Malaysia

Wissenswertes über Malaysia

Natur und Klima:

Malaysia besteht aus zwei Landesteilen, die durch das hier 600 Kilometer breite Südchinesische Meer voneinander getrennt sind. Westmalaysia umfasst mit Ausnahme des Stadtstaates Singapur die Südspitze der Malaiischen Halbinsel, Ostmalaysia nimmt mit den Bundesstaaten Sabah und Sarawak den Nordteil der Insel Borneo ein und umschließt das kleine Sultanat Brunei.

Von Norden nach Süden streichende Gebirgsketten, die in der Perakkette im Gunung Tahan 2190 Meter erreichen, durchziehen Westmalaysia. Hügelländer, die in versumpfte Küstenebenen übergehen, säumen auf beiden Seiten die von dichtem, artenreichem tropischen Regenwald bedeckte Gebirgsregion.

Auch die Küsten Ostmalaysias bestehen aus sumpfigen, allerdings schmalen Tiefländern, die nur an wenigen Stellen von Hügeln und Steilküsten unterbrochen werden. Vor allem Sabah weist einen reich gegliederten Küstenverlauf auf. Das aus Plateauflächen und Gebirgen bestehende Hinterland ist ebenfalls von tropischen Regenwald, in den höheren Lagen von Berg- und Nebelwald bedeckt. Die bedeutendste Erhebung bildet im Norden von Sabah das Massiv des Mount Kinabalu, der mit 4101 Meter nicht nur der höchste Berg Malaysias, sondern auch der ganz Südostasiens ist.

Bedrohter Regenwald:

Tropische Wälder, die zu den ältesten und artenreichsten der Welt gehören, bedecken rund die Hälfte der Landfläche Malaysias. Brandrodung und der (illegale) Einschlag von tropischen Edelhölzern haben besonders den Waldbestand auf Borneo dezimiert. Durch strenge Lizenzvergabe und die Ausweisung von Naturschutzreservaten versucht die Regierung nicht nur die Wälder, sondern auch die vielfältige Tierwelt (unter anderem Orang-Utans und Sumatra-Nashörner) zu bewahren.

Feuchtwarmes Tropenklima:

Immerfeuchtes heißes Tropenklima mit sehr geringen jahreszeitlichen Schwankungen bestimmt alle Landesteile Malaysias. In den Küstengebieten liegen die mittleren Jahrestemperaturen von 26 bis 28 Grad, in den höheren Lagen sind die Temperaturen etwas niedriger. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge steigt von rund 2500 mm an den Küsten auf Werte von bis zu 6000 mm in den Gebirgen an. Die relative Luftfeuchtigkeit ist mit etwa 80 Prozent sehr hoch.

Bevölkerung

Malaysia ist ein Vielvölkerstaat. 65 Prozent der Bevölkerung sind Malaien, die besonders in Westmalaysia leben, 26 Prozent Chinesen sowie acht Prozent Inder und Pakistani. Dazu kommen noch zahlreiche indigene (ursprünglich ansässige) Völker, die vor allem im Landesinneren und im dünn besiedelten östlichen Landesteil leben. Die Malaien werden als Bumiputera ("Söhne der Erde") bezeichnet und genießen seit der Unabhängigkeit eine besondere Bevorzugung seitens der Regierung, in erster Linie, um die frühere Vormachtstellung der traditionell als Händler in den Städten lebenden Chinesen zu brechen. Rund 68 Prozent der Gesamtbevölkerung wohnen in Städten, besonders im dicht besiedelten Westen der Malaiischen Halbinsel und auf der Insel Penang. 1999 zog die Regierung von Kuala Lumpur in die planmäßig angelegte Stadt Putrajaya .

Der Islam ist Staatsreligion. Die sunnitischen Muslime (Malaien, Pakistani) machen über 60 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, 22 Prozent sind Buddhisten, Konfuzianer und Daoisten (Chinesen), neun Prozent sind Christen und sechs Prozent Hindus (Inder); daneben gibt es Anhänger von traditionellen Religionen (besonders in Ostmalaysia).

Bildung:

Die Regierung misst der Bildung und Qualifizierung einen hohen Stellenwert zu. Die primäre und sekundäre Schulbildung wird daher fast flächendeckend gewährleistet. Schulpflicht besteht vom 6. bis zum 16. Lebensjahr, der Unterricht an staatlichen Schulen ist gebührenfrei. Neben der Landessprache Bahasa Malaysia ist auch Englisch Unterrichtssprache (seit 2003 in Mathematik und Naturwissenschaften an allen Schulen). Minderheiten erhalten zumindest in den staatlichen Grundschulen Unterricht in ihrer Muttersprache.

Zu den 17 überwiegend staatlichen Hochschulen haben nach einem Quotensystem vorwiegend Malaien Zugang, Chinesen und Inder müssen auf die teuren privaten Hochschulen ausweichen oder im Ausland studieren.

Staat und Politik

Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1957 ist Malaysia eine föderative Wahlmonarchie. 9 der 13 Einzelstaaten werden von erblichen Herrschern (Sultane) regiert. Von diesen wird der König als Staatsoberhaupt der Föderation Malaysia auf fünf Jahre gewählt. Die Richtlinien der Politik bestimmt der vom König ernannte Premierminister. Das Parlament gliedert sich in zwei Kammern, Senat (Dewan Negara) und Repräsentantenhaus (Dewan Rakyat). Der Senat besteht aus 70 teils gewählten, teils ernannten Mitgliedern (Amtszeit drei Jahre). Die 219 Mitglieder des Repräsentantenhauses werden für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählt.

Die Nationale Front (Barisan Nasional), ein Parteienbündnis unter Führung der United Malays National Organization (UMNO), die seit der Unabhängigkeit den Regierungschef stellt, dominiert die Innenpolitik. Wichtige Oppositionsparteien sind die Parti Keadilan Nasional (PKN), die linke Democratic Action Party (DAP) und die islamische Parti Islam SeMalaysia (PAS). Die Rechtsprechung orientiert sich am britischen Vorbild. Höchste Gerichtsinstanz in Verfassungsfragen ist der Bundesgerichtshof (Federal Court).

Wirtschaft und Verkehr

Malaysia gehört zu den wachstumsstarken Staaten Südostasiens. Seit den achtziger Jahren wird der Industriesektor konsequent ausgebaut und hat inzwischen einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt von rund 50 Prozent. Durch großzügige Steuerbefreiungen bzw. -nachlässe bemüht sich Malaysia mit Erfolg, möglichst viele ausländische Unternehmen ins Land zu holen. Mit zollfreien Exportzonen für die ausländische Industrie schuf die Regierung zusätzliche wirtschaftliche Anreize. Das Land ist ein international bedeutender Hersteller von elektronischen Bauelementen und Speicherchips sowie von Elektrogeräten.

Die zu Westmalaysia gehörende Insel Penang, die früher fast ausschließlich vom Zinnabbau und Tourismus lebte, wird heute als Malaysias "Silicon Valley" bezeichnet. Zu den neu etablierten Industriezweigen gehören auch die Kraftfahrzeugmontage und die Düngemittelerzeugung, daneben werden Agrar- und Bergbauprodukte sowie Holz und Textilien verarbeitet beziehungsweise hergestellt.

Um die Exportabhängigkeit der malaysischen Wirtschaft zu verringern, bemüht sich die Regierung um die Stärkung des Binnenmarktes und des Dienstleistungssektors. Der Fremdenverkehr, vor allem der Badetourismus an der Ostküste Westmalaysias und der Ökotourismus in Ostmalaysia, ist von wachsender Bedeutung.

Zinn, Palmöl und Kautschuk:

Das Land verfügt über reiche Bodenschätze. Die wichtigsten sind Zinn (allerdings sind die Vorräte schon stark dezimiert), Bauxit, Kohle, Kupfer, Eisen, ferner Gold und Silber. Erdöl und Erdgas werden auf Borneo und im Südchinesischen Meer gefördert. Die tropischen Regenwälder in den westmalaysischen Küstentiefländern mussten weitgehend Kautschukplantagen weichen. Kautschuk und Palmöl - Malaysia ist mit 50 Prozent der Welterzeugung der weltgrößte Produzent von Palmölprodukten - sowie Kopra, Pfeffer, Kakao und Ananas sind wichtige Exportprodukte. Die Wälder liefern bedeutende Mengen an Teak- unter anderem Edelhölzern sowie Harzen.

Unterschiedliche Erschließung:

Das Schienen- und Straßennetz ist nur in den küstennahen Gebieten Westmalaysias ausreichend dicht und kann den infolge des Wirtschaftswachstums gestiegenen Anforderungen nicht mehr genügen. Die Infrastruktur Ostmalaysias ist noch wenig entwickelt: Hier sind die Wasserwege die wichtigsten Verkehrsträger; die Straßen sind meist unbefestigt. Das Land hat drei internationale Flughäfen und sechs große Seehäfen, die sämtlich für den Containerverkehr ausgerüstet sind. Die Küstenschifffahrt spielt eine bedeutende Rolle.

Geschichte

Fremdherrschaft:

Wie andere Gebiete Südostasiens stand auch die Malaiische Halbinsel seit den frühen Jahrhunderten n. Chr. unter indischem Kultureinfluss. Im 15. Jahrhundert stieg die Hafenstadt Malakka zum Sultanat und wichtigsten Hafen Südostasiens auf; sie spielte eine zentrale Rolle bei der Ausbreitung des Islam. 1511 wurde Malakka von den Portugiesen und 1641 von den Holländern erobert, die es 1824 an England abtraten. Malakka, Singapur und Penang fassten die Briten verwaltungsmäßig zu den Straits Settlements zusammen, die 1867 Kronkolonie wurden. 1895 vereinigte Großbritannien vier malaiische Sultanate zu den Federated Malay States.

Während des Zweiten Weltkriegs war die Malaiische Halbinsel von Japan besetzt. 1946 erfolgte eine Neuordnung der Region. Aus den Straits Settlements, den Federated Malay States unter anderem Gebieten entstand die Malayan Union (Malaiische Union), die 1948 zur Federation of Malaya (Malaiischer Bund) wurde. Singapur erhielt einen Sonderstatus. Die Kommunisten entfachten eine Aufstandsbewegung gegen die Kolonialmacht, die erst nach Jahren niedergeschlagen werden konnte. 1957 wurde der Malaiische Bund unabhängig.

Das unabhängige Malaysia:

Die Föderation von Malaysia entstand 1963 durch den Zusammenschluss des Malaiischen Bundes mit Singapur, Sarawak und Sabah. Die Philippinen und vor allem Indonesien, die Ansprüche auf Sarawak und Sabah erhoben, setzten der Staatenbildung erheblichen, teils bewaffneten Widerstand entgegen. 1965 trat Singapur aufgrund von ethnischen und wirtschaftlichen Spannungen wieder aus dem Bund aus. 1966 konnte der Konflikt mit Indonesien endgültig beigelegt werden.

1969 bis 1971 sowie 1987 kam es zu schweren sozialen und ethnischen Unruhen. Unter der Führung des seit 1981 regierenden Premierministers Mahathir Bin Mohammed verzeichnete das Land seit Ende der achtzige Jahre ein überdurchschnittliches Wachstum. Die 1997 von Thailand ausgehende Wirtschaftskrise erfasste auch Malaysia und beeinträchtigte die ehrgeizigen Entwicklungs- und Modernisierungspläne Mahathir Bin Mohammeds, dessen autoritärer Regierungsstil zunehmend Kritik hervorrief. 2003 trat Premierminister zurück. Nachfolger wurde der bisherige stellvertretende Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi, der sich um eine vorsichtige Liberalisierung bemühte.

Der Regierung gelang es in der Folgezeit allerdings nicht, die unzufriedene Haltung der sich gegenüber den Malaiien benachteiligt fühlenden chinesischen und indischen Minderheit zu verändern. Steigende Preise für Energie und Lebensmittel sowie Unzufriedenheit über Korruption begünstigten bei den Wahlen 2008 die Opposition. Die regierende Nationale Front verlor ihre Zweidrittelmehrheit im Parlament. Dadurch wurde die Stellung von Regierungschef Badawi geschwächt. Nach seinem Rücktritt 2009 wurde Najib Abdul Razak neuer Premierminister.

Staatsoberhaupt (Wahlkönig) ist seit 2006 Mizan Zainal Abidin.


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