Kambodscha

Wissenswertes über Kambodscha

Natur und Klima:

Drei Viertel des Landes nehmen Tiefländer ein, die von dünn besiedelten Gebirgsketten und Plateaus begrenzt werden. Den Osten durchzieht die Schwemmlandebene beiderseits des Mekong, die nach Westen in die flache Tonléebene übergeht. Der ausgedehnte See Tonlé Sap in der Nähe der Ruinenstadt Angkor wird vom gleichnamigen Fluss durchströmt und hat je nach Jahreszeit eine Fläche von 3000 bis 10.000 Quadratkilomtern. Über den Fluss steht der See mit dem Mekong in Verbindung, in den er während der Trockenzeit entwässert. Während der Regenzeit ändert sich die Fließrichtung jedoch und der Mekong gibt Wasser in den Tonlé Sap ab, der dann wie ein Rückhaltebecken funktioniert und seine Fläche beträchtlich vergrößert.

Im Südwesten erhebt sich das mehr als 1700 Meter hohe Kardamomgebirge, an das sich nach Süden das Elefantengebirge anschließt. Die Gebirge bilden eine natürliche Barriere zwischen dem zentralen Tiefland und dem dicht bewaldeten Küstentiefland am Golf von Thailand. Im Norden grenzt die Dangrekkette Kambodscha gegen das thailändische Khoratplateau ab und im Osten steigt das Land über das Moiplateau zu den Gebirgen der hauptsächlich in Vietnam liegenden Küstenkette von Annam an. Im Südosten geht Kambodscha in das Mekongdelta über, das noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts kambodschanisches Territorium war und heute überwiegend zu Vietnam gehört. Über die Hälfte des Landes ist von dichten Wäldern bedeckt, vor allem tropischen Regen- und Mangrovewäldern.

Tropisches Monsunklima:

Während des Sommermonsuns (April bis September) fällt der größte Teil des Niederschlags. Dann sind weite Teile Südkambodschas fast vollständig überflutet; nur Hügel oder die Uferwülste der Flüsse ragen aus den riesigen Wasserflächen heraus. Die jährlichen Niederschlagsmengen betragen im Tiefland etwa 1600 mm, die nach Westen exponierten Gebirgshänge erhalten noch deutlich mehr Niederschläge. Die Tagestemperaturen sind das ganze Jahr über hoch, im Tiefland meist über 30 Grad, auch nachts kühlt es kaum ab. Während der Regenzeit kommt noch eine hohe Luftfeuchtigkeit hinzu.

Bevölkerung

Die überwiegend buddhistische Bevölkerung besteht zu 85 Prozent aus dem Volk der Khmer, einem hinterindischen Volk mit austroasiatischer Sprache. Größte Minderheit sind die knapp vier Prozent Vietnamesen, die vor allem nach dem Ende des Pol-Pot -Regimes in den achtziger Jahren eingewandert sind. Überwiegend in den Städten leben die zwei Prozent Chinesen. Daneben gibt es noch einige Lao, islamische Cham und die als Moi bezeichneten Angehörigen verschiedener Bergvölker.

Rund 80 Prozent aller Einwohner leben im Tiefland am Mekong und um den Tonlé Sap, vorwiegend in Dörfern. Die Siedlungen liegen meist auf breiten Uferwülsten, auf deren Rückseiten sich manchmal bis zu tausend Hektar große "Wassertümpel" (beng) anschließen. Während der Herrschaft der Roten Khmer waren die meisten Städte nahezu entvölkert. Inzwischen leben wieder rund 19 Prozent der Bevölkerung in Städten, und der Zuzug hält an. Aufgrund der hohen Geburtenrate und den jahrelangen kriegerischen Wirren hat Kambodscha eine vergleichsweise junge Bevölkerung mit einem hohen Frauenüberschuss.

Bildung:

Auch das Bildungswesen erholt sich - mit internationaler Hilfe - nur langsam von der Pol-Pot-Zeit, in der die meisten Schulen zerstört und viele Lehrkräfte getötet wurden. Heute besteht ab dem sechsten Lebensjahr eine sechsjährige Schulpflicht. Grundschulen werden mittlerweile von mehr als zwei Dritteln aller schulpflichtigen Kinder besucht. Die Sekundarstufe besteht aus zwei jeweils dreijährigen Abschnitten. 1988 wurde die Universität von Phnom Penh wiedereröffnet; außerdem gibt es mehrere Fachhochschulen. Die Besuchsquote an Hochschulen ist mit etwas mehr als ein Prozent sehr gering.

Staat und Politik

Kambodscha ist nach der Verfassung von 1993 eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der vom Thronrat auf Lebenszeit gewählte König. Der vom König auf Empfehlung des Präsidenten der Nationalversammlung ernannte Premierminister steht an der Spitze der Exekutive. Die Nationalversammlung mit 123 auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten und der 61-köpfige Senat bilden die Legislative.

Dominierende politische Kraft ist die postkommunistische Kambodschanische Volkspartei (KVP). Weitere Parteien sind die royalistische FUNCINPEC, die liberale Sam-Rainsy-Partei (SRP), die Menschenrechtspartei sowie die royalistische Norodom-Ranariddh-Partei (NRP). Die Einhaltung der Verfassung wird von einem Verfassungsrat überwacht.

Wirtschaft und Verkehr

Kambodschas Wirtschaft wurde durch die Indochinakriege und das nachfolgende Terrorregime der Roten Khmer stark in Mitleidenschaft gezogen. Die systematischen Flächenbombardierungen der US-Luftwaffe führten dazu, dass viele Bauern ihre Reisfelder nicht mehr bearbeiten konnten und in die Städte flüchteten. Die Roten Khmer betrieben zwischen 1975 und 1979 eine Politik der systematischen Vernichtung von Maschinen, Geräten, Fischernetzen und städtischer Infrastruktur. Außerdem liquidierten sie die technische Intelligenz des Landes. Nachfolgende politische Unruhen unterbrachen immer wieder den wirtschaftlichen Wiederaufbau.

Neue Hoffung für einen ökonomischen Aufschwung gibt die Mitgliedschaft in der Asean (seit 1999) und der Beitritt zur WTO (2003) sowie der sich rasch entwickelnde Tourismussektor. Doch noch immer ist das Land auf Entwicklungshilfe angewiesen; fast 40 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

In der Landwirtschaft überwiegen kleine Subsistenzbetriebe. In den Überschwemmungsgebieten sind mehrere Reisernten im Jahr möglich. Auf trockeneren Flächen werden Mais, Zuckerrohr, Maniok, Kartoffeln, Bohnen, Erdnüsse, Tabak und Baumwolle angebaut, im Küstenbereich Kokospalmen. In seinen Gewässern, vor allem im Tonlé-Sap, hat Kambodscha das bedeutendste Fischreservoir Südostasiens. Von forstwirtschaftlicher Bedeutung ist der Einschlag unter anderem von Teak, Mahagoni und Ebenholz. Ein wichtiges Exportgut ist auch der in Plantagen kultivierte Kautschuk.

An Bodenschätzen gibt es Phosphate, Edelsteine, Gold und Eisenerz. In zahlreichen Salzgärten entlang der Südwestküste wird Meersalz gewonnen. Mit Ausnahme der Textilindustrie, die von den niedrigen Arbeitslöhnen profitiert, ist die Industrie wenig entwickelt.

Mit den gewaltigen Tempelanlagen von Angkor und anderen Zeugnissen der Khmer-Architektur, dem Königspalast von Phnom Penh und Sandstränden hat Kambodscha ein großes touristisches Potential, das wegen der mangelhaften Infrastruktur zu großen Teilen noch nicht genutzt werden kann.

Verkehrsader Mekong:

Das Straßennetz ist noch sehr weitmaschig, ein weiterer Ausbau durch noch unentdeckte Minenfelder erschwert. Während der Regenzeit sind viele Straßen unbefahrbar. Die wichtigste Eisenbahnlinie führt vom einzigen Seehafen Preah Sihanouk über die Hauptstadt Phnom Penh nach Thailand. Fernstraßen verbinden Phnom Penh mit Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam, dem Golf von Thailand, Thailand und der ehemaligen Khmer-Hauptstadt Angkor. Die wichtigsten Verkehrswege sind die Wasserstraßen, allen voran der Mekong, über den der Hauptgüterverkehr läuft.

Geschichte

Herrschaft der Khmer:

Auf dem Boden des heutigen Kambodscha entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. das früheste bekannte hinterindische Reich: Funan, das Anfang des 7. Jahrhunderts von den Khmer erobert wurde. Einen Aufschwung nahm deren Herrschaft unter Jayavarman II. (802-850). Zentrum des Khmer-Reiches wurde die Tempel- und Residenzstadt Angkor, die unter Surjavarman II. (1113 bis etwa 1150) ausgebaut wurde (unter anderem Angkor Vat).

Angriffe der Thai, Schan und Mongolen führten seit dem 13. Jahrhundert zum Zerfall der Khmer-Herrschaft. 1434 wurde die Residenz von Angkor nach Phnom Penh verlegt. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert blieb die Oberherrschaft über Kambodscha zwischen Vietnam und Thailand umstritten.

Französische Kolonialherrschaft und Unabhängigkeit:

Unter Norodom I. (1859-1904) wurde Kambodscha französisches Protektorat und gehörte seit Ende des 19. Jahrhunderts zu Indochina. Nach der japanischen Besetzung (1941-1945) verkündete König Norodom Sihanouk 1945 die Unabhängigkeit, aber Frankreich etablierte sich nach der japanischen Kapitulation erneut als Schutzmacht. Erst nach der Niederlage Frankreichs im Ersten Indochina-Krieg bestätigte die Genfer Indochina-Konferenz 1954 die volle Unabhängigkeit Kambodschas. Sihanouk dankte 1955 als König ab und wurde Premierminister, 1960 auch Staatsoberhaupt.

Kambodscha seit den siebziger Jahren:

1970 wurde Sihanouk wegen seiner Neutralitätspolitik von einer proamerikanischen Militärjunta unter Lon Nol gestürzt und ging ins Exil nach Peking. Im Bürgerkrieg gegen das Lon-Nol-Regime siegten die kommunistischen Roten Khmer und proklamierten 1975 unter Pol Pot das Demokratische Kampuchea. Die Bevölkerung wurde einer brutalen "Umerziehung" unterworfen, die Verbindung zur Außenwelt völlig abgeschnitten. Dem Terror der Roten Khmer fielen wahrscheinlich zwei Millionen Menschen zum Opfer.

1978/79 besetzten vietnamesische Truppen das Land und setzten eine neue Regierung ein, die die Volksrepublik Kampuchea ausrief. Gegen das Regime kämpften drei Widerstandsgruppen, darunter auch die Roten Khmer. 1989 zog Vietnam seine Truppen aus Kambodscha ab. Die von Hun Sen geführte kambodschanische Regierung schloss mit den rivalisierenden Widerstandsparteien 1991 ein Friedensabkommen.

1993 trat eine neue Verfassung in Kraft und Sihanouk wurde wieder kambodschanischer König. FUNCINPEC und Kambodschanische Volkspartei bildeten unter Führung von Norodom Ranariddh, einem Sohn Sihanouks, und Hun Sen eine Regierung der nationalen Einheit. Fortgesetzte Kämpfe mit den Roten Khmer und Zwistigkeiten innerhalb der Regierungskoalition verhinderten jedoch eine innenpolitische Stabilisierung. 1997 wurde Norodom Ranariddh von Hun Sen entmachtet. 1998 ergaben sich die letzten Einheiten der Roten Khmer den Regierungstruppen.

Unter Führung von Premierminister Hun Sen ging die KVP aus den Parlamentswahlen 1998 und 2003 als stärkste politische Kraft hervor. Die Koalition mit der FUNCINPEC wurde jeweils erneuert. 2004 dankte König Sihanouk ab. Zum Nachfolger wurde sein Sohn Norodom Sihamoni bestimmt. Grenzstreitigkeiten belasteten 2008 das Verhältnis zu Thailand. Bei den Parlamentswahlen im selben Jahr verbuchte die KVP erhebliche Stimmengewinne. Hun Sen blieb Regierungschef. 2009 wurde der erste Prozess vor dem Sondertribunal zur Aufarbeitung der Verbrechen der Roten Khmer eröffnet (gegen Kaing Guek Eav).


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