Iran

Wissenswertes über Iran

Natur und Klima:

Den größten Teil des Landes machen unwegsame Gebirge und hochgelegene, wüstenhafte Becken aus. Das gesamte Gebiet ist stark erdbebengefährdet, denn hier stoßen verschiedene Kontinentalplatten aneinander. Das vergangene große Erdbeben 2003 kostete 35.000 Menschen das Leben und zerstörte die südiranische Stadt Bam.

Das zentrale Hochland wird von zwei mächtigen Hochgebirgssystemen umrahmt: im Norden dem über 5600 Meter aufragenden Elburs und dem Koppeh Dagh an der Grenze zu Turkmenistan; die Südwestflanke bildet das lang gezogene Sagrosgebirge. Beide Gebirgszüge laufen im Nordwesten im gebirgigen Hochland von Aserbaidschan zusammen. Die Wüsten und Steppen des dünn besiedelten, durchschnittlich 1500 Meter hohen Hochlands sind Bestandteil des großen subtropischen Trockengürtels der Alten Welt. Es umfasst im Norden die abflusslose Salztonwüste Kavir (Große Salzwüste) und weiter südöstlich die von Salzsümpfen durchzogene Sand- und Steinwüste Lut. Die Grenze zu Afghanistan und Pakistan im Osten bilden einzelne Bergländer.

Zu den wenigen Gunsträumen des Landes gehören neben den Gebirgstälern und den Randgebieten des Hochlandes das schmale, dicht bewaldete Küstentiefland am Kaspischen Meer und der kleine iranische Anteil an Mesopotamien im Südwesten. Die Küstenregionen am Persischen Golf und am Golf von Oman sind dagegen trocken und vegetationsarm.

Trockenheißes Klima:

Iran hat ein weitgehend kontinentales Klima mit heißen, trockenen Sommern und kalten, ebenfalls trockenen Wintern. Im zentralen Hochland liegen die mittleren Temperaturen im Januar bei zwei Grad, im Juli steigen sie auf 25 bis 30 Grad. Das schmale Elbursgebirge trennt das trockene Hochland, in dem meist weniger als 100 mm Niederschlag pro Jahr fallen, vom immerfeuchten, heißen kaspischen Tiefland, wo die jährlichen Regenmengen bis zu 2000 mm betragen. Die Randgebirge erhalten Niederschläge von 300-600 mm.

Bevölkerung:

Knapp zwei Drittel des Landes sind so gut wie unbewohnt; nur noch wenige Nomaden durchstreifen die Trockengebiete. Die Bevölkerung konzentriert sich im kaspischen Küstentiefland, um die Hauptstadt Teheran und in den westlichen Bergländern.

Nur etwa die Hälfte der Einwohner sind Perser (Irani). Größte Minderheit sind mit mehr als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung die türkischsprachigen Aserbaidschaner (Aseri), die vorwiegend im Nordwesten leben. Südöstlich des Kaspischen Meeres sind noch mehr als eine Million Turkmenen ansässig. Araber leben im Grenzland zum Irak und an der Küste des Persischen Golfs. Ferner gibt es etwa fünf Million Kurden, deren Hauptwohngebiet im nördlichen Teil des Sagrosgebirges und in der Provinz Kurdistan liegt, die Luren und Bachtiaren im zentralen Sagrosgebirge, die Gilaki im kaspischen Tiefland sowie die Belutschen im ostiranischen Grenzgebiet.

Iran ist das einzige muslimische Land, in dem der schiitische Islam Staatsreligion ist. Zum sunnitischen Glauben bekennen sich die meisten Kurden, die Araber, Belutschen und Turkmenen. Die größte nicht-muslimische Minderheit stellen die Christen, vor allem Armenier. Verfolgungen ausgesetzt sind seit der islamischen Revolution die Anhänger des Bahaismus.

Bildung:

Für Kinder ab sechs Jahren besteht eine fünfjährige Grundschulpflicht, die in abgelegenen ländlichen Regionen jedoch nicht überall durchgesetzt wurde. An die Grundschule schließt sich eine bis zu sieben Jahre dauernde Sekundarschulzeit an, die sich in einen drei- und einen vierjährigen Abschnitt teilt. Nach dem Sturz des Schah-Regimes wurde das staatliche Bildungswesen durchgreifend islamisiert und die Koedukation abgeschafft. 16 der insgesamt 37 Universitäten befinden sich in der Hauptstadt Teheran. Zahlreiche Iraner studieren jedoch aufgrund fehlender Ausbildungsmöglichkeiten im Ausland. Die durchschnittliche Analphabetenrate wird auf rund 21 Prozent, bei Frauen auf 27 Prozent geschätzt, dürfte aber auf dem Land höher liegen.

Staat und Politik:

Nach der 1979 verabschiedeten Verfassung (1989 revidiert) ist Iran eine Islamische Republik. Der Führer der islamischen Revolution, der von einem religiösen Sachverständigenrat bestimmt wird, ist nominell die höchste Autorität des Landes. Der Staatspräsident wird für vier Jahre vom Volk gewählt (einmalige Wiederwahl möglich). Er ist Regierungschef und Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates. Die Islamische Beratende Versammlung (Majlis) bildet die Legislative mit 290 Abgeordneten, die ebenfalls für vier Jahre vom Volk gewählt werden.

Parteien spielen im Prozess der politischen Willensbildung nur eine geringe Rolle. Das Parlament wird von religiös-konservativen Kräften dominiert. Seine Beschlüsse werden vom Rat der Wächter des Islams auf ihre Vereinbarkeit mit den religiösen Gesetzen überprüft. Die Amtszeit des Wächterrats beträgt sechs Jahre.

Wirtschaft und Verkehr:

Das starke Wirtschaftswachstum der siebziger Jahre, das vor allem der Ausweitung der Erdölförderung zu verdanken war, schwächte sich durch die islamische Revolution, den ersten Golfkrieg (1980-1988) und aufgrund der außenpolitischen Isolation ab. Inzwischen weist das Land wieder stabile Konjunkturdaten auf. Die iranische Wirtschaft liegt überwiegend in staatlichen Händen und wird nach Fünfjahresplänen gelenkt.

Die Landwirtschaft ist immer noch die Lebensgrundlage für rund ein Viertel der Bevölkerung, obwohl nur knapp zehn Prozent der Landesfläche für den Anbau genutzt werden können, meist mit Hilfe künstlicher Bewässerung. In der fruchtbaren Tiefebene am Kaspischen Meer werden in erster Linie Tee, Reis, Zitrusfrüchte und Baumwolle, im Westen und Nordwesten Getreide, Zuckerrüben, Gemüse, Obst und Ölfrüchte, im Süden auch Zuckerrohr und Datteln angebaut.

Grundlage der iranischen Volkswirtschaft sind die reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen am Südwestrand des Sagrosgebirges sowie am und im Persischen Golf. Fossile Rohstoffe und deren Produkte machen etwa 80 Prozent des Exportwerts aus. Die reichen Erzlagerstätten (Eisen, Kupfer, Chrom, Blei, Zink, Mangan) sind noch wenig erschlossen. Im Industriesektor haben sich neben der Petrochemie und der Textilindustrie die Baustoff- und Metallindustrie sowie der Maschinenbau entwickelt. Von Bedeutung sind auch die Nahrungsmittelverarbeitung und das traditionelle Handwerk, vor allem die Teppichknüpferei.

Das Eisenbahn- und Straßennetz ist auf die Hauptstadt Teheran ausgerichtet. Nahezu alle größeren Städte sind auf asphaltierten Straßen zu erreichen.

Geschichte:

Frühe Reiche:

Der Name Iran taucht erstmals als Eran (Land der Arier) 243 v. Chr. in persischen Königsinschriften auf. Das erste, bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreichende Herrschaftsgebilde im Westen des heutigen Staates war Elam . Der iranische Stamm der Perser ließ sich Anfang des 7. Jahrhundert. v. Chr. in der heutigen Provinz Fars nieder. Der Achämenide (Achämeniden) Kyros II. begründete mit dem Sieg über den Mederkönig Astyages (550 v. Chr.) die Vormachtstellung der Perser im Vorderen Orient. Er erweiterte das Reich durch seinen Sieg über den Lyderkönig Krösus (547 v. Chr.) und über Babylonien (539 v. Chr.). Dareios I. (521- 485 v. Chr.) unterwarf die griechischen Kolonien in Kleinasien und Makedonien. Seine Niederlage bei Marathon (490 v. Chr.) verhinderte ein weiteres Vordringen der Perser nach Westen.

Seine Nachfolger Xerxes I. und Artaxerxes verloren in den Perserkriegen (490-479 v. Chr.) die griechischen Gebiete. Unter dem letzten Achämeniden Dareios III. wurde das Perserreich von Alexander dem Großen nach der Schlacht von Gaugamela vernichtet. In der Nachfolge Alexanders übernahmen die Seleukiden die Macht. Sie wurden von der parthische Arsakidendynastie abgelöst, die bis 224 n. Chr. herrschte. 224 begründete Ardaschir I. die Herrschaft der Sassaniden mit zarathustrischer Staatsreligion.

Islamisierung, Safawiden und Kadscharen:

642 zerbrach das Sassanidenreich unter dem Ansturm der islamischen Araber. Im 11. Jahrhundert unterwarfen die türkischen Seldschuken Persien. Der Einfall der Mongolen unter Hülägü 1256-1258 vernichtete das mittelalterliche persische Reich. 1502 schuf Ismail I., ursprünglich Meister eines religiösen Ordens, das Neupersische Reich; er begründete die Herrschaft der Safawiden. Unter ihm wurde die schiitische Form des Islams Staatsreligion. Aus späteren Wirren ging der Kadschare Aga Mohammed (1786-1797) als Sieger hervor. Unter dem Kadscharen FathAli (1797-1834) musste Iran große Gebiete an Russland abtreten. 1907 teilten Großbritannien und Russland Iran in eine russische (nördliche) und eine englische (südliche) Interessensphäre. 1919 sicherte sich Großbritannien vertraglich die Schutzherrschaft über Iran.

Schah-Regime und islamische Revolution:

1921 unternahm Riza Schah Pahlewi einen Staatsstreich. Er setzte 1925 den letzten Kadscharen Ahmed ab und ließ sich zum Schah ausrufen. 1941 besetzten britische und sowjetische Truppen das Land, und der mit Deutschland sympathisierende Schah musste zurücktreten. Nachfolger wurde sein Sohn Mohammed Riza Pahlewi. Die steigenden Öleinnahmen nutzte der Schah zu Rüstungskäufen und zu einer überstürzten Industrialisierung, die die sozialen Spannungen verschärfte. Widerstand gegen die "Verwestlichung" erhob sich besonders bei den gläubigen Schiiten. Seit 1978 kam es zu Unruhen, die zum Sturz der Monarchie führten und den Schah 1979 zum Verlassen des Landes zwangen.

Der Schiitenführer Ajatollah Ruhollah Chomeini proklamierte am 1. April 1979 die Islamische Republik Iran und errichtete eine theokratische Herrschaft. Zu einem schweren Konflikt mit den USA kam es dadurch, dass 1979-1981 das Personal der US-Botschaft in Geiselhaft gehalten wurde. 1980 brach durch einen irakischen Angriff der Golfkrieg aus, der 1988 durch einen Waffenstillstand beendet wurde.

1989 starb Chomeini. Die religiöse Führerschaft übernahm Ali Chamenei. Staatspräsident wurde Ali Akbar Haschemi Rafsandschani. 1997 wählte die Bevölkerung den als gemäßigt geltenden Mohammed Chatami zu seinem Nachfolger (Wiederwahl 2001). Die an ihn geknüpften Hoffnungen auf eine Liberalisierung erfüllten sich jedoch nicht. Die Präsidentschaftswahlen 2005 gewann der religiös-orthodoxe Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadinedschad.

In der Außenpolitik verschlechterten sich die Beziehungen zu den USA und zur EU durch das umstrittene iranische Atomprogramm. Wegen dieses Programms verhängte der Uno-Sicherheitsrat im Dezember 2006 Sanktionen gegen Iran. 2007 wies Iran als einziges Land eine Resolution der Uno-Vollversammlung zurück, die das Leugnen des Holocaust verurteilte. Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2008 wurden - wie schon bei früheren Wahlen - zahlreiche reformorientierte Kandidaten vom Urnengang ausgeschlossen. Das Lager der Konservativen, gespalten in Anhänger Ahmadinedschads und Pragmatiker, ging aus diesen Wahlen gestärkt hervor. Nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 wurde Amtsinhaber Ahmadinedschad von der Wahlbehörde zum Sieger erklärt.

Die unterlegenen Gegenkandidaten, unter anderem Mir Hossein Mussawi, äußerten den Verdacht der Wahlmanipulation. Es kam zu massiven Protestkundgebungen der Opposition gegen das offizielle Wahlergebnis. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Teheran wurden mehrere Menschen getötet.