Irak

Wissenswertes über Irak

Natur und Klima:

Der Irak besteht aus drei Großlandschaften: Gebirge im Norden und Nordosten, bei Bewässerung fruchtbares Schwemmland in der Mitte und wüstenhaftes Tafelland im Westen und Südwesten. Das von Euphrat und Tigris begrenzte Zwischenstromland (griechisch Mesopotamien) ist ein trockenes Steppenland, dem nur mit künstlicher Bewässerung Ackerland abgerungen werden kann. Südlich von Bagdad schließt sich ein ausgedehntes Schwemmland mit zahlreichen Sümpfen, Seen und trockenen Salztonebenen an. Bei Basrah vereinigen sich Euphrat und Tigris zum Shatt al-Arab, der als 150 Kilometer langer Grenzfluss zu Iran in den Persischen Golf mündet.

Westlich und südlich des Euphrats erstreckt sich ein weites und karges Tafelland, das zur Syrischen Wüste gehört. Etwa fünf Prozent der Landesfläche sind vegetationslose Vollwüsten. Der Nordosten ist ein aus den Kettengebirgen Taurus und Sagrosgebirge bestehendes, mit lichtem Laubwald bestandenes Bergland, in dem zahlreiche wasserreiche Flüsse ihre Quellen haben.

Subtropisches Trockenklima:

Nur in den Gebirgen im Nordosten fallen mit 800 mm im Jahr genügend Niederschläge, um Regenfeldbau zu betreiben. In Mesopotamien sinken die Niederschläge rasch auf Jahreswerte unter 300 mm ab, in den Wüstenregionen liegen sie unter 150 mm. In den Sommermonaten fällt überhaupt kein Regen. Am Shatt al-Arab kann es wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sehr schwül werden. Die mittleren Julitemperaturen liegen mit Ausnahme der Gebirgsregion bei deutlich über 30 Grad, die mittleren Januartemperaturen dagegen nur bei zehn Grad mit gelegentlichen Nachtfrösten (vor allem im Bergland). Gefürchtet ist der im Sommer wehende Nordostwind Schemal, der oft zu einem Sandsturm anwächst.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung besteht zu 80 Prozent aus Arabern. Arabischer Herkunft sind auch die Beduinen und die Madan. Im gebirgigen Norden des Landes leben die Kurden, die mit mehr als drei Millionen Angehörigen die größte ethnische Minderheit stellen.

95 Prozent der Iraker sind Muslime, davon zwei Drittel Schiiten, die vor allem südlich von Bagdad leben und bis zum Ende der Diktatur Saddam Husseins benachteiligt wurden. Die Sunniten bevölkern hauptsächlich den Norden des Landes; auch die Kurden gehören dieser islamischen Glaubensrichtung an. Die etwa vier Prozent Christen sind vorwiegend Anhänger alter orientalischer Kirchen. Nahe der Grenze zur Türkei liegt das Siedlungsgebiet der etwa 60.000 kurdischstämmigen Yeziden, deren Glaube Elemente des Islams, des Christentums und der altiranischen Lehre des Zarathustra enthält.

Fast alle Iraker leben in den Landesteilen östlich des Euphrat; Über ein Fünftel der Bevölkerung konzentriert sich im Raum Bagdad. Die Wüstengebiete sind fast menschenleer.

Bildung:

Für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr besteht zwar Schulpflicht, aber das Bildungssystem hat vor allem in den ländlichen Gebieten einen sehr niedrigen Standard. Wegen der schlechten Bezahlung gibt es viel zu wenige Lehrer und Hochschuldozenten. Nur noch die Hälfte der Altersgruppe von 6 bis 23 Jahren besucht überhaupt eine Bildungseinrichtung. Nachdem die Kosten für Arbeitsmaterialien (außer Büchern) von den Eltern übernommen werden müssen, gehen viele Kinder gar nicht mehr zur Schule. Entsprechend hoch ist die Analphabetenrate bei den über 15-Jährigen (42 Prozent). Universitäten gibt es in Bagdad (drei), Mosul, Sulaymaniyah und Basrah.

Staat und Politik:

Nach der 2005 angenommenen Verfassung ist Irak eine parlamentarische Bundesrepublik. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident mit im Wesentlichen repräsentativen Befugnissen. Zusammen mit dem Ministerpräsident und dem Kabinett bildet er die Exekutive. Das Zweikammerparlament besteht aus dem Rat der Volksvertreter mit 275 für vier Jahre gewählten Abgeordneten und einem noch zu schaffenden Rat der Union aus Vertretern der Provinzen und Regionen. Diese verfügen über weitgehende Autonomierechte.

Die Vereinigte Irakische Allianz, ein Bündnis schiitischer Gruppierungen, ist die stärkste Kraft im Rat der Volksvertreter. Die Interessen der Kurden vertritt die Demokratisch-Patriotische Front Kurdistans. Die Sunniten werden von der Irakischen Einheitsfront vertreten. Die Irakische Nationale Liste versteht sich als Alternative zu ethnisch oder religiös gebundenen Parteien.

Wirtschaft und Verkehr:

Das Wirtschaftsleben im Irak war durch die kriegerischen Auseinandersetzungen (Golfkriege, Irak-Krieg) größtenteils zum Erliegen gekommen. Grundlage des Wiederaufbaus sind internationale Kredite und die Erdölwirtschaft.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ist seit Jahren unzureichend. Mit Ausnahme des Nordostens ist die Landwirtschaft überwiegend nur mit Hilfe künstlicher Bewässerung möglich. Mit großen Bewässerungsprojekten wurden Trockengebiete für den Nahrungsmittelanbau erschlossen; sie sind jedoch zunehmend von Bodenversalzung bedroht. Bei der Bewässerung ist das Land auf das Wasser von Euphrat und Tigris angewiesen, das durch große Staudämme in der Türkei und in Syrien immer knapper wird. Wichtige Anbauprodukte sind Weizen, Gerste und Reis (im Süden) sowie Baumwolle, Sesam und Tabak. Ausgedehnte Dattel- und Zitrushaine finden sich entlang der Flüsse und Kanäle.

In den siebziger Jahren hatte der Irak infolge seines Erdölreichtums ein starkes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Mit über 15 Milliarden Tonnen sicherer Reserven gehört das Land zu den erdölreichsten Ländern der Welt. Die größten Vorkommen liegen am nordöstlichen Gebirgsrand und in der Wüste westlich von Basrah. Die Industrie verarbeitet vorwiegend Erdöl und landwirtschaftliche Produkte. Bagdad und Basrah sind die wichtigsten Standorte.

Mittelpunkt des durch die Kriege ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen Verkehrsnetzes ist Bagdad. Nach den beiden Golfkriegen ist die Bedeutung des Straßenverkehrs zulasten der Eisenbahn gestiegen. Die wichtigste Bahnlinie ist der Endabschnitt der Bagdad-Bahn von Bagdad bis Basrah und Umm-Qasr, dem Tiefwasserhafen an der Grenze zu Kuwait. Kaum noch eine Rolle spielt die ehemals bedeutende Binnenschifffahrt auf dem Euphrat und dem 1992 eröffneten Tigris-Kanal.

Geschichte:

Mesopotamien und Islamisierung:

Im 4. Jahrtausend v. Chr. war Mesopotamien, das auch das Gebiet des heutigen Irak umfasste, von den Sumerern bewohnt. Die semitischen Akkader (seit dem 3. Jahrtausend) gründeten die Reiche Babylonien und Assyrien. Nachdem Kyros II. 539 v. Chr. Babylonien erobert hatte, gehörte die Region zum Perserreich. Unter den Sassaniden (227-642 n. Chr.) war sie dessen politisches, wirtschaftliches und kulturelles Kerngebiet mit der Hauptstadt Ktesiphon.

Im 7. Jahrhundert eroberten islamischen Araber das Land. 750 machten es die Abbasiden-Kalifen zur Zentralprovinz des Islamischen Reichs und erhoben 762 Bagdad zur Residenz. Nach der Eroberung durch die Mongolen (Ilchane) 1258 setzte ein politischer und wirtschaftlicher Niedergang ein. 1534 eroberten die Türken Bagdad, verloren es 1623 an die persischen Safawiden, konnten dann aber 1638 ganz Irak dem Osmanischen Reich angliedern.

Unabhängigkeit und Hussein-Regime:

Im Ersten Weltkrieg besetzten britische Soldaten das Land. 1921 wurde es britisches Mandatsgebiet und Faisal I. aus der arabischen Haschemitendynastie zum König gekrönt. Die britische Dominanz blieb trotz der nominellen Selbständigkeit des Irak nach Auslaufen des Völkerbundmandats 1932 zunächst bestehen.

In der Revolution von 1958 kamen König Faisal II. , der Kronprinz und der Ministerpräsident Nuri As Said ums Leben. Die unter General Abd al-Karim Kassem gebildete Regierung lehnte sich an die UdSSR an.

1961 versuchten die Kurden erstmals, ihre Forderung nach Autonomie in einem Aufstand durchzusetzen. 1968 kam durch Staatsstreich die Baath-Partei an die Macht. 1979 wurde Saddam Hussein Staatspräsident. Unter seiner Regierung kam es 1980 zum Krieg mit Iran (erster Golfkrieg ), der erst 1988 mit einem Waffenstillstand beendet wurde. 1990 annektierte Irak das Emirat Kuwait und erklärte es zur 19. irakischen Provinz. Die USA und andere Länder entsandten Truppen in das Krisengebiet.

Am 17. Januar 1991 begann die militärische Auseinandersetzung (zweiter Golfkrieg ), die am 28. Februar 1991 mit einer völligen irakischen Niederlage endete. Irak musste sich unter anderem zum Rückzug aus Kuwait und zum Verzicht auf ABC-Waffen verpflichten. Aufstände schiitischer und kurdischer Widerstandsgruppen gegen das Hussein-Regime, das seine Macht konsolidierte, blieben erfolglos. In der Folgezeit verschärften sich die Spannungen mit den USA insbesondere über die Uno-Waffeninspektionen.

Irak-Krieg und Demokratisierung:

Auf Drängen der USA verabschiedete der Uno-Sicherheitsrat am 8. November 2002 eine verschärfte Resolution zur Durchführung von Waffeninspektionen. Da die Bush-Regierung die Kooperationsbemühungen als nicht ausreichend ansah, beendeten die USA mit hauptsächlich britischer Unterstützung 2003 durch den Irak-Krieg die Herrschaft Saddam Husseins. Der Uno-Sicherheitsrat verabschiedete eine Resolution, mit der das Besatzungsregime der USA und Großbritanniens anerkannt wurde. Am 14. Dezember 2003 konnte der untergetauchte Saddam Hussein aufgespürt und verhaftet werden.

2004 übertrugen die Besatzungsmächte die politische Souveränität auf eine irakische Übergangsregierung. Unruhen im sunnitischen Zentrum Iraks, Selbstmordanschläge islamistischer Terroristen, Geiselnahmen sowie militärische Auseinandersetzungen mit radikalen Schiiten erschwerten eine politische Stabilisierung. Trotzdem fanden im Januar 2005 erstmals seit mehr als 50 Jahren freie Wahlen statt. Das Übergangsparlament erarbeitete eine neue Verfassung, auf deren Basis im Dezember 2005 neuerliche Wahlen durchgeführt wurden, die die schiitischen Gruppierung Vereinigte Irakische Allianz gewann.

Staatspräsident wurde 2005 Dschalal Talabani, Ministerpräsident an der Spitze einer Regierung der nationalen Einheit 2006 Nuri al-Maliki. Saddam Hussein wurde 2006 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die Sicherheitslage blieb prekär. Gefechte zwischen Aufständischen und multinationalen Verbänden bzw. Regierungseinheiten sowie Terroranschläge forderten eine erhebliche Zahl von Todesopfern. Der notwendige wirtschaftliche Aufbau wurde dadurch blockiert. Aufgrund dieser Entwicklung beschloss die US-amerikanische Regierung 2007, ihre Truppen im Irak massiv zu verstärken. Im Dezember 2007 übernahmen die irakischen Streitkräfte von Großbritannien die Kontrolle über die südliche Provinz Basrah. Hier kam es im März/April 2008 zu militärischen Auseinandersetzungen mit der schiitischen Mahdi-Miliz.

Das irakische Parlament billigte im November 2008 ein Sicherheitsabkommen mit den USA, in dem der Rückzug der US-amerikanischen Truppen bis Ende 2011 festgelegt wurde.