Tadschikistan

Wissenswertes über Tadschikistan

Natur und Klima:

Der mittelasiatische Staat wird größtenteils von wenig bewaldeten Hochgebirgen eingenommen. Durch die Lage im Kollisionsbereich von Iranischer, Indischer und Eurasischer Platte ist Tadschikistan stark erdbebengefährdet. Am höchsten ragen im Osten die stark vergletscherten Ketten des Pamir auf, die im Pik Ismoil Somoni 7495 Meter erreichen. Nach Norden schließt sich der Transalai an, nach Westen die Ketten des Serawschan- und des Gissargebirges. Im Nordwesten hat Tadschikistan Anteil am künstlich bewässerten, dicht besiedelten Ferganabecken.

Zweiter Siedlungsschwerpunkt ist der Südwesten des Landes mit seinen breiten Flusstälern. Die Flüsse werden vom Schmelzwasser der Gletscher gespeist und dienen der Bewässerung. Außerdem wird ihr starkes Gefälle durch Wasserkraftwerke genutzt, so dass Tadschikistan Elektrizität exportieren kann.

Trockenes Gebirgsklima:

Das kontinentale Klima ist im Hochgebirge relativ kühl und im Pamir sowie in den von Gebirgskämmen eingeschlossenen Tälern und im Ferganabecken ausgesprochen trocken. Wesentlich wärmer und feuchter mit durchschnittlich 600 mm Niederschlag im Jahr ist es im flacheren Südwesten.

Bevölkerung:

Rund 80 Prozent der Bevölkerung gehören zum iranischen Volk der Tadschiken. Die größte Minderheit bilden die vor allem im Ferganabecken ansässigen Usbeken mit etwa 15 Prozent. Außerdem leben Russen und Tataren im Land. Der Großteil der Bevölkerung bekennt sich zum Islam sunnitischer Richtung, nur die in der autonomen Republik Berg-Badachschan im Pamir lebenden Tadschiken sind mehrheitlich schiitische Ismailiten.

Staat und Politik:

Nach der 2003 revidierten Verfassung von 1994 ist Tadschikistan eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von sieben Jahren direkt gewählte Präsident, der über weitreichende Befugnisse verfügt. Er ernennt und erlässt mit Zustimmung des Parlaments die Regierung mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze. Das Zweikammerparlament besteht aus der Repräsentantenversammlung mit 63 und der Nationalversammlung mit 33 Mitgliedern (Legislaturperiode jeweils fünf Jahre). Dominierende Partei ist die präsidententreue Volksdemokratische Partei Tadschikistans (HDKT). Als einzige Oppositionspartei ist die Partei der Islamischen Wiedergeburt (IRP) im Parlament vertreten.

Wirtschaft und Verkehr:

Nach der Unabhängigkeit verschlechterte sich durch den Bürgerkrieg die schon zu Sowjetzeiten schwache Wirtschaft. Das Hochgebirgsrelief behindert den Ausbau der Infrastruktur und die Entwicklung der Industrie. Noch immer leben große Teile der Bevölkerung in Armut; viele verdingen sich als Wanderarbeiter im Ausland.

Wichtigstes Agrarprodukt ist Baumwolle, die fast ausschließlich auf bewässerten Flächen und in Monokultur angebaut wird. Als Folge der einseitigen Nutzung geht jährlich Ackerland durch Bodenerosion und Versalzung verloren. Die auf Gebirgsweiden betriebene Viehzucht basiert vor allem auf der Schafhaltung.

Von zunehmender Bedeutung ist die Förderung von Uran und Gold. Wichtigster Industriezweig ist die Aluminiumverhüttung, die von der billigen Wasserkraft profitiert, gefolgt von der Nahrungsmittel- und Textilindustrie.

Das Verkehrsnetz ist wegen der vorwiegend gebirgigen Landesnatur nur im Nordwesten und im Südwesten ausreichend ausgebaut. Im Osten sind weite Teile völlig unerschlossen. Dem Luftverkehr kommt daher eine hohe Bedeutung zu. Duschanbe ist an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen.

Geschichte:

Frühgeschichte und russisch-sowjetische Herrschaft:

Der Siedlungsraum der Tadschiken stand im Altertum unter wechselnden Herrschaften. Seit dem 8. Jahrhundert wurde die Bevölkerung unter arabischem Einfluss islamisiert. Im 9. und 10. Jahrhundert gehörte die Region zum Samanidenreich. Seit dem 16. Jahrhundert unterstand Tadschikistan verschiedenen usbekischen Chanaten. Im 19. Jahrhundert wurde der Norden dem russischen Generalgouvernement Turkestan einverleibt; der Süden verblieb beim Emirat Buchara. Innerhalb der UdSSR erhielt Tadschikistan 1929 den Rang einer Unionsrepublik.

Unabhängigkeit und Bürgerkrieg:

Am 9. September 1991 erklärte Tadschikistan seine Unabhängigkeit. 1992 eskalierte der Konflikt zwischen der kommunistischen Regierung und der islamischen sowie der nationaldemokratischen Opposition zum Bürgerkrieg, in dessen Verlauf der erste Präsident Rachman Nabijew gestürzt wurde. Nachfolger als Staatsoberhaupt wurde Emomali Rachmonow (Rahmon), der von der Bevölkerung 1994, 1999 und 2006 im Amt bestätigt wurde. 1997 konnte der Bürgerkrieg, der rund 100.000 Todesopfer gefordert hatte, mit Hilfe russischer und iranischer Vermittlungsbemühungen durch ein Friedensabkommen beendet werden. Bei Parlamentswahlen 2000 und 2005 erhielt die HDKT, die Partei des Präsidenten, eine klare Stimmenmehrheit.