Budapest Heilbäder in Europas größter Kurstadt

Die Thermen von Aquincum in Budapest.

2000 Jahre Wellness: Schon die Römer entspannten hier in warmem Wasser. Nicht nur sie haben dabei ihre Spuren hinterlassen. Eine Zeitreise von Bad zu Bad.

1. bis 4. Jahrhundert: die Römer

Die Ruinen von Aquincum: Die Römer froren. Vor 2000 Jahren herrschte an der Donau noch kein so mildes Klima wie heute. Da bibberten sie also, die Herren Soldaten der zweiten römischen Legion aus dem Süden. Tausende Männer unter Waffen, aus der Heimat fortgeschickt, um die Ostgrenze des Imperiums zu schützen. Mit Aquädukten leiteten sie das heiße Wasser, das allerorten aus der Erde sprudelte, in ihre Garnison und errichteten ein Bad. Von da an trafen sich die Soldaten dort regelmäßig zum Waschen und Aufwärmen. Die Zivilstadt, die im frühen 2. Jahrhundert ein paar Kilometer nördlich des Lagers entstand, nannten sie Aquincum nach der keltischen Vorgängersiedlung Ak-Ink. 1778 entdeckten Arbeiter die Reste des Militärbades, der Thermae Maiores. Noch heute lässt sich zwischen den hüfthohen Mauern erkennen, wie es sich die Römer gut gehen ließen. Ein Raum war dem großen Ofen vorbehalten. Die heiße Luft, die von dort unter die Fußböden und hinter die Wände geleitet wurde, heizte die Räume und hielt das Wasser in den Becken warm. Wer nach dem Bad noch Kraft hatte, ging in den angrenzenden Fitnessraum und stemmte Gewichte. Spätestens da kam auch die größte Frostbeule ins Schwitzen. Zu sehen sind die Ruinen von Thermen, Wohnhäusern und Markthalle. Außerhalb des Geländes liegt ein Amphitheater.

Das Rudas-Bad in Budapest.
Darshana Borges
Keine Discokugel, sondern Sonnenlicht, das durch buntes Glas fällt: Das Rudas-Bad ist berühmt für seine Kuppel.
1541 bis 1686: die Osmanen

Das Rudas-Bad: Die Osmanen hatten 150 Jahre Zeit, um Buda und Pest umzukrempeln. Das taten sie gründlich. Nach der Eroberung 1541 bauten sie Kirchen zu Moscheen um und errichteten über den Quellen ihre eigenen Thermalbäder, ähnlich den Hamams, die sie vom Bosporus gewohnt waren. Um 1550 erbauten sie das Rudas-Bad; damals hieß es noch "Bad der grünen Säule" - angeblich, weil eine der Säulen, die die Kuppel tragen, grün schimmerte. Wie alle osmanischen Bäder war das Rudas ein Ort des gesellschaftlichen Lebens: Zwischen den Badegängen war Zeit zum Essen, Trinken und Reden; hier wurden Geschäfte besiegelt, Freundschaften geschlossen und Intrigen gesponnen. Diener halfen beim Umziehen, rasierten und massierten die Gäste und putzten ihnen am Ende die Schuhe.

Am zentralen Kuppelbau des Rudas-Bades hat sich seit jener Zeit nicht allzu viel verändert. Noch immer liegen die fünf Wasserbecken in dunstig-schummrigem Licht. Durch buntes Glas in der Decke fallen Sonnenstrahlen wie Scheinwerferkegel auf die Köpfe der Badenden. Das Murmeln der Gäste und das Rauschen des Wassers hallt unter der Kuppel. Man braucht als Besucher heute nicht viel Fantasie, um hier in ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht einzutauchen. Dennoch, ganz so wie früher ist es nicht mehr. Kein Gast käme etwa auf die Idee, wie einst sein Pferd zur Heilwasserkur mitzubringen. So lässt sich das Wasser der Juventus-Quelle, das aus einem Hahn fließt, viel ungestörter genießen. Wer es trinkt, bleibt angeblich für immer jung. Hier wird meistens nach Geschlechtern getrennt gebadet. Frauentag: Di. Männertage: Mo, Mi, Do, Fr; am Wochenende ist für alle geöffnet.

Das Gellért-Bad in Budapest.
Darshana Borges
Warm und licht: Bis zu 30 Grad misst das Wasser des Gellért-Bades, dazu scheint die Sonne durchs gläserne Dach.
Um 1920: Zwischenkriegszeit

Das Gellért-Bad: "Bloß keine halben Sachen", mögen die Budapester gedacht haben, als sie sich Anfang des 20. Jahrhunderts nach vielen Kriegen und Revolutionen an ihre Badekultur erinnerten. Also bauten sie h. Am 26. September 1918 wurde das Bad eröffnet, noch heute gepriesen als Glanzpunkt des Budapester Jugendstils. Das Wasser fließt aus marmornen Schildkröten in die Thermalbecken, von der Galerie recken Palmen ihre Blätter; und ins Mosaik der Wände sind bunte Steine eingelassen, auf denen die Wassertemperatur zu lesen ist. Das Gellért ist keine architektonische Laune, es ist ein Gesamtkunstwerk, das in Würde altern durfte. Im Sanatoriumstrakt werden einheimische Kurgäste wie früher auf Staatskosten behandelt - zum Beispiel mit Gewichtsbädern bei Bandscheibenproblemen oder Heilschlamm bei rheumatischen Erkrankungen. Alle anderen nutzen indes das Bad und sein luxuriöses Spa, genießen Anwendungen vom Kohlensäurebad bis zur Unterwasserstrahlmassage. Und wie einst läuft im Außenbecken eine der ältesten Wellenmaschinen Europas. Sie funktioniert immer noch einwandfrei. Jedes Mal, wenn sich das Wasser wieder zu Bergen auftürmt, kreischen die Gäste vor Vergnügen - schon seit 1927.

Gegenwart: Republik Ungarn

Das Római-Strandbad: Nur schwimmen - das reicht heute vielen nicht mehr. Das Wasser muss spritzen, sprudeln, als Wasserfall von Klippen stürzen, dann macht es Spaß. 1964 wurde das Római-Strandbad erbaut und Anfang des neuen Jahrtausends modernisiert. Es bietet heute einen Schiffsbug für Piratenkämpfe und einen Rutschbahn-Park mit Rafting-, Kamikaze- und Familienrutsche. Und doch wirkt das Római naturbelassen: Alte Platanen spenden Schatten, es gibt ruhige Plätze zwischen Bäumen und Büschen. Ein Kennzeichen vieler Budapester Strandbäder: Sie sind nicht hingeklotzt, sondern gewachsen - vielleicht, weil hier immer schon gebadet wurde. Bereits die Römer speisten ihre Bäder aus den gleichen Quellen wie das Római. Allerdings badeten sie nach Geschlechtern getrennt. Heute hingegen: Halbstarker schubst Fräulein ins Wasser, Fräulein schreit, am Ende liegen sich beide in den Armen.

Heilbäder in Budapest

Schon die Kelten, die sich ab 400 v. Chr. in der Gegend des heutigen Budapest niederließen, nannten ihre Siedlung Ak-Ink, "viel Wasser". 123 natürliche Quellen gibt es in der Stadt und Umgebung. Sie entstehen tief in der Erde: Unter einer 1000 Meter dicken Gesteinsschicht, dem sogenannten Karpatenbecken, liegt ein riesiger unterirdischer See. Die Nähe zum Erdkern heizt das Wasser auf, und weil genau unter Budapest ein Riss im Karpatenbecken verläuft, drängt es dort an die Oberfläche und hat eine Temperatur zwischen 21 und 76 Grad Celsius. Noch dazu ist es angereichert mit Mineralien, die wahlweise verjüngen oder heilen sollen. Infos zu allen öffentlichen Budapester Bädern: www.heilbaderbudapest.com

Autor

Diana Laarz