen Hohlder raum. Trotzdem muss dieser massige Schuh so federleicht auf dem Fuß liegen wie eine zweite Haut. Denn Schuhe, egal wie schwer, spürt man erst, wenn sie zu eng sind oder der Fuß in ihnen ins Schwitzen gerät.

Ein Fuß muss atmen können. Und das heißt, das Leder, das ihn umhüllt, muss so weich und porös sein, dass es wirkt wie eine Klimamembran: Es hält die Füße auf Betriebstemperatur. Ein solches Leder herzustellen, gleicht der Quadratur des Kreises. Je weicher und wetterfester man es macht, desto undurchlässiger wird es: Chromsalze aus der Gerbung und Farbpigmente setzen sich in die Poren, das Glattschleifen der Narbenhaut besorgt den Rest.

Am verträglichsten für den Fuß ist deshalb die rein pflanzliche Gerbung der Rinderhäute in einem Sud aus Eichen- und Mimosenrinde. In diesem schonenden Verfahren bleiben die Hautporen erhalten, und das in den Rinden enthaltene Tannin imprägniert nicht nur das Leder, sondern wirkt auch - nach langem Stehen - schmerzstillend wie ein Fußbad. Da die Eichenlohgerbung aber langwierig ist und nicht das vom Kunden verlangte "samtige" Leder hervorbringt, wird sie fast ausschließlich zur Erzeugung von Sohlenledern verwendet. Ich entschied mich, aus rein emotionalen Gründen, gegen die teuerste Variante, den robusten zwiegenähten Scotchgrain-Derby aus extrastarkem Chicagoer Pferdeleder, und wählte das von beiden Verkäuferinnen favorisierte cognacfarbene Budapester Modell im vollen Ornat: mit den berühmten Loch und Steppmustern und dem pfeifchenförmigen Erkennungszeichen des "Original Budapesters" zu beiden Seiten der Schnürlöcher.

5. Zuschneiden, Steppen, Stanzen

Am nächsten Tag fuhren wir in die Werkstatt. Sie liegt in einer gut bürgerlichen Wohngegend im 15. Bezirk und besteht aus einem Keller in einer kleinen Villa und einem Hinterhaus. Gleich am Eingang stanzte Ferenc sechs Millimeter dicke Sohlen aus strapazierfähigem Croupon-Leder, das die Wucht meines künftigen Auftretens dämpfen sollte. Ein Zimmer weiter standen sich an einem Tisch Marika und Gyuri gegenüber. Auf Schneidbrettern ritzten sie das Ober- und Futterleder für meine Schuhe aus quadratmetergroßen Rinderhauttafeln. Mit den Händen strichen sie über die Häute, um Unebenheiten und Verwachsungen herauszuspüren, suchten geeignete Partien für Kappe und Ferse und legten dann ihre Schablonen auf. Wie beim Plätzchenausstechen kommt es darauf an, möglichst wenig Abfall zu produzieren. Denn die Lederkosten sind seit der BSE-Krise stark gestiegen.

Nach dem Zuschnitt des Leders steckte Marika die einzelnen Stücke - geflügelte Vorderkappe, Seitenteile und Ferse - mit Schablonen und Fußdokumenten in eine Plastiktüte, und ab ging's in die Budaer Berge. Dort, in Budakeszi, steppt Terézia die Teile zu einem Schaft zusammen. In Heimarbeit und trotz fortgeschrittenen Alters. Denn außer ihr, der Donauschwäbin, beherrscht kaum noch jemand die Kunst des Schaftsteppens, Auszackens und Lochstanzens von Hand.

Eine Kippe im Mundwinkel, die Kitteltaschen vom Werkzeug nach unten gezogen, saß sie an ihrer "Minerva" aus tschechoslowakischen Beständen und nähte die Teile passgenau aneinander. Zuvor hatte sie mit Hammer und Stanzmesser die Lyralochung ins Leder geschlagen, Hunderte von Löchern in exakt gleichen Abständen, ohne abzusetzen und ohne eine Spur von Unsicherheit. Die eigentliche Konzentration aber erforderte das Zusammenfügen Hohlder schwer zu bändigenden Lederlappen, Riemen, Bänder und Paspeln zu einem akkurat sitzenden Schaftstück, das der Schuster dem Leisten überziehen konnte wie einen Strumpf. Spätestens hier, bei Mutter Terézia in den Budaer Bergen, akzeptierte ich in Demut den Kaufpreis von 400 Euro.

6. Die Seele des Schuhs

Nun mussten Schaft und Sohle noch zueinander kommen. Bei handgearbeiteten Schuhen geschieht dies mit Hilfe eines unscheinbaren, zwei Zentimeter breiten Riemens, der in der Schustersprache Rahmen genannt wird. An diesem Riemchen, der "Seele des Schuhs", hängt das ganze Können des Schusters.

Doch lange Zeit war es nicht gefragt. In den Schuhfabriken wurden Schaft und Sohle einfach unter hohem Druck zusammengeklebt. Die Naht verkam zum Zierrat. Und die Schwerstarbeit des Nähens galt als Relikt der Vergangenheit. Als Vass in die Ära der Marktwirtschaft eintrat, fand er keinen Schuster, der nähen wollte.

Erst ein Zufall kam ihm zu Hilfe. Ein Mann stand vor seinem Laden und starrte auf die Schuhe im Fenster. Er machte nicht den Eindruck, als ob er sich Maßschuhe leisten könnte, doch er wich nicht von der Stelle. Als Vass schließlich die Tür öffnete, deutete der Mann auf die Schuhe und sagte: "Das kann ich auch."

Er kam aus der Kronstädter Gegend, aus Siebenbürgen, und Vass stellte ihn ein. Heute arbeiten zwölf Schuhmacher in seiner Werkstatt, die meisten aus Rumänien, denn nur mit Gastarbeitern aus dem Osten kann László Vass die Konkurrenz im Westen unterbieten. In der Werkstatt saßen sie aufgereiht auf ihren Schemelchen wie Steppkes im Kindergarten. Die meisten arbeiteten in zerrissenen Jeans und Turnschuhen, manche im Blaumann, mit umgebundener Schürze. Ein Beinriemen, festgehalten mit dem Fuß, presste Leisten und Brandsohle auf Bálints Oberschenel. Die Sohle durfte beim Annageln nicht verrutschen. Mit dem ersten Schlag trieb er die Stifte durch das Leder ins Holz, mit dem zweiten bog er sie nach innen um. Anschließend zwickte er die Brandsohle an den Schaft. Wenn der Rahmen angenäht ist, werden die Nägel wieder gezogen.

Das Rahmennähen hat eine ganz eigene Choreografie. Mit zwei gekrümmten Nadeln zog Bálint Pechdraht, ein mit Harz und Wachs eingeriebenes Flachsgarn, von unten und oben durch Brandsohle, Rahmen und Schaft und straffte die Naht anschließend mit einer schnellen, beidseitig ausladenden Armbewegung. Von weitem sah es aus wie das freudige Begrüßen eines Babys auf dem Wickeltisch.

Auf die gleiche Weise wurde die Laufsohle angenäht, eine Arbeit, die viel Kraft verschleißt. Denn das Durchstechen von bis zu zwölf Millimeter dicken Lederschichten, das Straffziehen des Garns, Hunderte Male am Tag in gekrümmter Haltung, geht ins Kreuz und ruiniert die Hände. Mit Lederringen versuchen die Schuster zwar ihre Finger zu schützen, aber die Daumenknöchel sind gerötet, eingerissen die Haut, entzündet von Kleister, Pech und Wichse. Danach baute Bálint den Absatz, färbte Sohlen- und Absatzränder und zog den Leisten mit Hilfe des Beinriemens aus dem fertigen Schuh.

Und: Die Zukunft - der orthopädische Maßschuh für alle

Da standen sie nun, meine Budapester, und verlangten nach Zuwendung. Ich "bügelte" sie, wie versprochen, gleich nach dem ersten Tragen mit Schuhspannern aus Erlenholz. Das Wachs tupfte ich mit einem weichen Tuch auf und massierte es dann in kreisförmigen Bewegungen ins Leder ein. Auch musste ich mir angewöhnen, beim Anziehen einen Schuhlöffel zu benutzen, denn ich hatte bislang einfach die Fersenkappen niedergetreten oder mit der Spitze des einen Schuhs die Hinterkappe des anderen festgehalten, um herauszuschlüpfen. Eine Todsünde!

Nun musste ich meine Schuhe noch einlaufen. Ich marschierte vom Gellért- Hotel zum Café Centrál, die Andrássy út entlang zum Heldenplatz und wieder zurück. Der rechte Schuh drückte am Ballen, das Leder war ungewohnt hart. Aber es duftete selbst nach mehrstündigem Getretenwerden würzig wie Pfeifentabak.

Dabei erinnerte ich mich jenes Nebensatzes, den Csilla Zábrák im Kempinski hatte fallen lassen. Dass es selbst bei den besten handgearbeiteten Schuhen eine Schwachstelle gebe: das Maßnehmen. Bei nur vier Messwerten pro Fuß mussten einfach Fehler unterlaufen. Auch das Aufkleben von Lederflicken auf Normleisten hatte seine Tücken.

Csilla Zábrák wollte diese Schwächen überwinden, indem sie auf das dreidimensionale Scannen von Körperteilen setzte. Das Problem war nur: Die auf dem Markt befindlichen 3-D-Scanner waren mit bis zu 16 Kameras bestückt, benötigten aufwendige Lasertechnik und eine komplizierte Software, was die Geräte extrem teuer machte.

Bis der 15-jährige Budapester "Scan-Guru" Gábor Bernáth auftauchte und an seinem Heimcomputer die Software für einen simplen Scanner mit nur einer Digitalkamera schrieb, die einen Fuß in 90 Sekunden dreidimensional vermessen konnte. Der Wiener Broker Richard Hollmann war davon so begeistert, dass er Bernáth das Kapital für die Gründung einer Firma gab.

Ziel sollte es sein, einen marktreifen Fußscanner zu einem vernünftigen Preis zu entwickeln. Die Utopie dahinter klang wie eine Bill-Gates-Story: Künftig sollten Bernáth-Scanner in jedem Schuhgeschäft stehen. Die Daten der Geräte würden per E-Mail an Bernáths Firma übermittelt und dort zu 3-D-Bildern zusammengesetzt, die an Leistenbauer und Schuhmacher weitergegeben werden. Diese könnten dann aus den Daten die perfekt sitzenden Schuhe fertigen.

Hollmann und Bernáth boten ihre Erfindung zunächst László Vass an, doch der winkte ab. Der Kunstsammler wollte lieber ein Museum eröffnen als eine Hightech-Firma. Csilla Zábrák aber sah ihre Chance. Ihr Ziel ist nicht die Erhaltung des Budapesters als Ausdruck folkloristischer Handwerkskunst, ihr Ziel ist der orthopädische Maßschuh für alle. Und das ist genau das Richtige für Leute wie mich, die ihre Füße allzu lange sich selbst überließen.