Pakistan

Wissenswertes über Pakistan

Natur und Klima:

Pakistan wird in vier Naturräume unterteilt: das Industiefland im Osten, die Hochgebirge im Norden, die Bergländer im Nordwesten und Belutschistan im Westen. Wirtschaftlicher Kernraum ist das Industiefland, das ein Drittel des Landes einnimmt. In seinem Norden bauen die fünf im Himalaya entspringenden Flüsse Jhelum, Chanab, Ravi, Beas und Sutlej das Schwemmland des Pandschab auf. Nachdem der Indus im Süden die mächtige Aufschüttungsebene des Sind durchflossen hat, mündet er in einem breiten Delta in das Arabische Meer. Beidseitig des Stroms liegen bis zu 150 Kilometer breite Bewässerungsflächen. Nach Osten geht das Industiefland in die Wüstensteppe Thar über.

Im Norden hat Pakistan Anteil am Himalaya, am Hindukusch und am Karakorum, in dem sich mit dem 8611 Meter hohen K2 (Mount Godwin-Austen) der zweithöchste Berg der Erde erhebt. In den Hochgebirgen wechseln sich teils vergletscherte Gebirgsketten mit weiten Hochflächen ab. Im Westen liegt das zum Iranisch-Afghanischen Hochland zählende Belutschistan, dessen zahlreiche Gebirgsketten nach Süden flacher werden. Zwischen ihnen erstrecken sich abflusslose Hochbecken mit Sandwüsten und Salztonebenen. Im Nordwesten bildet die verkarstete, schwer zugängliche Sulaimankette die Grenze zwischen dem Hochland und dem Industiefland.

Subtropisch-kontinentales Klima:

Das Klima wird im Sommer von Monsunausläufern beeinflusst, die dem Himalaya-Rand und dem Norden des Pandschab 700-1500 mm Jahresniederschlag bringen. Im Süden fallen pro Jahr nur 100-200 mm Regen. Das subtropische sommerwarme Klima nimmt im Westen und Norden kontinentale Züge mit langen, kalten Wintern an. Die Hochgebirge im Norden sind vergletschert.

Die natürliche Vegetation besteht überwiegend aus Steppe. Nur an den Gebirgshängen im Norden gibt es noch geschlossene Wälder (nur zwei Prozent der Landesfläche). Die Becken Belutschistans und die Gebiete am unteren Indus sind wüstenhaft.

Bevölkerung:

Außer den mehrheitlich indoarischen Pakistanern (50 Prozent Pandschabi, 15 Prozent Sindhi) gibt es iranische (Belutschen, Paschtunen), bengalische und dravidische Volksgruppen mit jeweils eigenen Sprachen. Mehr als 95 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, die meisten Sunniten; Hindus und Christen bilden kleine Minderheiten. Der Islam ist Staatsreligion. Zwei Drittel der Pakistaner leben auf dem Land, rund 80 Prozent in den Bewässerungsgebieten des Tieflandes. Die Städte und ihre Elendsviertel wachsen rasch durch den Zuzug der Landbevölkerung. Viele Pakistaner versuchen auch durch Auswanderung der Armut zu entkommen.

Seit der Staatsgründung 1947 hat sich die Bevölkerung von 30 Millionen auf 158 Millionen mehr als verfünffacht. Außer dem natürlichen Bevölkerungswachstum sind dafür starke Flüchtlingsströme von Muslimen aus Indien sowie von Kriegsflüchtlingen aus Afghanistan verantwortlich. Die staatliche Familienplanung zeigte nicht den erwünschten Erfolg, Kinder gelten immer noch als beste Altersabsicherung. Etwa drei Viertel der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser; die Säuglingssterblichkeit ist auch für asiatische Verhältnisse hoch.

Bildung:

Über die Hälfte der Bevölkerung sind Analphabeten, bei den Frauen sind es fast zwei Drittel. Es gibt keine Schulpflicht und nur die Hälfte der eingeschulten Kinder schließt die fünfjährige Grundschule ab. Staatliche Alphabetisierungskampagnen und eine Verbesserung der Lehrerausbildung sollen die Qualität des Bildungssystems verbessern. Aufgrund des unzureichenden staatlichen Bildungsangebotes entstanden seit Ende der siebziger Jahre zahlreiche kostenpflichtige Privatschulen. Die islamisch ausgerichteten Religionsschulen werden in jüngster Zeit von der Regierung kontrolliert. Von den etwa 30 Universitäten ist die 1882 gegründete Punjab-Universität in Lahore die älteste.

Staat und Politik:

Nach der mehrfach revidierten Verfassung von 1973 ist Pakistan eine islamische Republik mit bundesstaatlicher Ordnung. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates ist der von einem Wahlmännerkollegium für fünf Jahre gewählte Präsident, der Muslim sein muss. Er verfügt über umfangreiche Sondervollmachten. Das Zweikammerparlament besteht zu einem aus der Nationalversammlung mit 342 Abgeordneten, die für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt werden. Die zweite Kammer, der Senat, hat 100 Mitglieder, die für sechs Jahre gewählt werden.

Wichtige Parteien sind die von Zulfikar Ali Bhutto gegründete Pakistan Peoples Party (PPP), die Pakistan Muslim League-Nawaz (PML-N), die dem Militär nahe stehende Pakistan Muslim League Qaid-e-Azam (PML-Q) sowie die Awami National Party (ANP). An der Spitze des Gerichtswesens steht als Appellationsgericht der Oberste Gerichtshof. Die Provinzen verfügen über eigene Parlamente und Regierungen.

Wirtschaft und Verkehr

Nach einer Phase der Liberalisierung, Privatisierung und Haushaltskonsiolidierung zeigt die pakistanische Wirtschaft einen Aufwärtstrend, doch das enorme Bevölkerungswachstum verhindert eine effektive Bekämpfung der Armut. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind die Geldüberweisungen der im Ausland lebenden Pakistaner.

Bewässerungswirtschaft:

Nur rund ein Drittel der Landesfläche ist landwirtschaftlich nutzbar. Hauptanbaugebiet ist der Pandschab. Drei Viertel des Ackerlandes werden künstlich bewässert, vielerorts sind zwei Ernten im Jahr möglich. Durch die hohen Temperaturen gehen aber auch immer wieder wertvolle bewässerte Ackerflächen durch Versalzung verloren. Seit der staatlich subventionierten Steigerung der Agrarproduktion in den sechzigerJahren kann sich das Land weitgehend selbst ernähren. Teile der Reis- und Baumwollernte gehen in den Export. In den nicht bewässerten Teilen des Industieflandes wird eine extensive Viehwirtschaft betrieben, in Belutschistan halten Nomaden Rinder, Schafe, Kamele und Ziegen.

Textilien und Teppiche:

An Rohstoffen werden vor allem Erdgas und Salz gefördert. Der Schwerpunkt der Industrie liegt in der Verarbeitung von Agrarprodukten. Die meisten Betriebe sind Handwerks- und Kleinbetriebe. Parallel dazu produziert eine moderne Textilindustrie Baumwollgarne und -gewebe für den Export. Die Teppichknüpferei und -weberei hat Pakistan zum wichtigsten Teppichexporteur der Welt gemacht. Auch die Metallverarbeitung und chemische Industrie erleben einen raschen Aufschwung. Energie wird größtenteils in Wasserkraftwerken am Indus erzeugt, die Stauseen dienen gleichzeitig der Bewässerung.

Tourismus:

Der Tourismus mit jährlich 650.000 Besuchern ist bislang wenig entwickelt. Ziele sind unter anderem die Klosterruinen von Takt-i-Bahi und die Ruinenfelder von Mohenjo-Daro.

Verkehrsnetz im Aufbau:

Hauptverkehrsträger ist die staatliche Eisenbahn; der Straßenverkehr gewinnt vor allem in der dicht besiedelten Provinz Punjab an Bedeutung. Wichtige Passstraßen (Bolan-, Khaiber- und Khunjerabpass) verbinden Pakistan mit den Nachbarländern Afghanistan und China.

Geschichte

Staatsgründung und Sezession Ostpakistans:

1906 wurde in Britisch-Indien die Allindische Muslimliga gegründet, die 1940 einen eigenen muslimischen Staat forderte. Diese Forderung wurde 1947 mit der Unabhängigkeit Britisch-Indiens und der Gründung Pakistans erfüllt. Die territoriale Neugliederung war mit erheblichen Problemen verbunden. Gewaltige Flüchtlingsströme bewegten sich zwischen den beiden neuen Staaten. Pakistan bestand aus einem West- und einem von diesem durch das Staatsgebiet Indiens getrennten Ostteil. Die Bengalen im Ostteil, die mehr als die Hälfte der pakistanischen Bevölkerung ausmachten, litten unter der politischen und wirtschaftlichen Bevormundung durch den Westteil.

Das Verhältnis zu Indien war von Anfang an durch Grenzstreitigkeiten belastet. 1947/48 und 1965 kam es zum offenen Kampf um Kaschmir. Dem Mord am ersten Premierminister Liaqat Ali Khan (1947-1951) folgten in den 1950er Jahren Unruhen und Massendemonstrationen. 1956 gab sich das Land als Islamische Republik Pakistan die erste Verfassung. 1958 errichtete General Ayub Khan ein autoritäres Regime. Eine innenpolitische Krise nötigte ihn 1969 zum Rücktritt.

1971 erklärte sich Ostpakistan zum eigenständigen Staat Bangladesch. Ein militärischer Versuch Westpakistans, die Unabhängigkeit zu verhindern, scheiterte an der Intervention Indiens.

Zulfikar Ali Bhutto und Zia ul-Haq:

In Pakistan wurde Zulfikar Ali Bhutto , der Vorsitzende der PPP, Staatspräsident. 1973 erhielt das Land eine neue Verfassung. Bhutto wurde Premierminister. 1977 wurde er unter dem Vorwurf des Wahlbetrugs vom Militär gestürzt; die Macht übernahm General Zia ul-Haq als Kriegsrechtsadministrator, seit 1978 als Staatspräsident. Er ließ Bhutto 1979 hinrichten. 1985 wurde das Kriegsrecht einschließlich des Verbots politischer Parteien aufgehoben. 1988 kam Zia bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Im Schatten der Weltpolitik:

Aus den Parlamentswahlen ging 1988 die PPP als stärkste Partei hervor. Benazir Bhutto, die Tochter Zulfikar Ali Bhuttos, wurde Premierministerin. Bis 1999 wechselten sich nun von Bhutto geführte Kabinette mit Regierungen der PML unter Nawaz Sharif ab. Ihnen gelang es nicht, die vielfältigen innenpolitischen Probleme zu lösen. Dies betraf sowohl das Erstarken des islamischen Fundamentalismus als auch die ansteigende Inflation. Als Reaktion auf indische Atomwaffentests führte auch Pakistan 1998 mehrere solcher Tests durch. 1999 eskalierte erneut der Kaschmir-Konflikt.

Im selben Jahr setzte sich Generalstabschef Pervez Musharraf nach einem unblutigen Militärputsch an die Spitze des Staates und ließ sich 2001 als Präsident vereidigen. Umfangreiche Verfassungsänderungen (Legal Framework Order) stärkten die politische Macht des Staatsoberhauptes. Die Außenpolitik stand im Zeichen der Entwicklungen im Nachbarland Afghanistan nach dem Sturz des von Pakistan lange geförderten Talibanregimes.

Trotz innenpolitischer Widerstände bemühte sich Musharraf, die USA im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida zu unterstützen. Dabei konnte die pakistanische Regierung nicht verhindern, dass die an Afghanistan grenzende North West Frontier Province zum Rückzugsgebiet für Taliban und al-Qaida wurde. Zur Lösung des Kaschmir-Problems verfolgten Pakistan und Indien mit vertrauensbildenden Maßnahmen eine Politik der "kleinen Schritte" (zum Beispiel Öffnung von Verkehrsverbindungen).

Die Suspendierung des Obersten Richters Pakistans durch Musharraf löste 2007 landesweite Proteste aus. Auseinandersetzungen mit radikalen Islamisten führten im selben Jahr zur Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad durch pakistanische Sicherheitskräfte. Die Wiederwahl Musharrafs zum Präsidenten im Oktober 2007 erfolgte unter dem Vorbehalt einer rechtlichen Prüfung durch den Obersten Gerichtshof.

Im selben Monat forderte ein missglücktes Selbstmordattentat auf die aus dem Exil zurückgekehrte frühere Regierungschefin Benazir Bhutto in Karachi mehr als 130 Tote. Am 3. November 2007 verhängte Musharraf den Ausnahmezustand und setzte die Verfassung außer Kraft. Eine Übergangsregierung wurde mit der Führung der Amtsgeschäfte bis zu den für 2008 angekündigten Parlamentswahlen beauftragt. Das personell neu zusammengesetzte Oberste Gericht bestätigte die Rechtmäßigkeit von Musharrafs Wiederwahl endgültig. Dieser legte sein Amt als Generalstabschef nieder und trat am 29. November 2007 seine zweite Amtszeit als Staatspräsident an. Im Dezember 2007 hob er den Ausnahmezustand auf.

Benazir Bhutto fiel im selben Monat in Rawalpindi einem neuerlichen Anschlag eines Selbstmordattentäters zum Opfer. Bei den Neuwahlen zum Parlament im Februar 2008 wurde die PPP vor der PML-N zur stärksten politischen Kraft. Die Musharraf und der Armee nahe stehende PML-Q musste starke Stimmenverluste hinnehmen. PPP und PML-N einigten sich auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung. Neuer Premierminister wurde Yusuf Raza Gilani (PPP).

Die neue Regierung sah sich mit großen Herausforderungen konfrontiert. Im Nordwesten des Landes nahmen die Auseinandersetzungen mit militanten Islamisten zu. Stark steigende Energie- und Lebensmittelpreise beflügelten die Inflation und stürzten die pakistanische Wirtschaft in eine schwere Krise. Gleichzeitig entbrannte ein innenpolitischer Machtkampf mit dem Präsidenten. Nach der Androhung eines Amtsenthebungsverfahrens durch die Regierung trat Musharraf im August 2008 schließlich zurück.

Im Anschluss an den Rücktritt erklärte die von Nawaz Sharif geführte PML-N den Austritt aus der Regierungskoalition. Im September 2008 wurde Asif Ali Zardari (PPP), der Witwer von Benazir Bhutto, zum neuen Staatspräsidenten gewählt. In der Folge militärischer Auseinandersetzungen zwischen der Armee und Talibankämpfern flohen 2008/09 Hunderttausende aus Nordwestpakistan.


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