Japan

Wissenswertes über Japan

Natur und Klima:

Japan besteht aus einem girlandenförmig angeordneten Inselbogen, zu dem außer den vier Hauptinseln (von Norden nach Süden) Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu noch weit mehr als 3000 kleine Inseln und Eilande gehören. Im äußersten Norden des Inselbogens liegen die südkurilischen Inseln Habomai, Shikotan, Kunashiri und Etorofu. Sie gehören politisch zwar seit 1945 zur Sowjetunion beziehungsweise Russland, doch hält Japan bis heute seinen Anspruch auf die Kurilen aufrecht. Im äußersten Südwesten des japanischen Territoriums liegen die rund 60 Ryukyu-Inseln mit der Okinawa-Gruppe als wirtschaftlichem und politischem Zentrum. Der Teil südlich des 29. Breitengrads war 1945 bis 1972 unter US-amerikanischer Verwaltung.

Erdbeben und Vulkane:

Japan liegt in einem geologisch unruhigen Gebiet am Ostrand der Eurasischen Platte, die dort im Südosten auf die Philippinen-Platte und im Nordosten auf die Pazifische Platte stößt. Vulkanismus, Erdbeben und heiße Quellen sind die Begleiterscheinungen des Zusammenpralls der drei tektonischen Platten. Von den weit mehr als 200 Vulkanen in Japan, die zum zirkumpazifischen Feuerring gehören, sind immer noch 37 aktiv.

Jedes Jahr werden rund 1500 durch Erderschütterungen wahrnehmbare Erdbeben registriert; in keinem Land bebt die Erde mehr als in Japan. Schwere Erdstöße mit großen Schäden ereignen sich im Durchschnitt alle zwei Jahre. Eine große Bedrohung geht von Seebeben im Pazifik aus, die Tsunamis, mächtige Flutwellen, auslösen können. Japan verfügt über ein effektives Tsunami-Frühwarnsystem.

Gebirgige Landesnatur:

Der japanische Inselbogen bildet die Spitze eines aus über 4000 Meter Tiefe aufsteigenden Gebirgssystems, das im Berg Fuji in den zentralen Japanischen Alpen westlich von Tokio seine höchste Erhebung erreicht.

Das Relief zeichnet sich durch eine starke Gliederung aus. Zahlreiche kurze, aber wasserreiche Flüsse zerschneiden die steilen Gebirge und werden zur Energiegewinnung genutzt. Tiefland, das nur etwa ein Fünftel der Landesfläche ausmacht, findet man nur an den dicht besiedelten Küsten, vor allem auf der Ostseite wie im Bereich um Tokio (Kantobecken) und Nagoya. An den Küsten wird zum Teil durch Einpolderung Neuland gewonnen. Buchten und schmale Meeresarme wie die Inlandsee zwischen Honshu, Shikoku und Kyushu greifen tief ins Landesinnere.

Klima - von kühlgemäßigt bis subtropisch:

Der sich über 3900 Kilometer vom Ochotskischen Meer im Norden bis zum Ostchinesischen Meer im Süden erstreckende Inselbogen verbindet sehr unterschiedliche Klimazonen. Dazu markieren die zahlreichen Gebirgsketten eine Wetterscheide zwischen West und Ost. Im Sommer werden die japanischen Inseln von feuchtheißen Winden aus südöstlicher Richtung, vom Pazifik her überstrichen, im Winter wehen kalte nordwestliche Winde vom chinesischen Festland über den japanischen Archipel.

Auf der Nordinsel Hokkaido herrscht ein kühlgemäßigtes Klima mit starken Schnee- und Regenfällen im Winter. Sapporo hat im Januar Durchschnittstemperaturen von minus 4,6 Grad, im Juli von 20,2 Grad. Die drei südlichen Hauptinseln haben ein warmgemäßigtes Klima mit hohen sommerlichen Niederschlägen auf der dem Pazifik zugewandten Seite und verhältnismäßig geringen Niederschlägen im Inland. In Tokio liegen die Temperaturen im Januar durchschnittlich bei 5,2 Grad, während die Julitemperaturen auf 25,2 Grad klettern. Im Sommer kann es sehr schwül werden. Das Klima auf den Ryukyu-Inseln im äußersten Südwesten ist subtropisch heiß. Die Wetterstation von Okinawa misst eine jährliche Durchschnittstemperatur von 23,8 Grad mit nur geringen monatlichen Schwankungen. Im Spätsommer und frühen Herbst wird Japan regelmäßig von tropischen Wirbelstürmen, den sogenannten Taifunen, heimgesucht, die sich über dem Pazifik bilden.

Auf den Ryukyu-Inseln im Süden gibt es immergrünen Regenwald, Palmen und Mangroven. Typisch für die südlichen Hauptinseln sind immergrüne Laubwälder (vor allem Eichenarten und Lorbeergewächse); auch der schnell wachsende Bambus ist hier vielfach anzutreffen. Weiter nördlich und in den höheren Lagen folgen Misch- und Nadelwälder (Erlen, Birken, Fichten, Tannen, japanische Zedern und Zypressen), schließlich Buschwald, Zwerggehölze und alpine Matten.

Bevölkerung

Das gebirgige Innere der Inseln und große Teile Hokkaidos sind nur dünn besiedelt. Die meisten Japaner leben in den östlichen Küstenebenen. Besonders dicht besiedelt ist der Tokaido-Korridor, ein rund 600 Kilometer langer Küstenstreifen zwischen Tokio, Yokohama, Nagoya, Osaka und Kobe. Allein in der Metropolregion von Tokio lebt mit 28 Millionen Menschen fast ein Viertel aller Japaner.

Das Bevölkerungswachstum ist mit 0,02 Prozent sehr gering. Die Geburtenrate, die 1950 noch bei 3,7 Prozent lag, ist auf heute gut 1 Prozent gesunken. Die Lebenserwartung in Japan ist eine der höchsten weltweit. Wie in vielen europäischen Staaten steht das Land vor den Problemen einer "überalterten" Gesellschaft.

Homogene Bevölkerung:

Fast 99 Prozent der Einwohner sind Japaner, die vermutlich in mehreren Einwanderungswellen aus Innerasien und Korea auf die Inseln kamen, von Süden drangen südostasiatische und polynesische Völker vor. Viele Japaner hängen gleichzeitig shintoistischen und buddhistischen Glaubensvorstellungen an. Der volkstümliche Shintoismus (japanisch Shinto bedeutet "Weg der Götter") war bis 1946 Staatsreligion. Trotz des bis 1873 bestehenden Verbots des Christentums gibt es 1,9 Millionen Christen. Größte ethnische Minderheit sind die circa 700.000 Koreaner. Die Ainu, die ersten Bewohner des Landes, zählen nur noch rund 14.000 Angehörige auf Hokkaido. Ferner leben rund 240.000 Chinesen und 180.000 japanischstämmige Brasilianer in Japan.

Bildung:

Das nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte Schulsystem orientiert sich am US-amerikanischem Vorbild. Ab dem sechsten Lebensjahr besuchen die Kinder sechs Jahre lang die Volksschule, danach für je drei Jahre die Mittelschule bzw. die Oberschule. Für den Besuch der Volks- und Mittelschule (Schulpflicht) besteht Gebühren- und Lehrmittelfreiheit. 95 Prozent der Mittelschulabsolventen gehen auf allgemein bildende oder berufsbezogene Oberschulen. Bedürftigen werden Darlehen mit langer Rückzahlfrist gewährt.

Da die Schul- und Universitätsausbildung über die Qualität des späteren Arbeitsplatzes entscheidet, beginnt die Eliteauslese schon in den Kindergärten, die ab dem dritten Lebensjahr besucht werden können. Nach dem Abschluss der Oberschule sind vor der Aufnahme zu einer der 709 Hochschulen (Senior Colleges) strenge Prüfungen zu bestehen. Fast drei Viertel aller Universitäten sind privat. Nur die besten Colleges und erstklassige Universitäten (Daigaku), zum Beispiel die Todai, Waseda und Keio in Tokyo oder die Kyodai in Kyoto, sichern gute Berufschancen und den Zugang zu einer angesehenen Firma.

Staat und Politik

Japan ist gemäß der Verfassung von 1947 eine parlamentarisch-demokratische Monarchie. Der Kaiser (Tenno) übt nur repräsentative Funktionen aus. Regierungschef ist der vom Parlament gewählte Ministerpräsident. Höchstes Gesetzgebungsorgan ist das Parlament (Kokkai), das aus zwei Kammern, dem Unterhaus (Shugi-in; Amtszeit vier Jahre) und dem Oberhaus (Sangi-in; Amtszeit sechs Jahre; nach drei Jahren Halberneuerung) besteht. Die Mitgliederzahl des Unterhauses ist auf 480 Abgeordnete festgelegt. Das Oberhaus hat 242 Mitglieder.

Die konservativen Liberaldemokraten (LDP; Jiyu-minshuto), die dominierende Kraft in der japanischen Parteienlandschaft, sind eng mit Wirtschaft und Verwaltung verflochten und bilden eine Regierungskoalition mit der Neuen Komeito, dem politische Arm der buddhistischen Sekte Soka-gakkai. Die Demokratische Partei Japans (Minshuto) ist die stärkste Kraft der Opposition und versteht sich als moderne Partei der linken Mitte.

An der Spitze des fünfstufigen Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof.

Wirtschaft und Verkehr

Schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg war die japanische Wirtschaft trotz fehlender Rohstoffressourcen stark gewachsen. Dank massiver US-amerikanischer Unterstützung, staatlicher Rahmenplanung und Protektionismus konnte sich die Wirtschaft nach 1945 rasch erholen und Japan wurde in kurzer Zeit zur, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, zweitgrößten Wirtschaftsmacht nach den USA. Eine der Voraussetzungen für den steilen Aufstieg war die enge Verflechtung zwischen Staat und Privatwirtschaft.

In den sechziger Jahren verlief das Wirtschaftswachstum nach Rahmenplänen des MITI (Ministerium für Außenhandel und Industrie), das immer noch als Steuerzentrale japanischer Wirtschaftsplanung gilt. In den neunziger Jahren wurde durch die Vergabe von ungedeckten Krediten eine Wirtschaftskrise ausgelöst, von der sich das Land bis heute noch nicht ganz erholt hat. Als drittgrößte Exportnation der Welt (hinter Deutschland und den USA) profitiert Japan jedoch von der Nähe zum expandierenden ostasiatischen Markt (insbesondere von China). Durch eine vorsichtig vorangetriebene Deregulierung und Privatisierung nahmen auch in den vergangenen Jahren die ausländischen Direktinvestitionen wieder leicht zu.

Landwirtschaft in Bedrängnis:

Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt ist stark rückläufig und betrug 2004 nur noch 1,3 Prozent. Nur knapp zwölf Prozent der japanischen Bodenfläche können aufgrund der gebirgigen Oberflächengestalt und der starken Nachfrage nach Siedlungs- und Industriegebieten gerade in den fruchtbaren Küstenebenen als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt werden. In den dicht besiedelten Regionen ermöglicht der intensive Anbau von Gemüse und Obst auf oft winzigen Parzellen den Bauern ein Auskommen. Allerdings verkaufen viele wegen der immens gestiegenen Grundstückspreise ihr Agrarland als Bauland.

In den höher gelegenen Anbaugebieten ist die rückläufige Seidenraupenzucht eine traditionelle Zuerwerbsmöglichkeit. Die Viehwirtschaft konzentriert sich auf Hokkaido, wo auf Farmen Milchprodukte erzeugt werden. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird für den Reisanbau genutzt, bei dem zwei Ernten im Jahr möglich sind. Die Haupterzeuger-Gebiete liegen in Zentral-Honshu, auf Kyushu und auf der kleinsten Hauptinsel Shikoku. Ertragreiche Reissorten, massiver Düngemittel- und Pestizideinsatz sowie Ausweitung der Anbauflächen durch Terrassenfeldbau ermöglichen den Kleinbetrieben hohe Ernteerträge. Japan ist bei Reis zu 100 Prozent Selbstversorger.

Ein Großteil der Waldfläche ist wieder aufgeforstet worden. Häufige Baumarten sind Japanzedern, Zypressen, Pinien, Birken und Kampferbäume. Die Nachfrage nach Holz, nicht nur für die Bauindustrie, sondern auch für die Herstellung von Papier, Möbeln unter anderem Gebrauchsgütern, ist riesig, so dass Japan mehr als drei Viertel seines Holzes importiert.

Bedeutende Fischereination:

Obwohl die Fangerträge - knapp fünf Millionen Tonnen pro Jahr - in den letzten Jahren etwas zurückgegangen sind, gehört das Land neben China, Peru und den USA zu den großen Fischereinationen. Fisch ist die wichtigste Eiweißquelle Japans; der Pro-Kopf-Verbrauch von Meeresprodukten ist einer der höchsten der Welt. Japanische Fangflotten operieren nicht nur im Küstenbereich, sondern weltweit und werden vielerorts für die Überfischung der Meere verantwortlich gemacht.

Trotz seiner wachsenden Fischindustrie kann die nationale Fangflotte die große Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten nicht allein decken, so dass Japan etwa 40 Prozent seines Bedarfs importieren muss. Eine alternative Quelle ist die hoch entwickelte Aquakultur sowie die planmäßige Bewirtschaftung von Küstenflächen für die Zucht von Garnelen und Austern. Außerdem spielen dort Seetanggewinnung und Perlmuschelzucht eine große Rolle. Die Küstenzonen leiden jedoch unter der zunehmenden Meeresverschmutzung.

Entwicklungen in der Industrie:

Schwerpunkte der frühen Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Textil- und die Schwerindustrie. Die ersten Unternehmen im militärstrategisch wichtigen Bereich der Stahl-, Werft- und Eisenbahnindustrie befanden sich zunächst in staatlichem Besitz. Später wurden sie privatisiert und einige entwickelten sich in kurzer Zeit zu riesigen Familienkonzernen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde bereits mehr als die Hälfte des Bruttonationaleinkommens im Industriesektor erwirtschaftet.

Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Industrie ihre rasante Entwicklung fortsetzen, indem sie vor allem auf die Massenproduktion etwa von Fotoapparaten oder elektrischen Geräten setzte. Heute belegt Japan Spitzenpositionen bei der Eisen- und Stahlerzeugung, in der Pharmaindustrie, beim Kraftfahrzeug- und Schiffbau sowie in der elektronischen Industrie, besonders der Unterhaltungselektronik.

Als rohstoffarmes Land muss Japan auch fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle importieren. Daher setzt das Land in großem Stil auf die Kernkraft als Energielieferant. Trotz der großen Erdbebengefahr sind zur Zeit mehr als 50 Kernkraftwerke am Netz. Auch die Erdwärme wird dank der vielen Thermalquellen zur Energiegewinnung genutzt.

Dienstleistungen und Tourismus:

Handel, Finanzwirtschaft, Bildung und Forschung sind für die japanische Volkswirtschaft von großer Bedeutung. Die japanische Börse mit Sitz in Tokyo ist neben New York und London weltweit eine der bedeutendsten Finanzeinrichtungen. Die derzeitige verstärkte Hinwendung zum Forschungs- und Entwicklungsbereich hat Erfolge bei der Entwicklung beispielsweise von Mikrochips sowie in der Biotechnologie und Robotertechnik gezeigt.

Trotz der gestiegenen Zahl von Auslandsgästen spielt der Tourismus im internationalen Vergleich keine große Rolle, denn Japan ist ein teures Reiseland. Die beliebtesten Ziele sind Tokyo, die alten Hauptstädte Kyoto und Nara, die Wintersportorte im Gebirge sowie die Region um den heiligen Berg der Japaner, den Fuji.

Verkehrsnetz mit Superlativen:

Japan besitzt ein hervorragend entwickeltes Verkehrsnetz. Die vier Hauptinseln sind seit 1988 durch ein durchgehendes Schienennetz miteinander verbunden. Der komfortable Hochgeschwindigkeitszug

Shinkansen verbindet Tokio mit allen wichtigen Landesteilen und erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 300 km/h. Der Seikantunnel, ein 54 Kilometer langer untermeerischer Eisenbahntunnel, verbindet die Inseln Honshu und Hokkaido. Auch beim Brückenbau hat Japan Superlative aufzuweisen. Mit 3800 Meter ist die 1998 fertiggestellte Akashi-Kaikyo-Brücke, eine von 15 Brücken, die die Hauptinsel Honshu mit der kleineren Insel Shikoku verbindet, die längste Hängebrücke der Welt. Der Schiffsverkehr spielt im Inselreich traditionell eine große Rolle. Die Seehäfen von Chiba und Nagoya gehören zu den zehn größten der Welt. Der Nahverkehr in den riesigen Stadtlandschaften wird vor allem durch U-Bahnen bewältigt.

Geschichte

Reichsentstehung:

Durch die Zentralisation mehrerer Teilreiche entstand von Yamato aus um 400 durch die Expansion des Adelsverbands der Tenson ein neues politisches Gebilde. Im 6. Jahrhundert breitete sich von Korea ausgehend neben der einheimischen Religion des Shintoismus der Buddhismus in Japan aus, der von Kronprinz Shotoku 594 staatliche Förderung erhielt. Im Verlauf der Taika-Ära (seit 645) wurde Japan zu einer absolutistischen Monarchie nach chinesischem Muster umgestaltet, die mit Nara 710 eine feste Residenz erhielt. Als Tenno ("Erhabener des Himmels") übte der Kaiser die Herrschaft uneingeschränkt mittels des Großkanzlers (daijokan) aus. Als die buddhistische Priesterschaft Einfluss auf die Politik nahm, verlegte der Tenno den Hof 794 endgültig nach Heiankyo, dem heutigen Kyoto.

Nach dem Niedergang der Kaisermacht begann im 12. Jahrhundert die Herrschaft des Adels. Aus den Kämpfen lokaler Kriegersippen ging 1185 Minamoto Yoritomo siegreich hervor. Die staatliche Verwaltung wurde vom Hof getrennt und nach Kamakura verlegt.

Shogunherrschaft:

Mit der 1192 erfolgten Verleihung des Titels Seii Tai Shogun ("militärischer Oberkommandierender", Shogun ) an Minamoto Yoritomo erkannte der Kaiser die neue Militärregierung in Kamakura an. Im 13. Jahrhundert versuchten die Mongolen zweimal (1274 und 1281) vergeblich, Japan zu erobern.

Nach inneren Wirren begründete Ashikaga Takauji 1338 das Ashikaga-Shogunat, das seinen Sitz in Muromachi, einem Viertel von Kyoto, nahm. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts (Zeit der Streitenden Reiche) zerfiel Japan in zahlreiche unabhängige Gebiete, die von einem kriegerischen Feudalherren (Daimyo) und seinen Hausvasallen (Samurai) angeführt wurden. Im 16. Jahrhundert trafen mit den Portugiesen die ersten Europäer ein. Mit katholischen Missionaren gelangte auch das Christentum nach Japan.

Der Feldherr Oda Nobunaga setzte 1573 den letzten der Ashikaga-Shogune ab. Damit begann die shogunatslose Zeit der Reichseinigung, die von Toyotomi Hideyoshi weiter vorangetrieben wurde. Sein Feldherr Tokugawa Ieyasu (1542-1616) übernahm gewaltsam die Macht, vollendete das begonnene Reformwerk und ließ sich 1603 die erbliche Shogunatsstellung vom Kaiser bestätigen. Er verlegte den Sitz seiner straffen Zentralregierung nach Edo, dem heutigen Tokio, und beherrschte zusammen mit den in ein Lehnsverhältnis gezwungenen Daimyos das Land. Zur nationalen Geschlossenheit trugen auch die seit 1614 einsetzenden Verfolgungen der Christen und die 1639 erfolgte hermetische Abschließung des Landes gegenüber dem Ausland bei.

Ende der Isolation:

Einem US-amerikanischen Geschwader unter Commodore Perry gelang es 1853, das Land gewaltsam zu öffnen. Eine fremdenfeindliche Opposition zwang den Shogun daraufhin 1867 zum Rücktritt. Der Kaiser Mutsuhito übernahm 1868 die Regierungsgewalt und gab seiner Regierungsperiode den Namen Meiji. In der Meiji-Ära (1868-1912) wurde der kaiserliche Hof von Kyoto nach Tokio verlegt. Die Reorganisation des Staates fand ihren Abschluss mit der Verfassung von 1889, die Japan zur konstitutionellen Monarchie nach preußischem Vorbild machte.

In der Außenpolitik versuchte Japan, sich am imperialistischen Konkurrenzkampf zu beteiligen. Nach der Annexion der Ryukyu-Inseln 1879 führten Auseinandersetzungen über Korea 1894/95 zum Krieg mit China. Im Friedensschluss von Shimonoseki musste China Taiwan an Japan abtreten und auf seine Rechte in Korea verzichten, das 1910 annektiert wurde. 1904 griff Japan die Russen bei Port Arthur (heute Lushun) an.

Der russisch-japanische Krieg (1904/05) endete mit der Niederlage Russlands, das im Frieden von Portsmouth die Halbinsel Liaotung und Südsachalin an Japan abtreten musste.

Weltkriege:

Im Ersten Weltkrieg stand Japan aufseiten der Alliierten und erhielt im Versailler Vertrag die deutsche Kolonie Kiautschou und das Völkerbundmandat über die Karolinen, Marianen und Marshallinseln zugesprochen. 1926 bestieg Kaiser Hirohito den Thron und verstärkte die Expansionspolitik. 1931 besetzte Japan die Mandschurei, 1937 kam es zum Krieg mit China.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs schloss Japan 1940 mit Deutschland und Italien den Dreimächtepakt. Mit dem Überfall auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 trat es in den Krieg gegen die USA ein. Zunächst konnte Japan weite Teile Südostasiens und des pazifischen Raums erobern. Im Juni 1942 kam es zur militärische Wende, aber erst die verheerende Wirkung der US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August) zwangen Japan zur Kapitulation am 2. September 1945. In der Verfassung vom 3. Mai 1947 verzichtete Japan auf Krieg oder Anwendung von Gewalt und wurde eine parlamentarische Monarchie.

Die Weltwirtschaftsmacht:

Im Friedensvertrag von San Francisco 1951 wurde das japanische Gebiet auf die vier japanischen Hauptinseln beschränkt. Die US-amerikanische Besatzungszeit endete 1952, erst 1972 erhielt Japan die Ryukyu-Inseln zurück. Die südlichen Kurilen blieben weiterhin von der UdSSR besetzt. Der wirtschaftliche Wiederaufbau Japans wurde bereits 1953 abgeschlossen. Die 1955 gegründete Liberaldemokratische Partei (LDP) wurde zur beherrschenden politischen Kraft.

In den sechziger Jahren begann der japanische Aufstieg zur globalen Wirtschaftsmacht. Erst 1978 schloss das Land mit China einen Friedens- und Freundschaftsvertrag, der den Kriegszustand formell beendete.

Nachfolger Kaiser Hirohitos wurde 1989 dessen Sohn Akihito Bettmann/ReutersKaiser Akihito mit Kaiserin Michiko. Durch innerparteiliche Querelen geschwächt, musste 1993 die seit 1955 allein regierende LDP für ein Jahr in die Opposition. In der Folgezeit kam es, vor allem durch eine langjährige Wirtschafts- und Finanzkrise, mehrfach zu Wechseln an der Regierungsspitze. 2001 wurde Junichiro Koizumi (LDP) Ministerpräsident. Er konnte im Innern zahlreiche Reformen, zuletzt eine Postreform, durchsetzen. Die Bevölkerung bestätigte seinen Kurs bei den Wahlen 2003 und 2005.

In der Außenpolitik unterstützte Japan im Irak-Konflikt die Haltung der USA. Obwohl Koizumi als erster japanischer Ministerpräsident nach Nordkorea reiste, blieben die Beziehungen zu dem dikatorischen Regime gespannt. 2006 übernahm Shinzo Abe von Koizumi das Amt des LDP-Vorsitzenden und wurde vom Parlament auch zum neuen Regierungschef gewählt. Sein Kabinett verlor durch verschiedene Skandale schnell an Ansehen in der Öffentlichkeit.

Bei den Oberhauswahlen im Juli 2007 musste die LDP eine schwere Niederlage hinnehmen. Nach Abes Rücktritt im September 2007 wurde Yasuo Fukuda (LDP) neuer Ministerpräsident. Vor dem Hintergrund nachlassender Unterstützung seiner Regierung in der Bevölkerung sowie einer sich abschwächenden Konjunktur im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise trat auch Fukuda im September 2008 zurück. Der frühere Außenminister Taro Aso (LDP) übernahm das Amt des Regierungschefs.


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