Indischer Ozean Günstige Unterkünfte auf den Malediven

Wer auf den Malediven Urlaub macht, möchte seine Augen gar nicht mehr schließen: Langstielige Palmen biegen sich über dem Strand, das Meer hat die Farbe von Blue Curaçao und die Fische sehen so prächtig aus, als hätte sie ein Designer für eine Haute-Couture-Show entworfen. Wenn man dann auch noch in einem Bungalow mit eigenem Whirlpool und Minibar wohnt, dann ist das schön - aber eigentlich nicht nötig. Die Malediven sind ein Naturparadies, dessen Schönheit sich auch ohne den Luxus eines Fünf-Sterne-Ressorts offenbart - auf 1196 Inseln, von denen rund 100 von teuren Hotels besetzt sind und etwa 200 von Einheimischen bewohnt werden.

Auf der Insel Maafushi etwa gibt es ein kleines Privathotel namens "White Shell Beach Inn", dessen Zimmer zwar eher zweckmäßig eingerichtet sind, aber dafür ein atemberaubendes Panorama auf den Puderzuckerstrand bieten - ein Blick, der schon ab 70 Euro für zwei Personen pro Tag zu haben ist. Anders als auf den Luxusinseln wird der Strand von Maafushi zwar nicht jeden Tag geharkt und auch die Insekten werden nicht jeden Abend ausgeräuchert, aber dafür sieht man hier einheimische Kinder am Strand spielen und nimmt die Inselbewohner nicht nur als Angestellte eines Hotels wahr. Das Freizeitangebot ist vielseitig: Neben Angeltouren mit einheimischen Fischern werden Schnorchelausflüge oder Bootstouren auf einsame Inseln und Sandbänke angeboten.

Auf der Insel Tulusdhoo ist sogar Wellenreiten möglich. Seit australische Surfer in den 1970er Jahren die Insel für sich entdeckten, gilt der dortige "Cokes Point" mit seinen meterhohen Wellen als Surf-Mekka der Malediven. Namensgeber des Strandes ist die hier ansässige Coca-Cola-Fabrik, aber abgesehen von ein paar Industriegebäuden bietet der einen Kilometer lange Sandstreifen im Meer das gleiche Postkartenidyll wie alle anderen Inseln auch. Im Cokes Inn Guesthouse mit Platz für 20 Personen übernachten Urlauber im Doppelzimmer mit Vollpension ab 120 Euro pro Nacht. Es gibt zwar kein Büfett mit importierten Speisen aus aller Welt, aber dafür serviert der Hotelkoch das, was auch die Einheimischen essen: Meeresfrüchte und Currys mit frischer Kokosnussmilch.
"Bezahlbare Unterkünfte auf Einheimischen-Inseln sind der neueste Tourismus-Trend auf den Malediven", meint Hotelmanager Mickey Hussain. "Wir bieten eine echte Alternative zu den Luxus-Resorts - und dazu auch noch die besten Surfmöglichkeiten der Malediven."

Allerdings gibt es einige Regeln, die es auf den Einheimischen-Inseln zu beachten gilt. Alkohol ist in dem streng islamischen Land abseits der Resort-Inseln verboten und es ist nicht üblich, im Bikini am Strand zu liegen. Wer sich damit arrangieren kann, der erlebt die "wahren Malediven", zu denen auch verschleierte Frauen, Moscheen und Männer auf laut knatternden Motorrädern gehören, und unterstützt den nachhaltigen Tourismus. Denn die Einkünfte fließen direkt an die Bevölkerung und nicht in die Kassen internationaler Hotelketten.

Kuri Inn auf den Malediven
Aileen Tiedemann
Im Kuri Inn kann man ab 70 Euro die Nacht unterkommen.
Den besten Überblick über günstige Bleiben auf den Malediven bietet die Website Guesthouses in Maldives. Elf verschiedene Pensionen stehen dort zur Auswahl. Etwa auf der Insel Omadhoo, die zu 60 Prozent mit dichtem Regenwald überzogen ist. Im Dickicht der tropischen Vegetation mit Banyan- und Mangobäumen fühlt man sich entrückt von der modernen Welt - genau wie auf den drei unbewohnten Inseln, die man von hier aus besuchen kann. Ein Ausflug dorthin lohnt auch deshalb, weil man dort ungestört in Badekleidung am Strand liegen kann. Das Guesthouse Kuri bietet mit Wi-Fi und Air Condition alle Annehmlichkeiten der Zivilisation. Die Anfahrt mit der Fähre von der Hauptstadt Male aus dauert vier Stunden und kostet gerade einmal 20 Euro. Wer dann auch noch einen günstigen Flug etwa mit Air India ab Frankfurt für rund 600 Euro ergattert, der kann sich bei Übernachtungspreisen ab 70 Euro pro Nacht inklusive Vollpension gleich einen mehrwöchigen Urlaub leisten.

Vor allem zur Nebensaison von Mai bis Oktober, wenn es zwar häufiger regnet als sonst, aber die Temperaturen selbst nachts selten unter 25 Grad fallen. Raki Bench, Gründer der Website, empfiehlt: "Je weiter man sich von Male entfernt, desto ursprünglicher wird es. Wer länger als fünf Tage bleibt, sollte zu einer der südlichen Inseln reisen. Etwa nach Hanimahdoo, Omadhoo oder Rinbundhoo, wo alte Traditionen noch immer lebendig sind und es weniger regnet." Noch sei Urlaub auf den Einheimischen-Inseln nicht weit verbreitet. "Die Tourismus-Industrie macht keine Werbung für uns", sagt Bench. "Die meisten wissen gar nicht, dass es auf den Malediven günstige Pensionen gibt." Beste Gelegenheit also, sich nun endlich seinen Inseltraum zu erfüllen - und die Malediven so zu erleben, wie sie wirklich sind.

Autor

Aileen Tiedemann