Syrien

Wissenswertes über Syrien

Natur und Klima:

Hinter der schmalen Küstenebene erhebt sich das Alauitengebirge, das im Osten zu der vom Orontes durchflossenen Ghab-Senke abfällt. Im Südwesten hat Syrien Anteil am Antilibanon, an dessen Ostfuß in einer fruchtbaren Oase Damaskus liegt. Im Osten erstreckt sich das vom Euphrat durchflossene Syrische Tafelland mit seinen Wüstensteppen. Nach Süden geht es in die aus Sanddünen bestehende Syrische Wüste über und dacht sich nach Nordosten zu den Steppengebieten des Irak ab.

Zu Syrien zählen auch die seit 1967 von Israel besetzten Golanhöhen im äußersten Südwesten. Sie bestehen wie der östlich anschließende Jabal Ad Duruz aus jungvulkanischen Basaltdecken.

Die Küstenebene und die Westhänge des Küstengebirges haben Mittelmeerklima mit winterlichen Niederschlägen. Im Windschatten der Gebirge und im Osten fällt nur noch wenig Regen. Lediglich die Steppen im Nordosten sind etwas feuchter. In der Syrischen Wüste im Südosten herrscht Wüstenklima mit weniger als 100 mm Niederschlag pro Jahr.

Bevölkerung:

89 Prozent der Bewohner sind Araber; die Kurden (sechs Prozent) leben im Nordosten des Landes, die Armenier (zwei Prozent) vor allem in den großen Städten. Außerdem gibt es mehr als 400.000 palästinensische Flüchtlinge. Die Zahl der nomadisch lebenden Beduinen wird auf rund 200.000 geschätzt.

In Syrien besteht Religionsfreiheit. Rund 90 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, davon gehören 80 Prozent der sunnitischen Glaubensrichtung an, sieben Prozent (unter anderem die politische Elite) sind Alauiten, zwei Prozent Drusen und ein Prozent Ismailiten. Neun Prozent bekennen sich zum Christentum, das hier in altorientalische, orthodoxe und katholische Gemeinschaften zerfällt.

Staat und Politik:

Syrien ist nach der Verfassung von 1973 eine sozialistische volksdemokratische Präsidialrepublik. Staatsoberhaupt des Landes ist der Präsident, der auf Vorschlag des Parlaments für sieben Jahre direkt gewählt wird. Er verfügt über umfassende Vollmachten und ernennt und entlässt die Regierung mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze. Das Parlament, die Volksversammlung, hat 250 Abgeordnete, die auf vier Jahre gewählt werden. Die panarabisch-sozialistische Baath-Partei, die an der Spitze des Mehrparteienbündnisses Nationale Fortschrittliche Front (NFP) steht, bestimmt das politische Leben des Landes. Es gibt keine organisierte Opposition.

Wirtschaft und Verkehr:

Seit den neunziger Jahren versucht die Regierung, die Wirtschaft durch Deregulierung und Privatisierung zu beleben. Hauptprobleme sind die zur Neige gehenden Erdölvorräte und angesichts des hohen Bevölkerungswachstums der Mangel an Trinkwasser.

Grundlage der syrischen Wirtschaft, die sich seit den sechziger Jahren weitgehend unter staatlicher Kontrolle befindet, ist der Agrarsektor. Hauptanbaugebiete sind die Küstenebenen mit Regenfeldbau und das nach Errichtung des Assad-Dammes durch Bewässerung intensiv genutzte Euphrattal. Dort werden Getreide und Baumwolle angebaut. In den Steppen werden Schafe gehalten.

Seit 1968 werden im Nordosten Erdölvorkommen ausgebeutet. Das schwefelreiche Schweröl muss mit leichterem, zum größten Teil importiertem Erdöl vermischt werden. Syrien ist ein wichtiges Erdöltransit- und -verschiffungsland. Seit 1971 werden Phosphatvorkommen abgebaut. Die Industrialisierung wird vorangetrieben, allerdings arbeiten die großen staatlichen Industriebetriebe wenig effektiv. Wichtigste Zweige sind die Nahrungs- und Genussmittel- sowie die Textilindustrie; daneben gibt es Maschinenbau und chemische Industrie.

Hauptverkehrsträger ist das besonders im westlichen Landesteil dichte und größtenteils asphaltierte Straßennetz. Das Eisenbahnnetz verbindet Damaskus mit den Mittelmeerhäfen und den Industriestädten im Norden, besteht aber aus nicht miteinander verbundenen Einzelstrecken mit verschiedenen Spurweiten.

Geschichte

Frühgeschichte und osmanische Herrschaft:

Das im 4. Jahrtausend v. Chr. von Kanaanäern und Hurritern besiedelte Land beherrschten die Perser seit 539 v. Chr. Im Anschluss an die Eroberungen Alexanders des Großen wurde die Region Zentrum des seleukidischen Reiches. 64 v. Chr. errichteten die Römer die Provinz Syria. 395 kam Syrien an das Byzantinische Reich. 635 bis 637 eroberten die islamischen Araber Syrien, Damaskus war 661 bis 750 Hauptstadt der Omajjadenkalifen. Im 12. Jahrhundert herrschten die Kreuzfahrer über Edessa, Antiochia und Tripolis. 1516 bis 1918 war Syrien Teil des Osmanischen Reichs.

Mandatszeit und Unabhängigkeit:

Im Ersten Weltkrieg besetzten britische Truppen das Land, das infolge des Sykes-Picot-Abkommens 1920 französisches Völkerbundsmandat wurde. 1946 erlangte das Land die volle Souveränität. 1958 schloss es sich mit Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik zusammen (bis 1961). 1963 kam die Baath-Partei an die Macht. Im Sechstagekrieg 1967 gegen Israel verlor Syrien die Golanhöhen. 1970 übernahm General Hafez al-Assad die Macht.

1976 griffen syrische Truppen in den libanesischen Bürgerkrieg ein. Syrien wurde dort zur Besatzungs- und Ordnungsmacht. 2000 starb Staatspräsident Assad. Die Bevölkerung bestimmte in einem Referendum seinen Sohn Baschar al-Assad zum neuen Staatsoberhaupt. Hoffnungen auf eine Demokratisierung erfüllten sich nicht. Auf internationalen Druck hin zog Syrien 2005 seine Truppen aus Libanon ab und erkannte 2008 das Land als eigenständigen Staat an. Die neue Eskalation im Nahost-Konflikt 2006 verschlechterte das ohnehin angespannte Verhältnis zu den USA und Israel.


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