Editor's Blog Legendär: das Oriental in Bangkok

Vor über 30 Jahren fuhr ich zum ersten Mal nach Asien, um eine Tour durch den Norden Thailands zu machen, die mich in das Goldene Dreieck führte. Zur Akklimatisierung wollte ich zwei Tage in Bangkok bleiben. Reisebudgets von Studenten sind bekanntlich schmal, deswegen reichte es nur zu einem der billigen Absteigen auf der Khao San Road und einer Sightseeing-Tour mit dem Tuk-Tuk zum Wat Phra Kaeo im Königspalast sowie zum Treffpunkt aller westlichen Reisenden, dem legendären Oriental Hotel direkt am Fluss Chao Phraya.

Der Cappuccino auf der Terrasse war mir damals fast zu teuer, aber ein bisschen Luxus durfte es schon sein. Und danach eine andächtige Besichtigung des alten Flügels, dessen Suiten die großen Namen der legendären Gäste wie Joseph Conrad, W. Somerset Maugham und Graham Greene trugen. Beeindruckt und mit dem festen Ziel, einmal in ferner Zukunft in einer dieser Suiten zu wohnen, kehrte ich in mein einfaches Guest House zurück.

Die Jahre vergingen. Ich reiste weiter nach Asien, mehrfach nach Indien, nach China und Vietnam. Doch erst 2001 checkte ich zum ersten Mal im Oriental ein. Meine Frau und ich waren aus Burma zurückgekehrt, wollten uns zum Abschluss richtigen Luxus gönnen und wohnten für zwei Nächte in einer der Author's Suiten im alten Teil. Eigentlich wollten wir diesen paradiesischen Ort nicht einmal zur Stadtbesichtigung verlassen.

Richtig verliebt hatten wir uns in das Oriental Spa auf der anderen Flussseite: die perfekte Oase der Ruhe im Trubel Bangkoks. Der unaufdringliche Service, die liebevoll gestalteten Räume und das vorzügliche Essen, ganz besonders das Mongolian Barbecue auf der Veranda, das sind die Erfolgsgeheimnisse des Oriental, die das Haus über Jahre zum besten Hotel der Welt werden ließen.

Verantwortet hat dies vor allem ein Mann: Über 41 Jahre lang leitete der in Wangen im Allgäu geborene Deutsche Kurt Wachtveitl das Oriental, erst im Jahr 2009 zog er sich zurück, für sein Engagement und seine Diskretion gleichermaßen beliebt bei seinen Mitarbeitern, der königlichen Familie und bei seinen Gästen. Von Sofia Loren und Omar Sharif über Helmut Kohl und George Bush bis Lady Diana und Péle - viele kamen wieder. Wer einmal das Vergnügen hatte, hier zu wohnen, will es wieder tun. Meine Frau und ich haben schon gebucht, allerdings nur virtuell und erst wenn meine Söhne studieren. Die nehmen wir dann mit und bringen sie in einem Guest House auf der Khao San Road unter.

Autor:
Dr. Stefan Rieß