Kasachstan

Wissenswertes über Kasachstan

Natur und Klima:

Weite Teile des Landes werden von Tiefländern und Ebenen eingenommen. Im Westen grenzt Kasachstan an das Tiefland der unteren Wolga und an das Kaspische Meer. In der Kaspischen Senke befindet sich mit minus 132 Meter die tiefste Stelle Kasachstans. Das bis 370 Meter hohe Ustjurt-Plateau, eine trockene Salzwüste, schiebt sich zwischen die Kaspische und die Turanische Senke, in die der Nordteil des Aralsees ragt. Im zentralen Teil Kasachstans erhebt sich die bis 1559 Meter ansteigende Kasachische Schwelle mit ihren zahlreichen abflusslosen Seen, von denen der Balchaschsee der größte ist. Im äußersten Südosten hat Kasachstan Anteil an den hoch aufragenden, vergletscherten Ausläufern von Tian Shan und Altai.

Nur knapp vier Prozent der Landesfläche werden von Wäldern eingenommen. Von Norden nach Süden gliedert sich das Land in die etwas feuchtere Waldsteppe, die Trockensteppe mit der Hungersteppe, einem niedrigen Tafelland westlich des Balchaschsees, sowie in Halbwüsten und Wüsten, die über die Hälfte des Landes einnehmen.

Bedrohte Umwelt:

Die intensive landwirtschaftliche Nutzung, Industrialisierung und Besiedlung des Steppengebiets verursachten große Umweltprobleme. Die Wasserentnahme aus Syrdarja und Amudarja, den Zuflüssen des Aralsees, führten zum Verlust riesiger Wassermengen und leisteten der Versalzung Vorschub. Seit 1960 verlor der ehemals viertgrößte See der Erde mehr als die Hälfte seiner Fläche, so dass der ehemals ertragreiche Fischfang eingestellt werden musste. Der frühere Seegrund verwandelte sich in unfruchtbare Wüste, deren salziger Staub über weite Entfernungen davongetragen wird. Übermäßige Düngung und der Einsatz von Pestiziden zum Anbau von Monokulturen wie Baumwolle belasten den Boden. Auch der Balchaschsee ist durch die hohe Wasserentnahme aus seinem Hauptzufluss Ili von Austrocknung bedroht.

Ein Erbe aus sowjetischer Zeit ist das 1991 geschlossene, großräumig radioaktiv verseuchte Atomtestgelände von Semipalatinsk (Semej).

Trockenes Kontinentalklima:

Es herrscht ein trockenes Kontinentalklima mit großen Temperaturgegensätzen zwischen Sommer und Winter. Selbst in den Wüstenregionen, in denen im Sommer Durchschnittstemperaturen von mehr als 30 Grad erreicht werden, sinkt das Thermometer im Winter auf Temperaturen von minus drei Grad. Im Norden fallen noch 400 mm Niederschläge im Jahr, im extrem trockenen Süden ist bei 100 mm nur noch Bewässerungsanbau möglich. Nur die Gebirgsausläufer im Südosten erhalten etwa 1000 mm Niederschläge, vorwiegend im Frühjahr.

Bevölkerung:

Rund 53 Prozent der Einwohner gehören zu den turksprachigen Kasachen, die sich überwiegend zum sunnitischen Islam bekennen. Die nächstgrößere Gruppe bilden die Russen, die etwa 30 Prozent der Bevölkerung stellen. Viele sind in den letzten Jahren ausgewandert, ebenso wie die Deutschstämmigen (2,4 Prozent) und die Ukrainer. Insgesamt leben mehr als hundert Nationalitäten in Kasachstan, darunter auch Tataren, Usbeken, Uiguren, Weißrussen und Koreaner. Während die Bevölkerung durch Industrialisierung, Deportationen, zum Beispiel der Wolgadeutschen in der Stalin-Zeit, und durch die Neulandkampagnen der sowjetischen Führung noch in den fünfziger Jahren wuchs, nahm sie in den neunziger Jahren infolge sinkender Geburtenraten und Auswanderung aufgrund von Wirtschafts- und Umweltproblemen sowie nationaler Spannungen zwischen Kasachen und Russen ab.

Die Bevölkerungsverteilung in dem insgesamt dünn besiedelten Land ist sehr ungleich. Im Westen werden nur einige Flussoasen bewohnt, größer wird die Bevölkerungsdichte in den zentral- und nordkasachischen Steppen- und Industriegebieten ebenso wie in den Vorgebirgsregionen um die ehemalige Hauptstadt Almaty, mit 1,2 Million Einwohnern die größte Stadt des Landes, und um die Städte Tschimkent und Taras. Die Hauptstadt Astana (bis 1998 Akmola) hat rund 280.000 Einwohner; sie ist seit 1998 auch Regierungssitz. Die Hauptstadtverlegung nach Norden gilt als politische Konzession an die russische Bevölkerung in Kasachstan.

Bildung:

In Kasachstan gibt es eine zehnjährige Schulpflicht. Der Staat finanziert zwar ein Gesamtangebot im Bereich der Primar- und der Sekundarstufe, daneben entstehen allerdings immer mehr private Schulen und Hochschulen, die sich durch Schul- oder Studiengebühren finanzieren. An die vierjährige Primarstufe, die für Kinder im Alter von sieben Jahren beginnt, schließt sich die zweigeteilte Sekundarstufe (fünf- und zweijährig) an. Außer Kasachisch ist Russisch in weiterführenden Schulen und vor allem in höheren Bildungsinstitutionen gleichrangige Unterrichtssprache. Bedeutendste Universität ist die von Almaty.

Staat und Politik:

Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1995 ist Kasachstan eine präsidiale Republik. An der Spitze des Staates steht der für fünf Jahre direkt gewählte Präsident, der mit weitreichenden Machtbefugnissen ausgestattet ist. Er ernennt auch den Ministerpräsidenten. Das Zweikammerparlament besteht aus dem Unterhaus (Madschlis), von dessen 107 Mitgliedern 98 durch Verhältniswahl, neun weitere durch Ernennung bestimmt werden. Der Senat hat 39 Mitglieder, die für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt bzw. ernannt werden. Im 2007 gewählten Unterhaus ist nur die Regierungspartei Nur Otan (Licht des Vaterlands) vertreten. An der Spitze des Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof.

Wirtschaft und Verkehr:

Auch in Kasachstan führte die Unabhängigkeit nach der Auflösung der Sowjetunion anfangs zu ökonomischen Problemen. Aufgrund des Reichtums an Bodenschätzen, vor allem an fossilen Brennstoffen, zeichnete sich jedoch ab 1996 ein leichter wirtschaftlicher Aufschwung ab, der durch die Entdeckung neuer Ölfelder beträchtlich an Dynamik gewonnen hat. Das Land verfügt über reiche Erdöl- und Erdgaslager an der Nordostküste des Kaspischen Meeres und Kohlenvorräte im Gebiet von Karaganda und Ekibastus im Zentrum.

Mit Hilfe internationaler Investitionen werden immer neue Erdölfelder erschlossen. Außerdem werden Eisen, Kupfer, Chrom, Wolfram, Zink, Gold, Silber, Mangan und Uran abgebaut. Auf der Basis dieser Rohstoffe entwickelte sich schon früh die metallurgische Industrie, die Erdölverarbeitung und der Schwermaschinenbau. Auch die Nahrungsmittel-, Textil- und Lederindustrie hat Tradition, während die Konsumgüterindustrie noch mangelhaft entwickelt ist.

Obwohl nur ein Fünftel der Landesfläche ackerbaulich nutzbar ist, ist Kasachstan ein wichtiger Nahrungsmittelproduzent. Im nordkasachischen Neulandgebiet wird auf fruchtbaren Schwarzerdeböden Weizen-, Zuckerrüben-, Tabak- und Sonnenblumenanbau mit Fleisch- und Milchviehzucht betrieben und im Bewässerungsbereich der Flüsse im Süden der Anbau von Baumwolle, Reis, Gemüse, Wein und Obst. Die mageren Weiden der Trockensteppen und Halbwüsten erlauben eine extensive Viehzucht (Schafe, Ziegen und Kamele). Von Bedeutung ist auch die in Aquakultur betriebene Kaviargewinnung am Kaspischen Meer.

Vor allem im Süden ist das Verkehrsnetz bisher nur unzureichend ausgebaut. Nur rund die Hälfte des Straßennetzes ist befestigt, am wichtigsten ist die Straßenverbindung von Almaty über Astana bis nach Russland. Die Eisenbahn ist der wichtigste Verkehrsträger; ein Drittel des Schienennetzes ist elektrifiziert. Durch den Neubau von Pipelines sollen die Gewinne aus dem Ölgeschäft gesteigert werden.

Geschichte:

Von der Antike bis zur russischen Kolonisierung:

Im 1. Jahrtausend v. Chr. beherrschten ostiranische Reiternomaden die kasachische Steppe, die im 6. Jahrhundert n. Chr. unter die Herrschaft eines Turkvolkes geriet. Im 10./11. Jahrhundert dominierte die Karachaniden-Dynastie das Gebiet Kasachstans, das 1219 bis 1221 von Tschingis Chan erobert wurde. Ein kasachisches Khanat erreichte im 16. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Macht. In der Folgezeit wurde das Gebiet zwischen drei Stammesbünden aufgeteilt (Große Horde, Mittlere und Kleinere Horde). 1731 nahm die Kleine Horde den Schutz des russischen Zaren an, 1740 folgte die Mittlere Horde und 1742 Teile der Großen Horde.

Zaristische und sowjetische Herrschaft:

Bis 1848 verloren die drei Horden endgültig ihre autonome Stellung. Es begann ein Zustrom russischer Kolonisten sowie die Islamisierung durch Tataren aus Kasan. Ein Aufstand in Zentralasien gegen die zaristische Herrschaft wurde 1916 blutig niedergeschlagen. Nach der Oktoberrevolution von 1917 war Kasachstan Schauplatz von Bürgerkriegskämpfen. 1920 wurde die Kirgisische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik im Rahmen der RSFSR gegründet Sie wurde 1925 in Kasachische ASSR umbenannt und 1936 zur Unionsrepublik erhoben. Dem stalinistischen Terror fielen bis 1939 mehr als eine Million Menschen zum Opfer. 1941 siedelte man Hunderttausende von Russlanddeutschen zwangsweise nach Kasachstan um.

1954 begann in Kasachstan eine großangelegte Kampagne zur Neulandgewinnung, die eine große Zahl russischer Siedler ins Land brachte und bald zu ersten Umweltschäden (Bodenerosion, Austrocknung) führte. Ein kasachisches Nationalbewusstsein konnte sich jahrzehntelang nicht entwickeln. Erst in der Folge der Politik Michail Gorbatschows kam es 1986 zu einer antirussischen Protestbewegung. 1990 wählte der Oberste Sowjet Kasachstans Nursultan Nasarbajew zum Präsidenten des Landes, das sich im gleichen Jahr für souverän erklärte.

Unabhängigkeit:

Unter Führung Nasarbajews wurde am 16. Dezember 1991 die Unabhängigkeit proklamiert. Am 21. Dezember 1991 trat das Land der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS ) bei. Im folgenden Jahr schlossen Russland und Kasachstan einen Freundschafts- und Sicherheitsvertrag. In einem Referendum stimmte die Bevölkerung 1995 einer neuen Verfassung zu. 1996 vertieften Russland, Weißrussland, Kirgisien und Kasachstan (später auch Tadschikistan) durch einen Intergrationsvertrag ihre Zusammenarbeit.

1997 wurde Akmola (seit 1998 Astana) neue kasachische Hauptstadt. Verfassungsrevisionen 1998 und 2007 stärkten die Rechte des Präsidenten, der zunehmend autoritär regierte. Bei den Präsidentschaftswahlen 1999 und 2005 wurde er von der Bevölkerung im Amt bestätigt.