Turkmenistan

Wissenswertes über Turkmenistan

Natur und Klima:

Der größte Teil des mittelasiatischen Landes ist Flachland; die tiefste Stelle im Nordwesten liegt 81 Meter unter dem Meeresspiegel. Mehr als 85 Prozent der Landesfläche werden von Wüsten und Trockensteppen eingenommen. Den gesamten zentralen Teil bildet die 300.000 Qudratkilometer große Sand- und Geröllwüste Karakum ("schwarzer Sand"), die Teil des Tieflandes von Turan ist. Im Westen greift der Kara-Bogas-Gol tief ins Land, eine flache Bucht am Ostufer des Kaspischen Meeres mit hohem Salzgehalt (34 Prozent). Seit 1980 ist sie durch einen Damm abgeriegelt, um ein weiteres Absinken des Wasserspiegels des Kaspischen Meeres zu verhindern. Im Süden steigen an der Grenze zu Iran die Ausläufer des stark erdbebengefährdeten Koppeh Dagh auf über 2000 Meter an. Die höchste Erhebung des Landes bildet im äußersten Osten mit 3139 Meter ein Ausläufer des Gissargebirges.

Das Klima ist extrem kontinental, heiß und trocken. In der Karakum und am Kaspischen Meer fallen weniger als 100 mm Niederschläge im Jahr. Die Winter sind kalt, im Sommer steigen die Temperaturen dagegen nicht selten auf 45 Grad.

Bevölkerung:

Mehr als 73 Prozent der Einwohner gehören zum Turkvolk der Turkmenen. Die bis weit ins 19. Jahrhundert nomadisch lebenden Turkmenen bekennen sich zum sunnitischen Islam und haben ihre Stammesgliederung noch weitgehend bewahrt. Den übrigen Bevölkerungsanteil stellen vor allem Russen (knapp zehn Prozent) und Usbeken (neun Prozent), daneben gibt es einige kleinere Volksgruppen (Kasachen, Tataren, Ukrainer, Armenier, Belutschen). Der Anteil der städtischen Bevölkerung, die sich entlang der Wasserläufe und in Oasen konzentriert, liegt bei 45 Prozent. Das aus Sowjetzeiten übernommene Bildungssystem ist gut ausgebaut; nur 1,2 Prozent der Bevölkerung gelten als Analphabeten.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung in der Version vom 26. September 2008 ist Turkmenistan eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete Präsident. Die Legislative besteht aus dem Parlament (Mejlis) mit 125 Abgeordneten. Das politische Leben dominiert die staatstragende Demokratischen Partei Turkmenistans.

Wirtschaft und Verkehr:

Die wirtschaftlichen Säulen des wenig entwickelten Landes sind Erdgas, Erdöl und Baumwolle. Die Erdgas- und Erdölvorkommen - Turkmenistan besitzt die drittgrößten Erdgaslager der Welt - liegen wie auch die reichen Glaubersalzlager am Kara-Bogas-Gol sowie in der Karakum. Wichtigste Industriezweige sind die chemische Industrie und die Textilindustrie sowie die traditionsreiche Teppichknüpferei. Baumwolle wird in Monokultur auf bewässerten Feldern in den Flusstälern, entlang des Karakumkanals und in Oasen am Fuße des Koppeh Dagh angebaut. Der hohe Wasserverbrauch und der massive Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln haben unter anderem zu Bodenversalzung und Belastung des Grundwassers geführt. In der Viehwirtschaft ist die Haltung von Karakulschafen am wichtigsten.

Im unzureichend ausgebauten Verkehrsnetz kommt der Eisenbahn noch eine hohe Bedeutung zu. Wichtigster Hafen ist Turkmenbaschi am Kaspischen Meer. Für den Export von Erdgas und Erdöl ist Turkmenistan auf das russische Pipelinenetz angewiesen.

Geschichte:

Vom Altertum bis zur russischen Eroberung:

Die Region des heutigen Staates gehörte im Altertum zum persischen Großreich der Achämeniden. Im 3. Jahrhundert v. Chr. avancierte Nisa in der Nähe der heutigen Hauptstadt zum Zentrum der parthischen Arsakiden-Dynastie. Nach 700 wanderten aus Zentralasien die Oghusen ein, von denen sich die islamisierten Turkmenen im 10. Jahrhundert absonderten. Im 13. Jahrhundert fiel Turkmenistan unter mongolische Herrschaft. Die persischen Sawafiden kontrollierten im 15. Jahrhundert den Süden des Gebiets. Der Norden blieb zwischen den Khanaten Buchara und Chiwa umstritten. Im 19. Jahrhundert wurden die turkmenischen Stämme von Russland unterworfen. Es entstand die Transkaspische Oblast, die 1899 im Generalgouvernement Turkmenistan aufging.

20. und 21. Jahrhundert:

Nach der Errichtung der Sowjetherrschaft gehörten die Turkmenen teils zur Turkestanischen ASSR, teils zu den kurzlebigen Sowjetrepubliken Buchara und Choresm. 1924 wurde die Turkmenische SSR gegründet. Im Zeichen der Reformpolitik der achtziger Jahre erhob sich auch hier die Forderung nach nationaler Selbstbestimmung.

1991 erklärte sich Turkmenistan für unabhängig und wurde Mitglied der GUS. Der Präsident Saparmurad Nijasow , der einen Kult um seine Person inszenierte und sich den Beinamen Turkmenbaschi ("Führer aller Turkmenen") zulegte, errichtete ein autokratisches Regime und unterdrückte jegliche Opposition. Außenpolitisch erklärte er eine Politik der Blockfreiheit und Neutralität und suchte vor allem im Rohstoffbereich Handelsbeziehungen mit den Nachbarländern. 2005 erfolgte der Austritt aus der GUS. Bis zu seinem Tod im Dezember 2006 lockerte Nijasow seinen innenpolitischen Kurs nicht. Nachfolger Nijasows im Amt des Staatspräsidenten wurde der von ihm protegierte langjährige Gesundheitsminister Gurbanguly Berdymuchammedow . Er initiierte 2008 verfassungsrechtliche Veränderungen, auf deren Grundlage im selben Jahr Parlamentswahlen stattfanden.