Klima Ein trauriger Anblick aus dem All

In nie dagewesener Geschwindigkeit drückt der Mensch der Erde seinen Stempel auf - mit unabsehbaren Folgen. Seit Jahrzehnten dokumentieren Satelliten, wie menschliches Handeln die Erde verändert. In nur einem Vierteljahrhundert wurden zum Beispiel 80 Prozent der Mangrovenbestände im Golf von Fonseca zerstört. Auf Satellitenaufnahmen von 1976 (siehe Fotostrecke) ist zu sehen, dass das Ökosystem noch intakt. 1987 ist es bereits beschädigt und 2002 kaum noch vorhanden - die bei Shrimpszucht verwendeten Chemikalien griffen die Pflanzen in dem Gebiet von Honduras an: Zurück blieb nichts als Schlamm. Die Aufzucht der Krustentiere galt lange als wirtschaftliche Chance für Honduras, El Salvador und Nicaragua und wurde mit öffentlichen Geldern gefördert.

In Brasilien roden Rinderzüchter Flächen des Amazonas-Gebietes, um an Weideland zu gelangen. 80 Prozent des brasilianischen Rindfleisches kommen von hier. Wiederum 80 Prozent der europäischen Rindfleischimporte stammen aus Brasilien. Damit ist klar: Regenwald zu roden, ist eine lohnenswerte Sache für die Farmer. Noch Anfang der siebziger Jahre war der Bundesstaat Rondônia von intaktem Regenwald bedeckt. Zehn Jahre später zogen jährlich bis zu 160.000 Siedler in dieses Gebiet. 30 Jahre später zeigt eine Satellitenaufnahme (siehe Fotostrecke): Rondônias Regenwald ist um ein Drittel geschrumpft.

Die Zukunft des Aralsees sieht ebenso düster aus: Die Uno erklärte die Region zum ökologischen Notstandsgebiet. Der Aralsee (Usbekistan/Kasachstan) war einmal das viertgrößte Binnengewässer der Erde. In den sechziger und siebziger Jahren plante die UdSSR, Baumwolle im Süden und Nordosten des Sees anzubauen und leitete deswegen die den See speisenden Flüsse Amudarja und Syrdarja zu 95 Prozent ab. Seither verlandet der Aralsee. Heute ist er zweigeteilt und ökologisch tot - in seiner Mitte lagert eine Salzschicht. Mit dem Ende der Fischerei fielen fast 60.000 Arbeitsplätze weg.

Die Dattelpalmehaine der Liwa-Oasen in Abu Dhabi sind nur durch eine systematische und effektive Bewässerung am Leben zu erhalten: Die ausgedehnten Plantagen liegen am Rande der Rub al-Khali, der größten Sandwüste der Erde, in der sich gewaltige Sanddünen auftürmen. 760.000 Tonnen Datteln werden in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), zu denen auch Abu Dhabi gehört, jedes Jahr geerntet. Das macht die VAE zu einem der weltweit größten Dattelproduzenten. Die Palme gilt als Pflanze, die auch auf salzigen, extrem trockenen Böden anspruchslos gedeiht, dennoch braucht auch sie Wasser.

Auch im trockenen Mittleren Westen der USA ist Landwirtschaft nur durch ein ausgeklügeltes System der künstlichen Bewässerung möglich. Dazu fährt ein bis zu 400 Meter langer Arm mit Wasserdüsen im Kreis um eine zentrale Wasserquelle und beregnet den Boden. Das Wasser stammt aus einem Speicher.

In der Gegend um Almería in Andalusien wachsen auf 270 Quadratkilometern Tomaten, Gurken, Paprika und Erdbeeren. Ohne künstliche Bewässerung wäre das auch hier unmöglich. Seit den sechziger Jahren entwickelte sich die Region zu einem riesigen Gewächshaus. 3000 Sonnenstunden im Jahr machen es möglich, dass hier fünfmal in zwölf Monaten geerntet wird. Da die Süßwasserquellen versiegt sind, muss das Wasser aus dem Meer gewonnen und entsalzt werden.

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