Malaysia Teegenuss in den Cameron Highlands

Erster Teestrauch in den Cameron Highlands.

Dicht an dicht reihen sich die leuchtend grünen Sträucher. Ich lehne mich in meinen Stuhl zurück und werfe einen Blick auf die hügelige Landschaft, die sich vor mir ausbreitet. Auf dem Tisch steht eine Kokosnuss-Tarte, daneben eine kleine Schale mit Zucker und eine Tasse, aus der es mächtig dampft. Die Tasse ist bei diesem Arrangement das Wichtigste und darf auf keinen Fall fehlen, denn schließlich bin ich in die Cameron Highlands gefahren, um zu genießen - und zwar Tee.

Die Cameron Highlands, etwa 200 Kilometer von der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur entfernt, sind die Teekammer des Landes. Benannt noch ihrem Entdecker William Cameron, ist die Region der kühle Zufluchtsort der Großstädter im feucht-heißem Tiefland. Dichter Regenwald, der auf zahlreichen Wanderrouten entdeckt werden kann, wechselt mit kleineren Ortschaften und Teeplantagen.

Die erste Pflanze wurde hier 1929 von John Archibald Russell in die Erde gesetzt. War zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wirtschaft im damaligen Malaya hauptsächlich von der Zinn- und Kautschukproduktion abhängig, erkannte der Brite schnell die Möglichkeiten im Teeanbau. Er erhielt die Konzession für ein Stück unbebautes Land in den Cameron Highlands, gründete die erste Hochlandteeplantage des Landes und nannte sie "BOH" (kurz für "Best of Higlands"). Heute produziert das Unternehmen, dessen Sortiment aus keinem Supermarktregal im Land mehr wegzudenken ist, etwa vier Millionen Kilogramm Tee im Jahr - das ist in etwa die Menge für 5,5 Millionen Tassen Tee pro Tag.

Teeplantage in den Cameron Highlands in Malaysia
Susanna Bloß
Dicht an dicht reihen sich die leuchtend grünen Teesträucher.
Die Teegärten können gut auf eigene Faust erkundet werden, denn der Eintritt ist frei. Öffentliche Busse setzen einen an der Hauptstraße ab, dann heißt es noch ein paar Kilometer weiter zu Fuß. In dem kleinen Ort Tanah Rata finden sich zudem mehrere Anbieter, die organisierte Touren mit Führungen durch die Plantagen anbieten. Auf dem Areal sind die Fabriken zur Verarbeitung des Tees gleich mit angeschlossen. Die Prozesse vom frisch gepflückten Blatt bis zum fermentierten und schließlich getrockneten Tee können so hautnah verfolgt werden. Während des 15-minütigen Rundgangs mit einem Mitarbeiter erfährt man nebenbei noch Wissenswertes zum Erntevorgang.

Die Teernte erfolgt heute hauptsächlich maschinell

Die Blätter werden heutzutage kaum noch von Hand gepflückt, sondern hauptsächlich maschinell. Nur für einige Spitzentees wird in Feinarbeit jeweils die Knospe eines jungen Triebes mit zwei Blättern gezupft. Vom Setzling bis zum ertragreichen, immergrünen Teestrauch vergehen etwa zwei Jahre. Dann wird der Busch alle zwei bis drei Wochen geerntet - Teebüsche können bis zu 100 Jahre alt werden.

Die Qualität der Blätter in den Cameron Highlands ist hochwertig, denn guter Tee wird maßgeblich durch die Anbaubedingungen beeinflusst, und die sind in dieser Region geradezu ideal: Auf einer Höhe von 1500 Metern über dem Meeresspiegel klettern die Temperaturen während des Tages selten über 25 Grad Celsius, nachts kühlt es herunter auf durchschnittlich 16 Grad Celsius und es fällt ausreichend Regen – etwa 260 Zentimeter pro Jahr. Auch der Boden bietet optimale Voraussetzungen: Er ist nährstoffreich und leicht sauer, so dass neben Tee ebenfalls Früchte, wie zum Beispiel Erdbeeren, Rosen und verschiedene Gemüsesorten prächtig gedeihen.

BOH-Café in den Cameron Highlands.
Susanna Bloß
Von der Terrasse des Cafés hat man einen tollen Blick auf die Teefelder.
Und so bestelle ich an diesem Tag meine zweite Tasse Schwarztee, schmecke beim ersten Schluck des heißen Getränks das kräftige, würzige Aroma und denke an die Worte des britischen Schriftstellers und Pfarrers Sydney Smith:

"Gott, ich danke Dir für den Tee!
Was wäre die Welt ohne Tee, wie hätte sie bestehen können?
Dem Himmel sei Dank, dass ich erst geboren wurde,
als man schon mit dem Teetrinken begonnen hatte."

Autor

Susanna Bloß