Sri Lanka Königsstadt mit Buddhas Backenzahn

Es wird kühler auf der Fahrt in die Berge, das Land grüner, steiler. Bald steigt einem ein anderer Geruch in die Nase, Orchideen, die feuchte Luft des Walds. Dann taucht Kandy auf, zweitgrößte Stadt Sri Lankas, die gegen Colombo aber doch eher wie ein beschauliches Bergdorf anmutet. An einem spüligrünen See, umgeben von saftig grünen Berghängen, stehen weiße Häuser mit spitzen roten Dächern. Eine kuriose Mischung aus Schweiz, Kolonialstil-Architektur und verschnörkeltem China.

Auf der Hauptstraße dann doch ordentliches Gewühl: Tuktuks, motorisierte Dreiräder, rasen dieselspeiend an Obstständen vorbei, rasieren haarscharf an Teeverschlägen und kleinen Rottishops vorbei. Häuser und Verschläge wachsen von links und rechts über die Straße, bunte und windschiefe Behausungen. Und natürlich sind da die Tempel – und sie machen Kandy zu dem, was der Ort in erster Linie ist: eine heilige Stadt.

Dreimal am Tag wird Zugang zum Zahn gewährt

Ihr Mittelpunkt und Magnet für Touristen wie einheimische Pilger: der berühmte Zahntempel. Er liegt zwischen Kandy Lake, dem Fluss Mahaweli und dem Udawattakele-Schutzgebiet, und genau hier ruht angeblich eine der heiligsten Reliquien des Buddhismus – ein Backenzahn Buddhas, dem Erleuchteten. Jedes Jahr im Juli und August beginnen am Tempel von Sri Dalada Maligawa die pompösen Prozessionen mit Elefanten, Tänzern und Musikern – ein Spektakel, das zwei Wochen dauert und zigtausend Zuschauer anlockt.

Doch auch im Rest des Jahres lockt der Tempel viele Besucher an - dreimal am Tag wird Zugang zum Zahn gewährt, der jedoch stets verhüllt bleibt. Nur wenige Menschen bekommen das Wunder aus dem 4. Jahrhundert wirklich zu sehen. Zu bestaunen ist aber immerhin der goldene Reliquienbehälter. Den meisten buddhistischen Pilgern aber reicht das. Denn wer glaubt, wird selig.

Jahrhundertelang boten die Berge der alten Königsstadt Schutz vor europäischen Expansionsgelüsten. Erst 1815 wurde der Monarch Sri Vikrama Rajasimha von den Briten verdrängt. Nun aber ist Kandy wieder ganz in Händen Sri Lankas: Stolz präsentiert sich die Stadt bis heute als Hort singhalesischer Kultur. Kandy ist auch traditionelles Handwerkszentrum und besitzt eine geachtete Universität.

Für die meisten Besucher interessant: Kandy ist ein guter Ausgangsort für Besuche des Pinnawela-Elefantenwaisenhauses (ziemlich touristisch und teils umstritten) sowie des Botanischen Gartens Peradeniya. Und spätestens hier steigt einem wieder der wahre Duft Kandys in die Nase: Blumen, Wald, Natur - allein in diesem Garten gedeihen 4000 verschiedene Pflanzenarten.

Autor

Marc Bielefeld