Myanmar

Wissenswertes über Myanmar

Natur und Klima:

Burma ist ein durch von Norden nach Süden verlaufende Gebirgsketten und Täler stark gegliedertes Land. Kernraum ist das fruchtbare Becken des Irrawaddy, der in einem sich ständig vergrößernden neunarmigen Delta in den Golf von Martaban der Andamanensee mündet. 2008 erlitt das Gebiet schwerste Verwüstungen durch den Zyklon "Nargis". Die Zahl der Todesopfer wurde auf 100.000 geschätzt.

Die Tiefländer am Irrawaddy und seinem wichtigsten Nebenfluss Tschindwin werden zu beiden Seiten von Gebirgsketten und Bergländern eingerahmt. Das westliche Randgebirge erreicht im Norden, im Hochland von Manipur und in der Patkai Range, Höhen von über 3000 Meter.

Im Süden grenzt das Arakangebirge (Mount Victoria 3053 Meter) die buchtenreiche Westküste gegen das Hinterland ab. Im Osten erhebt sich das besonders im Norden gebirgige Schanhochland beiderseits des oberen Saluen. Es setzt sich im Süden mit dem Bergland von Tenasserim bis auf die Halbinsel Malakka fort.

Das tropische Monsunklima bringt besonders den Westflanken der Gebirge während der Sommermonate hohe Niederschläge (bis 5000 mm). Dort gedeiht üppiger tropischer Regenwald, während sich an den trockeneren Ostflanken durch Raubbau bedrohte Trockenwälder ausbreiten. Tropische Wirbelstürme (Zyklone) können zu beträchtlichen Schäden führen (2006: Zyklon "Mala", 2008: Zyklon "Nargis").

Bevölkerung:

Die Burmesen sind Buddhisten. Ihre Kultur hat sich unter indischem Einfluss entwickelt. Mehr als zwei Drittel der Einwohner sind Burmesen, die überwiegend im Irrawaddy-Becken siedeln. Größte Minderheit sind die im Schanhochland lebenden Schan (8,5 Prozent), gefolgt von den im Süden ansässigen Karen (6,2 Prozent); beide führen seit Jahren einen Bürgerkrieg mit der Militärjunta. Dazu kommen noch etwa 70 kleinere Volksgruppen, die zumeist in den Gebirgs- und Grenzregionen leben. Fast 90 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten; die Karen bekennen sich mehrheitlich zum Christentum.

Staat und Politik:

Die Verfassung von 1974 wurde durch den Militärputsch von 1988 außer Kraft gesetzt. Derzeitiges Staatsoberhaupt ist der Vorsitzende des State Peace and Development Council (SPDC), das die legislative Gewalt innehat und die wichtigen Exekutiventscheidungen trifft. Das Kabinett mit dem Premierminister ist dem SPDC untergeordnet. Das 1990 neugewählte Parlament, in dem die oppositionelle National League for Democracy (NLD) die absolute Mehrheit besitzt, ließen die Militärs nicht zusammentreten. Ein Nationalkonvent zur Erarbeitung einer neuen Verfassung schloss seine Tätigkeit 2007 ab.

Wirtschaft und Verkehr:

Die nur zögerlich durchgeführten marktwirtschaftlichen Reformen haben dem armen Land bislang nicht zu einem nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung verhelfen können. Noch immer ist die wirtschaftliche Lage durch hohe Inflation, Korruption und hohe Militärausgaben gekennzeichnet.

Land- und Forstwirtschaft sind die wichtigsten Wirtschaftszweige. In den Tiefländern wird vor allem Reis angebaut; die Region um den Inle-See ist das Gemüse- und Obstanbauzentrum. Die Wälder liefern Kautschuk und Teakholz. Von Bedeutung ist der illegale Handel mit Opium und Heroin; Schlafmohn wird im "Goldenen Dreieck", dem Grenzgebiet von Myanmar, Laos und Thailand, im großen Stil angebaut. Mit Ausnahme von Edelsteinen (Rubine, Saphire und Jade), Erdöl, Erdgas und Steinkohle werden die Bodenschätze, Vorkommen von Blei, Zink, Kupfer, Zinn und Wolfram, kaum ausgebeutet. Die wenig entwickelte Industrie verarbeitet vor allem Holz und Agrarprodukte. Trotz hervorragender Sehenswürdigkeiten wie der Tempelstadt Pagan sowie den Pagoden von Rangun und Pegu spielt der Tourismus eine untergeordnete Rolle.

Das Eisenbahn- und Straßennetz ist noch sehr weitmaschig. Weite Gebirgsregionen sind noch völlig unerschlossen. Da das Straßennetz nur zu einem geringen Teil asphaltiert ist, ist die Eisenbahn der Hauptverkehrsträger. Wichtigste Wasserstraße, besonders für den Güterverkehr, ist der Irrawaddy.

Geschichte

Burmesische Reiche und britische Herrschaft:

1044 gründete König Anawratha (Anoratha) das erste Burmesische Reich mit der Hauptstadt Pagan, die 1287 von den Mongolen erobert wurde. Für mehrere Jahrhunderte zerfiel Burma in konkurrierende Kleinreiche. Erst 1531 gelang es König Tabinshweti, Burma wieder zu einen. Im 17. Jahrhundert errichteten die Niederländer, Engländer, Franzosen und Portugiesen Handelsniederlassungen, bevor im 18. Jahrhundert Alaungpaja ein weiteres Burmesisches Großreich begründete. Nach drei angloburmesischen Kriegen (1824-1826, 1852/53 und 1885/86) besetzte England ganz Burma und schloss es als Provinz Britisch-Indien an.

Unabhängigkeit und Militärherrschaft:

Nur allmählich entwickelten sich gegen die britische Herrschaft Unabhängigkeitsbestrebungen, verbunden mit dem Wunsch, die eigene buddhistische Kultur zu pflegen und zu fördern. Führende Kräfte des Unabhängigkeitsstrebens wurden Aung San und U Nu. Nachdem es in Burma zahlreiche Aufstände gegeben hatte, trennten die Briten 1937 das Land von Indien und gestanden ihm Selbstverwaltung zu. 1942 bis 1945 hielt Japan das Land besetzt. 1947 wurde Burma von Großbritannien Unabhängigkeit gewährt, die 1948 proklamiert wurde. Als Ministerpräsident U Nu 1961 den Buddhismus zur Staatsreligion erhob, provozierte er innere Spannungen.

1962 übernahm General Ne Win die Macht und wandelte Burma in einen sozialistischen Staat um. Dabei wurde die Wirtschaft des Landes zerrüttet. Gewaltsame Konflikte mit den zahlreichen ethnischen Minderheiten belasteten das Land zusätzlich. 1988 gelangte eine Militärjunta unter General Saw Maung an die Macht. Der Staatsname wurde 1989 von Burma in Union von Burma geändert.

Parlamentswahlen 1990 gewann die von Aung San Suu Kyi, Tochter des Freiheitskämpfers Aung San, geführte oppositionelle NLD, das Militär verweigerte jedoch die Machtübergabe. 1992 wurde General Than Shwe Nachfolger von Saw Maung. Das Regime stellte Aung San Suu Kyi mehrfach unter Hausarrest (1989-1995, 2000-2002 und seit 2003), um eine politische Betätigung zu verhindern. 1997 wurde Burma Mitglied der Asean. 2004 tagte erstmals seit 1996 wieder der verfassunggebende Nationalkonvent, allerdings ohne Beteiligung der NLD. 2005 verfügte die Junta die Verlegung des Regierungssitzes nach Naypyidaw, das neue Hauptstadt des Landes wurde. 2007 erklärte das Regime die Arbeit des Nationalkonvents für beendet.

Auf Massendemonstrationen buddhistischer Mönche im selben Jahr reagierte die Armee mit Gewaltmaßnahmen und Verhaftungen. Trotz eines verheerenden Zyklons, bei dem im Mai 2008 schätzungsweise 130.000 Menschen starben, ließ die Junta über eine neue Verfassung abstimmen. Sie sieht die Schaffung eines Mehrparteiensystems und Wahlen bis 2010 vor, von denen Aung San Suu Kvi de jure ausgeschlossen wird. Schlüsselpositionen in der Regierung und 25 Prozent der Parlamentssitze bleiben dem Militär vorbehalten. Nach offiziellen Angaben stimmten 92,4 Prozent der Wähler für die Verfassung, allerdings wurde das Referendum von massiven Manipulationen begleitet.