Taiwan

Wissenswertes über Taiwan

Natur und Klima:

Taiwan liegt an der tektonischen Grenze zwischen Eurasischer und Philippinischer Platte; jährlich werden mehr als 200 Erdbeben registriert. Zum Staatsgebiet gehören auch die vulkanischen Pescadores-Inseln in der Formosastraße sowie die unmittelbar vor der chinesischen Küste liegenden Inseln Quemoy und Matsu.

Wie ein Rückgrat durchzieht das knapp 4000 Meter hohe Gebirge Tschungyang Shanmo die Hauptinsel. Nach Westen dacht es terrassenförmig zu einer fruchtbaren Küstenebene ab. Nach Osten fällt das schwer zugängliche und von dichtem Wald bestandene Gebirge steil zum Meer ab.

Subtropisches Klima prägt den Norden der Insel, der Süden zählt bereits zu den Tropen. Der Nordosten des Landes empfängt vor allem im Winter durch den Nordostmonsun rund 3000 mm Niederschlag; der südwestlichen Tiefebene bringt der sommerliche Südwestmonsun Regenmengen bis 2000 mm. In den Sommermonaten wird die Insel häufig von Taifunen heimgesucht.

Bevölkerung:

Taiwan gehört zu den am dichtesten besiedelten Staaten der Erde. Die Bevölkerung besteht zu 98 Prozent aus Chinesen, davon gelten knapp 85 Prozent als "Taiwanesen", die vom 17. bis 19. Jahrhundert auf die Insel kamen. Den Rest machen die nach 1948/49 nach Taiwan geflüchteten Festlandchinesen beziehungsweise deren Nachkommen aus. Die malaiisch-polynesische Urbevölkerung (rund 400.000 Menschen) wurde in die Bergwälder verdrängt. Die meisten Taiwanesen sind Anhänger des Buddhismus und Daoismus. Die ethische Grundhaltung des Konfuzianismus sowie die Ahnenverehrung sind weit verbreitet.

Staat und Politik:

Auf Grundlage der mehrfach revidierten Verfassung von 1947 ist Taiwan eine präsidiale Republik. Das Staatsoberhaupt, der Präsident, wird für eine vierjährige Amtszeit direkt vom Volk gewählt. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und beruft den Ministerpräsidenten. Das Parlament, der Legislativ-Yuan, hat 113 Abgeordnete. Die Legislaturperiode dauert vier Jahre. Daneben gibt es vier weitere Organe der öffentlichen Gewalt: den Exekutiv-Yuan (Regierung unter Vorsitz des Ministerpräsidenten), den Kontroll-Yuan (Organ zur Kontrolle der Behörden), den Justiz-Yuan (zuständig für das Gerichtswesen) und den Prüfungs-Yuan (Personalbehörde für den öffentlichen Dienst). Wichtigste Parteien sind die 1912 gegründete Guomindang (GMD) und die Demokratische Fortschrittspartei (DPP).

Wirtschaft und Verkehr:

Der "Tigerstaat" Taiwan gehört zu den führenden Wirtschaftsnationen Asiens. Dank einer breit gefächerten Industrie und hoher Devisenreserven überstand das Land auch die sogenannte Asien-Krise 1997/98 relativ unbeschadet.

Der hochentwickelte Agrarsektor kann den Inlandsbedarf an Nahrungsmitteln decken. Reis ist vor Zuckerrohr das wichtigste Agrarerzeugnis. Außerdem sind die Schweine- und Geflügelhaltung sowie die Fischerei und Fischzucht von Bedeutung.

Die Industrialisierung wurde ab Mitte der fünfziger Jahre vor allem von den USA und Japan vorangetrieben. Die heutigen Schlüsselindustrien sind der Maschinen- und Schiffbau, die elektrotechnische Industrie, die Metallverarbeitung und die chemische Industrie. Einen rasanten Aufschwung hat die exportorientierte Informations- und Unterhaltungselektronik genommen. Da die Energiewirtschaft auf hohe Erdölimporte angewiesen ist, wird verstärkt auf die Kernenergie gesetzt.

Die Eisenbahn hat durch den wachsenden Straßenverkehr an Bedeutung verloren. Die Küstenschifffahrt spielt im Warenverkehr eine bedeutende Rolle. Defizite bestehen vor allem in der Nahverkehrsstruktur der Großstädte.

 

Geschichte

Taiwan vor 1949:

 

Kleine Bevölkerungsgruppen vom chinesischen Festland siedelten sich nach 1000 auf der Insel an, die 1590 von portugiesischen Seefahrern entdeckt wurde. Sie gaben ihr den Namen Ilha Formosa ("schöne Insel"). Seit 1624 war Taiwan in niederländischem Besitz. 1661 wurden die Niederländer von Chinesen vertrieben. 1885 erhielt Taiwan den Status einer Provinz, die 1895 an Japan abgetreten werden musste. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt China die Insel zurück. 1947 scheiterten Aufstände einer taiwanischen Autonomiebewegung.

Die Republik China:

1949 flüchtete die im Bürgerkrieg geschlagene Regierung unter Chiang Kai-shek (GMD) mit mehr als 1,5 Millionen Anhängern nach Taiwan, das als letzter Rest des chinesischen Staatsgebiets unter ihrer Herrschaft verblieb. Am 1. März 1950 wurde die "Republik China" auf Taiwan ausgerufen, die für sich in Anspruch nahm, ganz China zu repräsentieren. Dieser Anspruch wurde von vielen nicht kommunistischen Staaten zunächst anerkannt.

Taiwan vertrat China in der Uno und im Weltsicherheitsrat. Es schloss ein Militärabkommen mit den USA und wurde mit deren Hilfe ein moderner, exportorientierter Industriestaat. Die Anerkennung der Volksrepublik China durch die Uno 1971 bewirkte automatisch den Ausschluss Taiwans aus der Weltorganisation. 1975 starb der seit 1950 autoritär regierende Staatspräsident Chiang Kai-shek. Sein Sohn Chiang Ching-kuo (GMD), Präsident von 1978-1988, begann mit einer vorsichtigen Lockerung des Regimes.

Sein Nachfolger Lee Teng-hui (GMD) setzte die Politik der Demokratisierung fort. 2000 wählte die Bevölkerung mit Chen Shui-bian (DDP) erstmals den Kandidaten der Opposition zum Staatspräsidenten. Er wurde 2004 im Amt bestätigt. Außen- wie innenpolitisches Hauptthema blieben die Beziehungen Taiwans zur Volksrepublik China. Während die Regierung von Chen Shui-bian entgegen den Wünschen Pekings für eine eigene nationale taiwanesische Identität plädierte, setzte die Guomindang nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen auf Verständigung und Kooperation mit der Volksrepublik. Mit dieser Haltung konnte die GMD bei den Parlamentswahlen im Januar 2008 eine Zweidrittelmehrheit gewinnen. Ma Ying-jeou , der Kandidat der GDM, entschied im März 2008 auch die Präsidentschaftswahlen zu seinen Gunsten. Gleichzeitig scheiterten zwei Referenden um eine Bewerbung Taiwans für einen Uno-Sitz.

 


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