Jordanien

Wissenswertes über Jordanien

Natur und Klima:

Der Osten Jordaniens wird von Wüstentafelländern eingenommen, die von zahlreichen Trockentälern (Wadis) durchzogen werden. Nach Abtretung der 1950 annektierten Gebiete westlich des Jordans besteht das Land aus der Ostflanke des großen Grabenbruchs der Jordansenke und den begleitenden Zügen des ostjordanischen Berglandes mit den biblischen Landschaften Moab und Edom. Nach Osten schließen sich die Tafelländer der Syrischen Wüste an.

Bergland und Jordangraben:

Das Bergland ist bis zu 1700 Meter hoch, während die maximal 40 Kilometer breite Jordansenke - die tiefste Depression der Erde - bis auf 400 Meter unter den Meeresspiegel absinkt. Der 330 Kilometer lange Jordan mündet ins Tote Meer, einen stark schrumpfenden Salzsee an der israelisch-jordanischen Grenze. Der Grabenbruch setzt sich südlich des Toten Meeres bis zum Golf von Aqaba am Roten Meer fort. Das Bergland wird von zahlreichen Trockentälern (Wadis) durchzogen, die sich nur nach ergiebigen Regenfällen mit Wasser füllen.

Wüstenplateau:

An das Bergland, das den wirtschaftlichen Kernraum des Landes bildet, schließt sich nach Osten ein ausgedehntes, 700 bis 1000 Meter hohes Wüstenplateau an, das teilweise als Weidegebiet von nomadisierenden Beduinenstämmen genutzt wird. Wüsten und Wüstensteppen nehmen mehr als drei Viertel des Landes ein; über weite Strecken breiten sich monotone Basaltlavafelder aus.

Mittelmeer- und Wüstenklima:

Der Westen des Landes mit den Berghängen östlich des Jordangrabens hat Mittelmeerklima mit winterlichen Niederschlägen, die in den oberen Lagen bei etwa 800 mm im Jahr liegen und auch als Schnee fallen können. Die Ostflanken des Berglandes erhalten nur noch jährliche Niederschlagsmengen von 250 mm. Im Süden und Osten herrscht vorwiegend kontinental-trockenes Wüsten- und Steppenklima mit Niederschlägen, die weit unter 100 mm im Jahr liegen können. Die sommerlichen Tagestemperaturen steigen oft auf über 40 Grad.

Bevölkerung, Staat und Politik

Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleich. Während die Wüsten und Wüstensteppen im Osten kaum besiedelt sind, konzentriert sich die Bevölkerung im Nordwesten um die Hauptstadt Amman, die einzige Millionenstadt, und um die Städte Az Zarqa und Irbid. Bei einer Geburtenrate von 2,8 Prozent und einer guten medizinischen Versorgung wächst die Bevölkerung jährlich um 2,6 Prozent.

98 Prozent aller Jordanier sind Araber, davon mehr als die Hälfte Palästinenser, die nach dem Krieg mit Israel 1948 nach Jordanien geflohen waren, und deren Nachkommen. Eine wichtige Rolle in der Politik spielen die etwa fünf Prozent Beduinen. Die vor allem in Amman lebende kleine Minderheit muslimischer Tscherkessen bekleidet im Militärwesen führende Positionen. Etwa 95 Prozent der Jordanier bekennen sich zum Islam, davon sind über 80 Prozent Muslime sunnitischer Richtung. Die Zahl der Christen wird mit knapp fünf Prozent angegeben.

Bildung:

Das Bildungswesen gilt heute als das beste in der arabischen Welt. Ab dem sechsten Lebensjahr besteht eine neunjährige Schulpflicht, die zu fast 100 Prozent befolgt wird. Fast 20 Prozent der Schüler besuchen Privatschulen in meist islamischer oder christlicher Trägerschaft. Das jordanische Schulsystem führt fast alle Schüler nach zwölf Jahren zum Abitur (Taudschihi), mit dem eine der 21 Universitäten oder Colleges besucht werden kann. Der Anteil der weiblichen Studenten liegt bei fast 50 Prozent, an der größten Universität des Landes, der University of Jordan, sogar bei fast 60 Prozent. Dank der großzügigen staatlichen Investitionen in das Bildungswesen ist die Analphabetenquote die niedrigste im gesamten arabischen Raum.

Staat und Politik:

Nach der (mehrfach geänderten) Verfassung von 1952 ist Jordanien eine konstitutionelle Erbmonarchie. Staatsoberhaupt und militärischer Oberbefehlshaber ist der König aus der regierenden Haschemiten-Dynastie. Er ernennt den Ministerpräsidenten, das Kabinett und die obersten Richter. Das Zweikammerparlament besteht aus dem Abgeordnetenhaus mit 110 für vier Jahre gewählten Mitgliedern (sechs Sitze sind für Frauen reserviert) und dem Senat. Die 55 Senatoren werden vom König für vier Jahre ernannt. Wichtige Parteien sind unter anderem die Islamic Action Front (IAF), Jordanian Peoples Democratic Party (HASHD) und Democratic Reform Party (DRP).

Wirtschaft und Verkehr:

Jordanien gehört zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Die seit Jahren negative Handelsbilanz, die mangelnde Rentabilität der staatlichen Großunternehmen und der Krieg im Irak, dem ehemals wichtigsten Handelspartner Jordaniens, haben die Wirtschaft stark beeinträchtigt.

Landwirtschaft und Industrie:

Nur ein sehr kleiner Teil des Landes erhält genügend Niederschläge oder wird bewässert, um eine ertragreiche Landwirtschaft zu ermöglichen. Mit dem Westjordanland ging 1967 das wichtigste Anbaugebiet verloren. Im Nordwesten finden sich in den Becken und Tälern des aus Kalk aufgebauten Berg- und Tafellandes ergiebige Karstquellen und einzelne Flüsse. Hier und in der Jordansenke erstrecken sich Getreidefelder und Gartenkulturen, Weinpflanzungen und Olivenhaine. Die wasserarmen, verkarsteten Höhen tragen nur kümmerliche Waldreste mit Kiefern und Eichen oder karge Weideflächen. Das übrige Land ist kaum nutzbare Wüste und Wüstensteppe.

Die Industrie erzeugt in erster Linie Nahrungsmittel und Verbrauchsgüter. Der einzige nennenswerte Bodenschatz ist Phosphat, dessen Abbau in den vergangenen Jahren allerdings abgenommen hat. Im Gegensatz zu den meisten arabischen Ländern blieb in Jordanien die Erdölsuche erfolglos. Wichtig ist auch die Gewinnung von Pottasche aus dem Toten Meer. Phosphat und Pottasche sowie aus ihnen gewonnene chemische Produkte wie Dünger stellen außer Bekleidung die wichtigsten Exportgüter dar.

Tourismus und Verkehr:

Ein wichtiger Devisenbringer ist der Tourismus. Die Auslandsgäste kommen zum größten Teil aus den arabischen Ländern, nur etwa drei Prozent aus Europa. Neben der an antiken Überresten reichen Hauptstadt Amman und dem Touristenzentrum bei Aqaba sind die historischen Stätten wichtige Reiseziele: Petra, die alte Hauptstadt der Nabatäer mit ihren Felsengräbern, das antike Gerasa, die Wüstenpaläste aus der Omajjadenzeit, die byzantinische Stadt Madaba und das mittelalterliche Karak mit seiner Kreuzritterfestung.

Neben einer Eisenbahnlinie (Teilstück der Hedjasbahn) ist die parallel laufende und zum einzigen Hafen Aqaba führende Straße der wichtigste Verkehrsweg des Landes. Das Straßennetz wird weiter ausgebaut und ist um die Hauptstadt sehr dicht.

Geschichte

Nabatäer und Islamisierung:

Das Gebiet des heutigen Jordanien ist altes Kulturland. Im 5. Jahrhundert v. Chr. ließen sich die Nabatäer, ein Nomadenvolk von der Arabischen Halbinsel, im Bergland nieder und gründeten ein eigenes Reich. Sie kontrollierten die Handelswege von Ägypten und Südarabien (Weihrauchstraße) nach Syrien und schufen mit ihrer Hauptstadt Petra ein eindrucksvolles, aus Fels gemeißeltes Monument. Nach der Eroberung durch die Römer 106 n. Chr. gehörte die Region um Petra zur römischen Provinz Arabia.

Im 7. Jahrhundert eroberten muslimische Araber das Gebiet und verbreiteten den Islam. Von den einander folgenden Kalifendynastien hinterließen besonders die Omajjaden im 8. Jahrhundert eindrucksvolle Prachtbauten in der Wüste. Um 1100 gehörte der Westteil Jordaniens für kurze Zeit zum Kreuzfahrerstaat Jerusalem. Nach der Eroberung durch die Türken 1516 war das Land bis 1918 eine unbedeutende Provinz im Osmanischen Reich.

Transjordanien:

Im Ersten Weltkrieg war der Nahe Osten ein wichtiger Kriegsschauplatz. Im 1916 geschlossenen Sykes-Picot-Abkommen vereinbarten Großbritannien und Frankreich die Aufteilung des vorderasiatischen Teils des Osmanischen Reiches. Das Ostjordanland kam 1920 mit Palästina als Völkerbundmandat unter britische Verwaltung; als Emirat Transjordanien unter dem Haschemiten AbdullahBin Hussein wurde es später von Palästina abgetrennt und sollte als britischer Militärstützpunkt und Pufferstaat gegen Saudi-Arabien dienen. 1925 erwarb Transjordanien den Hafen von Aqaba von Saudi-Arabien. 1945 wurde es Mitglied der Arabischen Liga und 1946 formell unabhängig. Der Emir nahm den Königstitel an.

Nach der Unabhängigkeitserklärung Israels 1948 nahm Transjordanien am Krieg der Arabischen Liga gegen Israel teil, seine Truppen besetzten den östlichen Teil Palästinas und die Altstadt von Jerusalem.

Im Nahost-Konflikt:

1949 erhielt das Land den Namen Haschemitisches Königreich Jordanien. Dem 1952 wegen Geisteskrankheit abgesetzten König Talal folgte sein noch unmündiger Sohn Hussein II.

1958 bestand die Arabische Föderation mit Irak. Nach dem Sechstagekrieg (Nahost-Konflikt ) gegen Israel wurde 1967 das Gebiet westlich des Jordan von Israel besetzt. Große Gruppen palästinensischer Flüchtlinge strömten über den Jordan. Die Spannungen zwischen den von Jordanien aus operierenden palästinensischen Organisationen (PLO) und dem Königreich gipfelten 1970 im bewaffneten Konflikt, dem "Schwarzen September". Nach dem Ausbruch der Intifada 1987 hob der jordanische Monarch am 31. Juli 1988 alle rechtlichen und administrativen Bindungen zum Westjordanland auf.

Die Entwicklung seit den neunziger Jahren:

Im Golfkrieg 1991 nahm Jordanien eine vorsichtige proirakische Haltung ein. Inzwischen hatte Hussain eine innenpolitische Liberalisierung eingeleitet. 1993 fanden erstmals seit 37 Jahren Mehrparteienwahlen statt. 1994 kam es zum Friedensschluss und zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Jordanien und Israel. Nachfolger Hussains als König wurde nach dessen Tod am 7. Februar 1999 sein Sohn Abdullah Bin Hussein II , der sich um eine Modernisierung des Landes bemühte. Bei den Parlamentswahlen 2007 konnten die königstreuen Kräfte ihre Stellung zu Lasten der Islamisten ausbauen.


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