Mit Stil Gutes Shopping, schlechtes Shopping

Vergangenes Wochenende war in Berlin der erste verkaufsoffene Advents-Sonntag, was aber die Berliner überhaupt nicht interessiert. In Mitte auf der Neuen Schönhauser Straße war nur der gelangweilte Türsteher vor der Boutique COS zu sehen, der hintere Kurfürstendamm war genauso leer gefegt wie am Samstag. Lediglich im Quartier 206 an der Friedrichstraße herrschte aufgeregter Sale-Betrieb und am Alexa traf sich wie üblich das Umland.

Der Rest? Kauft seine Geschenke offenbar anderswo - völlig zu Recht übrigens: Meine Top-5-Städte in Sachen Weihnachts-Shopping - und eine Liste der Städte, die Sie gern ein anderes Mal wieder besuchen können.

Der Klassiker: New York

Nicht überraschend, aber immer noch unschlagbar. Wer einmal in der Vorweihnachtszeit in New York war, findet danach jede noch so ambitionierte Weihnachtsdekoration so rührend wie die Bestrebungen von Guido Westerwelle diplomatisch zu wirken. Die Schaufenster von Bergdorf Goodman und Saks Fifth Avenue werden mit sechsstelligen Beträgen zu Wintermärchen umgebaut, der Baum am Rockefeller Center ist knapp 30 Meter hoch, die Eislaufarena davor sieht genauso aus wie im Film "Weil es dich gibt" (dafür muss man auf einen Laufslot leider manchmal Stunden warten). Was außerdem dafür spricht, einen extra Koffer für die Weihnachtsgeschenke mitzunehmen: Da der November wieder nicht den erhofften Konsumanstieg gebracht hat, wird wieder ein sehr sportlicher Schlussverkauf erwartet.

Noch ein Klassiker: Paris

Klar kann man all die verrückten und modischen Accessoires sowie Fotobücher aus dem Concept-Store mittlerweile online kaufen, und die Macarons von waren zwischenzeitlich auch schon in Berlin zu haben, aber "Le Kitsch" in Paris ist immer noch eine Klasse für sich. Ein Besuch der Galeries Lafayette ist Pflicht, besondere Weihnachtsgeschenke findet man noch besser bei in der Rue du Bourg-Tibours oder auf dem Flohmarkt Porte de Clignancourt.

Geheimfavorit: Stockholm

Natürlich ist es hier jetzt schon mittags dunkel und saukalt, aber genau deswegen kommt ja so "authentische" Weihnachtsstimmung auf. Außerdem kennen sich die Schweden mit fetthaltigem Winteressen aus, der Glögg zwischendurch schmeckt besser als Glühwein und danach macht es noch mehr Spaß in SoFo und Östermalm einkaufen zu gehen. Viel falsch machen kann man da nicht, die Schweden haben Geschmack, ob in Design, Mode oder hübsch verpacktem Essen (z.B. in den Östermalmshallen). Wer trotzdem lieber ein bisschen Anleitung hat: Bei gibt es Stadtpläne, in denen sämtliche Shops nach Kategorien eingezeichnet sind. Oder man bucht dort für 50 Euro pro Stunde einen Personal Shopper, der einem die Geheimtipps zeigt: etwa das Geschäft von , die unter anderem die Original-Gläser für die Nobelpreis-Zeremonie herstellen.

Überraschungsgast: London

In London zu leben ist gerade kein Spaß: Während sich die Banker und Architekten einreden, "staying in" sei das neue "going out" und Lunchboxpacken unglaublich nachhaltig, wird die Stadt dank des schwachen Pfund von kaufwütigen Touristenschwärmen heimgesucht, die sich für all die Jahre revanchieren, in denen man sich in London allenfalls ein Stück Shortbread leisten konnte. In England wird außerdem traditionell früh reduziert, es gibt unzählige Xmas-Promotions und überall die hübschen "Christmas-Hampers". Das heißt letztlich auch nichts anderes als "Fresskorb". Klingt aber besser und sieht auch besser aus.

Deutscher Meister: Hamburg

Die Innenstadt lässt sich bequem in einem Rutsch ablaufen, die Weihnachtsdeko ist angenehm konservativ gehalten und manchmal friert sogar die Binnenalster zu - Hamburg mag sonst nicht gerade für "Destination-Shopping" bekannt sein, zur Weihnachtszeit ist es Deutschlandweit die erste Wahl. Nicht zuletzt Dank Kuball & Kempe (Alter Fischmarkt 11), die in ihrem Store eigentlich den kompletten Gabentisch bereithalten: Etwa der klassische Sommelier-Korkenzieher "Laguiole en Aubrac" für die Väter oder die rote Weihnachts-Duftkerze von Cire Trudon für die beste Freundin.

Die Flops zur Weihnachtszeit

Loser auf ganzer Linie: Berlin

Wer in Berlin halbwegs gemütlich Geschenke einkaufen will, kann eigentlich vier halbe Tage einplanen: einen am Kudamm für alles Traditionelle, einen im Alexa für Elektronik und Populäres, auf der Friedrichstraße für alles Teure und in Mitte für alles "Trendige". (Den Potsdamer Platz haben Sie hoffentlich nicht ernsthaft in Betracht gezogen). Dazwischen hin- und herzumanövrieren ist praktisch unmöglich: Sie stecken entweder im Stau oder in der S-Bahn fest. Und zu guter letzt werden sie noch irgendwo wegen Ihres falschen Pelzkragens angeraunzt. Da wird einem gleich ganz warm ums Herz.

Nur für Insider: Mailand

Mailand! Die Modestadt! Da lässt es sich einkaufen! Sicherlich: Im sechsstöckigen Armani-Tempel in der Via Manzoni, der schicken Via della Spiga und natürlich im sagenumwobenen Corso Como, wo mein Budget nur für die hauseigenen Geschenkboxen reicht - ohne Inhalt. All die Geheimtipps werden Sie als Tourist in dem Advents-Gewusel nämlich kaum finden. Aber am Flughafen bekommen Sie bestimmt noch ein Stück eingeschweißten Parmesan und eine Flasche Montepulciano als Mitbringsel.

Leer (in jeder Hinsicht): Istanbul

Ganz Clevere werden denken: Istanbul ist der Geheimfavorit in Sachen Weihnachtsshopping. Dort wird dieses Fest gar nicht gefeiert, also schieben sich die Massen immer noch zur Blauen Moschee und lassen Platz in den Geschäften. Das ist einerseits natürlich richtig, andererseits keine große Hilfe. Beim Einkaufen liegt die Auswahl zwischen den üblichen Nobelmarken oder dem Großen Basar: Ein Ed-Hardy-Fake-T-Shirt für die kleine Nichte? Einen Paschmina-Schal für die Mutti? Wie kreativ! Lieber würde man etwas von den tollen Antiquitäten mitnehmen, aber die dürfen natürlich nicht außer Landes gebracht werden.

Voll (auch in jeder Hinsicht): Düsseldorf

Ich habe gar nichts gegen Düsseldorf. Düsseldorf ist meine Heimatstadt. Es gibt tolle Museen, den Rhein, nette Kneipen, sogar ein paar gute Geschäfte - die Sie aber zur Weihnachtszeit nie erreichen werden. Die gesamte Stadtfläche ist mit Satelliten von Weihnachtsmärkten zugestellt und die Fluchtwege werden von Trauben angeschickerter Holländer versperrt. Da hilft eigentlich nur: Mittrinken und danach Drunk-Online-Shopping machen. Da erleben Sie sogar bei den Geschenken, die Sie selbst gemacht haben, noch jede Menge Überraschungen.

Z wie zu teuer: Zürich

Schokolade, Design, Uhren, Mode, das alles könnten Sie in der Schweiz vor romantischster Kulisse einshoppen - wenn die Eidgenossen nicht immer noch deutlich mehr Netto verdienen würden und ihnen deswegen egal sein kann, dass alles viel teurer ist als bei uns.

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Autor:
Silke Wichert