Libanon

Wissenswertes über den Libanon

Natur und Klima:

Das Land gliedert sich in vier küstenparallele Landschaftseinheiten. Hinter der schmalen, dicht besiedelten Küstenebene erhebt sich das verkarstete Libanon-Gebirge, das im Qurnat as-Sawda 3083 Meter erreicht. Seine früher ausgedehnten Zedernwälder sind weitgehend vernichtet; nur noch vereinzelte Bestände blieben erhalten. An die Ostflanke des Libanon schließt das trockene, aber bei Bewässerung fruchtbare, um 1000 Meter hoch gelegene Becken al-Beqa an, das im Osten vom überwiegend kahlen Antilibanon (bis 2814 Meter) begrenzt wird. Das Beqa-Becken, die nördliche Verlängerung des Jordangrabens, wird nach Norden vom Orontes, nach Süden vom Litani entwässert.

Der Küstenstreifen hat Mittelmeerklima mit trockenheißen Sommern und mildfeuchten Wintern. Die mit 1500 mm im Jahr höchsten Niederschläge verzeichnet die Westflanke des Libanon-Gebirges; die Hochlagen können im Winter mehrere Monate schneebedeckt sein. Im Beqa-Becken gibt es nicht mehr als 300 mm Niederschlag.

Bevölkerung:

Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind Araber, die größten Minderheiten bilden Armenier und Kurden. Umso vielfältiger ist die Religionszugehörigkeit: Es gibt 16 anerkannte Glaubensgemeinschaften, davon elf christliche Gruppen (unter anderem Maroniten) und fünf muslimische (Schiiten, Sunniten) oder aus dem Islam hervorgegangene Gruppen (Ismaeliten, Drusen). Bis in die jüngere Vergangenheit war das Land der einzige arabische Staat, in dem Christen die Mehrheit bildeten; inzwischen dürfte es mehr Muslime als Christen geben.

Viele Einwohner haben während des Bürgerkriegs ihre Heimat verlassen, dagegen ist fast jeder zehnte Libanese ein palästinensischer Flüchtling. Der Verstädterungsgrad ist mit 91 Prozent sehr hoch, mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt im Großraum Beirut. Obwohl das Bildungswesen unter dem Bürgerkrieg gelitten hat und es keine Schulpflicht gibt, ist die Analphabetenquote mit 14 Prozent relativ gering.

Staat und Politik:

Nach der mehrmals abgeänderten Verfassung von 1926 ist Libanon eine parlamentarische Republik. Wichtigste Grundlage der Verfassung ist das Prinzip des konfessionellen Proporzes. Danach muss der Staatspräsident maronitischer Christ, der Ministerpräsident sunnitischer Muslim und der Parlamentspräsident schiitischer Muslim sein. Staatsoberhaupt ist der vom Parlament gewählte Staatspräsident. Die Legislative liegt beim Einkammerparlament, der Nationalversammlung, deren 128 Abgeordnete für vier Jahre gewählt werden. Auch bei den Parteien sind konfessionelle Bindungen ausschlaggebend. Daneben spielt die Haltung zu Syrien eine entscheidende Rolle. Stärkste parteipolitische Kraft im antisyrischen Bündnis Allianz des 14. März ist die Zukunftsbewegung. Die im Bündnis Allianz des 8. März vereinigten prosyrischen Kräfte werden von Hizbollah und Amal dominiert.

Wirtschaft und Verkehr:

Bis in die siebziger Jahre besaß Libanon eine blühende Wirtschaft mit starker Ausrichtung auf Handel und Finanzen. Nach den Bürgerkriegszerstörungen wurden große Anstrengungen unternommen, um vor allem im Kreditwesen und Tourismus wieder an frühere Zeiten anzuknüpfen.

Die Landwirtschaft, die ein Drittel der Landesfläche nutzen kann, betreibt in der Küstenzone und im südlichen Beqa-Becken Obst- und Gemüseanbau sowie Milchvieh- und Geflügelhaltung. Die Industrie produziert unter anderem Nahrungs- und Genussmittel, Textilien und Papierprodukte. Der bedeutende Tourismus, der völlig zum Erliegen gekommen war, verzeichnet mit mehr als einer Million Touristen im Jahr (vorwiegend Auslandslibanesen und arabische Besucher) einen allmählichen Aufschwung.

Das Straßennetz mit Beirut als Verkehrsknotenpunkt ist gut ausgebaut, aber die Eisenbahn ist noch immer außer Betrieb. Außer dem Haupthafen Beirut sind die Ölhäfen in Tripoli und Saida von großer Bedeutung.

Geschichte:

Entwicklung bis zur Unabhängigkeit:

Libanon war im Altertum Herrschaftsgebiet der Phönizier. 64 v. Chr. kam die Region an das Römische Reich, später an Byzanz und das Perserreich. Im 7. Jahrhundert eroberten Araber das Gebiet; zur gleichen Zeit ließen sich Christen nieder. In der Zeit der Kreuzzüge entstanden die christlichen Kreuzfahrerstaaten. Die Kreuzritter wurden bis Ende des 13. Jahrhunderts von den Mamluken vertrieben. 1516 bis 1918 waren Libanon und Syrien eine Provinz des Osmanischen Reichs. Nachdem das Land 1920 von Frankreich besetzt und 1923 französisches Mandatsgebiet geworden war, lösten es die Franzosen von Syrien und gaben ihm 1926 eine eigene Verwaltung, in der die christlichen Eliten eine führende Rolle spielten. 1941 wurde Libanon nominell unabhängig und 1944 das Mandat aufgehoben.

Bürgerkrieg und Neubeginn:

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Land mit seinem konfessionell geprägten politischen System in den Sog des Nahost-Konflikts. Seit 1975/76 entwickelte sich ein Bürgerkrieg zwischen christlichen Milizen einerseits sowie muslimischen Gruppierungen und Palästinensern andererseits. 1976 besetzten syrische Truppen das Land. 1982 gingen israelische Truppen gegen PLO-Stellungen militärisch vor. 1985 wurden die israelischen Truppen wieder abgezogen (bis auf eine "Sicherheitszone" im Süden). Die Kämpfe zwischen den Bürgerkriegsparteien (darunter Amal und Hisbollah) flammten immer wieder auf. Erst durch den militärischen Einsatz Syriens endeten 1990 die Auseinandersetzungen. Die syrische Rolle als Ordnungsmacht wurde 1991 vertraglich festgeschrieben.

Der prosyrische General Émile Lahoud übernahm 1998 das Amt des Staatspräsidenten. 2000 gab Israel seine Sicherheitszone im Süden auf. 2005 fiel der frühere Ministerpräsident Rafik al-Hariri einem Bombenanschlag zum Opfer. Auf internationalen Druck hin musste Syrien nun seine Truppen aus Libanon abziehen. Nach Parlamentswahlen im gleichen Jahr, bei denen die antisyrischen Kräfte dominierten, wurde Fuad Siniora neuer Regierungschef. Seinem Kabinett gelang es nicht, die staatliche Souveränität im Südlibanon gegen den Einfluss der Hisbollah durchzusetzen.

Nach der Entführung israelischer Soldaten durch die Hisbollah, begann die israelische Armee am 13. Juli 2006 mit Luftangriffen gegen verschiedene Ziele im Libanon. Gleichzeitig verhängte Israel eine Luft- und Seeblockade über das Land. Israelische Truppen rückten in den Südlibanon vor. Mehrere hunderttausend Menschen flohen vor den Kampfhandlungen, die am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand beendet wurden.

Nach dem Ende der Amtszeit des prosyrischen Staatspräsidenten Lahoud 2007 entstand ein Machtvakuum, da sich die verschiedenen politischen Gruppierungen nicht auf einen Nachfolger verständigen konnten. Die innenpolitische Krise eskalierte im Mai 2008 in militärischen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung Siniora und der Hisbollah und ihren Verbündeten. Nach der Unterzeichnung eines Versöhnungsabkommens konnte am 25. Mai 2008 Michel Suleiman zum neuen Staatspräsidenten gewählt werden. Fuad Siniora bildete im Juli 2008 unter Einbeziehung der prosyrischen Opposition eine Regierung der nationalen Einheit.

Im Oktober 2008 nahmen der Libanon und Syrien erstmals seit der Unabhängigkeit diplomatische Beziehungen auf. Bei den Parlamentswahlen im folgenden Jahr konnte die prowestliche, antisyrische Allianz des 14. März ihre führende Stellung in der Volksvertretung behaupten.