Sri Lanka Bahnfahrt ins Hochland

Mit dem Zug reist man mittendrin und nicht in einer gesonderten Touristenklasse, in vollklimatisierten Bussen oder dem gut gefederten Vehikel eines Pauschalanbieters mit Softdrinks und Dauerdolmetscher. Stattdessen: Nähe, Blicke, echtes Reisen.

Von Colombos altem, stets herrlich überfülltem Bahnhof fahren täglich und stündlich die Züge ab. Man nimmt Platz im Abteil und ist sofort drin im echten Sri Lanka. Eine Singhalesin sitzt neben einem, auf ihrem Schoß die drei Kinder und das geschlachtete Huhn, dessen frisch gerupften Beine aus der Palstiktüte lugen. Etwas weiter sitzen Fischer auf dem Boden, spielen Karten. Und direkt nebenan hocken 20 buddhistische Pilger, in orangefarbenen Gewändern, barfuß und kahlrasiert. Sie alle schauen den reisenden Fremden etwas verstohlen, aber neugierig an – mit einem großen Lächeln. Dann setzt sich der Zug in Bewegung, und die schönsten Fahrten sind jene ins Hochland. Rauf in das kühle, üppige und wundervolle Land names Hill Country.

Über zehn Stunden braucht der Zug von Colombo über die Bergorte Hatton, Bandarawella und Ella – bis ins 290 Kilometer entfernte Badulla. Zeit? Sie spielt hier die Nebenrolle, man vergisst sie eh beim Blick durchs stets offene Fenster: Da ziehen tropischer Dschungel vorbei, tiefgrüne Teeplantagen und rauschende Wasserfälle. Die Bahnfahrt ins Hochland zählt zu den schönsten Reiseerlebnissen der Insel, und ein Ticket in der recht rustikalen 2. Klasse kostet nur wenige Rupien. Etwas bequemer und teurer sind Züge mit „Observation Saloon“ – das sind angehängte Extra-Waggons im Rajadhani-Express oder Abteile mit großer Panoramascheibe am Ende des Zugs.

Schön ist auch die gut zweistündige Fahrt von Habarana im Zentrum des Kulturellen Dreiecks bis nach Trincomalee an der Ostküste. Vor den Fenstern rollt auch hier wundervolles Sri lanka vorbei: die hohen Bäume und das wilde Grün des Kaudulla-Nationalparks. Und dabei ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass hier und da Wildelefanten ganz nah an den Schienen  vorbeilaufen. Das muss einem die Deutsche Bahn erst einmal bieten!

Autor

Marc Bielefeld