Brunei Dschungeltour im Ulu Temburong Nationalpark

Stufen zum Canopy Walk im Ulu Temburong Nationalpark

Der Schrei ist durchdringend. Doch zu sehen ist nichts. Äste brechen, Blätter fallen vom Himmel. Da, es bewegt sich etwas. Zwei braune Knopfaugen blitzen auf und starren einen aus der Ferne an. Dann sind sie wieder verschwunden. Regungslos geht unser Blick Richtung Baumkronen. "Wenn ihr ganz leise seid und euch nicht bewegt, sehen wir sie vielleicht", sagt Asis. Und tatsächlich, erst nur schemenhaft, plötzlich ganz deutlich. Drei, nein vier, dort sogar noch ein fünfter. Eine Makaken-Familie schwingt durch die Lüfte und schert sich nicht im Geringsten um die drei Menschen, die am Boden stehen.

Weiter geht's, wir folgen einem schmalen, schlammigen Pfad. Luftwurzeln und Schlingpflanzen versperren uns den Weg. "Wenn möglich, stützt euch nicht an Steinen oder Stämmen ab. Dort sitzen gerne Schlangen", warnt Asis. Ameisen, bei denen man ganz deutlich die Beißwerkzeuge erkennen kann, laufen geschäftig vor unseren Füßen umher, Spinnen sitzen in ihren Netzen und warten auf Beute. Es ist heiß und schwül. Plötzlich ein kurzer Regenguss, aber Abkühlung verschafft er nicht. Tiefer, immer tiefer geht es hinein in das dichte Grün des Ulu Temburong Nationalparks.

Der Ulu Temburong Nationalpark ist der älteste Nationalpark Bruneis und Teil des Batu Apoi Waldes, der seit den 1950er Jahren Schutzgebiet ist. Er ist nur auf dem Wasserweg zugänglich, und so beginnt das Dschungel-Abenteuer bereits in Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan. Mit einem Schnellboot geht es in 45 Minuten durch Mangrovensümpfe, vorbei an Reihern und sich in der Sonne aalenden Krokodilen. Im kleinen Ort Bangar heißt es noch einmal für ein paar Kilometer Land betreten, bis es schließlich mit einem traditionellen Langboot stromaufwärts geht, durch die Stromschnellen des Temburong Flusses.

Durch die Wipfel der Bäume wandeln

Höhepunkt im Ulu Temburong Nationalpark ist der Canopy Walk, auf dem man durch die Wipfel der Bäume wandelt und Einblicke in eine Lebenswelt in 50 Metern Höhe bekommt. Damit die Besucher nicht kreuz und quer durch das empfindliche Ökosystem stapfen, wurden für den schweißtreibenden Aufstieg von knapp 400 Höhenmetern 1200 Holzstufen angelegt.

Wir setzen einen Fuß auf die erste Stufe. Keuchend geht es Schritt für Schritt nach oben. Kleine Echsen huschen aufgeschreckt ins Unterholz. Schmetterlinge in den schillerndsten Blau- und Grüntönen begleiten uns ein Stück. Vögel geben ein klangvolles Konzert. Mit Glück sind sogar Nashornvögel und die tagaktiven Gibbons zu sehen. Wir steigen höher und höher bis wir schließlich die Basis des Baumwipfelpfades erreichen. Die Metallkonstruktion besteht aus fünf miteinander verbundenen Türmen, die über Trittleitern erklommen werden.

Am höchsten Punkt angelangt halten wir für einen Moment inne. Der Ausblick auf die hügelige Landschaft ist atemberaubend: Regenwald, soweit das Auge reicht. Die letzten Dampfschwaden steigen aus dem Blätterdach empor. Es weht ein leichter Wind. Niemand von uns sagt ein Wort, zu beeindruckend ist das, was man sieht. Ein Blick auf die Uhr drängt uns schließlich zum Aufbruch. Auf dem Weg nach unten begleitet uns wieder das Gezwitscher der Vögel - und in der Ferne hören wir die Makaken schreien.

INFO:

Veranstalter: AZ Back To Nature Tour Services, Borneo Guide, Sunshine Borneo Tours. Je nach Anbieter kostet eine Tagestour in den Ulu Temburong Nationalpark zwischen 120 und 150 Brunei-Dollar (umgerechnet 75 bis 94 Euro) inklusive Bootsfahrt, Mittagessen und Führer. Es werden auch Mehrtages-Touren angeboten.

Auch in Malaysia schlummert ein grünes Paradies: der Regenwald Taman Negara, in dem Urlauber auf den Spuren der Ureinwohner wandern.

Autor

Susanna Bloß