Nepal

Wissenswertes über Nepal

Natur und Klima:

Das schmale, lang gezogene Binnenland besteht aus unterschiedlichen Teillandschaften, die wie Stockwerke an der Südflanke des zentralen Himalaya verlaufen. Im Süden erstreckt sich die flachwellige, einst von üppigen Monsunwäldern bedeckte Schwemmlandzone des Tarai, die noch zur nördlichen Gangesebene gehört. Darüber erhebt sich die durchschnittlich 600 bis 800 Meter hohe Siwalikkette, eine Vorgebirgszone des Himalaya.

Der mit der Mahabharatkette nördlich anschließende Vordere Himalaya besteht aus mehreren Gebirgszügen, zwischen denen fruchtbare Tallandschaften, unter anderem das dicht besiedelte Tal von Katmandu, liegen. Den nördlichen Abschluss bildet der stark vergletscherte Hoch-Himalaya mit allein acht Achttausendern, darunter der Mount Everest, mit 8846 Metern der höchste Berg der Erde.

Der sommerliche Südwestmonsun bringt besonders dem feuchtheißen Tarai hohe Niederschläge (mehr als 2000 mm im Jahr). Die Höhenlagen zwischen 1500 und 4000 Meter haben ein gemäßigtes Monsunklima. Kalt und trocken ist es im Hoch-Himalaya, einige Hochtäler erhalten weniger als 250 mm Niederschläge im Jahr.

Durch die fortschreitende Entwaldung der Berggebiete kommt es verstärkt zu Erdrutschen und Erosion in den oft labilen Hanglagen und zu einer Zunahme von Überschwemmungen in den Tieflandgebieten.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung setzt sich aus mehr als 70 Ethnien zusammen, vorwiegend indoarische Volksgruppen sowie tibetobirmanische Minderheiten. Indoarische Völker brachten den Hinduismus (Staatsreligion) ins Land, der den Buddhismus verdrängte. Zur tibetobirmanischen Gruppe (überwiegend Buddhisten) gehören viele altnepalesische Stämme wie die Newar. Die erst später aus Tibet eingewanderten Sherpa sind mongolischer Abstammung.

Bevorzugte Siedlungsräume sind das Katmandu-Tal sowie die Landschaft des Tarai. Nur 13 Prozent leben in Städten. Ein Problem ist das mangelhaft ausgebaute Bildungswesen; 51 Prozent der über 15-Jährigen sind Analphabeten (vor allem Frauen).

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1990 war Nepal eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt war der König, Leiter der Exekutive der Premierminister. Das Zweikammerparlament bestand aus Repräsentantenhaus (205 auf fünf Jahre direkt gewählte Abgeordnete) und Nationalrat (60 Mitglieder, Legislaturperiode sechs Jahre).

2007 änderte sich die konstitutionelle Ordnung. Auf der Grundlage einer Übergangsverfassung wurde zunächst eine interimistische Volksversammlung mit 330 Abgeordneten eingesetzt. 2008 wählte die Bevölkerung eine verfassunggebende Versammlung mit 601 Mitgliedern, die das Land zur Republik erklärte und einen Präsidenten als Staatsoberhaupt sowie einen Premierminister als Chef der Exekutive wählte.

Wichtige Parteien sind die bürgerlich-liberale Nepalesische Kongresspartei (NCP), die maoistische Kommunistische Partei (CPN-M), die Kommunistische Partei Nepals-Vereinigte Marxisten-Leninisten (CPN-UML) sowie die konservative Rashtriya Prajatantra Party (RPP).

Wirtschaft und Verkehr:

Nepal ist aufgrund der schwer zugänglichen Binnenlage und des starken Bevölkerungswachstums ein armes Land. Hauptanbauzone (Reis-, Jute- und Zuckerrohranbau) ist der Tarai. Im Himalaya beschränkt sich die Anbaufläche auf die aufwendig terrassierten Hänge. Die wenig entwickelte Industrie liefert vor allem die Exportprodukte Teppiche, Textilien und Bekleidung. Das große Wasserkraftpotential wird mit internationaler Hilfe erschlossen. Die Auseinandersetzungen mit den Maoistenrebellen in einigen Landesteilen haben den bislang florierenden Tourismus stark beeinträchtigt.

Das Verkehrsnetz ist aufgrund der gebirgigen Landesnatur ungenügend entwickelt. Zwei Eisenbahnlinien und eine feste Straße verbinden Nepal mit Indien und Tibet. In der Hochgebirgsregion spielen Tragtiere und Lastenträger nach wie vor eine große Rolle.

 

Geschichte

Frühzeit und Herrschaft der Rana:

 

Seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde Nepal von aus Indien stammenden hinduistischen Dynastien beherrscht. Nach 1200 setzte sich die Mala-Dynastie durch. 1482 wurde das Malareich in die Königreiche Katmandu, Patan und Bhatgaon geteilt. 1768 eroberten die Gurkha-Fürsten Katmandu und errichteten einen Zentralstaat. Mit britischer Unterstützung übernahm die Adelsfamilie Rana die Macht und regierte 1846 bis 1951 diktatorisch mit erblichen Premierministeramt, der König hatte nur noch repräsentative Aufgaben.

Nepal seit den fünfziger Jahren:

Das Regime der Rana konnte 1951 mit indischer Hilfe beendet werden und Nepal wurde konstitutionelle Monarchie. König Mahendra Bir Bikram (1955 bis 1972) löste 1960 das Parlament auf und beseitigte das Mehrparteiensystem. Nach blutigen Unruhen kehrte das Land mit der Verfassung von 1990 zur konstitutionellen Monarchie zurück.

1996 bildete sich die maoistische Guerillaorganisation Jana Yudha ("Volkskrieg"), die den Staat mit Waffengewalt bekämpfte. 2001 fielen der seit 1972 regierende König Birendra und weitere Mitglieder der Königsfamilie einem Mordanschlag zum Opfer. Gyanendra, ein Bruder Birendras, wurde zum neuen König gekrönt. Die Auseinandersetzungen mit maoistischen Rebellen setzten sich fort.

2002 löste der König auf Antrag der Regierung das Parlament auf, 2005 setzte er das Kabinett ab und übernahm die alleinige Exekutivgewalt. Nach mehrwöchigen Protesten und Streiks musste der König 2006 der Wiedereinsetzung des Parlaments zustimmen. Girija Prasad Koirala wurde zum Premierminister berufen. Im selben Jahr konnte ein Friedensabkommen mit den maoistischen Rebellen geschlossen werden.

2007 trat eine Übergangsverfassung in Kraft, ein Übergangsparlament übernahm die Legislativgewalt. Die Funktion des Staatsoberhauptes ging auf Regierungschef Koirala über. Damit war der König endgültig entmachtet. Die Maoisten, die sich am demokratischen Transformationsprozess beteiligten, wurden unter Kontrolle einer Mission der Vereinten Nationen (United Nations Political Mission in Nepal, UNMIN) entwaffnet.

Am 10. April 2008 fanden Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung statt, bei der die Maoisten 220 der 601 Sitze gewannen. Die verfassunggebende Versammlung beschloss im Mai 2008 die Abschaffung der Monarchie. Im Juli 2008 wurde Ram Baran Yadav (NCP) zum ersten Präsidenten der Republik gewählt. Zum neuen Regierungschef wählte die verfassunggebende Versammlung den früheren Rebellenführer Prachanda (Pushpa Kamal Dahal). Der innenpolitische Friedensprozess geriet durch das ungelöste Problem der Integration der maoistischen Rebellen in die nepalesische Armee in eine schwere Krise. Nach dem gescheiterten Versuch, den Armeechef zu entlassen, trat Premierminister Dahal im Mai 2009 zurück.