Osttimor

Wissenswertes über Osttimor

Natur und Klima:

Das Land von der Größe Sachsens nimmt den östlichen Teil Timors ein, der größten der Kleinen Sundainseln. Ebenfalls zum Staatsgebiet zählen die Exklave Ambeno (Oecussi) auf dem indonesischen Westteil der Insel sowie die Inseln Ataúro und Jaco.

Parallel zur Längsachse Timors erheben sich mehrere durch tiefe Täler zerschnittene Gebirgsketten mit dem 2960 Meter hohen Tatamailau als höchstem Punkt. Zwischen den Gebirgsketten, die teils von steil aus der Umgebung aufragenden Kalkfelsen durchsetzt sind, liegen Becken und Plateaus.

Die früher vorherrschenden Regenwälder wurden durch Brandrodung größtenteils zerstört, ebenso die Sandelholzwälder, die einst die Portugiesen und Niederländer anlockten. Heute bedecken ausgedehnte Savannen weite Teile des Landes. Das tropisch heiße Klima wird im Sommer vom Monsun beherrscht, welcher der Insel von Dezember bis März eine Regenzeit bringt. Im Norden fallen etwa 500 bis 1000 mm, im Süden bis zu 2000 mm und im Gebirge über 3000 mm Niederschlag. Jahr für Jahr ziehen drei bis fünf Zyklone über das Gebiet.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung setzt sich aus zwölf größeren Ethnien zusammen; Indonesier und Chinesen bilden Minderheiten. Neben den Amtssprachen Portugiesisch und Tetum sowie den Verkehrssprachen Bahasa Indonesia und Englisch werden 15 einheimische Sprachen gesprochen. 40 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Osttimor weist innerhalb von Südostasien das stärkste Bevölkerungswachstum und die höchste Kindersterblichkeit auf. Mehr als die Hälfte der Einwohner sind Analphabeten. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt im Hochland und in den Küstenstädten des Nordens.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 2002 ist Osttimor eine präsidentiell-parlamentarische Republik. Der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er hat ein Vetorecht im Gesetzgebungsverfahren. An der Spitze der Regierung steht der vom Präsidenten ernannte Premierminister. Die Legislative liegt beim Einkammerparlament, dessen 65 Abgeordnete alle fünf Jahre gewählt werden.

Wichtige Parteien sind die frühere Befreiungsbewegung Revolutionäre Front des unabhängigen Osttimors (Fretilin), der Nationalkongress für den Wiederaufbau Osttimors (CNRT), die Demokratische Partei (PD), die Sozialdemokratische Partei (PSD) und die Timoresische Sozialdemokratische Vereinigung (ASDT).

Wirtschaft und Verkehr:

Osttimor zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Zur Bewältigung seiner wirtschaftlichen Probleme ist das Land auf internationale Hilfe angewiesen. In der Landwirtschaft überwiegen kleine Betriebe zur Selbstversorgung. Nur der auf Plantagen gewonnene Kaffee wird in größeren Mengen exportiert. Die Fischerei hat sich auf Thunfischfang und Garnelenzucht spezialisiert.

Die Vorkommen an Gold, Mangan und Marmor wurden bislang nicht erschlossen. In der Timorsee wurden Öl- und Gasvorkommen entdeckt, von deren Ausbeutung eine deutliche Besserung der wirtschaftlichen Situation erwartet wird. Das Verkehrsnetz ist weitmaschig und unterentwickelt. Die Straßen sind zur Hälfte unbefestigt. Eisenbahnen gibt es nicht.

Geschichte:

Koloniale Herrschaft:

1520 landeten Portugiesen auf Timor. 1653 geriet der westliche Teil Timors in niederländischen Besitz. 1859 schlossen Portugiesen und Niederländer zwar einen Teilungsvertrag, die gemeinsame Grenze konnte jedoch erst 1914 rechtsgültig festgelegt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Japan Timor besetzt hatte, wurde der Westteil indonesisch, der Ostteil portugiesische Überseeprovinz. Nach dem Rückzug der Portugiesen 1975 entflammte ein Bürgerkrieg, den die Befreiungsbewegung Freitlin gewann. Anschließend rief Osttimor seine Unabhängigkeit aus.

Freiheitskampf und Unabhängigkeit:

1975/76 annektierte Indonesien das Land und erklärte es zur Provinz. Gegen das indonesische Militär nahm die Freitlin den bewaffneten Kampf auf. Die indonesische Annexionspolitik forderte rund 200.000 Opfer unter der Bevölkerung. Erst mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Carlos Filipe Ximenes Belo, den Bischof von Osttimor, und José Manuel Ramos-Horta, den Repräsentanten der Unabhängigkeitsbewegung, 1996 wurde der Konflikt von der Weltöffentlichkeit wahrgenommen.

1999 unterzeichneten Indonesien und Portugal einen Autonomieplan für die umstrittene Region und die Bevölkerung sprach sich in einem Referendum für die Unabhängigkeit aus. Anschließenden Gewaltakten proindonesischer Milizen fielen mehr als 7000 Menschen zum Opfer, Hunderttausende verließen die Region. Schließlich entsandte die Uno eine Friedenstruppe und installierte eine Übergangsverwaltung. Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung 2001 gewann die Fretilin. Xanana Gusmão wurde der erste Präsident des Landes, das am 20. Mai 2002 die volle staatliche Unabhängigkeit erhielt.

Eine Militärrevolte löste 2006 bürgerkriegsähnliche Unruhen aus. 2007 fanden Präsidentschaftswahlen statt, die von dem Friedensnobelpreisträger Ramos-Horta gewonnen wurden. Nach den Parlamentswahlen im selben Jahr wurde Gusmão Premierminister. 2008 scheiterte ein Putschversuch, bei dem eine Rebellengruppe Anschläge auf Ramos-Horta und Gusmão verübte. Während Gusmão unverletzt blieb, konnte Ramos-Horta die Amtsgeschäfte erst nach einem längeren Klinikaufenthalt weiterführen.