Europa Die schönsten Hotels in Europas Metropolen

Manzara Istanbul

Barcelona: Hotel Casa Fuster

Das wohl außergewöhnlichste Hotel Barcelonas hat eine bewegte Geschichte. Der mallorquinische Edelmann Mariano Fuster ließ den Jugendstilbau vor knapp 100 Jahren vom Architekten Lluís Domenech i Montaner entwerfen. Der zog dabei alle Register des Modernismus: Hohe Fenster, mächtige Säulen, florale Ornamente an der Fassade und verschlungene Gitter vor den Balkonen zieren den Bau, dazu geschwungene Decken, blanker Marmor und bunte Keramik im Innern. Braut und High Society zeigten sich beeindruckt, doch Anfang der 1920er-Jahre musste Fuster verkaufen - das Haus hatte ihn ruiniert. Die Mieter wechselten, das Café Vienés zog ein und wurde schnell ein beliebter Treff der intellektuellen Szene in Barcelona. Anfang der 1960er-Jahre entging das Traumhaus nur knapp dem Abriss. 2000 erwarb dann die Kette "Hoteles Center" den Prachtbau und setzte die Casa instand: Fertig war das Hotel Casa Fuster. Das modernistische Ambiente blieb - gracias a dios! - weitestgehend erhalten (DZ ab 230 Euro). Das hübsche Café Vienès gibt es auch heute noch. Hier spielte übrigens Woody Allen während der Dreharbeiten zu seinem Kinofilm "Vicky Cristina Barcelona" spontan vor Gästen zwei Stunden Klarinette. Empfehlung: ein Abend auf der Terraza Blue, der Dachterrasse des Hotels. Alles leuchtet in kühlem Blau, die Cava ist eiskalt, und die Aussicht auf das funkelnde Barcelona lässt Gänsehaut entstehen.  

Istanbul: Apartments Manzara

Sechste Etage und eine Aussicht zum Sterben: In
 der Abenddämmerung gleiten, untermalt vom
 Kreischen der Möwen, die Fähren zwischen 
Europa und Asien über
 den lichtblauen Bosporus hin und her, der
 Topkapı-Palast beginnt zu glänzen, bis endlich 
das Blau fast schwarz wird, der Muezzin ruft. 
Manzara, "die schöne Aussicht", heißt darum
 das Konzept der Ferienwohnungen. Fast
 alle 25 Apartments haben diesen grandiosen
 Breitwand-5-Sterne-Blick - ob von der großen
 Terrasse, dem gemütlichen Balkon, der kleinen Fensternische. Die größte der Wohnungen ist 120 Quadratmeter groß, die kleinste 35 (Wohnungen von 55 bis 210 Euro pro Nacht, für 2-6 Personen, plus 35 Euro Endreinigung). Und alle diese renovierten Wohnungen sind im attraktiven Galata-Viertel von Istanbul untergebracht. Die
 Einrichtung ist ein Crossover internationaler Moderne und türkischer Tradition. Und überall hängt überraschend viel Kunst. Das liegt am Chef Erdogan Altindifl. Der in Deutschland aufgewachsene Türke ist Architekt, Maler, Istanbul-Fan und erfüllt fast jeden Wunsch: Führungen durch die zeitgenössische Kunstszene, Flughafentransfer, Picknick, Weintest. Das ist mehr, als jedes Hotel kann. Aber ganz ehrlich: Am liebsten bleibt der Gast in seiner Wohnung und genießt den grandiosen Ausblick.

St Pancras
Katharina Oesten
St Pancras: mit der Pracht königlicher Eisenbahnen.
London: Hotel St Pancras

Das im März 2011 wieder eröffnete Hotel St Pancras erstrahlt nach jahrelangen hingebungsvollen Restaurierungsarbeiten so glanzvoll wie im Jahre 1873, als Königin Victoria das Hotel einweihte. Die historische Fassade erinnert an die Blütezeit des Eisenbahnzeitalters. Der imposante Eindruck von außen bestätigt sich auch innen. Die Zimmer haben dicke Teppiche, hohe Decken und große Fenster. Das Zentrum des Gebäudes bildet der große Treppenaufgang. Die Hotel-Mitarbeiter erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass die Spice Girls das Musikvideo zu ihrem Song "Wannabe" auf dieser Treppe aufgenommen haben. Durch die seitlichen Hotelfenster lassen sich die Züge des angrenzenden und ebenfalls frisch renovierten Bahnhofs St Pancras International beobachten. Das hat Vor- und Nachteile: Die verkehrsgünstige Lage führt dazu, dass man Ohrstöpsel dabei haben sollte, um eine wirklich ruhige Nacht im großen und äußerst gemütlichen Bett zu verbringen.

Mama Shelter in Paris.
DR
Mama Shelter: Design mit Asterixmaske und Wandgedicht.
Paris: Hotel Mama Shelter

Eines der besten Hotels in Paris, das Hotel Mama Shelter, liegt zwar nicht mehr im Zentrum, dafür aber im hippen 20. Arrondissement von Paris. Rockkonzerte gibt es gleich gegenüber. Hier schlafen (oder feiern) die erfolgreichen Kreativköpfe der Generation Online. Statt eines Fernsehers hängt in den Zimmern ein iMac an der Wand. Damit hat der Gast alles auf einmal: Radio, TV, Internet, er kann DVDs und CDs abspielen, kostenlos Kinofilme anschauen, sogar fotografieren: Mittels Selbstauslöser, Lampe und Batman-Maske (!) kann sich jeder Gast hier in Szene setzen - und nachschauen, wie sich andere präsentiert haben. Gestaltet hat das Ganze kein Geringerer als Philippe Starck, auch Restaurant und Pizzeria tragen seine Handschrift. Ein Zimmer kostet normalerweise weit über 100 Euro - doch wer früh bucht und sich festlegt oder von Sonntag auf Montag übernachtet, kann sich mit etwas Glück ein Doppelzimmer für 79 Euro sichern!

Riga: Hotel Konventa Seta

Gleich neun Häuser gehören zum schönen Hotel Konventa Seta mitten in der Rigaer Altstadt - allesamt Traditionsherbergen mit klingenden Namen: "Schwarze Taube", "Scheckige Taube", "Kampenhausen" oder das "Haus der Grauen Nonnen". Einst stand hier die erste Ordensburg der Schwertbrüder. Nach ihrer Zerstörung übernahm der Konvent des Heiligen Geistes um 1330 die verbliebenen Gemäuer und richtete ein Obdach für Bedürftige ein. Es dauerte 650 Jahre bis in diesem wohl ältesten historischen Baukomplex an der Stadtmauer von Riga erneut eine Unterkunft entstand: 1996 wurde das romantische Hotel Konventa Seta eröffnet. Die insgesamt 141 Gästezimmer (DZ ab 60 Euro) sind einfach, aber stilvoll in skandinavischer Art eingerichtet. Freiliegende Ziegelwände oder offenes Gebälk sorgen in einigen Zimmern für eine ausgesprochen gemütliche Atmosphäre. Besonders schön sind die Dachzimmer, von denen man einen Blick auf den Turm der nahen Petrikirche hat. Das Frühstück wird im Hotelrestaurant "Ambiente" serviert, im Sommer können sich die Gäste im Innenhof an der Stadtmauer bewirten lassen, im Juni steigt dort ein Weinfest. Auch das kleine hoteleigene Museum lohnt den Besuch, und in den schmalen Gassen zwischen den Konventsgebäuden bieten kleine Kunstgalerien und Souvenirladen ihre Waren an. Die Lage könnte kaum besser sein, das Verhältnis von Preis und Leistung ist ausgezeichnet, und auch Familien mit Kindern sind hier sehr willkommen.

Und auch in Deutschland finden sich schöne Stadthotels - in alten Industriehallen oder zwischen Löwen und Antilopen.