Türkei Moscheen und Kuppelgräber in Kayseri

Kayseri ist in den vergangenen 30 Jahren mit enormer Geschwindigkeit gewachsen: Zählte man 1973 gerade mal 170.000 Einwohner, so steuert die Stadt heute auf den millionsten Bewohner zu. Das Caesarea der Antike ist heute der Motor des Wirtschaftsaufschwungs in der Türkei, 90 Prozent aller Unternehmer des Landes stammen von hier. Entsprechend unkontrolliert und wenig ansehnlich ist sie dann auch gewachsen. Das sollte Reisende aber nicht davon abhalten, das historische Zentrum und seine Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

In der Stadtmitte liegt der Çumhuriyet Meydani (Platz der Republik), an dem sich die alte Zitadelle aus dem 12. Jahrhundert erhebt. Sie besitzt zwei Eingänge mit kleinen Vorhöfen und einen dritten aus neuerer Zeit. Typisch für diese Gegend und alle historischen Gebäude ist der harte Basaltstein, der verbaut wurde. Von der äußeren Befestigungsanlage stehen nur noch im Westen des alten Stadtkerns einige Reste. Die Fatih-Moschee im Innern der Zitadelle errichteten erst die Osmanen im 15. Jahrhundert. Heute befindet sich innerhalb der Burgmauern ein ständiger Markt, der sich über das gesamte Gelände erstreckt.

Gegenüber der Zitadelle in östlicher Richtung erhebt sich die Mahperi Huant Hatun Külliyesi, ein Komplex aus Moschee, Grabmal, Medrese und Hamam, gestiftet im Jahre 1237 von der Frau des Seldschukensultans Aladdin Keykubad und nach ihr benannt. Etwas weiter südlich, wieder im alten Stadtkern, steht das Ethnologische Museum, das in einem alten Herrschaftshaus untergebracht ist. Besonders interessant sind die Darstellungen aus dem Leben im Konak, der Residenz sie zeigen die Pracht eines herrschaftlichen Haushalts zu osmanischen Zeiten.

Zwei Block weiter nördlich steht das Atatürk-Gedenkhaus. Zeitweise befehligte Atatürk von hier aus seine Truppen im Widerstandskampf gegen die griechischen Invasoren. Gezeigt werden die Privat- und Arbeitsräume des Republikgründers. Der Eintritt ist frei.

Kayseri besitzt auch einen großen, überdachten Basar (Kapale Çaryesi), in dem die Textil- und Schmuckhändler sitzen. Touristen sieht man hier so gut wie nie. Am südwestlichen Ende des Basars führt eine unscheinbare Gasse zur Vezir Hane, der ältesten Karawanserei der Stadt. Sie ist etwas heruntergekommen, doch man findet hier noch altes Handwerk: Mützenmacher produzieren die traditionellen türkischen Schirmmützen, Schuster stellen Schuhe nach Maß her – alles gefertigt auf uralten Maschinen oder mit viel Muskelkraft.

Zwischen den modernen Neubauten sind alte Relikte zu finden

Gleich zwischen Basar und Vezir Hane befindet sich der Bedesten, der alte Auktionsplatz. Der mit düsteren Kuppeln überdachte Bau ist fest in den Händen der Teppichverkäufer. Direkt neben der Vezir Hane steht die Ulu Çami, eine Moschee, deren Bau 1135 begonnen und die von den Seldschuken erst 1205 fertiggestellt wurde. Fünfschiffig und mit einer kleinen Zentralkuppel wurde sie errichtet, und die antiken byzantinischen Kapitelle der Säulen lassen eher auf eine christliche Kirche schließen. Es ist gut möglich, dass der Bau noch zu vorislamischen Zeiten begonnen wurde.

Besonders im südlichen Halbkreis um den alten Stadtkern herum fällt dem Besucher die für eine solche Großstadt recht lockere Bebauung auf. Wer genauer hinschaut, findet dort eine Unmenge alter Moscheen, Kuppelgräber (Kümbets) und sonstige historische Gebäude. Kayseri soll schon zu seldschukischen Zeiten bis zu 400.000 Bewohner gehabt haben. Immer wieder kann man zwischen den modernen Neubauten alte Relikte wie Brunnen oder Mauerreste aus dieser Zeit finden. Etwa anderthalb Kilometer südlich der Zitadelle steht das Döner Kümbet Gonbad, das "Runde Mausoleum" wurde 1276 vom Schah Cihan Hatun gestiftet und gehört zu den beeindruckendsten, die je gebaut wurden.

Eine reiche Ornamentik mit Tierdarstellungen, Scheinarkaden und Arabesken zieren dieses Gebäude mit dem typischen Spitzdach aus massivem Stein. In der Nähe befindet sich das Archäologische Museum mit Funden aus hethitischer und römischer Zeit. Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag.

TIPP

Ausflug in die Umgebung von Kayseri

Etwa 30 Kilometer südlich von Kayseri erhebt sich der Erciyes Dağı auf 3900 Meter über Normalnull. Seine exponierte Lage lässt ihn besonders imposant erscheinen. In manchen Jahren bleiben seine zwei Gipfelspitzen das ganze Jahr hindurch unter einer weißen Schneehaube. Im Sommer kann der Berg mit einem Führer und ein wenig alpiner Erfahrung bestiegen werden. In Hacılar, zehn Kilometer südlich von Kayseri, und an der Straße nach Develi führen Pfade hinauf zum Krater des seit Langem erloschenen Vulkans. In diesen Orten können Führer angeheuert werden. Selbst wenn man nicht den Gipfel in Angriff nimmt: Die Aussicht auf dem Weg dorthin ist gigantisch, mit der weiten Ebene der Sultanssümpfe zu Füßen und in 150 Kilometer Entfernung den schneebedeckten Viertausendern des Taurusgebirges.

Middle Earth Travel bietet Bergwandertouren durch alle großen Gebirge der Türkei an, von der einfachen Tagestour durch Kappadokien bis zur Besteigung des Ararats an der Grenze zu Armenien. Bei den mehrtägigen Unternehmungen sind Unterkunft und Verpflegung und zum Teil auch Ausrüstung im Preis enthalten. Die zweitägige Besteigung des Erciyes Dağı ist nur etwas für geübte und kräftige Bergwanderer. Sie kostet bei Middle Earth Travel 175 Euro inklusive Verpflegung, Unterkunft, Führer und Transfer. Etwas preiswerter, aber auch einfacher ist die angebotene Besteigung des Hasan Dağı. Hier kostet die Zweitagestour 150 Euro, auch Anfänger sind willkommen.

Übrigens: Im Winter sind die Hänge des Erciyes Dağı schneesicher, sodass sich ein kleines Skizentrum mit Schleppliften in Hacılar etablieren konnte.

Ausgabe

Kappadokien 03/2012