Jemen

Wissenswertes über Jemen

Natur und Klima:

Das Land im Südwesten der Arabischen Halbinsel wird im Westen vom Roten Meer und im Süden vom Golf von Aden begrenzt. Zu Jemen gehören außer der Insel Perim am Eingang zum Roten Meer der Socotra-Archipel vor dem afrikanischen Kap Guardafui und die Insel Kamaran vor der Nordwestküste. Hinter der bis 70 Kilometer breiten Küstenebene im Westen, der Tihamah, erhebt sich steil das zerklüftete Randgebirge.

An das Gebirge schließt sich landeinwärts das zentrale Hochland (2000 bis 2500 Meter) an. Cañonartige Wadis zerschneiden das nahezu menschenleere, wüstenhafte Kalkplateau. Am bedeutendsten ist der 400 Kilometer lange Talzug des Wadi Hadramaut mit Oasen und Bewässerungskulturen. Nach Nordosten hin senkt sich das Land allmählich zur großen Sandwüste Rub al-Khali ab.

In der westlichen Küstenregion herrscht feuchtheißes subtropisches Klima; Regenfälle sind jedoch selten. Den meisten Niederschlag erhält das Randgebirge in Form von Steigungsregen. Die Temperaturen nehmen mit der Höhe deutlich ab und fallen im Winter bis an den Gefrierpunkt. In den Wüstenzonen herrschen hingegen Temperaturen bis zu 45 Grad.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus südarabischen Jemeniten, die jedoch unterschiedlichen Stämmen angehören. Aufgrund von Oasenkulturen ist das westliche Hochland dicht besiedelt; typisch sind dort mehrstöckige Wohntürme aus Lehm. Einzige Millionenmetropole des Landes ist das Verwaltungs- und Handelszentrum San'a. Insgesamt lebt rund ein Viertel der Bevölkerung in Städten, doch steigt die Zahl durch die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten an. Mit durchschnittlich 3,6 Prozent wächst die Bevölkerung trotz hoher Kindersterblichkeit und geringer Lebenserwartung extrem rasch.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1994 (zuletzt 2001 geändert) ist der Jemen eine präsidiale Republik auf der Grundlage des Islams. An der Staatsspitze steht ein auf sieben Jahre direkt gewählter Präsident, der auch die Regierung ernennt. Das Repräsentantenhaus mit 301 Abgeordneten wird für eine Legislaturperiode von sechs Jahren gewählt. Ein Konsultativrat mit 111 vom Präsidenten ernannten Mitgliedern fungiert als beratendes Gremium.

Wichtige Parteien sind der Allgemeine Volkskongress (AVK), die ehemalige Einheitspartei des Nordens, sowie die Jemenitische Vereinigung für Reform (Islah) und die Jemenitische Sozialistische Partei (JSP).

Wirtschaft:

Trotz der Erdöl- und Erdgasvorkommen, deren Förderung rund 70 Prozent der Staatseinnahmen ausmacht, zählt das Land zu den ärmsten der arabischen Welt. Aufgrund von Wassermangel kann nur ein kleiner Teil des Landes als Ackerland genutzt werden; 75 Prozent der Nahrungsmittel werden eingeführt. Die Kaffeekulturen sind größtenteils durch den Khatstrauch verdrängt worden, dessen Blätter eine berauschende Wirkung haben. In den trockeneren Landesteilen wird Viehzucht betrieben, die traditionell in den Händen nomadischer Beduinen liegt. Einziger industrieller Großbetrieb ist die Erdölraffinerie in Aden.

Von lokaler Bedeutung sind kleine traditionelle Handwerksbetriebe, in denen Silber- und Lederarbeiten hergestellt werden.

Geschichte:

Altes Zentrum Südarabiens:

In vorchristlicher Zeit gehörte Jemen zum Reich der Sabäer und Minäer. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurden die jemenitischen Himjaren das führende Volk Südarabiens. Im 7. Jahrhundert folgte die rasche Islamisierung. Der Zaidite Jahja Bin al-Hussain begründete im 9. Jahrhundert eine Dynastie und das Imamat. Bei stets wechselnden Machtverhältnissen, zeitweise übte das Osmanische Reich die Herrschaft aus, behauptete sie sich bis in das 20. Jahrhundert.

Britische Herrschaft, Teilung und Vereinigung:

1839 eroberten die Briten Aden und machten es später zur Kronkolonie. Die südjemenitische Befreiungsbewegung erzwang 1967 den Abzug der Briten und proklamierte 1970 die Demokratische Volksrepublik Jemen, einen sozialistischer Staat nach sowjetischem Vorbild. Der Nordjemen hatte schon nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches 1918 seine Unabhängigkeit erklärt. Nach inneren Wirren wurde 1962 in San'a die Arabische Republik Jemen proklamiert. Bürgerkriege und gewaltsame Regierungswechsel verhinderten sowohl in Nord- als auch in Südjemen eine innenpolitische Stabilisierung.

Nachdem in den siebziger und frühen achtziger Jahren verschiedene Anläufe zum Zusammenschluss der beiden Länder gescheitert waren, vereinigten sich Norden und Süden am 22. Mai 1990 zur Islamischen Republik Jemen. Staatspräsident wurde Ali Abdullah Saleh aus dem Nordjemen. 1994 führten innere Spannungen zum Ausbruch schwerer Kämpfe und zur Unabhängigkeitserklärung des Südens. Der Bürgerkrieg endete mit dem Einmarsch der nordjemenitischen Truppen in Aden. 1999 bestätigte die Bevölkerung Saleh in direkter Wahl im Präsidentenamt.

2000 verübten Terroristen im Hafen von Aden einen Bombenanschlag auf das US-amerikanische Kriegsschiff "Cole". Daraufhin schloss die Regierung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ein Abkommen mit den USA, um islamische Terroristen im Jemen effizient zu bekämpfen. Der AVK konnte bei den Parlamentswahlen 2003 seine dominierende Stellung ausbauen. Eine 2004 im Nordwesten des Landes ausgebrochene Aufstandsbewegung schiitischer Extremisten destabilisierte die innenpolitische Lage. Die Präsidentschaftswahlen 2006 entschied Saleh erneut für sich. Er schloss 2007 ein Waffenstillstandsabkommen mit den aufständischen Schiiten. 2008 kam es jedoch erneut zu militärischen Auseinandersetzungen. Daneben sah sich die Regierung durch mehrere Terroranschläge herausgefordert, die Qaida-Anhängern zugeschrieben wurden.