Deutschland Berlin: Umweltfreundlicher Städte-Trip

Als der erste Bioladen "Kraut und Rüben" 1978 in Kreuzberg eröffnete, hätte sich keine der Gründerinnen träumen lassen, dass Berlin gut 30 Jahre später selbst in den USA als Bio-Hauptstadt bekannt sein würde. Dass Berlin grün ist, nehmen jedoch Berliner wie Besucher auf den unterschiedlichsten Gebieten wahr. Zwölf Prozent aller Wege werden in Berlin mit dem Rad erledigt, dazu stehen 950 km Radwege zur Verfügung. Mit der "Solon" schwimmt ein solarbetriebenes Fahrgastschiff auf der Spree.

Ein neues Biorestaurant macht keine Schlagzeilen mehr, vegane Cafés und Restaurants haben die Außenseiternische verlassen. Aber dann kam das Foodorama in Kreuzberg und ging noch einen Schritt weiter. Seit Herbst 2008 wirbt es damit, das erste zertifizierte klimaneutrale Restaurant Deutschlands zu sein. Der erste Öko-Döner dreht sich in Prenzlauer Berg. Mit thekey.to fand 2009 die erste Messe für grüne Mode und Lifestyle in Neukölln statt. Präsentiert wurden hauptsächlich europäische Marken, nach streng ökologischen Kriterien ausgesucht.

Essen und Trinken

Diwan

Neben der Mittelmeerküche hat die regionale Küche vor allem in der kälteren Jahreszeit auf der Speisekarte Platz und erfreut die Geschmacksnerven mit ungeahnten Überraschungen. Die Gerichte, ausschließlich aus biologischen Zutaten, sind nicht nur gesund, sondern auch schmackhaft und originell wie die Orangen-Möhren - suppe mit Chili und Kokosschaum mit Garnelenspieß.

• Kreuzberg • Bergmannstr. 59 • U-Bahn: Südstern • Tel. 4 92 12 83 • tgl. 9-22, So Brunch 10-18 Uhr • €€

Engelbecken

Küche und Wein sind im zertifizierten Biorestaurant an den Alpenländern orientiert, das Bier ist bayerisch. Angenehmer Ort auch für den Nachmittagskaffee mit Kuchen.

• Charlottenburg • Witzlebenstr. 31 • U-Bahn: Sophie-Charlotte-Platz • Tel. 6 15 28 10 • • Mo-Fr 17-1,Sa ab 16, So ab 12 Uhr • €€

Foodorama

Die Speisekarte ist abwechslungsreich, den Gästen schmeckt's vom Frühstück bis zum Abend. Dass hier etwas anders ist als bei den zahlreichen Nachbarn der Bergmannstraße, zeigt die blaue Weltkugel von ClimatePartner. Sie schmückt zum ersten Mal ein Restaurant, sonst nur Unternehmen, die sich zum freiwilligen Klimaschutz verpflichten. Das heißt, gearbeitet wird hier mit Biogas und Ökostrom, die Lebensmittel haben kurze Transportwege, aber ihre Produktion ist auch klimaschädlich. Um ca. 200 Tonnen Kohlendioxid zu kompensieren, wird über ein sogenanntes Verschmutzungszertifikat Geld in ein Aufforstungsprojekt in Indien gezahlt.

• Kreuzberg • Bergmannstr. 94 • U-Bahn: Gneisenaustraße • Tel. 69 00 11 00 • €€

Weilands Wellfood

Das klingt gesund, und das ist es auch. Im Hof des Ärztehauses liegt das apfelgrüne Restaurant, das italienisch und asiatisch inspirierte Vollwertkost serviert. Ein indisches Hühnerfilet aus dem Wok oder ein Graupen-Grünkernrisotto lässt sich auf dem Hof unterm Sonnenschirm genießen.

• Kreuzberg • Bergmannstr. 5 • U-Bahn: Mehringdamm • Tel. 50 15 46 32 • €€

Berliner Kaffeerösterei

Hier kann man alles lernen, über Kaffee, Schokolade und über Tee. Selbst probieren geht auch, beim Frühstück oder Nachmittagskaffee mit köstlichen Kuchen. Der Kaffee ist fair gehandelt, wird hier geröstet, und bei regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen kann man seine Geschmacksnerven konditionieren.

• Charlottenburg • Uhlandstr. 173/174 • U-Bahn: Uhlandstraße • Tel. 88 67 79 20 • Mo-Sa 9 bis 20 Uhr, So 10-19 Uhr • €

Einkaufen

five monkeys

Ledertaschen, unter fairen Bedingungen in kleinen italienischen Manufakturen hergestellt, verraten, dass hier nicht nur Kunst junger Berliner Künstler und Fotografen ausgestellt wird. Zur "five monkeys eco-line" aus pflanzlich gegerbtem Leder gehören Aktenkoffer, Mappen, Hebammentaschen und Etuis in klassischem Design. Hinten im Laden gibt es außerdem ein Bio-Haarstudio.

• Mitte • Brunnenstr. 196 • U-Bahn: Rosenthaler Platz • Tel. 27 59 50 46

Freitag Flagship Store

Die farbenfrohen Taschen gehören schon längst zum Berliner Stadtbild. Vor 15 Jahren wurden sie von den Gebrüdern Freitag in Zürich erfunden, sind aus recycelten Materialien wie Fahrradschläuchen, Autogurten und Lkw-Planen hergestellt und man sieht ihnen die schnöde Herkunft nicht an. Rucksäcke, Handtaschen, Geldbeutel, Messenger Bags - jedes Stück ist handgefertigt und ein Unikat.

• Mitte • Max-Beer-Str. 3 • U-Bahn: Wein meisterstraße • Tel. 24 63 69 61

Marheinecke-Markthalle

Die Sanierung ist der alten Markthalle gut bekommen. Licht und luftig ist sie geworden, der Fußboden ist hell, bunte Markisen schmücken die Stände, und vor allem ist das Angebot an Biowaren und unterschiedlichen Imbissständen größer und der Kundenkreis jünger geworden. Die Atmosphäre lässt an Süden denken. Man kauft nicht nur, hält auch inne für ein Schwätzchen und die Marktfrau erzählt gern, was man zum Beispiel mit Pastinaken anfängt und manche hat sogar Rezepte parat.

Marheinecke-Markthalle • Kreuzberg • Marheineckeplatz • U-Bahn: Gneisenaustraße

Ökomarkt

Ostberlins einzigen reinen Ökomarkt gibt es dort, wo Anwohner einige Schritte weiter auch reichlich Auswahl im Bio-Supermarkt fänden, am Kollwitzplatz. Der Vorteil des Marktes, bei dem auch Kinderkleidung, Schmuck und Kunsthandwerk angeboten wird: Vieles, was 45 Anbieter aus Brandenburg in die Stadt bringen, ist am Morgen noch frisch geerntet worden.

Ökomarkt • Prenzlauer Berg • Kollwitzplatz • U-Bahn: Senefelder Platz • Do 12-19 Uhr

Wertvoll

Alles, was die beiden Modedesignerinnen Judith Finsterbusch und Monika Lesinski in ihrem Eco Fashion Store anbieten, entspricht dem Fair-Trade-Prinzip: luxuriöse Strickmode von caro e., Schuhe aus Kautschuk, Wäsche aus Pinienfaser, Babykleidung des Ökomodepioniers People Tree, aber auch aus Berliner Stadtbäumen gefertigte Schalen und Vasen und Pfeffermühlen von SawadeeDesign.

Prenzlauer Berg • Marienburger Str. 39 • Tram M2: Marienburger Straße • Tel. 25 56 77 26 •

Aktivitäten

Alt-Marzahn

Einmal, zur langen Kulturnacht, wurde die Windmühle zur Moulin Rouge mit Champagnerlounge und Musik. Aber auch im Alltagsgewand ist sie attraktiv für Besucher aus aller Welt, denn Müller Wolf hat nicht nur viel zu erzählen, er ist Berlins einziger Windmüller im öffentlichen Dienst und malt Mehl, damit Besucher sehen, wie aus Korn die Grundlage von Brot wird. In der Bäckerei der UFA-Fabrik in Tempelhof wird es nämlich zu Marzahner Mühlenbrot verbacken. Die neogotische Backsteinkirche von 1871 ist die jüngste Dorfkirche Berlins, das ganze Ensemble des alten Dorfes vor 20 Stockwerke hohen Plattenbauten wurde 1977 unter Denkmalschutz gestellt.

• Marzahn • Landsberger Allee/Allee der Kosmonauten • S-Bahn: Marzahn • Tel. 5 45 89 95

Naturschutzzentrum Ökowerk

1873 schon war das Wasserwerk am Teufelssee in Betrieb, heute gibt es ein Wasserleben-Infozentrum, in dem man u.a. erfahren kann, wie viel Wasser zur Herstellung eines T-Shirts benötigt wird. Biologen, Landschaftplaner und Gärtner beschäftigen sich hier seit 20 Jahren mit der Pflege der Lebensräume und gefährdeten Arten im Berliner Raum, und an Wochenenden gibt es Aktionen für Kinder und Erwachsene zum Mitmachen.

• Grunewald • Teufelsseechaussee 22-40 • S-Bahn: Grunewald, von dort 20 Min. zu Fuß • Tel. 3 00 00 50 • Di-Fr 9-18, Sa, So 12-18 Uhr

Solarboot fahren

Mit der Sonne im Boot, ölfrei, lärmfrei, CO2frei und glücklicherweise Führerscheinfrei, das ist in Köpenick möglich. Genau genommen werden Elektroboote verliehen, deren Akkus die Sonne füllt. Danach kann man sich im schwimmenden Solarcafé stärken.

• Köpenick • Müggelheimer Str./Schlossplatz • S-Bahn: Bahnhof Köpenick, Bus 164: Schlossplatz • Tel. 3 03 94 11 38 • Mo-Fr 12-20, Sa, So 10-20 Uhr, Mo-Fr 1 Std. 10€, Sa, So 12,50€

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Dieser Text von Gisela Buddée ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Berlin"

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