Sri Lanka

Wissenswertes über Sri Lanka

Natur und Klima:

Sri Lanka umfasst die Insel Ceylon südöstlich des indischen Subkontinents, mit dem es über die aus Kalkinseln und Sandbänken aufgebaute Adamsbrücke verbunden ist. Den Norden der Insel bilden Küstentiefländer, die von Nehrungen und Strandseen gesäumt sind. Im Süden erhebt sich das zentrale Hochland (im Pidurutalagala 2524 Meter), das in markanten Steilstufen zu einem schmalen Küstentiefland im Süden abfällt. Zahlreiche im Hochland entspringende Flüsse bilden an den Steilstufen gewaltige Wasserfälle. Die natürliche Vegetation ist nur stellenweise erhalten und reicht von tropischen Regenwäldern im Südwesten bis zu Strauchsavannen im Nordosten.

Tropisches Klima:

Die Insel steht von Mai bis Oktober unter dem Einfluss des Südwestmonsuns und von November bis April unter dem des Nordostmonsuns. Im immerfeuchten Südwesten summieren sich die Niederschläge auf über 5000 mm; im Norden und Osten fallen nur bis zu 1500 mm Regen. Mit Ausnahme des Hochlandes herrschen ganzjährig hohe Temperaturen, die auch im Tagesverlauf wenig schwanken.

Bevölkerung:

Überwiegend buddhistische Singhalesen stellen vier Fünftel der Bevölkerung, ein Zehntel sind Tamilen, die größtenteils dem Hinduismus angehören. Die Singhalesen besiedeln den Süden, die Tamilen den Norden und Osten. Weitere Bevölkerungsgruppen bilden die arabischstämmigen islamischen Mauren, die europäischstämmigen katholischen Burgher sowie die Malaien. Im gebirgigen Landesinneren leben mit den Weddas noch einige Ureinwohner. Der regenreiche Südwesten ist am stärksten besiedelt. Nach dem langjährigen Bürgerkrieg und der Tsunami-Katastrophe 2004 sind rund 800.000 Sri-Lanker ins Ausland abgewandert.

Staat und Politik:

Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1978 ist Sri Lanka eine präsidiale Republik im Commonwealth. Staatsoberhaupt ist der auf sechs Jahre direkt gewählte Präsident. Er ernennt den Premierminister und die Minister. Außerdem hat er das Recht zur Parlamentsauflösung und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Das Einkammerparlament umfasst 225 Abgeordnete, die alle sechs Jahre gewählt werden.

Das Parteienbündnis United People's Freedom Alliance (UPFA) unter Führung der linken Sri Lanka Freedom Party (SLFP) stellt die Regierung. Die konservative United National Party (UNP) ist stärkste Kraft der Opposition.

Wirtschaft und Verkehr:

Die Landwirtschaft liefert für den Export Tee, Kautschuk und Kokosprodukte, die vor allem im zentralen Hochland auf staatlichen Plantagen angebaut werden. Sri Lanka gehört zu den weltgrößten Tee-Exporteuren.

Die Bodenschätze beschränken sich auf Edelsteine, Graphit und Kaolin. Im wenig entwickelten Industriesektor kommt einzig der Textilbranche größere Bedeutung zu. Wichtig sind auch die traditionellen Handwerksbetriebe: Edelsteinschleifereien, Elfenbein- und Holzschnitzereien, Silber- und Messingschmiede sowie Töpfereien. Die Überweisungen von Exil-Sri-Lankern und der Tourismus liefern wichtige Devisen. Der Bade- und Bildungstourismus, der 2004 noch mehr als eine halbe Million Besucher anlockte, wird durch die politischen Unruhen stark beeinträchtigt. 2004 erlitt er nach dem Tsunami einen erneuten Einbruch.

Das Verkehrsnetz leidet bis heute unter den Folgen des Bürgerkrieges. Das Straßennetz ist nur im Südwesten gut ausgebaut. Das Schienennetz ist in schlechtem Zustand; mit dem indischen Eisenbahnnetz besteht Fährverbindung über die Palkstraße.

 

Geschichte

Früh- und Kolonialzeit:

 

Im 5. Jahrhundert v. Chr. wanderten von Indien aus Singhalesen ein. Seit 247 v. Chr. breitete sich der Buddhismus aus. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. drangen erstmals Tamilen aus Südindien auf die Insel vor.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts setzten sich Portugiesen an der Küste fest. Sie wurden im 17. Jahrhundert von Holländern verdrängt. Bis 1815 konnte Großbritannien die ganze Insel, die zur Kronkolonie Ceylon wurde, in Besitz nehmen.

Unabhängigkeit und Bürgerkrieg:

1948 wurde Ceylon im Rahmen des Commonwealth unabhängig. Die konservative UNP und die linksgerichtete SLFP regierten seit der Unabhängigkeit im Wechsel. 1972 erhielt das Land eine neue Verfassung und wurde unter dem Namen Sri Lanka zur Republik. 1978 erfolgte die Einführung des Präsidialsystems. Der seit langem schwelende Konflikt zwischen den Singhalesen und der tamilischen Minderheit eskalierte und führte ab 1983 zum Bürgerkrieg, in dem die tamilische Separatistenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) für einen unabhängigen Tamilenstaat im Norden des Landes kämpfte.

Ein Friedensabkommen von 1987 sicherte den Tamilen weitgehende Autonomie zu, deren Einhaltung indische Truppen sichern sollten. Nach deren Abzug flammten die Kämpfe 1990 jedoch erneut auf. Erst 2002 einigten sich Regierung und LTTE, die mehr als ein Viertel des Staatsgebietes kontrollierte, auf einen Waffenstillstand im Bürgerkrieg, der bis dahin über 65.000 Menschenleben gefordert hatte. 2003 zog sich die LTTE aus Friedensgesprächen mit der Regierung zurück.

Die Parlamentswahlen 2004 gewann das Parteienbündnis United People's Freedom Alliance (UPFA) unter Führung der SLFP. 2005 wählte die Bevölkerung Mahinda Rajapaksa (SLFP) zum neuen Staatspräsidenten. Trotz neuerlicher Friedensgespräche nahmen die gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der LTTE wieder zu. Bei Kämpfen im Norden und Osten des Landes verloren Tausende Menschen ihr Leben. Die LTTE musste zwar militärische Rückschläge hinnehmen, zeigte sich aber weiterhin in der Lage im ganzen Land bewaffnete Aktionen und Selbstmordanschläge durchzuführen.

Im Januar 2008 kündigte die Regierung Rajapaksa, in deren Amtszeit der singhalesische Nationalismus gestärkt wurde, die 2002 getroffene Waffenstillstandsvereinbarung auch offiziell auf. Es folgte eine Großoffensive der sri-lankischen Armee, durch die die LTTE große Gebietsverluste erlitt und im Januar 2009 ihr Machtzentrum, die Stadt Kilinochchi, aufgeben musste. Die Armee setzte die Offensive mit großer Härte und ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung fort. Fast 200.000 Menschen flohen aus der Krisenregion. Im Mai 2009 verkündete die Regierung den militärischen Sieg über die LTTE, deren Führungskader getötet wurden.

 


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