Philippinen

Wissenswertes über die Philippinen

Natur und Klima:

Mehr als 7100 Inseln und Eilande umfasst die philippinische Inselgruppe, die den Rest eines in früher geologischer Zeit abgesunkenen Gebirgssystems bildet. Die beiden größten Inseln sind Luzon im Norden und Mindanao im Süden; andere größere Inseln sind Samar, Leyte und Masbate im Osten, Mindoro im Nordwesten und die Visayaninseln Bohol, Cebu, Negros und Panay in der Mitte. Palawan im Westen und der im Süden gelegene Sulu-Archipel begrenzen die inselreiche Sulusee. Die größeren Inseln sind von Gebirgen oder Hügelländern durchzogen.

Eine besondere Attraktion ist die Karstlandschaft der sogenannten Chocolate Hills auf der Insel Bohol. Unter dem Einfluss des Tropenklimas sind hier auf einer etwa 500 Metern hohe Hochfläche mehrere Hundert kegelförmige, 30 bis 40 Meter hohe Hügel entstanden. Größere fruchtbare Tiefebenen gibt es nur auf Luzon und Mindanao. Durch die Zerstörung der tropischen Regenwälder und der Monsunwälder sind weite Landstriche von Erosion bedroht. Nur noch ein Fünftel der Landesfläche ist mit Wald bestanden.

Unruhige Zone:

Die Philippinen gehören zu den Inselbögen im "pazifischen Feuergürtel", die immer wieder von Erdbeben und vulkanischen Aktivitäten erschüttert werden. Viele der insgesamt 47 Vulkane sind noch aktiv. Der höchste ist mit 2954 Meter der (inaktive) Mount Apo im südlichen Mindanao. Die gefährlichsten Vulkane liegen auf Luzon, darunter der formvollendete Mount Mayon (2421 Meter) und der nur 400 Meter hohe Taal, der in einer riesigen, wassergefüllten Caldera liegt. 1991 brach der seit mehr als 600 Jahren ruhige Pinatubo, ebenfalls auf Luzon, aus und begrub fast tausend Menschen unter Aschemassen und heißen Schlammlawinen.

Feuchtwarmes Monsunklima:

Der Archipel liegt im Einzugsgebiet tropischer Monsunwinde; der Südwestmonsun bringt zwischen Juni und November die Regenzeit, der Nordostmonsun zwischen Dezember und Juni die Trockenzeit. Die Regenmenge schwankt zwischen jährlich 1000 mm in den Tiefebenen und 4500 mm in den Höhenlagen. Mit Ausnahme von Mindanao werden die Inseln in der Regenzeit regelmäßig von Taifunen heimgesucht, die teils große Verwüstungen anrichten. Die Temperaturen (im Tiefland um 27 Grad) zeigen geringe jahreszeitliche Schwankungen.

Bevölkerung:

Die stärkste Volksgruppe bilden die jungindonesischen Filipinos, die sich in einzelne Sprachgruppen (unter anderem Tagalen, Cebuanos, Bisayas) gliedern. Auf etwa zehn Prozent werden die Altindonesier und die Negritos (Aëta) geschätzt, die von den Jungindonesiern in die Bergregionen abgedrängt wurden. Außerdem leben Chinesen, Inder und Polynesier im Land.

Die Bevölkerung ist zu rund 94 Prozent christlich; mehr als 80 Prozent sind Katholiken. Die katholische Kirche hat traditionell eine starke Stellung. Zum Islam bekennen sich fünf Prozent; die als Moro bezeichnete muslimische "kulturelle Minderheit" lebt überwiegend auf den südlichen Inseln. Buddhisten und Anhänger von Stammesreligionen machen nur ein Prozent der Bevölkerung aus.

Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleichmäßig; die Ebenen der größeren Inseln sind überbevölkert, während die Gebirgsregionen nur dünn besiedelt sind. Die zunehmende Landflucht hat um die Hauptstadt Manila einen breiten Slumgürtel entstehen lassen.

Bildung:

Das nach US-amerikanischem Vorbild konzipierte Bildungswesen ist gut ausgebaut. Dementsprechend niedrig ist die Analphabetenquote. Für die sechsjährige Grundschule, die mit dem siebten Lebensjahr beginnt, besteht Schulpflicht. An den stark frequentierten staatlichen Grundschulen ist der Unterricht kostenlos. Die vierjährige Sekundarstufe spaltet sich nach zwei Jahren in einen berufsbildenden Zweig und einen, der zum College führt, auf. Unterrichtssprachen auf der Grundschule sind Tagalog (Filipino) und Englisch, auf der Sekundarstufe meist nur Englisch. Neben den staatlichen gibt es auf allen Unterrichtsstufen private, meist kirchliche Bildungsanstalten.

Gut ausgebaut ist auch der vorwiegend privat finanzierte Hochschulsektor. Zu den wenigen staatlichen Universitäten gehört die größte des Landes, die University of the Philippines in Manila.

Staat und Politik:

Die Philippinen sind nach der Verfassung von 1987 eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der für sechs Jahre direkt gewählte Präsident. Das Zweikammerparlament, der Kongress, setzt sich aus dem maximal 261 Mitglieder starken Repräsentantenhaus (Legislaturperiode drei Jahre)und dem Senat (24 für drei Jahre gewählte Mitglieder) zusammen. Das Parteiensystem ist durch ständige Umgruppierungen sehr instabil.

Wichtige Parteien sind die Lakas-Christian Muslim Democrats (Lakas-CMD), die Kabalikat ng Malayang Pilipino (KAMPI), die Liberal Party (LP), die Nationalist People's Coalition (NPC) sowie die Nacionalista Party (NP). Höchste Instanz der Rechtsprechung ist der Oberste Gerichtshof (Supreme Court).

Wirtschaft und Verkehr

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung arbeiten viele Filipinos im Ausland, überwiegend in den Erdölstaaten des Nahen Ostens. Ihre Überweisungen in die Heimat entsprechen rund einem Drittel der gesamten Exporterlöse. Die hohe Auslandsverschuldung, Missmanagement, weit verbreitete Korruption und die äußerst ungleiche Einkommensverteilung bremsen allerdings das Wirtschaftswachstum.

Reiche Ressourcen:

Die Landwirtschaft spielt noch immer eine wichtige Rolle. In den fruchtbaren Ebenen und auf terrassierten Hängen wird Reis angebaut; andere wichtige Anbauprodukte sind Zuckerrohr, Kokospalmen, Gummibäume, Manilahanf, Mais, Obst, Erdnüsse und Gemüse. Mit einem Drittel der Welterzeugung sind die Philippinen der größte Kokosnusslieferant der Welt. Bedeutend ist auch die Küstenfischerei und Aquakultur in den Meeresbuchten.

Die Gewinnung der reichen Bodenschätze (Eisenerz, Steinkohle, Kupfer, Nickel, Gold und Chromerz) befindet sich erst in den Anfängen. Die in der Sulusee und vor Palawan erschlossenen Erdöllager können den Bedarf nicht decken. Zunehmend werden Wasserkraft und Erdwärme zur Energieerzeugung genutzt.

Drei Fünftel der Industriebetriebe sind in und um Manila angesiedelt. Mit der Einrichtung von Freihandelszonen sollen neue Industriestandorte angeboten und ausländische Investoren angelockt werden. Wichtige Industriezweige sind die exportorientierte elektronische und elektrotechnische Industrie, die Nahrungsmittelverarbeitung, die chemische Industrie und die Textilindustrie sowie der Maschinen- und Fahrzeugbau.

Tourismus:

Wachsende Kriminalität und die instabile politische Lage haben bisher die Entwicklung des Tourismus in dem an kulturellen und landschaftlichen Schätzen reichen Land behindert.

Schiffe und Flugzeuge:

Naturgemäß spielt der Schiffs- und Flugverkehr in dem Inselstaat eine große Rolle. Das Eisenbahnnetz ist auf die Inseln Luzon und Panay beschränkt, das Straßennetz ist nur auf Luzon gut ausgebaut. Ein ehrgeiziges Straßenbauprojekt soll Luzon über die Visayaninseln mit Mindanao verbinden.

Geschichte

Spanische Herrschaft:

Die ersten Einwanderer erreichten den philippinischen Archipel vermutlich in prähistorischer Zeit, als noch eine Landbrücke zum asiatischen Kontinent bestand. Im 8. Jahrhundert n. Chr. bestanden Handelsbeziehungen mit China. Von Indonesien aus drang im 15. Jahrhundert der Islam vor. Auf den Suluinseln und Mindanao entstanden muslimische Sultanate. 1521 erreichte Fernando Magellan die Philippinen, die bis zum Ende des 16. Jahrhunderts unter spanische Herrschaft fielen.

Die Mehrzahl der Filipinos trat in der Folgezeit zum Katholizismus über. Der Klerus übernahm eine führende Rolle in Politik und Wirtschaft. Der Archipel besaß herausragende Bedeutung als Drehscheibe im Chinahandel von Mexiko über den Pazifik. Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich unter dem Einfluss aufgeklärter Intellektueller wie des Nationalhelden José Rizal der Widerstand gegen die spanischen Kolonialherrschaft, der 1896 in einen Volksaufstand mündete. 1898 wurde die erste unabhängige Philippinische Republik proklamiert.

US-Kolonie und Unabhängigkeit:

Nach dem erfolgreichen Krieg gegen Spanien 1898 besetzten die USA die Philippinen und brachen bis 1902 den Widerstand der Nationalbewegung. Die einheimischen Feudalherren stellten sich auf die neue Machtkonstellation ein und profitierten davon. 1934 erhielt der Archipel erweiterte Autonomie. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte die philippinische Bevölkerung mit den Amerikanern gegen die Japaner, denen es 1941/42 gelang, die Inseln zu besetzen. Am 4. Juli 1946 wurden die Philippinen unabhängig und erhielten eine Verfassung nach US-amerikanischem Vorbild. Erster Präsident war Manuel Roxas (1946-1948). Die engen wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zu den USA blieben bestehen.

Marcos-Regime und Demokratisierung:

Die Philippinen beteiligten sich auf US-amerikanischer Seite am Vietnam-Krieg. 1965 wurde Ferdinand Marcos Präsident. Nach seiner Wiederwahl 1969 verhängte er angesichts von Aufständen im ganzen Land - zur Erhebung der Muslime im Süden kamen Bauernrevolten und Studentenunruhen - 1972 das Kriegsrecht. Der wichtigste politische Gegenspieler von Marcos, Benigno Aquino, wurde bei seiner Rückkehr aus dem US-amerikanischen Exil 1983 erschossen. Danach steigerte sich der Widerstand gegen das Regime. 1986 musste Marcos schließlich das Land verlassen. Nachfolgerin im Präsidentenamt wurde Corazón Aquino, die Witwe des ermordeten Oppositionspolitikers.

Die Präsidentschaftswahlen 1992 gewann Fidel Ramos. Er bemühte sich vor allem um die Beilegung der inneren Konflikte des Landes. So schloss er 1996 ein Friedensabkommen mit der muslimischen Moro National Liberation Front (MNLF) zur Beendigung des seit 1973 andauernden Guerillakrieges. Gleichwohl blieb der Konflikt virulent, da sich von der MNLF die radikalere Moro Islamic Liberation Front (MILF) abgespalten hatte.

Aus den Wahlen 1998 ging Joseph Estrada als Sieger hervor. 1999 flammten die Auseinandersetzungen mit islamistischen Gruppen auf den südlichen Philippinen wieder auf. Die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf nahm ausländische Touristen als Geiseln. Nach der Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens wegen Korruption musste Estrada das Präsidentenamt nach Massenprotesten 2001 aufgeben. Die bisherige Vizepräsidentin Gloria Macapagal Arroyo übernahm die Präsidentschaft. 2003 schloss die Regierung eine Friedensabkommen mit der MILF. Die Präsidentin wurde 2004 in umstrittenen Wahlen im Amt bestätigt. Nach dem Scheitern einer Vereinbarung mit der MILF über die Vergrößerung eines geplanten muslimischen Autonomiegebietes auf Mindanao kam es dort 2008 zu schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und MILF-Rebellen.


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